Danksagung an das Tagi (nicht.)

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Alle Jahre wieder … so langsam sollten wir uns dran gewöhnt haben – nur klappt das irgendwie nicht so ganz, wenn man (schon wieder) kotzend über der Toilettenschüssel hängt.

Angefangen hat Junior damit ohne Vorwarnung am frühen Freitag morgen – es reichte ihm gerade noch bis zur Toilette. Allzuviel kam allerdings nicht hoch – was wohl daran liegt, dass am Morgen nicht mehr so viel im Magen ist. Den Rest des Morgens hatte er alle halbe Stunde eine Attacke – dazwischen versuchte ich ihm erst löffelweise und dann mit einer Spritze gesüssten und leicht gesalzenen Fencheltee einzuflössen, damit er nicht austrocknet.

Telefon an das Tagi (das Tagesheim), dass er heute nicht kommen wird – und natürlich die Frage, ob bei ihnen etwas umgeht: „Ah ja, letzte Woche musste eine Mutter sogar mit ihrem Kind ins Spital deswegen.“ Schön – sowas wüsste ich gerne vorher.

Am Nachmittag musste ich arbeiten und überliess Junior Omas geübten Händen – inzwischen musste er „nur“ noch alle Stunde erbrechen und schaffte es auch, die Elektrolytlösung zu nehmen. Essen war allerdings auch am Abend nicht drin.

Samstag musste ich wieder arbeiten – da ging es mir noch gut, bis am Abend kurz nach dem Abendessen. Um es kurz zu machen – den Weg über meinen Magen hätte ich dem Essen auch sparen können. Bis am Morgen war ich dann vollkommen leer (oben und unten) – einmal mehr auch gut, dass wir 2 Toiletten haben, meinen Mann hat es nämlich gleichzeitig auch erwischt.

So lagen wir beide (und Junior so halb) Sonntag flach – wie gewohnt mache ich das sehr Arbeitgeberfreundlich.

Heute geht es schon wieder besser, wir konnten etwas Essen und ich einen halben Tag arbeiten – wobei ich Dank neuer Kleider, frisch geduscht und mittels einer halben Flasche Desinfektionsmittel ziemlich sicher niemanden angesteckt habe. Und nein, Junior war noch nicht wieder im Tagi.

So Norovirus ist echt Sch….!

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Apotheken aus aller Welt, 224: Essaouria, Marokko

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Von Tanja: Einblicke in eine Marokkanische Apotheke:

Awww! Samt stolzem Apotheker und (eventuellem) Nachwuchs.

Schlangengift-vergiftung?

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Telefon:

beunruhigte Mutter:

„Mein Kind hat alle meine Lachesis C5 Globuli gegessen – ist das Schlimm?“

Ich würde mir da ja keine allzu grossen Sorgen machen, auch wenn es sich bei Lachesis ursprünglich um Schlangengift handelt. In C Potenzen (100er Verdünnungsschritt) ist da wirklich nicht mehr genug drin, dass es auch nur ansatzweise für eine Vergiftung reichen würde – selbst mit dem ganzen Fläschen (30g?) nicht. Beobachten reicht.

Nachspielzeit

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Wir öffnen um 8 Uhr – und das heisst, wir sind bereit und fertig zum loslegen, wenn wir aufmachen. Alle in den Schürzen, die Kassen bereit, die Computer hochgefahren, die Ware schon geliefert. Ich selber bin zu dem Zeitpunkt schon meist 20 Minuten in der Apotheke und mache dies und das. Wir öffnen also pünktlich und ich … will dann auch pünktlich schliessen!

Es muss natürlich an dem Abend sein, an dem ich zu Hause Besuch eingeladen habe und hoffe, meinem Mann noch ein bisschen zu helfen mit dem Essen.

Eigentlich haben wir schon geschlossen, die Kollegin holt nur noch die vordere Kasse, während ich mit der hinteren Kasse nach oben gehe und mich umziehe. Wie ich wieder nach vorne schauen, steht besagte Kollegin am Computer mit einer Frau mit Rezept. Wiiieeeso musste sie die noch reinlassen?

