Toilettenspülung

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Junior geht ja inzwischen schön auf die Toilette, putzt selbst nach (manchmal muss man noch etwas nachhelfen), wäscht die Hände (ok, *das* gibt noch gelegentlich Diskussionen, aber es wird gemacht) und spült.

Und spült.

Und spült – und lacht …

WAS macht der da? Ich muss nachschauen.

Da steht er vor der Toilette, reisst ein Stück Toilettenpapier ab – legt es sorgfältigst so hin, dass ein Teil auf dem Rand der Toilette liegt und der andere Teil gerade noch das Wasser berührt … und spült. Das Toilettenpapier verschwindet *flupp* im Strudel – lacht!

„Junior! – lass das, das ist Verschwendung!!“

sage ich, mit bemüht strengem Ton – und muss mir doch das Lachen verkneifen, denn ich muss an das hier denken:

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Das hat mir noch niemand gesagt.

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Kennt ihr das: da habt ihr jemanden, bei dem/der habt ihr ein mögliches Problem erkannt und das solltet ihr ansprechen … und dann kommt etwas dazwischen, ihr traut euch nicht (z.B. weil es unsensibel wäre) und je länger ihr wartet, desto schwieriger wird das?

Wir haben da eine Kundin, die kommt regelmässig (so alle paar Wochen) und dann kauft sie alle Modifast die wir haben. Ja, alle. Bisher hatte sie immer jemand anders, der sie bedient, aber gestern …

Für diejenigen, die das nicht wissen: Modifast, das ist ein Produkt zum abnehmen, Einzelbeutel mit denen man einen Drink macht (oder eine Suppe, oder eine Creme), das man dann anstatt des Essens nimmt.
Besagte Kundin ist … nicht gerade schlank. Und als sie wieder einmal unseren Vorrat an Modifast abräumt und ich sie diesmal habe, überwinde ich mich und spreche ich sie darauf an:

Pharmama: „Entschuldigen sie, mir ist aufgefallen, dass sie öfter Modifast kaufen. Wie nehmen sie sie denn?“

Kundin: „Na, statt dem Essen.“

Pharmama: „Und wie oft?“

Kundin: „Statt jedem Essen?“

Ich … leicht baff, aber immerhin habe ich derartiges vermutet, sonst bräuchte sie nicht dermassen viele: „Sie ersetzen also immer alle Mahlzeiten damit? – denn … dafür sind sie schon nicht gedacht.“

Kundin: „Aber mein Arzt hat mal gesagt, da ist alles drin, was man so braucht. Alle Vitamine und Spurenelemente und Ballaststoffe … Und alle 2,3 Wochen esse ich wieder ein paar Tage normal.“

Pharmama: „Ah, das ist auf Dauer gar nicht gesund. Es wäre besser, wenn sie nur 1, maximal 2 Mahlzeiten am Tag damit ersetzen und sonst anderes essen. Gemüse und Früchte und so …“

Kundin: „Aber wieso? Da drauf steht: ersetzt eine vollwertige Mahlzeit, enthält alle wichtigen Nährstoffe!“

Pharmama: „Ja, aber … es ist trotzdem immer besser, wenn man frische Sachen nimmt – das hier ist doch etwas sehr einseitig, speziell auf Dauer.“

Kundin: „Was meinen sie mit ‚auf Dauer’?“

Pharmama: „Naah jaaah … ein paar Monate maximal.“*

Kundin: „Ich mache das schon seit 3 Jahren so. Das hat mir noch niemand gesagt, dass das nicht gut sein soll.“

Pharmama: „Haben sie denn keinerlei Probleme? Gelenke? Magen? Kopfschmerzen?“

Kundin: „Nein. „

Hmmmm … so wie sie aussieht, kann ich das fast nicht glauben. Zumindest die Zähne scheinen auch nicht so das zu sein …
Und dann erzählt sie mir noch, dass sie die Drinks etwas modifiziert, das mache sie besser. Z.B. macht sie echten Kaffee und Zucker in den Kaffee-Drink, Rahm in sie Vanille etc … das erklärt dann vielleicht auch, warum sie trotz dieser „Diät“ nicht abnimmt damit.

Obwohl mir hier der gesunde Menschenverstand sagt, dass das nicht gut sein kann – und ich ihr versuche das rüberzubringen, dass das bestimmt nicht unter „gesunde Ernährung“ fällt … ich glaube nicht, dass das angekommen ist. Mehr als sagen, kann ich allerdings nicht.

* Tatsächlich steht in der Packungsbeilage:

Beim Ersatz der gesamten Tagesration darf Modifast Programm aber ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei Wochen verwendet werden.

