Nicht mein Problem

Kundin: „Ich brauche mein Medikament, der Name ist Ochsner.“

Ich suche oben und unten: in den Bestellschubladen, neben dem Wareneingang, im Computer, was es sein könnte …

Pharmama: „Was brauchen sie denn?“

Kundin: „Das Euthyrox“

Nochmals Blick in den Computer.

Pharmama: „Sie haben kein Rezept mehr dafür – und ihnen wurde das letzte Mal schon ein Vorbezug dafür gemacht. Sie müssen ein neues Rezept beim Arzt verlangen.“

Kundin: „Nein! Das ist schon das dritte Mal, dass ich hier bin und Sie haben noch nichts gemacht.“

Ich nehme das Blatt mit dem Vorbezug hervor – daran hängen in dem Fall die restlichen Unterlagen von dem „Fall“. Vorbezüge lassen wir übrigens unterschreiben. Als Beweis, dass es bezogen wurde.

Pharmama: „Nun, nach meinen Unterlagen haben wir ihrem Arzt gefaxt – tatsächlich schon zwei Mal , ihm  3 Mal angerufen, ihm einen Brief geschickt, Zwei Brieftauben und mindestens einmal haben wir es mittels Rauchsignal versucht .. (Okay – letzteres stimmt so nicht ganz, aber … wir haben gemacht, was möglich war). Er hat sich nicht zurückgemeldet. Haben Sie schon versucht, ihn anzurufen?“

Kundin: „Nein, denn das sollten Sie machen! Das ist die schlechteste Apotheke überhaupt!“

Sie stürmt raus – nur um am nächsten Tag wiederzukommen … und das selbe erzählt zu bekommen. Wir haben getan, was wir konnten. Jetzt liegt es an ihr. Ist ja auch ihre Gesundheit.

Ei-gen-ver-ant-wor-tung Leute!

40 Antworten auf „Nicht mein Problem

    1. @Erzählmirnix: Hier unterscheiden sich die Gesundheitssysteme der Schweiz und Deutschlands. In der Schweiz darf der Apotheker im Gegensatz zu Deutschland:
      – Ein „Dauerrezept“ so lange beliefern, wie es der Arzt vermerkt hat;
      – ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel in begründeten Ausnahmefällen auch ohne Verschreibung abgeben;
      – eine mit dem Arzt abgesprochene „Vorab“-Belieferung durchführe, für die das Rezept nachgereicht wird.

      Und wenn ich die Geschichte richtig gelesen habe, hat Pharmama die erneute Vorab-Abgabe ohne ärztliche Verordnung verweigert, was die Patientin ja erzürnte, weil sie meinte, für ihre eigene Gesundheit wären alle anderen verantwortlich, nur nicht sie selber…

      ALso nochmals (richtig) lesen, und sich dann über die gesetzesbrecherischen und patientensicherheitsverachtenden Vergaufstrategien von Pharmama lachen…;-)

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      1. Ja, wie Gedankenknick richtig geschrieben hat: „einfach herausgegegeben“ ist was anderes.
        Meistens finde ich das noch gut, dass wir mehr dürfen als in Deutschland … aber manchmal (so wie oben) – nervt das auch.
        Man „erzieht“ halt so seine Kundschaft. :-/

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  1. Kommt das eigentlich öfters vor dass sich der Arzt nicht meldet?
    Wäre für mich ein Grund den Arzt zu wechseln.
    Zumindest ein „Hä ich kenne diesen Patienten nicht“ erwarte ich auf alle Fälle vom Arzt ;-)

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    1. Vielleicht wollte er die Patientin erst gesehen haben… ab und an muß die Dosierung von Euthyrox ja mal kontrolliert und ggfs. angepaßt werden. Und es scheint mir, daß die Patientin keine besondere Lust hat, ihren Arzt aufzusuchen.

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  2. Kundin: „Nein, denn das sollten Sie machen! Das ist die schlechteste Apotheke überhaupt!“ Genau, und außerdem sollte gefälligst eine Angestellte der Apotheke zum Arzt gehen und dort von sich eine Blutprobe nehmen lassen, damit mal getestet werden kann, ob die Dosierung noch so stimmt o.O…Das mal wieder eine Kontrolle fällig ist, wäre ein guter Grund, dass die Praxis so gar nicht reagieren mag….