Natürlich kann ich jetzt auch nicht weg. Ihr Rezept ist relativ zügig erledigt … und da es ein Antibiotikum ist, sehe ich noch ein, weshalb die Kollegin sie noch genommen hat – auch wenn es inzwischen 10 Minuten nach Ladenschluss ist.

Und wenn es jetzt fertig wäre, gut … aber Nein.

Frau: „Mein Freund hat auch ein Rezept hier. Könnten Sie mal schauen wegen den Schmerzmitteln.“

Seufz.

Ich öffne sein Dossier. Ja, er hatte ein Rezept hier für Voltaren. Wir haben ihm auf das Rezept auch schon ausnahmsweise eine Wiederholung gemacht.

Nein, NOCH eine Repetition kann ich ihm nicht machen – darum habe ich ihn damals darauf hingeweisen, dass er das nächste Mal wieder ein Rezept braucht.

Beides erkläre ich der Frau.

Frau: „Wie sieht es aus mit Dafalgan und Novalgin?“

Pharmama: „Davon hat er hier noch nie ein Rezept gehabt.“

Frau: „Nein, das ist in einer anderen Apotheke –

Aber dort hat er auch schon einen Vorbezug offen …“

… (Grillenzirpen)

Frau: „Könnten sie nicht….“

Kollegin: „Nein, entschuldigen sie, aber da er das bei uns noch nicht hatte und auch nicht selbst hier ist …“

Ich: (hilfsbereit, aber jetzt habe ich langsam genug): „Das Dafalgan bekommt er auch ohne Rezept. Wenn er die 1g hatte, kann er einfach 2 von den 500mg nehmen. Kaufen sie jetzt eine Packung davon und dann gehen sie morgen in die andere Apotheke oder ins Spital (das Rezept heute war auch vom Spital) und lassen sie sich da entweder einen Vorbezug machen oder dort ein Rezept ausstellen.“

Frau: „Wir waren erst heute im Spital, ich begreife nicht, warum sie nicht auch ein Rezept für die Schmerzmittel ausgestellt haben …“

Ich denke: wahrscheinlich, weil sie beide dort nicht gesagt haben, dass sie das noch brauchen? – Oder (böse) – weil der Arzt nicht der Meinung war, dass das noch nötig ist.

Sie kauft die Dafalgan und geht. Endlich.

20 Minuten nach Ladenschluss.

Ich hasse „Nur kurz“. Die Frage mag ja kurz sein, die Antwort ist es gezwingenermassen meist nicht.

Lehm … woher?

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Kunde: „Haben Sie Anliker Lehm?“

Ich schaue nach, sehe aber, dass wir das nicht mehr führen.

Pharmama: „Leider nicht mehr, aber …“

Kunde: (vorwurfsvoll): „Sie sind jetzt schon die Dritte Drogerie, die das nicht hat!!“

Pharmama:  „Das kann ich mir gut vorstellen, das braucht man heute nicht mehr so häufig, weil es wirksamere und besser anzuwendende Dinge gibt …“

Kunde: „grmpf“

Pharmama: (ok, ich habe verstanden, sie wollen unbedingt das) „…. Ich kann es ihnen, wenn das hilft auf heute Mittag 4 Uhr bestellen.“

Kunde: „Ja …. (überlegt) ok.“

Ich gebe alles in den Computer ein, schreibe den Bestellzettel: „Das macht dann 19 Franken.“

Kunde: „Muss ich das jetzt schon bezahlen?“

Pharmama:  „Ja.“ (die Erfahrung zeigt uns, dass es dann auch wirklich abgeholt wird)

Kunde: „Aber: ist es dann ganz sicher auch hier?“

Pharmama: „Ja, nach 4 Uhr ist es hier“ (wir haben die Möglichkeit auch gleich per Computer abzufragen, ob es kommt)

Kunde: zahlt, grummelt aber immer noch.

