Archiv für den Monat November 2013

Limitationen – wenn die Krankenkasse Einschränkungen macht

Im Normalfall ist es in der Schweiz ziemlich einfach zu sagen, wann und was die Krankenkasse bezahlt.

Aber dann gibt es ein paar Dinge, wo das dann trotzdem nicht ganz so eindeutig ist.

Das ist für uns ein bisschen wie in der Schule, wenn man die Ausnahmen lernen und wissen muss – denn der Computer zeigt die häufig nicht von alleine an. Da steht dann bei der Bezahlart SL (geht über die Grundversicherung) oder NLP (geht über die Zusatzversicherung), obwohl das nur unter ganz spezifischen Voraussetzungen gilt.

Das nennt sich Limitationen – Beschränkungen, was den Bezug angeht.

Die Krankenkasse bezahlt zum Beispiel dann nur, wenn vorher Alternativen ausprobiert wurden, oder wenn die Diagnose genau dafür stimmt –oder von einem bestimmten Facharzt gestellt wurde … und manches ist in der Bezugsmenge beschränkt.

Beispiele:

Circadian: Melatonin, ein Schlafmittel. Aber: es wird erst bezahlt (von der Zusatzversicherung), wenn der Patient über 55 Jahre alt ist.

Xenical: Orlistat, ein Mittel zum Abnehmen. Nur bezahlt, wenn mindestens BMI 35. Nur für die Behandlung von adipösen Patienten. Die Behandlung muss nach 6 Monaten abgebrochen werden, wenn der Gewichtsverlust nicht mindestens 10% des Körpergewichts zu Beginn der Medikation beträgt. Bei Erreichen des Ziels wird die Therapie bis auf maximal 2 Jahre verlängert. Vorgängige Kostengutsprache durch den Vertrauensarzt des Krankenversicherers.

Bioflorin: Probiotikum. Nur SL und wurde bezahlt für Kinder und wenn vom Kinderarzt verschrieben. Sonst NLP – Achtung: Seit neustem stimmt das nicht mehr. Von jetzt an ist das grundsätzlich nur von derZusatzversicherung übernommen.

Viagra, Cialis, Levitra und Generika: NLP im Computer, also eigentlich via Zusatzversicherung: Aber grundsätzlich von den Kassen nicht bezahlt, da die das dann einzeln auf ihren Listen als Medikamente, die nicht bezahlt werden führen.

und dann gibt es noch die Mengenmässige Limitation:

Lexotanil (und andere Beruhigungsmittel): Da steht zum Beispiel: Gesamthaft zugelassen 120 Punkte – und eine 30er Packung entspricht 20, eine 100er 40 Punkte. Das heisst in 3 Monaten werden maximal 300 Tabletten bezahlt.

Paragol: Paraffinum liquidum, (und andere Mittel gegen Verstopfung). Gesamthaft zugelassen 2 Kleinpackungen oder 1 Grosspackung. Von dieser Beschränkung ist die Behandlung der Obstipation aufgrund von Opioidtherapie, von Parkinsontherapie sowie diejenige der Obstipation von Patienten, die Antidepressiva oder Neuroleptika unterstellt sind, ausgenommen. Im Weiteren sind davon ausgenommen Para- und Tetraplegiker. 

Antidry Mandelöl Lotio (Hautlotio für trockene, empfindliche Haut). Mengenmässige Limitation: Gesamthaft zugelassen 60 Punkte. 200ml sind 30 und 500ml schon 50 Punkte. Das heisst in 3 Monaten werden maximal 2 kleine oder 1 grosse Packung übernommen.

….

Und wenn das mit der Mengenmässigen Limitation bei Ihnen der Fall ist, dann nützt es auch gar nichts, wenn Sie (sobald Sie die Info in der einen Apotheke bekommen, dass die Krankenkasse da wohl nicht mehr alles dran zahlt), dann die Apotheke wechseln.

Das stellt den „Zähler“ nicht auf Null zurück.