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  3. na ja, liebe Pharmama, hast Du schon mal etwas von dem alten Spruch gehört: „nomen est omen“
    und das alles nur wegen ein paar „Jod-S-11-Körnchen“ (ältere Generationen wissen, was ich meine :-D )

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  4. Ähh, nur zum Verständnis:
    Gibt es echt Leute, die freiwillig Thyroxin nehmen, um damit abnehmen zu können? Ich hab einmal aus Versehen zu viel genommen und mir gings den ganzen Tag nicht so doll….

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    1. Es gibt auch Leute, die freuwillig starke Abführmitel nehmen, um abzunehmen. Und noch vieles andere wird gemacht, um mit „Gewalt“ abzunehmen. Der Spruch „Wer schön sein will muss leiden“ findet hier seine reale Entsprechung. Und dass die Gesundheit und der eigene Körper dabei drauf gehen, ist auch egal, wenn man dem Schönheitsideal hinterherhechelt, welches die Presse einem vermittelt…

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  5. Ich war gerade im spanischen Ausland, einer Touristenhochburg und meinte eben dieses Medikament im Hotel vorher liegengelassen zu haben (hatte sich nur sehr gut an etwas anderes angeheftet).

    Nach drei Tagen ist das nicht mehr lustig, also hab ich abends eine Apotheke gesucht (weil tagsüber nie gefunden) und siehe da, nach kurzem Handeln darüber, was ich genau mit wieviel Dosierung will, bekam ich das. Einfach so. Für ein Drittel des deutschen Preises. Gegenfrage: einfach so? Klar, sagt die Apothekerin (ansonsten hätte ich halt nebenan den Arzt am nächsten Tag genervt).

    Entweder liegt das jetzt daran, dass das touristisch hocherschlossen war oder die Spanier trauen ihren Mitbürgern mehr Grips zu. Zuviel von dem Zeug ist nun wahrlich unlustig …

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    1. Die Erklärung dafür ist einfach, aber zweigeteilt:
      1) Spanische Medikamente sind aus unterschiedlichen Gründen billiger.
      1A) In Spanien ist das Durchschnittseinkommen viel kleiner als in Deutschland. Folgerichtig müssen auch die Medikamentenpreise geringer sein.
      1B) In Spanien liegen meines Wissens 0% MwSt auf Arzneimittel, in Deutschland sind es 19%. Einfach mal 19% von jeden Arzneimittel abziehen. (Dann kostet eine Packung „Humira 40 6St.“ für 5.200€ plötzlich ur noch 4.370€. Nett, oder?)
      1C) Gerade preiswerte verschreibungspflichtige Arzneimittel sind in Deutschland auf Grund der Regelungen der Arzneimittelppreisverodnung besomders teuer. (Dafür werden teure Arzneimittel im Verhältnis billiger – also für die kranken Kassen, weil die Apotheke einen Fixzuschlag pro Packung bekommt. Das relativiert sich natürlich mit der MwSt.-Geschichte, so dass auch teure Arzneimittel in Deutschlan viel teurer sind. Einfach mal den Finanzminister fragen gehen! :-D )
      2) Den spanischen Apothekern geht es dreckig. Der Staat hat Schulden in Millardenhöhe bei den spanischen Apotheken. Wenn sich der Staat nicht an seine eigenen Gesetze hält (und die Apotheken korrekt bezahlt), warum sollen sich die Apotheken dann an die Gesetze halten, und Leuten, die ihr Arzneimittel komplett selbst bezahlen dann mit solchen Formalien wie Rezepten ärgern? Spanische Apothekenangestellte wollen auch etwas Essen, Kleidung tragen und ihre Kinder groß ziehen. Das geht nun mal nur, wenn sie Geld verdienen. Und wenn der Geldbeutel gähnt, vergisst man schon mal die Berufsethik… (Das hat sogar schon Stauferkaiser Friedrich II. gewußt, der 1241 die Trennung von Arzt und Apotheker verfügte, und der sinngemäß feststellte: Ärzte und Apotheker muss man ausreichend bezahlen, damit sie nicht in Versuchung kommen, aus reinen Überlebenszwängen unethisch zu handeln. Etwas, was moderne Politiker weltweit gerne verdrängen. Die Auswüchse sehen wir in vielen Teilen der Welt – auch in so fortschrittlichen wie GB und Schweden.)

