Mitteilungsfreudig

Es gibt Patienten, die teilen mit einem noch das letzte Detail des aktuellen Problems, das sie gerade haben.

Frau Schmiss ist ein gutes Beispiel.

Frau Schmiss ist eine ältere Frau mit einer sehr offenen Persönlichkeit. Sie redet auch nicht gerade leise. Auch nicht in der Apotheke. Sie kümmert sich überhaupt nicht um ihre Privatsphäre – oder die von anderen.

Sooo … Frau Schmiss bekommt auf Rezept Gyno Canesten Vaginal Creme verschrieben.

Frau Schmiss: „Was halten sie von dem Zeugs? Bringt das etwas?“

Ich antworte mit dem üblichen … dass es im Normalfall gut funktioniert, wenn man es nach Vorschrift anwendet – und lange genug.

Frau Schmiss: „Da ist ein Applikator drin, richtig?“

Pharmama: „Ja.“

Frau Schmiss: „Okay, das könnte ein Problem sein. Ich habe da unten schon eine Zeitlang Probleme und obwohl ich ein paar Sachen versucht habe – ist es im Moment ziemlich zugekleistert. Ich bin nicht sicher, ob ich mit dem Applikator durchkomme. Haben Sie da Vorschläge?“

Zu dem Zeitpunkt bewegt sich der Kunde, der bisher daneben gestanden ist weg – genau, wir die Pharmaassistentin hinten verschwindet. Sehr rasch verschwindet. Höre ich da ein Kichern?

Ich bin jetzt ganz alleine mit ihr – und im Kopf habe ich dieses üble Bild, das sie mir gegeben hat. (Zugekleistert?!?).

Ich bewahre aber Fassung und biete ihr einen Behandlungsplan: Dass sie die betroffene Gegend zuerst einweicht – zum Beispiel in dem sie ein Bad nimmt.

Frau Schmiss: „Oh, das ist eine Idee! Ich melde mich dann zurück, wie es gegangen ist!“

Ich kann es kaum erwarten.

39 Antworten auf „Mitteilungsfreudig

  1. *gggggg*
    Du bekommst dann selbstverfreilich alles bis ins kleinste Detail dargelegt, mit Fotos/Videos und Tonaufnahmen untermalt. Schließlich musst du ja im Bilde sein, wenn denn dann mal wieder so was ansteht.. *ggg*
    Oh Mann.. das Kopfkino..*gröhl*

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  2. :-D
    Erinnert mich an die Kundin die ihre Vorlagen umtauschen wollte, weil sie in der Waschmaschine kaputt gegangen sind. Zu Demonstrationszwecken hatte sie benutzte Vorlagen in gewaschen und ungewaschen dabei…….

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  3. Zugekleistert?!? Ein paar Sachen versucht?!? Ei jei jei…

    Ich mag da ja als Verterter des männlichen Geschlechts nicht den vollen Ein- und Durchblick (*hihihi*) haben, aber ich vermute sehr, dass ein Behandlungsversuch mit Cyanacrylat weder erfolgversprechend noch sinnvoll erklärbar ist. :-D

    Vielleicht würde der Patientin geholfen sein, wenn man ihr eine regelmäßige Pflege mit einem ausgewiesenen Intimwaschprodukt ans Herz legt. Gibt ja in der Zwischenzeit auch Produkte, die auf den pH-Wert in unterschiedlichen Alters- und Lebensphasen der Frauen abgestimmt sind…

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  4. Zugkleistert?

    Ein Bad ist für Pussies, richtige Männer nehmen Anlauf…

    Äh… schongutschongutsorry.

    (Aber bei meinem viert- oder fünftletzten Apo-Besuch hatte die Kundin vor mir Gyno-Canesten erhalten. Aber ich fürchtete mich nicht…)

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    1. Danke!
      Es wird jetzt seeehr sehr lange dauern,bis ich Frischkäse wieder ohne Hintergedanken betrachten, geschweige denn essen kann….

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  5. Jetzt wundert mich aber doch, dass ein Arzt Vaginalcreme verschreibt, aber offenbar nicht auf das zweite Problem (ernsthaft: zugekleistert? Mit was?!) eingeht. Hat er sich das nicht angeguckt? Oder ist das Mitteilungsbedürfnis so groß, da noch eine zweite Meinung einzuholen?