Und die neue Apotheke kann auch nicht wissen, wieviel Sie schon bezogen haben.

Die Krankenkasse, bei der die ganzen Rechnungen einlaufen allerdings weiss das.

Also bekommen sie (trotzdem) eine Rechnung von der Krankenkasse.

….

Übrigens: wenn man Ihnen das sagt und fragt, warum sie jetzt schon wieder 3 Flaschen Körperlotion brauchen, da sie erst vor 2 Wochen 2 bezogen haben, hilft es auch nicht so nebenbei zu erwähnen, dass sie (mindestens) eine der Flaschen an ihre Freundin verschenkt haben … 🙂

Ja – ich glaube genau das ist der Grund, warum die Krankenkasse so Mengen-Limitationen wohl überhaupt eingeführt hat.

Bitte separat verpacken

Der Mann schimpft mit meiner Pharmaassistentin, weil sie die Medikamente für ihn und für seine Frau in die gleiche Tasche gepackt hat:

„Das könnte zu Medikationsfehlern führen!“

(Ui, lieben wir nicht alle Fachwörter?)

Anzumerken vielleicht noch: Er hat ihr die Rezepte für beide gegeben. Ich stehe noch daneben – ich habe die Rezepte ja gerade kontrolliert.

Pharmama: „Auf den Medikamenten sind die Dosierungsetiketten mit den Namen drauf. Ich bin sicher, Sie können sie so auseinanderhalten. Aber wenn Sie wollen, geben wir sie ihnen gerne in 2 Taschen mit?“

Mann: "Nein, schon gut. Das geht so."

Kurze Gesundheitsdurchsage

Durchfall mit einem Klistier zu behandeln ist nicht dasselbe wie Feuer mit Feuer bekämpfen!

Danke für die Kenntnisnahme.

Weitermachen.

Apotheken aus aller Welt, 432: Florenz, Italien

besten Dank an jan von Psychiatrie to go dass er in seinen Ferien an uns gedacht hat:

ich schicke Dir hier zwei Bilder aus dem Hauptbahnhof von Florenz, Florenz Santa Maria Novella. Das zweite Bild zeigt die Vorderansicht der Apotheke, das erste Bild zeigt die Seitenansicht, die der Altstadt zugewandt ist. Sie besteht ausschließlich aus einem Kondomautomaten. Für diese sehr romantische Stadt ein ausgezeichnet genutzter Platz!

jan

florenz1 florenz2

Man reiche mir das Desinfektionsmittel!

Bitte – es ist gut, wenn Sie die Hand vor den Mund halten, wenn sie Husten müssen.

Noch besser wäre die Ellenbeuge, Aber: Bitte – husten Sie nicht in das Rezept und reichen es mir dann mit der Erklärung:

„Ich habe eine üble Lungenentzündung!“

Brrr..

Gewichtslimite für die Wirkung der „Pille danach“?

Hmmm … so wie sich das liest, werde ich wohl demnächst eine neue Frage zu unserem Fragenkatalog vor der Abgabe der Pille danach hinzufügen müssen:

„Wieviel wiegen sie?“

Der Hersteller eines der Medikamente mit dem Inhaltsstoff Levonorgestrel – zu dem auch das Norlevo bei uns Unofem/PiDaNa in Deutschland, Vikela in Österreich gehören, hat herausgefunden, dass die Wirkung der Pille danach bei Frauen mit höherem Gewicht abnimmt. Deshalb sollen jetzt die Packungsbeilagen angepasst werden.

Aufgefallen ist Anna Glasier, einer Professorin für Gynäkologie an der Universität von Edinburgh, dass offenbar Frauen mit höherem BMI mehr Versager aufwiesen (Studie hier). Danach war das Risiko einer Schwangerschaft mehr als 3 x höher bei übergewichtigen Frauen gegenüber Frauen mit einem normalen BMI.