Das ist genau der Typ Kunde, der das erst grossartig bestellt … um dann nie mehr von sich hören lässt, worauf wir das Produkt mit Verlust wieder zurückschicken dürfen ….

Das ist etwas, was ich mich letzthin gefragt habe, als ich an der Baustelle vorbeigekommen bin. Anliker ist auch der Name eines Baugeschäftes. Die … heben auch Gruben aus. Woher kommt der Lehm nochmal? Neee (denke ich) … Oder?

Apotheken aus aller Welt, 223: Haiti

Eva von devayani-yoga.de  schickt uns dies:

ich möchte auch gerne ein Apotheken-Foto aus Haiti beitragen. Ich war letzten August dort und habe mit Camp- und Waisenhauskindern gearbeitet.

Und sie hat noch ein Anliegen, dem ich hier (ausnahmsweise und weil es passt) einen Rahmen bieten möchte:

Ich bin die Initiatorin eines von der Presse empfohlenen Kinder-Charity-Kalenders, der als Kalender 2013 erstmals auch als Kundengeschenk für Apotheken erhältlich ist. Für den Kalender spenden Profifotografen aus aller Welt Kinderyogafotos und widmen sie jeweils einem Kinder-Charity-Projekt ihrer Wahl.

Neu: Für Apotheken wird der Kalender 2013 als Giveaway mit Platz für Apothekenlogo und Werbung im Format 14 x 50 cm angeboten. Concentrix spendet zusätzlich für jede Apotheken-Bestellung (Auflage 500 +) ein Paket mit Schulmaterial für Waisenkinder in Haiti über eine mit dem Charity-Preis ausgezeichnete Organisation, die ich selbst vor Ort besucht habe und daher weiß, dass das Geld hier zu 100% bei den Kindern ankommt.

Unleserliche Rezepte – und die Folgen

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Dass die „Aerzteschrift“ oder „Doktorklaue“ nicht nur etwas ist, was den Apothekern die Arbeit schwer macht, ist inzwischen bekannt. Nach Berechnungen des Institute of Medicine der National Academies of Science sterben jährlich in den USA 7000 Patienten wegen unleserlich ausgestellter Rezepte.  Dort wie hier (in der Schweiz) werden Rezepte meist noch handschriftlich ausgestellt. Rezepte wie das im Post gestern sind (immer noch) in der Minderheit.

Wenn die Aerzte sorgfältiger schreiben oder eines der Computerprogramme benutzen würden, mit denen sich Rezepte ausstellen lassen, könnten eine Menge Folge-Fehler vermieden werden.

Das Problem beginnt eigentlich schon bei der Ausbildung der Aerzte, wo dem korrekten Ausstellen eines Rezeptes gerade mal 1 Unterrichtsstunde gewidmet wird – ich weiss das, weil ich, wie die anderen Pharmaziestudenten in dersselben Stunde gesessen und zugehört habe. Dass sie bitte sauber und deutlich schreiben mögen ist in genau 1 Satz abgehandelt worden.

Man kann sich Vorstellen, was dabei alles schief gehen kann, wenn man sich ein paar Beispiele von Rezepten anschaut. Es mangelt es nicht an „schlechten Beispielen“, die ich jeden Tag sehe. Wer wissen will, was da steht, der markiere einfach die weisse Fläche unter dem Bild zwischen den Pfeilen.

Lösung: -> 1x Seretide Discus 250 (60) 2-0-2

1x Muco Mepha 600 (10) 1×1/d

1x Resyl plus Tropfen – <- Na? Erkannt? 🙂

-> 1 OP Pantoprazol 40mg DS: 1-0-0 <-

-> Uhrglasverband zur Nacht

Avamys 1×2 bds für 6 Wo <-

-> Rheflumin mite 1×1 100 Stck <-

Dass derartige Rezepte trotzdem oft von Apothekern gelesen werden können liegt an verschiedenem:

1. (Jahrelange) Erfahrung und Rezepte von den gleichen Ärzten, so dass man ihre Schrift schliesslich kennt.