      Hoffen wir mal, dass es in Deutschland nicht so weit kommt, denn ich möchte eigentlich nicht auf solcher Basis arbeiten…

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      1. Ein Rechenfehler steckt drin: Die Mehrwehrtsteuer von 19% macht nur knapp 16% des Endpreises aus. Über den Daumen kann man sagen: Zieh ein Sechstel des Endpreises ab, und du hast den Nettopreis.

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        1. 19% sind 19%! Rückwärts rechnen güldet nicht. Wenn Du schon rückwärts rechnen willst, ist brutto 119% und netto dann 100%. Und in meinem Humira-Beispiel bleibt die an den Staat abzuführende Summe gleich, egal ob ich 19% vorwärts oder 16% rückwärts rechne. Und allein diese Steuer macht auf eine Packung im Beispiel 830€ aus, die ich teurer sein muss als die spanische Apotheke, wenn alle anderen Bedingungen gleich wären.

          Wolfram, mit der MwSt. läßt der Deutsche Staat nicht mit sich spaßen – und ich als Depp, der die abzuführen hat, muss da sehr genau drauf achten, wie ich die be- und abrechne und ausweise. Wenn man wen sucht, der brutto von netto und (Roh)Gewinn nicht von Umsatz nicht unterscheiden kann, gehe man zu kranken Kassen, zu Politikern und im Zweifelsfall zum Finanzamt…

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          1. Die an den Staat abzuführende Summe bleibt gleich – ja. Aber der Netto-Preis ist NICHT 19% weniger als der Brutto-Preis. Wenn der Brutto-Preis sprich Endpreis für ein Medikament 100 Euro ist, dann ist der Netto-Preis nicht 81 Euro, sondern 84,03 Euro. Und wenn schon informieren, dann doch korrekt und nicht mit 15% Fehler – der ist schließlich bei Apothekern sonst auch nicht erlaubt.

            Der Unterschied zwischen Gewinn und Umsatz ist noch mal ein anderes Feld, aber davon hab ich gar nichts geschrieben.
            Wenn ich mich recht erinnere, dann sind von den 84,03 Euro Netto-Umsatz ungefähr 78 Euro für den Hersteller und nur ungefähr 6 Euro für die Apotheke, die davon Miete, Heizung, Gewerbesteuer und fünf Gehälter bezahlen muß – brutto wohlgemerkt, wo ein Gehalt wieviel mal so teuer ist wie das, was beim Angestellten rauskommt – ungefähr 80% drauf?

            Ich kann auch Bilanzen lesen, so einigermaßen jedenfalls, schließlich sind auch unsere Kirchengemeinden zu ausgeglichenen Haushalten verpflichtet. Und deren Einkünfte sind noch zufälliger als die der Apotheken.

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          2. Wolfgang, ich will jetzt keinen Glaubenskrieg vom Zaun brechen, aber Netto ist 100% – und brutto ist 119%. So ist es nun mal, und so wird es auch bleiben. Es sei denn, der Staat erhöht (mal wieder) die MwSt.

            Unabhängig davon sind in Deutschland Arzneimittel Luxusartikel – denn 19% MwSt. liegen auf Luxusartikel. 7% liegen auf Grundbedarf-Artikel, und 0% auf Dinge, die absolut unerläßliche Ausnahmen (wie z.B. die Postwertzeichen). In vielen anderen europäischen Ländern ist das anders – und das sollte und allen zu denken geben.

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          3. Das ist kein Glaubenskrieg, das ist schlicht Mathematik.
            Wenn du y=(x+r*x) rechnest, dann ist x nicht (y-r*y) sondern x= (y-r*x). Wobei x der Nettopreis ist, y der Bruttopreis und r der Steuersatz.
            Wie gut, daß du dem Kunden keine handschriftlichen Quittungen ausstellst, denn falls du darauf schreiben würdest, von den 100 Euro, die er bezahlt hat, seien 19 Euro MWSt., würdest du dich strafbar machen.

