Archiv für den Monat Oktober 2012

Apotheken aus aller Welt, 294: Bangkok, Thailand

kanadafrau schickt uns von einer ihrer „Ausflüge“ ein paar Bilder: Merci!

 

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Wie sag ich’s meinem Patienten?

Immer schwierig: Wechselwirkungen. Noch schwieriger: Wechselwirkunge bei Medikamenten wie Antidepressiva und Antipsychotika.

Leider gibt es gerade bei den erwähnten Medikamenten häufig welche … auch „wichtigere“ wie Herzrhythmus-störungen und gegenseitige Wirkverstärkungen – letztere können auch gewollt sein, können sich aber auch in verstärkten Nebenwirkungen äussern.

Und viele, die das nehmen müssen haben schon eine kompliziertere Persönlichkeitsstruktur und Probleme mit Wechseln / neuen Medikamenten / Anpassungen und derartigem. Sie auf Wechselwirkungen aufmerksam zu machen (wie ich eigentlich sollte*) verwirrt sie oft noch mehr und verunsichert sie, so dass sie am Schluss die (nötigen) Tabletten doch nicht nehmen.

Was tun? Bisher habe ich es so gehandhabt, dass – wenn so etwas auftritt und das Medikament neu ist – ich dem Patienten erst mal sage, dass ich rasch noch etwas mit dem Arzt klären muss (ich sage nicht unbedingt was) … und dann das mache. Der Arzt soll dann – mit dem Wissen um die Wechselwirkung -entscheiden, wie wichtig es ist, dass der Patient informiert ist und ob er auf eine mögliche Wechselwirkung oder auch Nebenwirkung achten soll.

Also ist es ein bisschen ein Dilemma. Wie viel soll / kann ich sagen?

Und meine Kollegin ist da letztens ein bisschen „reingelaufen“. Sie hatte abends eine Patientin, die sich schon reichlich beunruhigt in der Apotheke präsentierte. Auf dem Rezept ein neues Antidepressivum zu ihren bereits vorhandenen. Bei Eingabe in den Computer zeigt dann auch eine schwerwiegende Wechselwirkung an – noch nicht kontrainduziert aber im Sinne von „von einer Kombination wird stark abgeraten“.

…. was soll ich schreiben? Den Rest könnt ihr dem Brief entnehmen, den ich dem Arzt auf dessen erboste Reaktion hin geschrieben habe. In seinem Brief  beklagt er sich darüber, wie wir die Patientin behandelt haben, speziell, dass wir ihr gesagt hätten, sie solle das Medikament nicht nehmen. Sie braucht für ihre Behandlung dringend das – und wie wir dazu kämen, sie zu verunsichern?

Sehr geehrter Herr Dr. …

Erstmals: vielen Dank für Ihren Brief. Ich nehme ihn als konstruktive Kritik gerne an.

Dann möchte ich mich entschuldigen, dass das so unglücklich gelaufen ist. Es liegt natürlich auch in unserem Interesse, dass die Patientin die bestmögliche Behandlung und Beratung bekommt.

Am betreffenden Tag arbeitete (meine Kollegin). Sie hat mir erklärt, dass die Patientin zu einem Zeitpunkt mit dem Rezept kam, an dem Sie nicht mehr erreichbar waren. Darum hat sie der Patientin erklärt, dass sie wegen einer Wechselwirkung erst mit Ihnen, dem Arzt Rücksprache nehmen möchte. Die Patientin hat darauf erklärt, dass sie das dann lieber selbst mit Ihnen besprechen möchte.

Wir haben also der Patientin nicht gesagt, dass sie das Medikament nicht nehmen soll. Wir haben ausserdem versucht, sie als verschreibender Arzt zu erreichen, respektive angeboten, es gleich am nächsten Tag abzuklären, was die Patientin abgelehnt hat.

Wir sind uns bewusst, dass ein sensibler Umgang vor allem auch mit depressiven Patienten wichtig ist und dass es wichtig ist, dass diese ihre Medikamente (regelmässig) nehmen. Leider können wir angezeigte Wechselwirkungen nicht vollständig ignorieren. In dem Sinne wäre es das nächste Mal vielleicht sinnvoll, etwas weniger Info an die Patientin zu geben – vor allem wenn der Arzt gerade nicht erreichbar ist.

Dennoch denke ich nicht, dass meine Kollegin falsch gehandelt hat. Falls Sie aber eine bessere Vorgehensweise vorzuschlagen haben, nehme ich diese gerne entgegen.

mit freundlichen Grüssen Pharmama

Vielleicht sage ich das nächste Mal in so einem Fall am besten „ich muss das Medikament erst bestellen, ab morgen habe ich es hier.“ ?

