Archiv für den Monat Februar 2011

Die Macht des Placebo

Da habe ich einen interessanten Film mit Tatsachen über Placebo gefunden:

„Placebo“ ist lateinisch für „ich werde gefallen“ – In der modernen Medizin benutzt man Placebo in Studien um zu zeigen, ob der getestete Wirkstoff einen heilenden Effekt hat, der grösser ist als wenn die Leute eine Pille ohne Wirkstoff (eben: Placebo) einnehmen. Andererseits benutzen Ärzte gelegentlich auch Placebo, wenn sie nicht mehr weiterwissen, oder um etwas zu testen.

Der Glaube des Patienten in eine Pille – eine angenommene Medizin, aber chemisch wirkungslos – soll nämlich die Eigenheilkräfte des Körpers aktivieren.

Glaubst Du, dass die Macht des Geistes den Körper heilen kann?

Es ist so.

Der Placebo Effekt ist eine wunderbare Präsentation der Macht des Geistes und unseres Glaubens. Er beweist, dass unsere Gedanken möglicherweise tatsächlich mit dem Hirn auf physische Weise interagieren.

Placebo Effekt produziert richtigen Schmerzstiller

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Placebo gegen Schmerzen gegeben so wirksam sein kann wie 8mg Morphium. (Das ist viel). Im Film oben reden sie von einerseits der halben Wirkstärke von Aspirin und andererseits der halben Wirkstärke von Morphin … das eigentlich viel stärker ist als Aspirin. Was ist es jetzt? Keine Ahnung, aber: es hat eine schmerzstillende Wirkung!

Mittels Hirnscans wurde gefunden, dass Placebo Behandlung die Freisetzung von natürlichen Schmerzstillern im Gehirn stimuliert – die Endorphine. Hirneigene Stoffe spielen also eine grosse Rolle beim Placebo Effekt von Schmerzmitteln und ihre Freisetzung geht einher mit der Reduktion des Schmerzgefühls.

Teures Placebo wirkt besser als billiges

Eine 10 cent Tablette stillt den Schmerz nicht gleich stark wie eine die 2.5 $ pro Tablette kostete, sogar wenn es sich dabei um identische Placebos handelte.

Untersucht wurde das am MIT, wobei die Patienten kleine Elektroschläge an die Handgelenke bekamen. Die Patienten wurden vor und nach Einnahme des Placebos getestet. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt eine Broschüre, die die Pille als Neuzugelassenen Schmerzstiller der 2.50$ pro Dosis kostet, die andere Hälfte der Teilnehmer bekamen eine Broschüre in der stand, dass der Preis des Schmerzmittels auf 10 cent pro Tablette erniedrigt wurde –ohne Hinweis, wieso. In der „Teuere Tabletten Gruppe“ sagten 85% der Teilnehmer sie verspürten eine Schmerzreduktion, in der „Niedrigpreis Gruppe“ sagten 61% der Schmerz sei geringer.

Nicht alle Placebos sind gleich: Die Macht des Heilungs-Rituals

Kapseln sind „wirksamer“ als Tabletten, Spritzen wirksamer als Kapseln und Placebo-Geräte scheinen effektiver zu sein als Placebo Medikamente. Dasselbe gilt für Placebo-Behandlungen wie Akkupunktur.

Während Forscher in ihren Studien normalerweise ein Placebo verwenden um es gegen einen neuen Wirkstoff zu testen, wurde in einer Studie ein Placebo gegen ein anderes Verglichen. Untersucht wurde, ob eine Akupunktur (ausserhalb der wirksamen Stellen)  einen grösseren Placebo Effekt hat als eine Placebo Tablette. Das Resultat war, dass der Placebo Effekt auch davon abhängt was für ein Typ Placebo man benutzt. Placebo -Akupunktur war wirksamer als eine Placebo –Tablette.