3 Jahre???

Historische Gefässe

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Ein paar Bilder historischer Standgefässe von Leser und Apotheker Murgs:

Zunächst eines meiner Größten (ca.75cm) – früher gab es halt keinen Großhandel der binnen Stunden lieferte:
Folia Menthae piperitae tot. – Pfefferminzblätter (ganz)

und dann ganz klein (gerade 6,36 cm): Sol. Argent. nitric. –Silbernitratlösung

„Höllenstein“ tönt doch wirklich viel interessanter. Wenn das Fläschchen noch voll wäre, wäre es noch mehr wert – Silbernitrat ist ziemlich teuer. Es wird eingesetzt in der Analytik (Bestimmung von Inhaltstoffen), früher (und wieder mehr) als Augentropfen bei Neugeborenen für die Prophylaxe von Gonorrhoe-bedingten Augenentzündungen, konzentriert früher zum wegätzen von Hautgeschwüren wie Warzen (daher auch der Name) – und wir verkaufen es heute noch gelegentlich an Banken, die damit ihre Geldscheine präparieren. Jeder, der diese dann anfasst, hat nachher noch laaange schwarze Finger.

Und das Zückerchen:

Ein Stift als Größenvergleich.
Diamorphin, 1896 unter dem Handelsnamen „Heroin“ eingeführt, wurde in Deutschland wohl erst 1971 verboten.
Herba Cannabis indica (falsche Schreibweise auf dem Gefäß!): Indisches Hanfkraut also Marihuana, „Gras“.

Solche netten Sachen waren Arzneimittel und keine verbotenen Substanzen. Aber vielleicht ändert sich das leider wieder. In Hamburg wurde allerdings gerade ein Drogenbefürworter bei einem Unfall getötet – durch einen zugehaschten Autofahrer.

Auf dem Dienstumweg

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Kundin: „Ich möchte gerne die Medikamente abholen für Meyer Annelise.“
Los geht die grosse Suche, aber:
da ist nichts auf der Seite und ein Dauerrezept hat sie auch nicht mehr im Computer gespeichert.
Kundin: „Aber ich habe vor 3 Tagen dem Arzt angerufen, damit er ihnen ein Rezept schickt!“
Pharmama: „Nun, bis jetzt ist noch nichts gekommen.“
Kundin: „Aber ich habe ihm gesagt, ich brauche es heute!!“
Pharmama: „Das verstehe ich, nur, ich kann nichts dafür, dass es noch nicht hier ist. Soll ich ihm anrufen?“
Kundin: „Ja, tun sie das. Das Rezept sollte hier sein.“

Also mache ich das Telefon an den Arzt.

Er hat das Rezept per Post geschickt – per B-Post.
Kein Wunder ist es noch nicht hier.

Ich frage ihn, was darufsteht und ob ich es jetzt abgeben darf.
Ja.

Man glaubt gar nicht, wie häufig das vorkommt. Auch mit dem Fax … was normalerweise ein paar Sekunden dauert – man muss es nur machen.

Apotheken in aller Welt, 98: München, Deutschland

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Malou schickt uns dies:

Liebe Pharmama, jetzt lebe ich schon über ein halbes Jahr in einer Stadt voller schöner Apotheken und hab es bisher nicht geschafft, dir Bilder zu schicken. Ich gelobe Besserung 🙂 Viele Grüße aus München

Irgendwie erinnert mich das an ein Polaroid 🙂 Aber das Foto ist neu.

Schmutzige Finger

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Manchmal kommt ja der Partner oder die Freundin mit bei der Beratung zur Pille danach. Ich frage dann normalerweise erst mal, ob die Frau damit einverstanden ist, da ich ja doch ein paar delikatere Fragen stellen muss.

In dem Fall war sie es und er kam mit.

Mann: „Bevor wir anfangen …“
Frau: „Ja, ich weiss nicht, ob ich die Pille danach wirklich brauche.“
Pharmama: „Ach ja … und wieso?“
Mann: „Kann man denn schwanger werden, wenn man in seine Hand kommt und danach die Frau an der Scheide befingert?“
Pharmama: „Es ist möglich, aber eher unwahrscheinlich…“
Frau zum Freund: „Komm, lass uns gehen, ich glaube nicht, dass wir das brauchen.“
Mann: „Was, wenn man 3 Stunden vorher in seine Hand gekommen ist und dann seine Freundin befummelt?“
Pharmama: „Sie … haben ihre Hände also 3 Stunden lang nicht gewaschen ?!?“
„Nein, dann ist es nicht mehr möglich. Ich denke, sie können jetzt gehen“.

Ugh.
Wo ist das Desinfektionsmittel?

Apotheken in aller Welt, 97: Wien, Österreich

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Johanna aus Wien schickt uns dies:

anbei ein besonderes Apotheken-Exemplar. Wegen Umbau residiert diese seit geraumer Zeit im Container mitten auf der Strasse. Sowas hat man nun wirklich nicht alle Tage, und noch dazu so hübsch zugeknöpft. Die Polizei geht dort seither auch verlässlich oft vorbei. Alarmanlagen, Kühl- und Heizvorrichtungen sind hervorragend, hat man mir versichert, um die Erlaubnis für Innenaufnahmen habe ich gar nicht gefragt. Man soll ja keine schlafenden Hunde wecken. Ist aber alles formidabel, kann ich versichern, und abgesehen vom eingeschränkten Platzangebot kann man auch gut dort arbeiten, meinte das Personal.