            Das mit der Luxussteuer ist auch Quatsch, denn du verwechselst Regel und Ausnahme.
            Der Normalsatz der Mehrwertsteuer liegt in Deutschland bei 19%, in Frankreich bei 19,6% (und war in Frankreich schon mal bei 33%…). Auf einige wenige ausgesuchte Artikel, die im Gesetz ausdrücklich genannt werden, wird ein verringerter Steuersatz angewandt. Dieser verringerte Steuersatz gilt prinzipiell als Subvention und muß deshalb von der EU genehmigt werden – und das heißt: von allen anderen Mitgliedsstaaten, siehe das Hickhack um den verringerten Steuersatz, wenn du deinen McChicken zum Mitnehmen kaufst, und vollen Steuersatz, wenn du ihn vor Ort ißt, bzw. den Versuch Frankreichs, das zu ändern.
            Eine Luxussteuer ist eine zusätzliche Steuer auf im Gesetz bezeichnete Gegenstände oder Leistungen. Mal davon abgesehen, daß die englische wikipedia schreibt, eine luxury tax würde qua definitionem nur wenige Menschen im Land treffen, gibt es in Deutschland im Prinzip heute nur eine Luxussteuer: die Hundesteuer.

            Übrigens, würde ich deiner Definition folgen, wäre die Kfz-Steuer auf alle Autos eine Luxussteuer, weil Boots- und Pferdeanhänger steuerbefreit sind.

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          4. @wolfgang: Quittungen schreibt man gewöhnlich so aus, dass da eine Gesamtsumme steht, z.B. 100,02€; und dann:
            – davon Netto: 89,08€
            – davon 7% MwSt.: 2,80€
            – davon 19% MwSt.: 9,14€
            (+ Kennzeichung, welche Artikel 7% und 19% MwSt. unterliegen).
            und schon hast Du das rückwärts zu rechnende Problem nicht mehr. Wie gesagt, unser Problem ist rein mathematischer Natur.

            Das mit den steuerbefreiten Anhängern kürze ich mal ab – siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Kfz-Kennzeichen_(Deutschland)#Gr.C3.BCne_Kennzeichen . Fakt ist, wenn ein solcher Anhänger außerhalb seiner steuerbefreiten Nutzung benutzt wird (z.B. fährst Du im steuerbefreiten Pferdehänger Umzugskartons umher) gibts mächtig Ärger mit der Steuerfahndung…

            Zur Hundesteuer kommt übrigens gerade frisch eingeführt zum 01.01.2013 die Pferdesteuer, vorläufig in einem Landkreis, weitere wollen folgen…

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            1. Zu den Anhängern: Kein Widerspruch meinerseits – ich wollte lediglich aufzeigen, daß du Regelfall und Sonderfall verwechselt hast, und das ist ja gelungen.
              Zu der Mehrwertsteuerausweisung: Auch schön und gut, und du bringst jetzt noch beide Steuersätze auf eine Rechnung – Nebelkerze? – aber das ändert nichts daran, daß an einem Verkauf für 100 Euro inkl. 19% MWSt. nicht 19 Euro MWSt abgeführt werden, sondern nur rund 16 Euro. Wie gut, daß Computer und Registrierkassen das heute automatisch richtig machen können.

              Schließlich sei noch angemerkt, ich heiße genausowenig Wolfgang wie Hildegard. Vielleicht kannst du auch da demnächst etwas genauer hinschauen? ;) Danke!

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        2. @Wolfram: Also für diesen mehrfach von mir wiederholten Fehler stelle ich mich jetzt in die Ecke und schäme mich zu 119%.

          Das mit den 7% und 19% war keine Nebenkerze sondern einfach nur ein an der Realität orientiertes Beispiel – ich hatte mir sogar überlegt, noch einen 0%-MwSt.Anteil reinzunehmen, aber ich wollte es ja nicht übettreiben. Dabei wollte ich auch nur zeigen, dass die MwSt. rein finanztechnisch immer vom Netto (=100%) nach oben gerechnet wird.

