Historische Gefässe

Ein paar Bilder historischer Standgefässe von Leser und Apotheker Murgs:

Zunächst eines meiner Größten (ca.75cm) – früher gab es halt keinen Großhandel der binnen Stunden lieferte:
Folia Menthae piperitae tot. – Pfefferminzblätter (ganz)

und dann ganz klein (gerade 6,36 cm): Sol. Argent. nitric. –Silbernitratlösung

„Höllenstein“ tönt doch wirklich viel interessanter. Wenn das Fläschchen noch voll wäre, wäre es noch mehr wert – Silbernitrat ist ziemlich teuer. Es wird eingesetzt in der Analytik (Bestimmung von Inhaltstoffen), früher (und wieder mehr) als Augentropfen bei Neugeborenen für die Prophylaxe von Gonorrhoe-bedingten Augenentzündungen, konzentriert früher zum wegätzen von Hautgeschwüren wie Warzen (daher auch der Name) – und wir verkaufen es heute noch gelegentlich an Banken, die damit ihre Geldscheine präparieren. Jeder, der diese dann anfasst, hat nachher noch laaange schwarze Finger.

Und das Zückerchen:

Ein Stift als Größenvergleich.
Diamorphin, 1896 unter dem Handelsnamen „Heroin“ eingeführt, wurde in Deutschland wohl erst 1971 verboten.
Herba Cannabis indica (falsche Schreibweise auf dem Gefäß!): Indisches Hanfkraut also Marihuana, „Gras“.

Solche netten Sachen waren Arzneimittel und keine verbotenen Substanzen. Aber vielleicht ändert sich das leider wieder. In Hamburg wurde allerdings gerade ein Drogenbefürworter bei einem Unfall getötet – durch einen zugehaschten Autofahrer.

19 Antworten auf „Historische Gefässe

  1. Zitat: „In Hamburg wurde allerdings gerade ein Drogenbefürworter bei einem Unfall getötet – durch einen zugehaschten Autofahrer.“

    Hm, würde sagen ausgleichende Gerechtigkeit.

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      1. Oder ein dummer Zufall.

        Allerdings ist das kein Argument. Es werden jedes Jahr so viele Menschen durch Alkohol am Steuer getoetet und trotzdem wird es nicht verboten. Rauschmittelgenuss und Fahren unter Rauschmitteleinfluss sind zwei Paar Schuhe. Das erste ist m.M.n. Privatsache, das zweite ist (zurecht) eine Straftat. (Interessant waere mal die Quote: Unfaelle durch Alkohol / A.-Trinker und Unfaelle durch Cannabis / C.-Raucher.)

        Ich bin jedenfalls fuer die Freigabe von Marijuana, auch wenn ich selber nicht kiffe. Im allgemeinen sind mir Bekiffte lieber als Betrunkene. Vielleicht werde ich ja jetzt auch wegen ausgleichender Gerechtigkeit von einem Bekifften ueberfahren ;-)

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        1. Leider ist „bekiffter Autofahrer rast in Menschenmenge“ (der erwähnte Unfall forderte 4 Tote) ein typischer Ablauf, weil Cannabis zu aggressivem Verhalten führt. Alkohol führt zu einer typischerweise unsicheren Fahrweise.

          Ich komme mit Betrunkenen und Alkoholabhängigen bisher gut klar, ihre Reaktionen sind eher abzuschätzen als bei Bekifften und anderen Drogensüchtigen, wo ich mich sicherheitshalber nach Fluchtmöglichkeiten umschaue.
          Es gruselt mich immer wieder vor den plötzlich auftretenden Aggressionen.

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  2. Das gute alte Heroin.
    1873 von Charles Wright entdeckt und 1897 von dem Apotheker Felix Hoffmann, dem Erfinder des Aspirins, erstmalig bei Bayer in Leverkusen als Arzneimittel hergestellt, war das Zeugs als Mittel gegen Reizhusten bis in die 1930er Jahre auf Rezept im Handel erhältlich.
    Beworben wurde das Zeugs damit, dass es wenig Nebenwirkungen hat; die hat man dann erst Ende der 1920er Jahre entdeckt.