2. Die meisten Ärzte haben ein beschränktes „Repertoire“ an Medikamenten, die sie aufschreiben. Es sind oft die gleichen 20 – 30 Medikamente, die man mit der Zeit erkennt, selbst wenn es dann noch so dahingesudelt ist.

3. Wenn der Patient weiss, für was das Medikament ist, das er bekommt, kann man anhand der Kenntnis der normalerweise gebrauchten Medikamente ein Rezept ausführen, das man eventuell nur Ansatz- oder Auszugsweise lesen kann.

Aber auch in den Fällen kann das gefährlich sein. Immerhin handelt es sich bei den Sachen, die ich in der Apotheke abgebe um Medikamente …. mit Wirkungen und Wechselwirkungen und der Gefahr der Fehldosierung. Grundsätzlich führe ich ein Rezept nur aus, wenn ich ganz sicher bin, dass das richtige Medikament abgegeben wird. Ist trotz all oben erwähntem eine Unsicherheit vorhanden, was da aufgeschrieben ist, wird dem Arzt angerufen zur Abklärung.

Wenn der Arzt nicht gerade erreichbar ist, weil er keinen Dienst hat, muss der Patient leider bis zur Abklärung warten, bevor er das Medikament bekommt. Das kann unangenehm bis schädlich sein, darum liebe Aerzte: schreibt deutlich!!!

Und wenn Ihr ein Telefon bekommt von der Apotheke, denkt daran: wir machen das nicht zu unserem Vergnügen, also seid freundlich. Dem Arzt, der letzthin das Telefon mit einem super unfreundlichen „WAS IST?!?“ abgenommen hat, dem hätte ich gerne noch ein paar Dinge mehr gesagt, was ich wegen dem vor mir stehenden Patienten leider nicht konnte…

Unfreiwillig komisch (5)

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Der Arzt hat es noch gemerkt … aber das Rezept hat mich doch zum Schmunzeln gebracht:

Für die medizinischen Laien: Es handelt sich um Antibiotika OHREN-Tropfen. Die nimmt man nicht ein, die gehören in die Ohren – und damit ist es absolut egal, ob das vor, mit oder nach dem Essen stattfindet.

Ich frage mich, ob das ein Fehler in der Rezeptsoftware ist? Ansonsten sind so gedruckte Rezepte viel angenehmer (und meist sicherer).

… mehr unfreiwillig komisches hier.

Stealth modus?

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Ich gehe zur Kundin, die im Laden steht und etwas anschaut:

Pharmama: „Grüezi , kann ich Ihnen helfen?“

Die Kundin ignoriert mich komplett. Ich stelle mich auf ihre andere Seite und versuche es nochmal – mit dem gleichen Ergebnis.

Hmpf. Dann halt nicht. Ich bleibe in der Nähe nur für den Fall, aber die Kundin schaut nur auf die Ware, nicht auf mich, oder ob jemand anders da ist.

Etwas später.

Jemand anderes kommt herein und ich gehe zu ihr, sie zu bedienen. Die Kundin nennt mir ihren Wunsch und ich laufe quer durch den Laden, das Mittel aus der Schublade zu holen.

Dabei komme ich an der ersten Kundin vorbei.

Erste Kundin: „He Sie! Können Sie mir helfen?“

Pharmama: „Ja, sobald ich hier fertig bin.“

Vielleicht liegt es daran, dass ich einen „Stealth modus“ habe? Wenn ich jetzt noch herausfinden könnte, wie man den an- und abstellt ….

Apotheken aus aller Welt, 223: Manila, Philippinen

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Kanadafrau ist in Manila unterwegs und schickt uns diese Apotheken:

Eine Generika-Apotheke. Gibt’s von der wohl auch ein Original?