Das bedeutet, dass das medizinische Ritual bei der Anwendung einen erhöhten Placebo Effekt liefert als das Schlucken der Pille allein. – Das konnte man letzthin auch beim Vergleich Homöopathie und klassische Medizin nachweisen: Die Homöopathie wirkt praktisch gleich gut, aber nur, wenn der Arzt sich bei der Auswahl des Mittels viel Zeit lies und viel mit dem Patienten geredet hat …

Von Placebo kann man abhängig werden – und es macht Entzugssymptome

Und das letzte:

Der Patient darf sogar wissen, dass es ein Placebo ist … es wirkt trotzdem.

Das hat mich fast am meisten überrascht: Man kann jemandem sogar sagen, dass er ein Placebo gegen sein Problem bekommt, ein Medikament ohne Wirkstoff … und er wird (trotzdem) eine Wirkung haben.

Erstaunlich!

 

 

Advertisements

Apotheken in aller Welt, 85: Wangerooge

Dies schickt Merle von der Nordseeküste:

vielen Dank für Deinen Blog – ich als Kunde habe schon sehr oft an Dich gedacht und mich „meinen“ PTAs gegenüber anders verhalten (jaja, lernfähig ;-))
Als Anhang schicke ich Dir die Apotheke von Wangerooge – leider etwas dunkel, aber trotzdem…. Gut sortiert, nette Mitarbeiter, immer wieder gerne… Du hattest vor einiger Zeit ja mal Spiekeroog im Blog; Wangerooge ist die Insel rechts daneben….

Mindestens so exotisch wie die Apotheken aus Vietnam (für mich jedenfalls 🙂 ) … aber offenbar mit nasskaltem Wetter – jedenfalls auf dem Bild.

Kopf -> Tisch

Ich verrate Euch heute mal ein Geheimnis.

Ich werde hier noch gelegentlich gefragt wie ich so ruhig bleiben kann in manchen Situationen. Z.B. wenn der Kunde absolut kein Verständnis zeigt, zum 15. Mal dieselbe Frage stellt, usw.

Also, wenn ich jemanden habe, wo es wichtig ist, ruhig zu bleiben, während er / sie auf mich einredet … dann schaue ich ihm / ihr auf die Nase. Warum? Habt ihr schon einmal gemerkt, dass die Nasenspitze sich beim sprechen bewegt? Es ist eigentlich etwas sehr amüsantes – und lenkt mich meist genug von meiner Ungeduld / meinem Ärger ab, dass ich ruhig reagieren kann.

So, jetzt wisst ihr, wie die Tischkante bei uns in der Apotheke heil bleibt.

Und Ihr? Angenommen ein Kunde / Patient / Kollege macht Euch wirklich ärgerlich – ich meine so richtig genervt. Was macht ihr? Zählt ihr auf 10? Erschiesst ihr den andern in Gedanken?

Apotheken in aller Welt, 84: Vietnam

Und die letzten 3 von Ines:

Aus Saigon

Aus Halong:

Und Hanoi:

Geschmunzelt

… habe ich gestern darüber:

Auf die (im Moment jedem mit Rezept) gestellte Frage: „Hat bei ihrer Krankenkasse irgendetwas geändert?“

antwortet die Kundin: „Ja  …  die Prämien sind wieder teurer geworden!“

🙂 Das ist schon eine Änderung, aber nicht das, was ich gemeint habe.

Apotheken in aller Welt, 83: Hoian, Vietnam

Und noch mehr von Ines, diesmal aus Hoian, Vietnam.

Sie meint zwar, dass sie die meisten Bilder nur aus dem Vorbeifahren geschossen hat, aber hier haben wir auch eine Innenansicht. Super! Mir gefallen aber auch die Aussenbilder – ihre haben so etwas dynamisches.