Aber der BMI ist nicht einmal die neue Limite – da geht es um das Körpergewicht alleine. Danach soll (so oder ähnlich) in den neuen Packungsbeilagen stehen:

Studien zeigen Hinweise, dass Norlevo weniger wirksam ist bei Frauen, die 165 Pfund/75 kg oder mehr wiegen und nicht wirksam ist in Frauen die 176 Pfund/ 80 kg oder mehr wiegen

Umm. Das finde ich jetzt eher beunruhigend. 75kg oder 80kg ist noch nicht soooo viel. Für Amerikaner ist das tatsächlich Durchschnittsgewicht (166 Pfund/75kg) für Schweizerinnen ist das niedriger (ca. 63kg) … trotzdem gibt es da genug, wo ich dann sagen müsste: „Es kann gut sein, dass das bei ihnen nicht so funktioniert, wie es soll. Sie sollten sich zum Frauenarzt begeben für die mechanische Methode.“

Die „Spirale danach“, die kann bis 5 Tage nachher eingesetzt werden und verhindert >99% der Schwangerschaften – braucht aber eben einen Arzt und macht teils Schmierblutungen, Schmerzen etc.

Das ist schade – ist die „Pille danach“ doch sonst eine wirklich einfache, sichere Methode … – und offenbar reicht es auch nicht, da mit der Dosierung nach oben zu gehen.

UPDATE April 2014:

Im übrigen: der eventuelle Wirkungsverlust bei übergewichtigen Frauen sieht der EMA respektive dessen Committee for Medicinal Products for Human Use als nicht erwiesen an und kommt zum Schluss, dass Gewichtseinschränkungen für Levonorgestrel und Ulipristalacetat nicht gerechtfertigt sind. Siehe hier:  http://www.ema.europa.eu/ema/index.jsp?curl=pages/news_and_events/news/2014/07/news_detail_002145.jsp&mid=WC0b01ac058004d5c1

Demnach kann die Pille danach auch weiterhin an übergewichtige Frauen abgegeben werden. Wichtig ist jedoch eine möglichst baldige Einnahme nach dem Geschlechtsverkehr. Im Zweifel und als Alternative gibt es auch noch die Möglichkeit beim Frauenarzt eine Kupferspirale einsetzen zu lassen.

Kostenvoranschlag vom Arzt?

Der Arzt hat auf Rezept eine Salbe zum herstellen aufgeschrieben.

"Wieviel kostet das?" will der Patient wissen – und ich gebe ihm eine grobe Schätzung anhand Inhaltsstoffe und Arbeit: Ca. 40 Franken.

"Was? Aber der Arzt hat gesagt, das soll nur um die 20 Franken kosten!"

Ich gebe ihm das Rezept zurück: "Dann lassen Sie das doch den Arzt herstellen."

Patient etwas bescheidener: "Ich glaube das kann er nicht."

Pharmama: "Ja – das liegt nicht in seiner Kompetenz … und er kann auch nicht sagen, wieviel das kostet. Ich gehe ja auch nicht hin und sage: 'Mit ihrer Blasenentzündung sollten sie zum Arzt gehen, die Untersuchung, Diagnose und das Ausstellen des Rezeptes sollte nicht mehr als 20 Franken kosten'."

Oder?

Ich durfte die Salbe dann herstellen.

Forever War – der ewige Krieg

Der ewige Krieg – und er ist tatsächlich fast ewig: über tausend Jahre. Nur nicht für den Protagonisten Mandella, der das von Anfang an erlebt – dank der Relativität der Zeit, die beim Reisen durch den Raum auftritt.

Das Buch startet 1997 – Die Menschheit hat relativ kurz vorher eine Möglichkeit gefunden, weit und schnell durch den Raum zu reisen und ihn zu besiedeln (Dank sogenannten Kollapsaren und Portal-Planeten), sind dabei auf Ausserirdische gestossen – und die sind offensichtlich nicht friedlich. Darum werden auf der Erde aus den Universitäten die besten Köpfe ins Militär rekrutiert und für die Verteidigung der besetzten Planeten und den Kampf gegen die Ausserirdischen („Taurans“ genannt) ausgebildet. Dabei weiss man noch kaum etwas von ihnen, ausser dass sie ebenfalls die Raumfahrt gefunden haben.