Das macht man natürlich, wenn die Apotheke umgebaut wird – da kann man nicht einfach zumachen.
So etwas hatten wir vor ein paar Jahren auch bei uns in der Umgebung. Allerdings war der Container doch etwas kleiner, das hier ist die Luxusausgabe, Sehr speziell darin zu arbeiten, kann ich mir vorstellen.

Geld gespart

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Letzten Samstag. Meine Pharmaassistentin (PA) kocht … und ich verstehe sie gut.

Da kommt diese Kundin und will „Ein Mittel gegen Fieber – ich habe eine anfangende Grippe und etwas Gliederschmerzen. Dafalgan ist ok, das hatte ich schon einmal.“
Soweit so gut, und dann:
Kundin: „Könnten Sie mir das als Vorbezug machen- das heisst jetzt mitgeben und ich bringe dann ein Rezept vom Arzt. Oder Sie könnten das Rezept bestellen!“
PA: „… Für ein einfaches Schmerzmittel … Das etwa 3 Franken kostet.“
Kundin: „Ja, aber ich habe im Moment kein Geld dabei. Und Sie haben das schon einmal gemacht.“
Ich sag’s doch: wenn man manchen Leuten den kleinen Finger gibt … und das letzte Mal war es sicher etwas anderes.
PA: „Ihnen ist aber schon bewusst, dass das so einiges teurer kommt?“
Kundin: „Waaas? Wieso?“
PA: „Weil der Arzt für das ausstellen des Rezeptes auch etwas verlangt. Um die 15 Franken, oder so.“
Kundin: „Aaaahhh … ich glaube ich gehe rasch Geld holen.“
PA (lächelnd): „Ich lege es ihnen bis dann auf die Seite.“

Dass der Arzt für das Rezeptausstellen etwas verlangt, finde ich ok. Wir als Apotheke bekommen aber für die Arbeit da gar nichts. Für ein freiverkäufliches Mittel und in dem Preissegment ist das einfach Verhältnisblödsinn. Danach geht das dann noch an die Krankenkasse, wo irgendjemand das bearbeiten muss … und dann landet es X Arbeitsstunden später doch als Rechnung bei der Kundin.

So haben wir nicht nur der Kasse, sondern auch ihr Geld gespart.

Die Apotheke. Die erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen … mit Schleusenfunktion.

Äpfel mit Birnen vergleichen

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Etwas, das ich noch häufig höre in der Apotheke:

„Mein Arzt hat meine Medikamente gewechselt, statt von X 10mg bekomme ich jetzt von Y 50mg. Das ist eine viel höhere Dosis, sollte mich das beunruhigen?“

Oder:
„Ist das Saridon 400mg nicht weniger stark als das Panadol 500mg?“

Das gibt dann eine Unterhaltung, die ich schon ein paar Mal hatte. 10mg vom Medikament X sind nicht notwendigerweise gleich stark wie 10mg von Medikament Y. Man sollte meinen das ist ein ziemlich einfaches Konzept, aber … nein.

Ich versuche es manchmal mit einem Vergleich: Äpfel und Kartoffeln (Frucht und Gemüse) oder: Trauben (klein) und Melonen (gross).

Wie erklärt ihr das?

Kindergift

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Eine Frau steht am Steller mit den Raumverdunstern – ihr wisst schon, diese Flaschen mit den Holzstäbchen drin, die den Raum beduften.
Sie nimmt eine Flasche in die Hand, schaut sie seeehr genau an, entdeckt das hier:

und fragt mich: Wie giftig ist das?“
Pharmama: „Naja, es ist Lösungsmittel, wohl alkoholisch plus ätherisches Öl. Trinken würde ich das auf gar keinen Fall, wenn etwas auf die Haut kommt, dürfte es aber nicht viel machen. Abwaschen mit etwas Wasser und Seife reicht“
Kundin: „Ich habe ein kleines Kind zuhause !“
Pharmama: „Dann würde ich ihnen raten, das an einem Ort aufzustellen, wo es nicht hin kommt.“
Kundin … schaut das Produkt zweifelnd an „Also ich weiss nicht …“

Ehrlich: schön, dass sie sich Gedanken macht, aber … will sie von mir hören, dass es kein Problem ist, wenn das Kind das in die Finger bekommt und trinkt? Ich würde sogar Alkohol zum trinken oder die normalen ätherischen Öle für die Duftlampen (die inzwischen auch dieses Zeichen drauf haben) nicht so hinstellen, dass das Kind das einfach nehmen kann.