    In Abwandlung eines Werbeslogans:
    „Heroin wirkt schnell und war von Bayer“… ;-)

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  3. Die Höllensteinlösung in Form des Höllensteinstiftes eignet sich auch hervorragend um Nabelgranulome, also nicht komplett eingetrocknete Nabelreste bei Neugeborenen zu verätzen (Infektionsquelle). Ist aber, glaub ich, vom Markt, weil es sich für die Industrie nicht rentiert. Ist das richtig, kann da jemand weiterhelfen?

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  4. Ich hab von meiner ehemaligen Chefin zum Abschied 3 Glasgefäße bekommen, Wasserstoffperoxid konz., Solutio Ephedrini 1:10 und Kalziumchloridlösung. :)

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  5. Cannabinoide wie die natürlichen im Cannabis, und Opioide wie Heroin sind hervorragende, verträgliche und sehr wichtige Arzneimittel, die schwer kranken Menschen mit starken körperlichen und seelischen Schmerzen ihr Leiden erheblich dämpfen können.
    Sie mit gigantischem Strafverfolgungsaufwand den Menschen vorzuenthalten und kranke Menschen dafür ins Gefängnis zu stecken, die niemandem damit schaden sondern lediglich sich selbst mit diesen Mitteln ihr Leben erträglicher zu machen versuchen, ist faschistoider, inhumaner Irrsinn. Ich wünsche jedem, der für diese kranke Prohibitionspolitik eintritt, dass er mal die Schmerzen und die Hölle am eigenen Leid erlebt, durch die er die armen Menschen schickt, die auf diese Stoffe angewiesen sind und sie nur unter schlimmsten Bedingungen auf dem Schwarzmarkt erhalten können.
    Zum Glück gibt es aber Länder, die am Umdenken sind. In Kalifornien ist natürliches Cannabis-Kraut mittlerweile ein ein etabliertes Medikament und immer mehr Ärzte weltweit setzen in der Schmerztherapie frühzeitig auf hochpotente, angenehme Opioide wie etwa Oxycodon, das de facto gleichwertig mit Heroin ist. In Großbritannien z.B. wird sogar Heroin selbst in der Schmerztherapie verordnet.

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    1. Ja, richtig eingesetzt können auch diese ein Segen sein. Zu blöd, dass es immer ein paar geben wird, die diese Mittel nur dazu missbrauchen „high“ zu werden und in dem Zustand nicht nur sich selbst, sondern auch andern schaden.
      Und a propos Oxycodon: hast Du da eine Meinung zu den in amerikanischen Medizinalblogs so ungeliebten „frequent Flyer“ in den Notfallstationen? Leute, die nur auf der Suche nach dem schnellen Kick durch z.B. ebendieses Oxycodon sind? (oder Vicodin, oder Dilaudid…). Amerika hat ein Riesenproblem mit derart „Tablettensüchtigen“ und den damit verbundenen Überdosierungen – von den Kosten ganz zu schweigen.

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      1. Oohhhhh ja! Zwar habe ich das Wort jetzt zum ersten Mal gehört, aber solche „frequent Flyer“ gibt es hier definitiv auch! Neben den „Drögelern“ und den Aufmersamkeits-Suchenden gibt es da noch die, die gar keinen Hausarzt haben… Und IMMER ins Spital in den Notfall gehen! Regelmässig und das immer Nachts oder am Wochenende. Und dann noch meckern, dass sie lange warten mussten… :-(

        Ich habe schon seit einiger Zeit aufgehört mich zu fragen, was das alles kostet; das regt mich nur für nichts auf!

        Zu den Opiaten: leider gibt es immer noch Ärzte, die mit den Schmerzmitteln zu streng sind. Besonders, wenn für einen Patienten keine Hoffnung mehr besteht, sollte er wenigstens von den Schmerzen befreit werden! Schade, dass dazu (aus historischen Gründen) bei uns das Heroin nicht zugelassen ist! Die Daten zeigen offenbar, dass es besser verträglich ist als Morphin und auch noch stärker anxiolytisch wirkt… Wäre doch echt gut für die palliative Medizin.