Durch die Augen von Mandella sieht man, wie blöd und furchtbar so ein Krieg ist. Die Umwelt (der Weltraum) ist lebensfeindlich, man wird ausgebildet aber ohne Hintergrundwissen losgeschickt um strategische Aufgaben zu erfüllen, Stationen zu errichten und zu verteidigen, feindliche Stationen einzunehmen und eventuell einen Tauran zu Forschungszwecken zu erwischen … und all das kostet Leben. Und Zeit.

Aber Mandella findet daneben auch Freundschaft – und eventuell Liebe: Marygay. Feste Beziehungen im Militär werden zwar nicht gerne gesehen – sind aber möglich.

Als grösstes Problem stellt sich die Zeitverschiebung heraus. Anfangs scheint sich das noch zu seinen Gunsten auszuwirken – man muss nur 20 Jahre in der Armee verbringen –Erdzeit.

Bei der ersten Rückkehr zur Erde 2023 -Monate nach Eintritt in die Armee für Mandella – sind dort 26 Jahre vergangen. Die Zeit blieb nicht stehen, es wurde weiterentwickelt (Waffen, Ausrüstung, Technologie) und die Umstände ändern sich.

Jetzt können sie aus der Armee austreten – Sold haben sie genug bekommen (plus Zins), aber … die meisten, die sie von früher kannten sind jetzt entweder viel älter oder schon tot. Homosexualität wird von den Regierungen unterstützt – um der Überbevölkerung entgegenzuwirken. Geld … gibt es so auch nicht mehr, man zahlt in Lebensmittelpunkten und man bekommt nur solange man jung ist Zugang zum Gesundheitssystem. Nach einer Weile merken die „Veteranen“, wie sie nicht mehr hineinpassen – und viele melden sich deshalb wieder ins Militär. So auch Mandella und Marygay … unter der Voraussetzung, dass sie zusammenbleiben dürfen und nicht direkt in den Kampf geschickt werden.

Doch genau das passiert. Noch weiter weg als bisher. Inzwischen ist es um 2100

Mandalla und Marygay werden bei einer Kampfhandlung verletzt: Mandella verliert ein Bein, Marygay einen Arm. Sie werden auf Heaven, einen geheimen erdähnlichen Planeten geschickt, wo sie neue Glieder bekommen und sich erholen können – bevor sie befördert und wieder in Kampfhandlungen geschickt werden.

Getrennt dieses Mal. Und wegen der unterschiedlichen Ziele würden sie auch durch Jahre der Zeit getrennt sein – eine Trennung für immer.

Mandalla bekommt die nötigen Informationen und Erfahrungen eingepflanzt um ein Kommandant zu sein und reist zum nächsten Einsatz- dem entferntesten Collapsar überhaupt, um dort eine Station zu bauen. Erdzeit ca. 2400. Heterosexualität gilt inzwischen als (behandelbare) emotionale Disfunktion, als Krankheit, Kinder werden in künstlichen Gebärmüttern herangezüchtet, die ganze Gesellschaft ist auf den ewigen Krieg ausgerichtet. Mandella ist damit so ziemlich der einzige heterosexuelle … der sich auch nicht behandeln lassen will. Ein Relikt aus vergangenen Zeiten, obwohl selber noch nicht einmal 30 Jahre alt. Damit wird er zusätzlich zum Aussenseiter, auch wenn er ein paar Freunde findet unter der neuen Mannschaft.

