Das hat mir noch niemand gesagt.

Kennt ihr das: da habt ihr jemanden, bei dem/der habt ihr ein mögliches Problem erkannt und das solltet ihr ansprechen … und dann kommt etwas dazwischen, ihr traut euch nicht (z.B. weil es unsensibel wäre) und je länger ihr wartet, desto schwieriger wird das?

Wir haben da eine Kundin, die kommt regelmässig (so alle paar Wochen) und dann kauft sie alle Modifast die wir haben. Ja, alle. Bisher hatte sie immer jemand anders, der sie bedient, aber gestern …

Für diejenigen, die das nicht wissen: Modifast, das ist ein Produkt zum abnehmen, Einzelbeutel mit denen man einen Drink macht (oder eine Suppe, oder eine Creme), das man dann anstatt des Essens nimmt.
Besagte Kundin ist … nicht gerade schlank. Und als sie wieder einmal unseren Vorrat an Modifast abräumt und ich sie diesmal habe, überwinde ich mich und spreche ich sie darauf an:

Pharmama: „Entschuldigen sie, mir ist aufgefallen, dass sie öfter Modifast kaufen. Wie nehmen sie sie denn?“

Kundin: „Na, statt dem Essen.“

Pharmama: „Und wie oft?“

Kundin: „Statt jedem Essen?“

Ich … leicht baff, aber immerhin habe ich derartiges vermutet, sonst bräuchte sie nicht dermassen viele: „Sie ersetzen also immer alle Mahlzeiten damit? – denn … dafür sind sie schon nicht gedacht.“

Kundin: „Aber mein Arzt hat mal gesagt, da ist alles drin, was man so braucht. Alle Vitamine und Spurenelemente und Ballaststoffe … Und alle 2,3 Wochen esse ich wieder ein paar Tage normal.“

Pharmama: „Ah, das ist auf Dauer gar nicht gesund. Es wäre besser, wenn sie nur 1, maximal 2 Mahlzeiten am Tag damit ersetzen und sonst anderes essen. Gemüse und Früchte und so …“

Kundin: „Aber wieso? Da drauf steht: ersetzt eine vollwertige Mahlzeit, enthält alle wichtigen Nährstoffe!“

Pharmama: „Ja, aber … es ist trotzdem immer besser, wenn man frische Sachen nimmt – das hier ist doch etwas sehr einseitig, speziell auf Dauer.“

Kundin: „Was meinen sie mit ‚auf Dauer’?“

Pharmama: „Naah jaaah … ein paar Monate maximal.“*

Kundin: „Ich mache das schon seit 3 Jahren so. Das hat mir noch niemand gesagt, dass das nicht gut sein soll.“

Pharmama: „Haben sie denn keinerlei Probleme? Gelenke? Magen? Kopfschmerzen?“

Kundin: „Nein. „

Hmmmm … so wie sie aussieht, kann ich das fast nicht glauben. Zumindest die Zähne scheinen auch nicht so das zu sein …
Und dann erzählt sie mir noch, dass sie die Drinks etwas modifiziert, das mache sie besser. Z.B. macht sie echten Kaffee und Zucker in den Kaffee-Drink, Rahm in sie Vanille etc … das erklärt dann vielleicht auch, warum sie trotz dieser „Diät“ nicht abnimmt damit.

Obwohl mir hier der gesunde Menschenverstand sagt, dass das nicht gut sein kann – und ich ihr versuche das rüberzubringen, dass das bestimmt nicht unter „gesunde Ernährung“ fällt … ich glaube nicht, dass das angekommen ist. Mehr als sagen, kann ich allerdings nicht.

* Tatsächlich steht in der Packungsbeilage:

Beim Ersatz der gesamten Tagesration darf Modifast Programm aber ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei Wochen verwendet werden.

3 Jahre???

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29 Antworten auf „Das hat mir noch niemand gesagt.