* mehr zum Thema: die Arbeit der Apotheke am Beispiel Wechselwirkungen

Apotheken aus aller Welt, 293: Norderney, Deutschland

Und noch einmal Daniela:

Das hier ist eine architektonisch interessante Apotheke auf der Nordseeinsel Norderney.
Nett fand ich auch die Schaufenstergestaltung mit dem Arzt/Apotheker, der doch ein wenig an einen Hobbit erinnert.

 

Sind das auf den Fotos im Fenster demonstrierende Apotheker?

Geht doch.

Ich telefoniere der Bestellung von Dekorationsmaterial nach, die auch nach 2 Wochen noch nicht angekommen ist. Und in 2 Tagen ist der Termin für einen Aktionstag im Geschäft, wofür ich sie eigentlich brauche.

Der Vertreter verspricht das abzuklären und zurückzurufen, was er aber an dem Tag nicht mehr macht.

Dafür am nächsten.

Die Bestellung wurde (aus was für einem Grund auch immer – das erfahre ich nicht) nicht verschickt. Angekommen ist sie aber, was das ganze etwas seltsam macht. Der Vertreter entschuldigt sich, er meint „Ich kann das heute noch auf die Post geben, dann dürfte es in2 , 3 Tagen bei uns sein.“

Pharmama: „Okay, aber dann bringt es das nicht mehr. Wir haben morgen die Aktion.“

Der Vertreter Hmmt und Ääht, bis man erwähnt, „Ach, das ist eigentlich kein Problem. Wir haben noch einen Steller von der Konkurrenz da, wir können auch den benutzen.“

Vertreter: „Ich schicke es ihnen express, dann haben sie es morgen früh.“

Geht doch.

Danke sehr.

Apotheken aus aller Welt, 292: Oldenburg, Deutschland

Besten Dank an Daniela für dieses Schmuckstück einer Apotheke:

Ich lese seit etwa einem halben Jahr deinen sehr interessanten Blog mit und habe seit dem auch  vermehrt auf interessante Apotheken geachtet. 🙂
Dabei ist mir diese hier in Oldenburg (Niedersachsen) ins Auge gesprungen. Besonders interessant fand ich dabei die Allegorien(?) mit Apothekermotiven an der neobarocken Fassade. Laut einem Hinweisschild wurde die Apotheke 1907 erbaut.

 

Unbeabsichtigte Überdosierung?

Die ältere Stammkundin kauft 2 Packungen Dafalgan Brausetabletten.

Pharmama: „Wissen Sie, wie man sie anwendet?“

Ich frage grundsätzlich etwas nach – speziell, wenn mehr als 1 Packung von etwas verlangt wird. Das hat seine Gründe – und bei Paracetamol ist das fast noch wichtiger als sonst.

Kundin: „Die sind nicht für mich, sondern für meinen Mann. Er nimmt die noch gerne. Nachts. Er denkt, sie tun ihm gut.“

Pharmama: „Wieviel nimmt er denn?“

Kundin: „Das weiss ich nicht so genau.“

Pharmama: „Er soll, vor allem, wenn er er häufiger nimmt, nicht mehr als 3 g, also maximal 6 Tabletten in 24 Stunden nehmen. Ansonsten ist das nicht gut für die Leber.“

Kundin: „Oh. Das ist nicht gut. Er hat schon Leber-Probleme.“

Pharmama: „Hmm … sie sollten ihm das unbedingt sagen. So harmlos ist das Medikament nämlich nicht – auch wenn es so günstig ist.“

Kundin: „Das bringt nicht viel. Er hat … Probleme mit dem Gedächtnis. Altersdemenz oder Alzheimer.“

Jetzt wo sie es sagt: das erklärt, warum ich ihn selber noch nie hier gesehen habe.

Pharmama: „Oh. Und sie sagten, er steht Nachts auf, um sie zu nehmen?“

Kundin: „Ja, ich glaube mehrmals.“

Pharmama: „Dann … könnte es sein, dass er mehr nimmt, weil er vergessen hat, dass er schon gehabt hat?“

Kundin: „Oh. Ja, das könnte sein.“

Pharmama: „Und wenn sie die Brausetabletten verstecken würden? Oder nur so viele herauslegen abends, wie er nehmen darf in einer Nacht? – Also … maximal 3?“

Kundin: „Das habe ich mit anderen Sachen schon versucht, das mit dem Verstecken. Er fängt dann an zu suchen, wenn sie nicht mehr da sind.“

Pharmama: „Ja, aber wenn Sie nur eine bestimmte Menge herauslegen, dann wissen Sie – wenn er zu suchen anfängt- dass die jetzt weg sind. Dann wissen wir zumindest, wieviel er da genommen hat.“

Kundin: „Das könnte ich machen. Aber was, wenn er dann mehr will?“

Pharmama: „Ich würde sie ihm nicht geben, wie gesagt, das ist nicht gut für die Leber – und damit für ihn selber.“        

Kundin: „Hmm. Und wenn ich etwas anderes in Brausetablettenform hinlegen würde?“

Pharmama: „Vielleicht niedrig dosierte Vitamin Brausetabletten?“

Irgendwelche Gedanken dazu?