Auf dem unwirtlichen Planeten am anderen Ende des Collapsars angekommen, erbauen sie die neue Station … dann heisst es warten und sie gegen eventuell auftauchende Tauraner zu verteidigen. Die kommen dann tatsächlich … mit Masse und neuen Technologien. Mit Mühe und einer üblen Finte überleben es Mandella und ein Teil der Soldaten und beschliessen eigenständig den Rückzug. Kommunikation ist über diese Entfernungen nicht möglich. 340 Jahre später (aber nur ein paar Wochen für sie) treffen sie auf Stargate ein – dem ursprünglichen Kollapsar … und bekommen ein Briefing über die aktuelle Situation.

Der Krieg ist vorbei. Tatsächlich endete er 221 Jahre vorher Inzwischen ist es das Jahr 3138. Sie sind die letzten Soldaten, die zurückkommen.

Die Menschheit besteht nur noch aus Klonen – einem perfekten weiblichen Klon und einem perfekten männlichen Klon. Neue Individuen gibt es nur, wenn alte sterben und alle sind im Bewusstsein miteinander verbunden. Für die Veteranen gibt es spezielle Planeten, auf denen sie leben können, wie sie es gewohnt waren. Ach ja und: Der 1143 Jahre lange Krieg war unnötig.

Die Erklärung fand ich super – die muss man aber selber lesen.

Aber das beste: Maragay, deren Einsatz 300 Jahre vorher endete hat Mandella eine Nachricht in seinen militärischen Unterlagen hinterlassen. Und die spricht von Hoffnung …

Ich fand das Buch toll. Sollte die Menschheit wirklich einmal so in den Weltraum reisen, ist das Problem der relativen Zeitverschiebung ein nicht zu vernachlässigendes. Und ich habe noch kein Buch getroffen, das das Problem derart gut zeigen kann. Zeit kann genau so eine Grenze sein, wie räumlicher Abstand. Und die Dinge (viel!) verändern sich mit der Zeit. Sogar Menschliche Beziehungen und der Mensch selber … 1970 geschrieben hat das Buch nichts verloren.

Krieg ist nie schön – aber dieses Buch demonstriert wunderbar wie unnötig, unmenschlich, unlogisch, stumpfsinnig, grausam das auch ist.

Manches Mal musste ich mich deshalb fast zwingen, weiterzulesen. Es hat sich aber gelohnt. 5 Sterne für dieses Buch!

 

Salz und Bluthochdruck und Medikamente?

Die Kochsalzanteile Natrium und Chlorid haben beide eine Bedeutung im Stoffwechsel und wir brauchen eine minimale Zufuhr … allerdings schmeckt uns Salz auch sehr, weshalb es sehr häufig in unseren Lebensmitteln enthalten ist.

Und das ist nicht immer gut. Man verbindet heute Kochsalzzufuhr und Bluthochdruck. Dabei gilt das nicht für alle Personen.

Hypertoniker sind häufiger salzempfindlich als Personen mit normalem Blutdruck. Auch ältere Menschen (>65 Jahre) Personen mit Übergewicht und Patienten mit niedrigen Reninwerten wie Afroamerikaner, Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und Diabetiker reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen der Natriumzufuhr. Da es schwierig ist, die Salzempfindlichkeit im Einzelfall klinisch gestzulegen, ist es sinnvoller Strategien zur Verminderung der Kochsalzzufuhr bei der Gesamtbevölkerung zu entwickeln. (Quelle: BAG)

… das erklärt, warum in vielen Ländern Bestrebungen im Gange sind, den Salzgehalt von Lebensmitteln (hauptsächlich Fertiggerichte, Backwaren, Wurstprodukte etc.) einzuschränken. Ziel ist laut WHO ein Kochsalzkonsum von weniger als 5 g pro Person und Tag. In der Schweiz sind wir mit 9g noch deutlich darüber.

Der Blutdruck lässt sich bei ungefähr der Hälfte aller Hypertoniker durch eine eingeschränkte Kochsalzzufuhr regulieren. Diese Personen werden als salzsensitiv vezeichnet. Eine Kochsalzaufnahme von ca. 6g pro Tag (entspricht 2400mg Natrium pro Tag) ist erstrebenswert. Ein Kilo Brot enthält beispielsweise ca. 10g Kochsalz.