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  6. Zu-ge-kleistert? Gott, ich habe da so diesen Plakatkleister vor mir, mit dem die Plakate an der Plakatwand angekleistert werden. Oh oooooh, diese Bilder sind übel …

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  7. Kopfkino, Kopfkino, Kopfkino.
    Da wünscht man sich die Möglichkeit, sie wegen psychischer Qualen aufgrund fürchterlichen Kopfkinos anzeigen zu können.
    Ich bin dann mal Disney Filme gucken. Oder in der Ecke zum Weinen. Oder beides. Ja, lieber beides.

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  8. Zugekleistert?

    Sorry… ich scheine echt keine Fantasie zu haben, um zu verstehen, was damit gemeint sein könnte? Bin ich der Einzige, der sich darunter nichts vorstellen kann? :(

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    1. Ich würde erst einmal davon ausgehen, dass sie schon verschiedene Cremes ausprobiert hat.
      Im Übrigen würde mich doch eine Sache interessieren: Wenn es sich um eine Hauterkrankung oder eine Wunde am linken Unterschenkel handeln würde – würden sich dann auch alle so ekeln?
      Den meisten Frauen ist es sicherlich unangenehm darüber zu reden, aber ich persönlich halte es für besser, als nicht nachzufragen.

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      1. Ich sags mal so: Wenn es eine frische Wunde ist – muss man die mir als Apotheker auch nicht unbedingt zeigen, denn das ist der Job des Arztes. Wenn man mir aber in Majo und Ketchup ausmalt, dass die Wunde nicht nur eitert, sondern auch schon Fliegen eine Kindertagesstätte eingerichtet haben – ja, dann finde ich das definitiv nicht appetitlich. (Und obs der linke Unterschenkel oder der rechte Oberarm ist, ist mir dabei auch herzlich egal.)

        Aber gerade aus Sicht eines Mannes – der in seiner pubertären Phase überall gesagt bekommen hat, wie wichtig Intimhygiene ist – na egal… ;-)

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        1. Das war nicht ganz das, was ich meinte.
          Gezeigt oder mit Materialien dargestellt hat die Frau ja nichts, sondern lediglich ihr Problem deutlich artikuliert. Da frage ich mich: Wenn diese Frau mit einem Problem, von dem sie glaubt, dass es nicht den Besuch eines Arztes bedarf, zur Apotheke geht, ist es dann nicht besser, dass sie nachfragt und ihr Problem zumindest anreißt? (Dass das hier definitiv drastisch und auch nicht appetitlich ist, ist klar, aber das sind wenige medizinische Probleme) Dann kann man ggf. auch kompetenter helfen, als wenn da jemand steht und sagt: Ich habe Schmerzen am Bein, aber vergisst mitzuteilen, dass er da eine Wunde hat, die aus seiner Sicht ebenfalls nicht zum Arzt muss.

          Ich hoffe, ich habe das jetzt etwas deutlicher gemacht.
          Im Übrigen muss ich auch sagen: Kopfkino ist die eine Sache. Die Erzählungen und Bilder die meine Mutter von ihrer Arbeit zeigte, sind definitiv unappetitlicher.

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          1. Also Frau Schmiss war ja schon beim Arzt – weswegen sie ein Rezept vorlegt. Und Frau Schmiss scheint das auch nicht peinlich zu sein. Denn sie spricht sehr laut darüber – auch ihne Rücksicht auf andere umstehende Patienten.

            Hätte Frau Schmiss das vielleicht schon beim Arzt angesprochen (Wieso hat DER das Problem eigendlich nicht GESEHEN?), oder vielleicht die Stimme entwas gesenkt, oder hätte gebeten, in den Beratungsraum zu gehen.. die Geschichte wäre wohl nicht erzählenswert und amüsant… Und auch das vielbeklagte Kopfkino hätte die Projektorlampen ausgelassen…

            Und kompetent geholfen werden kann einem auch, wenn man nicht die Welt vorher über das Problem informiert, sondern den Informationsfluss auf die Hilfe gebende Person beschränkt… Glaube ich zumindest.

            Und ganz ehrlich? Ich möchte auch nich beschrieben haben, wie die Maden über die offene eiternde Wunde krauchen, wenn derjenige gerade vom Chirurgen kommt, welcher die Wunde begrenzt behandelt hat. Denn Tipps zur (Wund)Hygiene darf auch gerne der Arzt als Erstbesichtigender anbringen – im Falle von Frau Schmiss darf auch gerne der Gyn was zum Thema Intimhygiiene erzählen, und gerne auch hinter verschlossener Untersuchungszimmertür.

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