Apotheken aus aller Welt, 291: Rovaniemi, Ranua, NilsiÑ – Finnland

Und ein letztes Mal von Lena: Row!
Die Apotheken in Finnland sind meist in alten Backsteingebäuden untergebracht (welche mir persönlich gar nicht gefallen), und deshalb von der Architektur her nichts Spezielles. Das schräge Dach der Apotheke von Ranua gefällt mir jedoch besonders gut!
Im Süden sind (wie alle öffentlichen Gebäude und Strassen) alle Apotheken zweisprachig angeschrieben, also auf finnisch und schwedisch.Sieht dann so aus:  Apeekki- Apotek

NilsiÑ:

 

 

Ranua

 

Rovaniemi

 

??

Es gibt keinen Grund auf mich ärgerlich zu werden.

Lieber Kunde. Kein Grund auf mich ärgerlich zu werden, nur weil ich Ihnen nicht einfach ein anderes Antibiotikum als das, was der Arzt auf Rezept geschrieben hat, abgeben kann.

Ich frage Sie dafür auch nicht, warum sie jetzt am Samstag mittag bei mir damit in der Apotheke stehen, wenn das Rezept schon vorgestern ausgestellt wurde.

Oder warum das ein Rezept aus Frankreich ist – und zwar nicht von einer Notfallstation oder so – sie sind offensichtlich (dem Dialekt nach) Schweizer -und jetzt auch in der Schweiz.

Oder warum der Arzt ausgerechnet ein Mittel aufgeschrieben hat, das es in der Schweiz seit Jahren nicht mehr gibt. Nicht einmal mehr den Inhaltsstoff.

Nein, ich kann das Ihnen nicht einfach durch „irgendein anderes“ ersetzen.

Das tut mir auch leid.

Was Sie jetzt machen sollen?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Zum Beispiel den ausstellenden Arzt anrufen, wegen einem Ersatz – das kann er uns auch faxen … falls er am Samstag erreichbar ist.

Das Medikament in Frankreich kaufen gehen – wenn er es aufschreibt scheint es das dort noch zu geben. Ist aber vielleicht ein bisschen zu weit für jetzt.

In der Schweiz zu einem Arzt gehen und einen geeigneten Ersatz aufschreiben lassen – wir haben auch ein paar „Walk-in-Kliniken“ in der Nähe.

Ja, ich weiss, das ist alles mit Aufwand für Sie verbunden. Und es ist Samstag. Und das kostet sicher etwas – ja, leider.

Aber vielleicht ist es auch nicht so dringend? Immerhin scheint es (*Blick aufs Rezept*) vorgestern und gestern noch nicht dringend gewesen zu sein … wieso heute auf einmal?

Hoppla, jetzt habe ich es doch erwähnt.

Er stürmt raus.

Schönes Wochenende!

😦

Ja, das ist auch für mich unbefriedigend. Ich helfe gerne – wenn ich kann. Ein Antibiotikum aber einfach durch ein irgendein anderes auszutauschen liegt nicht in meinem Verantwortungsbereich – immerhin kenne ich die Diagnose nicht.

Apotheken aus aller Welt, 290: Sodankylä, Finnland

von Lena:

Überall in Finnland rasen betagte Menschen mit lustigen fahrbaren Untersätzen herum – eine Mischung aus Trottinett und Rollator. Vor der Apotheke in Sodankylä konnte ich eines bildlich festhalten.

Das Teil ist motorisiert? Das fände ich auch hier noch toll.

 

Apotheken aus aller Welt, 289: Kajaani und Kînînpelto, Finnland

und nochmals von Lena mit Apotheken aus Kajaani:

und Kînînpelto:

Updates

Manchmal ist es so: ich schreibe etwas hier im Blog und später (manchmal viel, manchmal weniger) gibt es eine Änderung der Umstände. Die Frage ist: sollte ich das anbringen? Ein Blog-Post ist immer auch eine Moment-Aufnahme. Aber die Dinge ändern sich. Und ich will eigentlich mit der Info aktuell bleiben (auch wenn das bei über 2000 Blogposts schwierig ist).