  1. Es hat mich schon beim Lesen gewundert, dass Du die Dame als nicht gerade schlank bezeichnest. Jahrelang nur das Zeugs trinken (alleine der Gedanke daran gruselt mich schon) und dann nicht abnehmen? Da sollte doch jeder mal auf die Idee kommen, dass das was nicht stimmen kann. Wenn die Dame dann noch die Getränke „aufpeppt“ wundert mich nichts mehr

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    1. Und man sollte auch daran denken: die Ernährung ist immer nur eine Komponente – die andere ist die Bewegung. Wenn sie sich natürlich auch fast gar nicht bewegt, hat auch das einen Einfluss auf ihre Körperfülle.

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  2. Auf dem „Red Bull“ steht ja auch drauf „… nicht mit Alkohol mischen“.
    Und was säuft die Jugend am Wochenende: Wodka-Red Bull.

    Ich übrigens auch, ab und zu… ;-)

    Und das ganze erinnert mich noch an einen „Witz“: Diäten machen dick! Beweis: Hat jemand schon mal eine schlanke Person eine Diät machen sehen?
    Dummer Spruch, ich weiss. Aber irgendwo hat er auch einen wahren Kern…

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    1. „Diäten machen dick!“
      vor Allem die Hersteller dieser doch recht zweifelhaften Produkte :-(
      Das mit dem limitierten Verwenden steht aber m.W. nur auf dem Beipackzettel und wer liest diesen schon, vor Allem bei solchen „Mitteln“ Schliesslich steht doch auf der Packung gross und breit, dass es alles beinhaltet, was man so braucht!
      .. und ausserdem sagt die „Trulla“ im Fernsehen doch das Gleiche – und die ist gertenschlank ;-)

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  3. Meine „Diät“ mit dem verwandten Optifast war in etwa die schlimmste Erfahrung meiner Diätkarriere. Es hat so furchtbar, dass ich nicht alle vorgesehenen Portionen gegessen habe sondern sogar noch welche weggelassen habe. Erfolg: innerhalb eines halben Jahres etwa 30 Kilo runter und dann etwa 40 Kilo wieder rauf in der gleichen Zeit. Trotz ärztlicher und psychologischer Betreuung und Ernährungsberatung hat das für mich einfach nicht funktioniert. Wenn mich mir vorstelle, 3 Jahre oder gar dauerhaft von dem Pulver leben, dann nimmt das ein böses Ende…

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    1. Als alleinige Diät-Form taugen solche Schlank-Pulver oder Drinks nicht, dass wissen auch Ernährungsmediziner (eigentlich).Die Drinks sind für einen schnellen Anfangserfolg gut, dann sollte aber unbedingt eine komplette Ernährungsumstellung trainiert werden in Kombination mit Bewegung.
      30 kg Gewichtsabnahme in einem halben Jahr ist viel zu viel, mehr als 2 Kilo pro Monat sollten es nicht sein, denn dann kommt der Jo-jo-Effekt und alles ist für die Katz gewesen….

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  4. Manche Menschen sind so doof… Wenn die das seit 3 Jahren macht und es helfen würde, müsste sie gertenschlank sein. Denkt die nicht nach?

    Meine Cousine hat mit Almaset 30 Kilo in einem halben Jahr abgenommen, sie hat das Mittagessen ersetzt und morgens und abends ein bisschen Gemüse und ein bisschen Obst gegessen. Sie hatte alle möglichen Beschwerden – Verstopfung (irgendwie logisch), brüchige Finger- und Zehennägel… Und als sie wieder angefangen hat, zu essen, war das Gewicht auch wieder drauf. Sowas funktioniert nie auf Dauer.

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  5. Ich weiß auch nicht, was an diesen Produkten so toll sein soll, aber die Leute glauben wirklich dran.
    Hier drüben glauben viele, in Sydney vor allem Asiaten, da das Büro mitten in Chinatown liegt, an die Produkte von Herbalife. Und diejenigen die es verkaufen nehmen es selber. Ich saß da mal bei einem so genannten „Job briefing“, es standen alle in einer Reihe und haben Dinge gesagt wie „ich habe in 3 Monaten 6kg abgenommen, all thanks to Herbalife“.
    Jedem das seine, ich geh lieber Sport machen.

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  6. Ich würde fort an nicht mehr in der Apotheke kaufen.