          Aber wie kommt jetzt Hildegard ins Spiel? Die ist doch schon länger verstorben, und hat auf ihre Teemischungen meines Wissens nach gar keine MwSt. abgeführt… ;-)

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          1. 100% reichen, das ist hier Nachbarschaftsaustausch und damit nicht mehrwertsteuerpflichtig. :D

            Technisch hast du ja recht, und auf Handwerkerrechnungen oder Werkstattrechnungen sind auch immer die Nettos ausgewiesen und erst am Ende das Brutto. Auf meiner Telefonrechnung (orange.fr) übrigens bis vor auch, denn da war ein Teil zu 5,5% und ein Teil zu 19,6% – die Ermäßigung wurde aber dann aufgehoben, weil es ein Kombiangebot war mit Internet und Fernsehen.
            Ich hab auch noch mal nachgerechnet:

            Einfach mal 19% von jeden Arzneimittel abziehen. (Dann kostet eine Packung “Humira 40 6St.” für 5.200€ plötzlich ur noch 4.370€. Nett, oder?)

            Die Zahlen stimmen natürlich – nur „19% von jedem Arzneimittel abziehen“ ist denkbar unglücklich ausgedrückt und hat mich auf die falsche Fährte geführt. (Streng im Wortlaut wären das 19 von 100 Tabletten… :P aber auf der Grundlage des Verkaufspreises muß man nicht 19 von hundert abziehen, sondern 19 von 119.) Nu hast du Recht, ich hab Recht, alle anderen sind gelangweilt und Pharmama seufzt schon heimlich und leise. Kaffee?

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      2. So gering ist das Durchschnittseinkommen in Spanien nun auch wieder nicht (sagt zB auch der Bic Mac Index). Aber das am Rande, ich fand die Unkompliziertheit bei diesem doch relativ alten und in Spanien sowie Deutschland prinzipiell billigen (10€ in Deutschland) Medikament eher erfreulich.

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        1. Also ein BicMac ist jetzt echt eine internationale Vergleichsgrößße für die Wirtschaftskraft und Finanzstärke des Landes? Aha. Wie sieht es denn dann aus mit z.B. den Arbeitslosenzahlen. Oder den Hausbau-Index? Oder dem Wirtschaftswachstum? Oder der sozialen Grundsicherung? Oder oder oder…

          In Deutschland haben wir von mit den höchsten Lebensstandard in der EU. Das sollten wir nie vergessen. Und Pharmama möge mir verzeihen, vergleicht doch die deutschen Arzneimittelpreise statt mit Spanien, Portugalö und Grichenland z.B. mit der Schweiz. Und wo wir schon beim Vergleichen sind – vergleicht z.B. die deutschen Strafen für Geschwindigkeitsüberschreitung mal miit denen in der Schweiz.

          Sorry, aber wenn ich sowas lese bekomme ich immer einen dicken Hals und Schnappatmung… Und zum vertiefen meiner These hier mal noch vier Links http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/gesundheitsdienst-bezahlt-apotheken-nicht/?L=0&cHash=6a63ad86f2cbeeb40f91d7aa9c920123 ; http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/staat-schuldet-jeder-apotheke-200000-euro/?L=0&cHash=09344e3c0f34839726a4d4e57bd1a7f1 ; http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/apotheker-im-dauerstreik/?L=0&cHash=ff456f197323db91d49b6527efad1e67&sword_list%5B%5D=spanien&no_cache=1 ; http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/schuldenkrise-spanien-notaufnahmen-nachts-geschlossen/?L=0&cHash=237d03de5c3047f306648163c19a0807&sword_list%5B%5D=spanien&no_cache=1

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        2. Krieg dich mal wieder ein. Ja, den Spaniern geht es nicht gut, ging es auch vorher schon nicht so gut wie uns. Ja, Spanier haben auch ein ganz anderes Immobilienwesen als wir, bzw bis vor kurzem hatten wir als Mieteuropameister ein komplett anderes Immobilienwesen als Resteuropa. Ja, die Spanier haben seit kurzem copago und das Gesundheitsministerium denkt sogar darüber nach, dass Nichtpharmazeuten Apotheken aufmachen dürfen.

          Das hat jetzt erstens genau was damit zu tun, dass ein ein bestimmtes wichtiges Medikament anekdotisch anders in einem Touristengebiet verfügbar ist? Nichts. Gar nichts.