Hier also die updates, die ich neu angebracht habe. Wahrscheinlich gäbe es noch mehr, aber das sind die akutesten:

Alli nicht mehr erhältlich: Originalartikel Alli in der Schweiz

Nach Monatelangen Lieferproblemen haben wir jetzt einen Brief von der Firma bekommen, dass sie sich entschlossen haben, Alli vom Schweizer Markt zurückzuziehen. Aber …. es gibt inzwischen ein Generikum, das auch in der Schweiz erhältlich ist. Das gibt es – und es ist erst noch günstiger. Es hat bei der Abgabe die selben Bedingungen wie Alli.

***

Mottenkugeln bald nicht mehr frei verkaufbar: Originalartikel: Totgesagte leben länger

Wir haben inzwischen regelmässig Mottenkugeln gebraucht – eben, weil es die anderen Dinger von Chlorokampfer nicht mehr gibt. Es gibt tatsächlich Leute, die das lieber haben als zum Beispiel die Gesal Mottenpapiere oder die Dinger, die man in den Schrank hängt … obwohl die bei weitem (oder gar nicht) so stinken wie die Mottenkugeln. Jetzt haben wir aber die neuste Revision des Chemikaliengesetzes- im Zuge einer weltweiten Vereinheitlichung. Und da drin steht unter anderem, dass Biozidprodukte (als alles, was zum schädigen, abhalten etc. von Insekten oder anderen Tierchen und auch Bakterien gedacht ist) eine spezielle Kennzeichnung braucht, sonst darf man es nicht verkaufen. Da fallen auch verschiedene ätherische Öle drunter, die zum abhalten von Mücken gedacht sind … und eben Mottenkugeln. Die darf ich also nicht mehr verkaufen. Oder … zumindest nicht als Mottenkugeln – als Naphtalin zum „beduften“ oder so :-/ schon. Oder?

***

Cannabisextrakt auch in anderen Apotheken erhältlich. Originalartikel: Cannabis via Rezept

Es ist inzwischen auch für andere Apotheken möglich an Cannabis-Extrakt zu kommen, auch wenn das immer noch sehr aufwendig ist und eine Spezial-Bewilligung braucht, die man aber beantragen kann. Für den Patienten gelten noch immer dieselben Bedingungen wie oben im Artikel beschrieben.

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Wieder erhältlich: grosse Packung KCl – Originalartikel: kleines Medikamentensterben

Vom KCl haben sie inzwischen wieder eine Grosspackung auf den Markt gebracht. Viel Lärm um nichts? Entweder hatten sie sowieso vor das auf Blister zu wechseln – aber dann hätten sie das als Packungsänderung ankünden können … oder sie hatten zu viele Reklamationen, weil es die grosse nicht mehr gab. Wie auch immer: die 200er Packung ist wieder da.

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Falls Euch sonst hier irgendwo etwas aufgefallen ist, wo es eine Änderung gab (z.Bsp. der Gesetze) – teilt mir das doch mit!

Apothekenmuseum in Kuopio

Das ist das gestern erwähnte Apothekenmuseum von Lena:

In Kuopio besuchten wir ein Museum über alte Häuser aus der Stadt (Das Ballenberg Finnlands sozusagen). Einige wurden schon dort erbaut, andere (wie auch die Apotheke) wurden später dorthin versetzt zu Ausstellungszwecken. Ist auf jeden Fall einen Besuch wert, dieses Museum in Kuopio.

     

 

 

 

 

Autsch.

 

Quelle: webfail.at

Och, die Ärmste hat mein Mitleid. Aber es hat auch sicher da auf der Packung geheissen: erst an unauffälliger Stelle testen (am besten in der Armbeuge).

Aber wieso eigentlich Latex? Ich dachte dafür nimmt man Kolloidem? Das ist ein lustiges Zeug: wenn das Lösungsmittel verdampft, bildet sich eine feine „Haut“. In der Apotheke habe ich das schon gebraucht um Hühneraugentinktur herzustellen. Ob ich das allerdings im Gesicht haben wollte, weiss ich auch nicht.

Apotheken aus aller Welt, 288: Kuopio, Finnland

Lena hat sehr fleissig Apotheken fotografiert: Danke!

Aus dem mitteleuropäischen Bern hat es meine Familie und mich diesen Sommer nach Finnland verschlagen, und ich hielt die Augen offen nach Apotheken. Erstaunlich, wie viele man sieht wenn man sich ein wenig achtet (gesucht habe ich sie nie) – die Kamera war leider nicht immer dabei, und von einer Apotheke weiss ich den Ort nicht mehr.
In Kuopio besuchten wir ein Museum über alte Häuser aus der Stadt(Das Ballenberg Finnlands sozusagen). Einige wurden schon dort erbaut, andere (wie auch die Apotheke) wurden später dorthin versetzt zu Ausstellungszwecken.
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