In einem Gramm Kochsalz sind ca. 400mg Natrium und 600mg Chlorid enthalten. Ob Bluthochdruck nur durch Kochsalz oder auch durch andere Natriumsalze gervorgerufen wird, ist weitgehend umstritten. Vermutlich ist es weniger die Natriumaufnahme alleine, die erhöhten Blutdruck verursacht, als vielmehr das Verhältnis zwischen Natrium und Kalium in den verschiedenen Lebensmitteln oder auch Medikamenten. So bringt ein hohes Natrium-Kalium-Verhältnis (also viel Natrium, wenig Kalium) selbst bei Personen mit normalem Blutdruck eine Blutdrucksteigerung mit sich. Dagegen fördert eine Erhöhung der Kaliumaufnahme, also ein hohes Kalium-Natrium-Verhältnis (viel Kalium, wenig Natrium) die Blutdrucksenkung. Der positive Effekt auf den Blutdruck einer kaliumreichen Ernährung ist auf eine vermehrte Natrium- und Wasserausscheidung über die Niere zurückzuführen.

Aber wir nehmen nicht nur via Lebensmittel Natriumchlorid (Kochsalz) zu uns. Auch via Medikamente … und das kann nicht unerheblich sein, wie dieser spannende Fall beschreibt:

Ein in der Literatur (Britisch medical journal) beschriebener Fall einer 58-jährigen Patientin verlief eindrücklich:

Vermutlich durch die sechs mal tägliche Einnahme von 500 mg Paracetamol (Panadol®) in Brausetablettenform kam es zum Blutdruckanstieg bis auf 210/110 mm Hg. Täglich nahm die Patientin alleine durch die Schmerzmedikation mit Panadol®-Brausetabletten 2562 mg Natrium zu sich, was einer Kochsalzzufuhr von 6,5 g/Tag entspricht. Dazu kam noch das in den verzehrten Nahrungsmitteln enthaltene Kochsalz. Beim Switch zurück von Brausetabletten zu Panadol® Tabletten normalisierte sich der Blutdruck der Patientin sofort wieder.

Das heisst für mich als Apothekerin also auch, da ein Auge drauf zu halten.

Beispiele für Medikamente und Natriumgehalt / entsprechend Kochsalz pro Tablette jeweils

Alka Seltzer (324 mg Salicylsäure) 444mg / 1.13g NaCl

Aspirin C BT (400mg Salicylsäure, 240mg Vit C) 615mg Na, 1,56g NaCl

Berocca BT (VitB Complex, Ca, Mg, Vit C, Zi) 0,69g Na –

Brufen BG (600mg Ibuprofen) 197mg Na, 0.5g NaCl

Calcium f BT Sandoz (500mg Calcium) 70mg Na, 0,18g NaCl

Calcium ff BT (1000mg Calcium) 137mg Na, 0,35g NaCl

Dafalgan BT (500mg Paracetamol) 412,4mg Na, 1,05g NaCl

Dafalgan BT (1000mg Paracetamol) 567mg Na, 1,44g NaCl

Kalium Effervetten (Kaliumcitrat, Kaliumhydrogencarbonat 30mmol K) 660mg Na, 1,68g NaCl

Panadol C BT (500mg Paracetamol, 300mg VitC) 262mg Na, 0.66g NaCl

Pretuval C (20md Dextrometorphan, 30mg Pseudoephedrin, 300mg Paracetamol, 250mg VitC) 119mg Na, 0.3g NaCl

Redoxon BT (1000mg Vit C) 297mg Na, 0,75g NaCl

Solmucol BT (600mg Acetylcystein) 149mg Na, 0.38g NaCl

Supradyn BT (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente) 285mg Na, 0,72g NaCl