    Ich finde in den letzten Jahren Apothekerinnen insgesamt extrem aufdringlich. Ständig erzählen die mir wie ich die Medikamente einnehmen soll. Das weiss ich. Oder einmal kaufte ich ein pflanzliches Nasenöl von Weleda und dazu ein Eukalyptus-Erkältungsbad. Das wollte die Trulla mir nicht zusammen verkaufen – weil angeblich das Nasenöl homöopathisch wäre !!!! (das ist ein Komplexmittel!) und dazu dürfte man kein Eukalyptus verwenden.

    Ich glaube es hackt. Der habe ich beides wieder auf den Tresen geschmissen und die hat mich nie wieder gesehen.

    Das geht die doch überhaupt nichts an.

    Genauso wenig wie es Dich was angeht, ob die nun 5 oder 6 Packungen jede Woche von dem Zeug bei Dir kauft. Gibt vielleicht noch andere Gründe, warum man das macht, ausser Abnehmen wollen. Bequemlichkeit, nicht kochen wollen oder können, einen Job haben, wo man keine Zeit mehr für Reproduktionsarbeiten hat usw….

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    1. Ich denke da irrst Du Dich aber gewaltig. Beratung (und das ist genau das, was Du hier monierst) ist vom Gesetz vorgeschrieben.
      Darum sind bei uns manche Produkte nur in Apotheken, andere auch in Drogerien und noch andere überall erhältlich.
      Medikamente und auch manches was unter Nahrungsergänzungsmittel fällt sind keine einfachen Konsumgüter. Davon auszugehen, jemand wisse, wie man etwas anwendet … führt häufig zu Problemen – und gelegentlich landen die Leute sogar im Krankenhaus deswegen und schlimmeres.
      Ich erlebe das täglich – so wie viele andere Apotheker, Ärzte und Medizinalberufe.

      Und stell Dir mal das Gegenteil vor: die liebe Dame vom Post bekommt ernsthafte Gesundheitsprobleme wegen ihrer Fehlernährung – und behauptet dann: „niemand hat mir je etwas gesagt“ – dass viele die Packungsbeilage nicht lesen (wollen) ist so. Dass sie dann nicht auf den Rat der Gesundheitsperson hören – das ist dann vielleicht ihr eigenes Problem, aber hinweisen drauf – das gehört zum Beruf.

      10% der Leute machen zum Teil erhebliche Fehler bei der Selbstmedikation. Das zu erkennen und da zu helfen, dazu sind wir da.
      Auch wenn es manche nerven mag.

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    2. Wie bitte?

      Natürlich geht es mich als Apothekerin etwas an, was die Leute mit den Sachen machen, die sie bei uns kaufen! Nicht weil ich von Natur aus neugierig bin oder es mich persönlich interessiert, sondern weil eine korrekte Beratung von Gesetzes wegen vorgeschrieben ist.

      Überhaupt finde ich dein Verhalten etwas unhöflich: auf die (sicherlich gut gemeinte) Beratung der Apothekerin wird als Antwort die Packung auf den Tresen geschmissen. Sehr nett! Sowas würde ich noch nicht einmal machen, wenn der Verkäufer sich total unflätig benehmen würde! :-( Wo ist denn da die Kinderstube?

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      1. Kann ich nur unterschreiben !!!

        Schade, dass unser guter Wille und unsere Bemühungen zum Wohle der Kunden (!) manchmal von manchen Personen als Bevormundung oder persönliche Neugierde oder was weiß ich missverstanden werden …. :-(

        Für mich aber sicherlich kein Grund nachzulassen !!!

        Denn die allermeisten sind froh über unsere Tipps und schätzen unsere Arbeit.

        Kollegiale Grüße an alle ApothekerInnen, PTAs u.ä. „da draußen an der Front“ ,
        Cora

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    3. Ganz kurz:
      * Wenn Du eine Apotheke suchst, die Dir ultimativ nach dem Maul redet und Dir sagt, dass Dein missbräuchlicher Medikamentenkonsum, der Deiner Gesundheit schadet, nicht so schlimm wäre, würde ich nicht zu Pharmama gehen. Vielleicht sind da Internetapotheken ohne Beratung geeigneter für Dich. Da sagt man Dir das, was Du hören möchtest und verkauft Dir den Scheiß ohne Beratung.
      * Wenn Du aber eine Apotheke suchst, die Dich auf einen solchen Fehlkonsum mal freundlich einfach hinweist, wie bei dieser Dame, die seit 3 Jahre Modifast zur Gewichtsabnahme OHNE Gewichtsabnahme einnimmt, würde ich mir eine Apotheke suchen, die eine Apothekerin wie Pharmama hat und die Dich vernünftig berät..