          Das hat jetzt zweitens was genau mit dem Preis des Medikaments zu tun, der mir auffiel? Nicht viel, denn weder sind Spanier so bettelarm wie du es dir hier gerade zurechtlegst noch sind Medikamente ein guter Preisindex: US-Amerikaner sind eben keine Drittweltler, nur weil man dort Aspirin&Co in völlig hanebüchenen Großpackungen zu Kleinstpreisen bekommt.

          Natürlich ist der BigMac-Index ein funktionierender, wenn auch kurioser Index, weil er zu den Lebensmitteln gehört und damit zu den wichtigsten Dingen im Leben. Ich könnte dir jetzt auch was von Brotpreisen im Mercadona erzählen, aber ich denke, deine Meinung ist eh schon vorgefasst: arme Apothekerin vertickt aus der Not Medikamente an reichen Deutschen.

          Die deutsche Mehrwertsteuer ist mitnichten ein Grundbedarf – versus Luxussteuer. Du faselst. Diese Umsatzsteuer war – auch im europäischen Rahmen ungewöhnlich – lange relativ uninteressant in Deutschland und hat wie jede Steuer einen Rattenschwanz an historischen Ausnahmen. Wir durften ja erst vor kurzem miterleben, wie genau Ausnahmen in Steuergesetze kommen.

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          1. Keine Sorge, ich habe mich sehr gut unter Kontrolle. Außerdem habe ich nirgens geschrieben, dass eine „arme Apothekerin aus der Not Medikamente an reichen Deutschen vertickt“. Wenn man genau liest, habe ich geschrieben: „Apothekerin vertickt (aus Not?) verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept gegen Bares.“ Ganz simpel. Vielleicht gibt es in Spanien eine Ausnahmeregelung, die den Apotheken dieses erlaubt. Keine Anung (aber ich bezweifel es). Aber wenn der Staat bei mir 200.000€ Schulden hätte, würde das Finanzamt schwer über eine Anzeige wegen Insolvenzverschleppung gegen mich nachdenken. Und in so einem Falle würde ich vielleicht auch alle meine moralischen Bedenken über Bord werfen, und jeder dürfte alles bei mir kaufen. Wenn sich schon der Staat nicht halbwegs an seine eigenen Regeln hält, warum sollte ich es dann? (Und nur so am Rande und immer wieder gern: Würde ich eine Schachtel L-Thyroxin an jemanden ohne Rezept „verticken“, egal aus welchen Gründen, und eine Anzeige deswegen kassieren, wäre ich vorm Berufsgericht meine Approbation los. Und wenn der Patient anschließend einen Autounfall baut, und mich auch deshalb anzeigt, würde ich auch privat pleite sein, weil mir die vollen Behandlungskosten zugesprochen würden und ich mich für so etwas nicht versichern kann. Solche Urteile gibt es schon. Und noch viel kuriosere.)

            Und zu dem BigMac-Index. Der ist einfach einer unter vielen. Und der sagt eben nichts aus zu z.B. der derzeit herrschenden Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen in Spanien. Genauso gut könnte ich Preise für den VW-Käfer oder Spargel in der Hochsaison oder Gartenzwerge international vergleichen. Mich ärgert es einfahc, dass hier Äpfel und Birnen miteinander verglichen weden, ohne überhaupt das Umfeld des Vergleichs auch nur geringfügig zu betrachten. Genau wie plötzlich die freiverkäuflichen Medikamente in den USA preistechnisch mit den verschreibungspflichtigen in Europa verglichen werden. Einfach mal die gleiche Kategorie vergleichen – und dann staunen. Ich sag mal Ciprofloxacin oder Doxycyclin, oder…