Magnesiocard 5 Sachets (Mg 121,5 mg) 1,0 mg Na, 0.003g NaCl

Magnesiocard 10 (Mg 243mg) 12,6mg Na, 0.03g NaCl

Magnesiocard 7.5 BT (Mg 182,3mg Magnesium) 135mg Na, 0.32g NaCl

Quelle: http://www.ka.zh.ch/downloads_cms/blickpunkt_apotheke_2_2006.pdf

Bei Hypertonikern ist auf die Natriumeinnahme durch Nahrung und auch Medikamente zu achten. Insbesondere auch durch natriumhaltige Hilfsstoffe in Medikamenten. Natriumhaltige Hilfsstoffe sind vor allem in wasserlöslichen Arzneiformen wie Braustabletten oder Granulaten anzutreffen, die unter anderem auch im OTC Bereich eingesetzt werden.

Achtung: Hilfsstoffe sind oft nur unvollständig in der Fachinformation (Arzneimittel-kompendium) deklariert.

Montagmorgen

Der Patient gibt mir seinen Lottoschein anstatt des Rezeptes …

Umnutzung

Die Frau sucht in der Apotheke / Drogerie Gazewindeln.

Pharmama: "Tut mir leid, wir haben keine. Ich kann versuchen, ob ich sie noch bestellen kann …"

Frau: "Nein, ich brauche sie gleich. Warum gibt es denn keine mehr? Vor Jahren fand man die noch überall .. und jetzt. Nichts mehr!"

Pharmama: "Ich glaube das liegt an den Pampers und co. … Wegwerfwindeln sind wirklich einfacher."

Frau: "Ich verstehe das trotzdem nicht."

Pharmama: "Naja, wenn keine Nachfrage mehr besteht, hat man etwas auch nicht mehr an Lager. Wissen Sie, die meisten Leute scheinen heute Gazewindeln nur noch als Sabberlätzchen und Halstücher zu brauchen … häufig färben sie sie vorher noch. Und da braucht man nicht mehr die Mengen."

und als Nachsatz:

"Aber … für was brauchen Sie sie denn?"

Frau: "Zum Abfiltrieren. Ich mache Marmelade."

Siehste – auch nicht als Windeln.

 

Apotheken aus aller Welt, 431: Sarajevo, Bosnien und Herzegowina

Wieder mal ein Apothekenbild, und zwar aus Sarajevo 🙂

Menschenhandwerkerin

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Besten Dank an die Menschenhandwerkerin, die auch einen wirklich sehenswerten Blog hat.

Kleine Warnung, bevor ihr auf den Link zu ihrem Blog klickt: im Moment ist das Bild einer anatomisch bearbeiteten Hand zu sehen. Wer empfindlich ist, sollte sich das also überlegen.

Apotheken aus aller Welt, 430: Edinburgh, Schottland

ich glaube, dass du die Apotheke, aus Edinburgh, Stadtteil Bruntsfield noch nicht in deinem Blog hattest. Ich habe 2 Aufnahmen, einmal die Apotheke grob in Gesamtansicht (wo das Apothekenkreuz zu erkennen ist und der Tiegel über der Tür) und eine Aufnahmen des interessanten Schaufensters (das andere Schaufenster hatte nur das große Kosmetikangebot)

Das Schild mit der Bitte nicht zu Rauchen, bezieht sich auf den überdachten Eingang, wo sich Raucher oft im regnerischen nördlichen Britannien zurückziehen. Studenten erhalten auf einige Produkte 10% Rabatt (verschreibungspflichtige Medikamente gehören da aber natürlich nicht zu), das Schild, was Studenten 10% Rabatt verspricht ist auf der einen Aufnahme grob im Fenster zu erkennen.

Kim

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Besten Dank an Kim! Ich sollte unbedingt auch einmal wieder nach Edinburgh, die Stadt hat mir sehr gefallen. Vor allem tagsüber. Nachts auf dem Velo den Alkoholleichen auf der Strasse auszuweichen weniger.

Dem Wetter angepasst …

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Also bei uns hat es heute Nacht geschneit. Nur scheinen das viele immer noch nicht zu glauben. Aber es ist so: der Winter kommt.

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