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    2. „faschistoid“ ,“Prohibition“?
      Die Wortwahl hilft nicht weiter – was schrieb ich weiter oben über Aggressives Verhalten unter Drogen?

      Zwischen Suchtmittel und Arzneimittel muß klar unterschieden werden. Das ist wie beim amoklaufenden Messerstecher und beim Skalpell ansetzenden Chirurgen – Messer ist nicht gleich Messer.
      Als Arzneimittel steht Dronabinol (aus Hanf) zur Verfügung, damit ist auch eine exakte Dosierung möglich. Meine Erfahrungen damit sind auch eher positiv, aber es ist kein Wundermittel mehr eine Zwischenlösung.
      Diamorphin hat als Arzneimittel wohl wenig Zukunft, mich wundert wie wenig von der jahrzehntelangen medizinischen Anwendung an vergleichenden Forschungen übriggeblieben ist. So gesehen gibt es genug andere Opiate.
      Zum Schluß: Cocain ist als Arzneimittel unverzichtbar, aber die Einsatzgebiete sind sehr beschränkt und außerhalb jeder Suchtgefahr.

      Arzneimittel haben ihre genau definierten Einsatzgebiete, und nur da brauchen wir sie.
      Suchtmittel sind eine Gefahr, die notwendigerweise bekämpft werden muß.

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      1. ich beteilige mich hier normalerweise nicht an den diskussionen, aber das kann ich einfach nicht so stehen lassen.

        murgs, wenn du schon so vehement für die bekämpfung von suchtmitteln auftrittst, dann sei zumindest konsequent und fordere auch die sofortige illegalisierung von alkohol, nikotin und evtl sogar kaffee/tee.

        was du weiter oben über ‚agressives verhalten‘ geschrieben hast…ich wage stark zu bezweifeln, dass du je in deinem leben einer ‚bekifften‘ person begegnet bist (ausser du läufst, wie du beschrieben hast, immer gleich davon, weswegen du gar nicht merkst, wie falsch deine vermutungen sind).
        cannabis mag ja zu einigem führen, aber ganz sicher nicht zu agressivem verhalten, sondern zum genauen gegenteil. das von dir beschriebene agressive verhalten findet sich de facto hauptsächlich bei alkoholkonsum.
        ich wüsste wirklich gerne, woher du deine ‚informationen‘ diesbezüglich hernimmst.

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        1. Danke, blubsi. Genau die gleichen Gedanken hatte ich auch, wollte allerdings die Diskussion nicht weiter ins off topic laufen lassen. Gut, dass du es gesagt hast und ich schliesse mich dir 100%ig an.

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  6. Hallöchen,

    ich möchte nur kurz einen Kommentar zu der Schreibweise „Canabis“ hinterlassen……
    Über dem „n“ kann ich einen waagerechten Strich erkennen….meine Oma schrieb Doppellaute auch immer einfach mit einem Strich darüber, ich habe das immer für eine Eigenart von ihr gehalten, aber vielleicht war es so einmal gültige Schreibweise.

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    1. Ja, der Strich ist da und steht für das zweite n. Man bezeichnet ihn auch als Nasalstrich oder Nasalkürzung, weil ursprünglich Nasallaute (n oder m) dadurch gekürzt werden konnten. Nicht nur bei doppelten Konsonanten, sondern auch einfach so. (Ich werde Historiker und alte Schriften sind meine Leidenschaft!)
      Von meiner Mutter habe ich das noch in der Grundschulzeit auch mal gehört, daß ihre Mutter manchmal auf diese Weise ein einfaches n zu einem doppelten gemacht hat, wenn sie eines vergessen hatte.

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  7. Mit Silbernitrat hab ich schon meine schmerzhaften Erfahrungen gemacht. Der Hausarzt wollte mit dem Zeug Haut an meiner Zehe weg ächzen. Sehr schmerzhaft kann ich sagen. Die zwei Monsterspritzen in meine Zehe bei der OP waren da „sanfter“.
    Seit dem mach ich einen großen Bogen um das Zeug.

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