            Und zur MwSt. frage ich mich z.B., warum es einen „ermäßigten“ Steuersatz gibt, auf „Datenträger“, auf Grundnahrungsmittel [auch auf Tees], auf künstlerische Leistungen, und z.B. auch auf Schnittblumen – und einen „normalen“ Steuersatz [ursprünglich hieß der mal was mit „Luxus“, hat man aber später umbenannt] auf (fast) alles andere? Die Sinnhaftigkeit der 7-19%-Regelung ist sowieso mehr als schwachsinnig geworden, einfach mal googeln. Urspünglich war es nämlich so, dass Dinge des „Grundbedarfs“ wie Grundnahrungsmittel, Bildung (Literatur und künstlerische Auftritte) u.ä. mit dem ermäßigten Steuersatz belastet wurden, damit Geringverdiener darunter nicht so wahnsinnig zu leiden haben. Arzneimitel scheinen aber gerade nicht „Dinge des Grundbedarfs am Leben“ zu sein. Warum wird die MwSt. für Arzneimittel nicht auf 7% (wie in den Niederlanden 6%) oder uf 0% (wie in Spanien oder Grichenland) abgesenkt? Der Finanzminister erklärt jedes mal, diese Steuereinnahmen sind schon eingeplant im nächsten Haushalt. Dann wird wieder festgestellt, dass diese Steuern zur Stopfung von Löchern m Sozialsystem gebraucht werden. Aha. In Deutschland betrugen die Gesamtarzneimittelkosten 2011(gKV) ca. 27,1 Millarden €. Zieht man davon 19% MwSt. ab, würde man die Ausgaben der Krankenkassen spontan um 4,3Millarden € (eine andere Quelle kommt auf 4,6) senken, ohne dass irgendwem was böses geschehen würde! (Hinzu kommen geschätzte 1,4 Millarden € Einsparungen über die geheimen Rabattverträge; ich persönlich schätze, die Zahl ist zu klein). Der Kostenanteil der deutschen Apotheken an den Arzneimittelkosten betrug dabei ca. 4,4 Millarden €. Mit anderen Worten: Die gKV zahlt genauso viel Geld an den Finanzminister wie an die Apotheken bei Arzneimitteln. Huch, schon bekommt die Meldung „Arzneimittelausgaben wieder gestiegen – Apotheken sind schuld“ eine ganz neue Wendung… Dass die MwSt. auf Arzneimittel abgesekt wird in D, dafür reden sich deutsche Apotheker seit 1990 den Mund fusselig. Aber wieso jemanden fragen, der sich auskennt..?

            Und noch zu Steuern. Ist es vielleicht so, dass der (deutsche) Staat eine Steuer, die er einmal eingeführt hat, einfach nicht mehr abschaffen will? Die Schaumweinsteuer wurde zur Finanzierung des Nord-Ostsee-Kanals eingeführt, damit unser letzter Kasiser seine Flotte besser verlegen konnte, ohne immer Ärger mit den Dänen zu haben. Der Kanal trägt sich schon seit Jahrzehnten selber – aber die Schaumweinsteuer gibt es immer noch. (Und da würden mir noch ein paar weiteer Beispiele einfallen.)

            In dem sinne wünscht der faselnde, meinungsbildungsresistente und für keine Argumentation zugängliche Apotheker einen schönen Sonntag.

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            1. Die Frage nach dem Warum der ermäßigten Steuer bleibt dir unbenommen. Der Playboy ist auch ermäßigt besteuert, Pampers dagegen nicht. Das Sanitätshaus und der Kinderdoc auch nicht, Zahntechnikerleistungen und unter bestimmten Voraussetzungen Zahnarztleistungen aber schon, wenn ich das Gesetz (oben verlinkt) richtig gelesen habe.
              Es ist übrigens zuletzt, soweit ich das sehen konnte, zuletzt mit Wirkung zum 1.1.2012 geändert worden, mit einer Ausweitung der Ermäßigung.
              Suche nicht die Logik, darin ist keine. Auch nicht darin, daß die Steuern auf eine Handelsware mehrwertsteuerpflichtig sind, obwohl sie keinen Mehrwert darstellen. (3/4 des Benzinpreises sind Steuern, über die Hälfte des Preises ist Mineralölsteuer, und somit ist auch über die Hälfte der erhobenen MWSt. Steuer auf eine Steuer.) Da kann man noch froh sein, daß man auf seine Einkommensteuer nicht MWSt. zahlen muß…
              Und die Schaumweinsteuer, die tatsächlich eine Alkoholsteuer auf alle alkoholhaltigen Getränke ist – ja, die kann man auch als Luxussteuer ansehen. Wird aber nicht als solche geführt.