      Das muss jeder für sich selber wissen…

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      1. Ich finde die meisten Apotheker/Innen nehmen sich viel zu wichtig. Sie müssen vielleicht auch mal schaun, welchen „Background“ ihre Kunden haben….

        Einer Heilpraktikerin völligen Schwachsinn über Naturheilmittel zu erzählen, finde ich daneben. Abgesehen davon stört mich der Oberlehrerton, der ja auch hier im Blog herrscht…

        Als wenn alle Kunden Deppen wären…

        Drum sinds die Apotheker, die sich überwichtig nehmen.

        Wenn ich Beratung haben will, dann sage ich es.

        Aber wegen jeden Hustenbonbon, den ich zufällig mal in einer Apotheke kaufe, eine halbe Stunde vollgelabert zu werden, finde ich nur nervig.

        Die meisten Medis kaufe ich sowieso im I-Net oder bei Rossmann. Das ist wesentlich günstiger.

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        1. Höhö… Apropos Background… wenn dann mal Antibiotika oder Insulin oder Alpha-Blocker an den Start müssen… dann viel Spass bei Rossmann
          *tritt lachend ab* ….. immer diese Aldi-Kundschaft…ach nee…war ja der „1-Euro-Shop“… hehe… *immernochlach* ….

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        2. Dir steht also auf der Stirn geschrieben, dass du Heilpraktikerin bist, und der/die/das Apotheker ist nur zu doof, das zu erkennen? (Zu deutsch: Dein Background mag DIR bekannt sein, aber ist er das auch einem nicht persönlich Bekannten gegenüber?)

          Schön, dass du eine Beratung einforderst, wenn du sie haben willst (ernsthaft – bringt ja nix, wenn die Leute sich schlecht oder gar nicht beraten fühlen, aber sich nicht trauen, den Mund aufzumachen) – aber (wie in den vorhergehenden Kommentaren schon geschrieben), muss schon von Rechts wegen die Initiative zur Beratung erst mal vom Apotheker ausgehen. Wenn das nicht reicht – mehr geht natürlich immer.
          Man kann aber auch einfach dankend ablehnen und sagen: „Danke, ich weiß schon Bescheid.“
          Das wäre ein Beispiel für gute Kinderstube.

          Die Packung auf den Tresen zu knallen und unverrichteter Dinge den Laden zu verlassen, weil die Dame dich in deinem eigenen Interesse drauf hinweisen wollte, dass ein homöopathisches Mittel (und ein Komplexmittel von Weleda ist doch homöopathisch, oder) der Lehrmeinung nach nicht wirken wird, wenn man gleichzeitig ätherische Öle wie Campher anwendet…
          …nein, das ist keine gute Kinderstube.

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  7. Habe gerade diese Woche eine ähnliche Geschichte erzählt bekommen.
    Da antwortete die Kundin auf dieselbe Frage, dass sie die Cremes immer anstatt eines Desserts isst und trotzdem nicht abnimmt.
    Sie hat dies wohl nicht über Jahre, aber sicher über mehr als 3 Wochen getan.

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  8. auch sehr schöne geschichte aus meiner apotheke: omi kauft eines dieser diät.-protein-pulver und fragt, ob sie es vor oder nach der mahlzeit zu sich nehmen soll. ich erkläre ihr zig mal, dass sie es anstelle einer mahlzeit zu sich nehmen soll. leider war „anstelle“ für sie undenkbar …. :(

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    1. Dann wäre „davor“ passend.
      Vielleicht isst sie dann von dem, was folgt, weniger und es hat wenigstens ein wenig Effekt.
      Aber dann wären vermutlich kalorienarme und magenfüllende „Vorspeisen“ preisgünstiger…

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  9. Ohje, tut mir leid.
    Da wäre es, nach all der Zeit, aber auch des Arztes Pflicht einzuschreiten.
    Bzw. besser VORHER zu erklären.

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