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            2. > ohne überhaupt das Umfeld des Vergleichs auch nur geringfügig zu betrachten

              Du hast erst etliche Gründe genannt, wieso man eben den Preis von spanischen Medikamenten nicht mit denen der deutschen vergleichen kannst, reitest aber auf dem Armutsargument herum. Da du aber nur für ein Armuts/Notargument zwei verschreibungspflichtige Medikamente aus völlig unterschiedlichen System vergleichen möchtest, kann ich doch ebenso ein (zB in den USA in der Dosierung: Ibuprofen 800) nicht verschreibungspflichtiges Medikament einwerfen um die Sinnlosigkeit deiner Argumentationskette zu zeigen.

              Ich hab mir eben mal die Mühe gemacht: ja, der Streik in der Region Valencia wurde im November mit einer Vereinbarung (also auch Zahlungen) beendet. Ja, die spanischen Apotheken Raum Madrid finden die neue die bei uns lange übliche Zuzahlung schon gar nicht lustig, weil nicht alle Kunden zahlen (können, wie bei uns). Ja, Levitiroxina wäre in Spanien auch verschreibungspflichtig (etwas, wovon ich nicht einfach ad hoc ausgehe, sonst hätte ich nicht zuerst in der Apotheke gefragt). Also ja: Dinge zwischen Spanien und Deutschland sind anders. Erstmal einfach „anders“, denn irgendwie bezweifle ich arg, dass du dir mehr als „die spanische Apotheker gehen am Bettelstock“ dazu in den spanischen Nachrichten heraussuchst.

              MwSt: du willst aus dieser Steuer mehr machen, als sie ist. So hilft es aber keinem von uns.

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          2. Wolfram – kleine Korrektur. Der Kinderdoc ist nicht MwSt.-pflichtig. Ärzte sind ein prinzipiell nicht MwSt.pflichtig, es sei denn, sie verkaufen noch andere Dinge als ihre Dienstleistung. In diesem Fall werden sie aber komplett MwSt.-pflichtig und müsen auf ihre Dienstleistung „Behandlung“ auch 19% MwSt. abführen. Das hat schon einige Ärzte zur Verzweifeln gebracht, die leidlich illegal Medikamente verkauft haben, worüber das Finanzamt gestolpert ist, und dann gab es richtig Ärger. Dass das auch ein Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz ist wird dabei meist nicht Gegenstand der Ermittlungen – richtig Kohle abzuzocken reicht dem Staat zumeinst.

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            1. Das war mir nicht bekannt. Und erklärt im Nachhinein, warum ich die Impfung für die Kinder immer aus der Apotheke mitbringen mußte.
              Vorsteuerabzug ist prinzipiell auch nur für Waren möglich, die weiterverkauft werden, nicht aber für den Kugelschreiber der Sekretärin…

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          3. Nachtrag: Das mit dem Zahnarzt ist was anderes – da der Zahnarzt ja von Gesetz wegen mit „zusätzlichen“ Dingen handelt, auf denen vorher schon MwSt. anfiel – nähmlich Dinge, die ein Zahntechniker im Labor hergestellt hat. In diesem Fall gibs eine Rechnung mit ausgewiesenen Positionen, auf was 0% und auf was 19% MwSt. liegen.

            Ärzte haben z.B. das Problem, dass sie Dinge für den Praxisbedarf nicht als Vorsteuerabzug geltend machen können, da sie ja keine MwSt. abführen, so also nichts zum „verrechnen“ haben. Jede Medaille hat zwei Seiten.

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          4. @Krischan: Ich fasse noch mal flink zusammen: Spanien, Deutschland, die USA, Schweden und auch Israel kann man nicht einfach vergleichen. Man kann aber sehr schön schauen, welche politischen Entscheidungen zu welchen wirtschaftlichen Folgen führen. Dass es den Apotheken in Spanien derzeit bescheiden gut geht – wie z.B. auch denen in Grichenland – sind wir uns hoffentlich einig. Dass ich bei wirtschaftlichen Zwang einen gewisse Menge Moralanspruch über Bord werfe, ist vermutlich menschlich auch nachzuvollziehen.

            Und an dieser Stelle gebe ich ein (Nicht)Alkoholisches Getränk Deiner Wahl aus, weil mehr wollte ich gar nicht zeigen. [Vielleicht noch die Frage stellen, ob wir das in D auch so wollen… aber ich will es jetzt nicht überreizen.]

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