So eine harmlose Frage

Kunde: „Haben sie etwas wie Perskindol auf abwaschbarer Basis?“

– eigentlich eine ganz harmlose Frage … aber wehe man fragt nach: „Wieso?“

Kunde: „Naja ,ich habe meine schmerzende Schulter damit eingerieben und als ich mich später befriedigt habe (nicht ganz seine Wortwahl) … na ja, es war halt noch etwas an den Händen dran ….“

Ah, ja.
Kleiner Tipp: Gleich nach dem eincremen die Hände mit Seife waschen, dann hat man später keine Probleme, wenn man in die Augen fasst (z.B. um die Kontaktlinsen einzubringen) oder an andere empfindliche Stellen 🙂
Wechseln auf ein Gel würde ich nicht unbedingt – rein von der Galenik gehen Salben tiefer in die Haut rein als Gels und helfen so den Wirkstoff hineinzubringen.

Apotheken in aller Welt, 82: Laos

Noch 2 Bilder von Ines, diesmal aus Laos:

… sieht aus wie eine Garage. Aber: es hat ein grünes Kreuz.

Diskussionsgrundlage

Das habe ich auf Twitter vor meinen Ferien bekommen:

 

Irgendwelche Gedanken dazu?

Falls nicht, hätte ich noch ein paar Anstösse:

– Antibiotika und Resistenzentwicklung bei unsachgemässer Anwendung,

– Abhängigkeitspotential verschiedener Mittel,

– Mittel gegen Herzkrankheiten und andere Diagnosen, die nur der Arzt stellen kann,

– Mittel mit geringer therapeutischer Breite (also solche, die schnell giftig wirken),

Naaa???

Apotheken in aller Welt, 81: Kambodscha

Leserin Ines aus dem Erzgebirge schickt uns eine ganze Reihe Bilder. Hier aus Kambodscha (und es folgen noch welche aus Laos und Vietnam):

Genugtuun

Die Kundin beklagt sich lautstark, dass ihr Medikament nicht vorrätig ist: „Immer, wenn ich mal etwas von ihnen haben muss, müssen sie es bestellen! Das ist ein ganz schlechter Kundenservice, den sie hier haben!“

Ich versuche ihr zu erklären, dass sie halt ein Medikament (oder Medikamente) aufgeschrieben bekommen hat, die man nicht sehr häufig braucht – und für einmal jährlich oder weniger kann ich das nicht an Lager nehmen, auch weil ich bei dem Medikament schon die Erfahrung gemacht habe, dass der Verfall doch recht kurz ist …

Ich biete ihr aber an, es auf den Mittag zu bestellen und vorbeizubringen – oder zu schauen, ob eine andere Apotheke es hat – wobei ich ihr gleich sage, dass die Chance dafür recht klein ist.

Sie will nicht hören, reisst mir praktisch das Rezept aus der Hand und stürmt hinaus.

Das war kurz vor 12.30 Uhr, unserer letzten Möglichkeit auf den Nachmittag zu bestellen – später und es kommt erst am nächsten Morgen.

Das ist ja nicht nur bei uns so – aber ich bin leicht amüsiert, als wir 1 Stunde später einen Telefonanruf von einer anderen Apotheke im Quartier bekommen mit der Anfrage für .. genau dieses Medikament.

🙂 – sie haben es auch nicht (wundert mich nicht)

🙂 – die Frau hat offenbar keine andere Apotheke gefunden, die auch über den Mittag offen hat.

🙂 – auf den Nachmittag bestellen reicht denen jetzt auch nicht mehr.

🙂 – das mit dem herumfragen habe ich ihr ja auch angeboten.

Es ist zwar nicht nett, aber Genugtuun ist so ein süsses Gefühl!

Alt und neu: Inhalant

Links alt, rechts neu: das Inhalationsmittel Inhalant. Offenbar hat da auch der Hersteller gewechselt. Das „Märkli“ beim linken unten ist übrigens die alte Listeneinteilung. Heute sieht das einfacher aus: einfach ein Buchstabe in einem Kreis.

Es ist eine harte Welt da draussen

Vielleicht nicht überall, aber in bestimmten – ich sag mal Milieus – schon. Wie hart kann man sich als Aussenstehender kaum vorstellen, aber manchmal bekommt man einen Einblick.

So fragte uns letzthin der Stammkunde, von dem wir wissen, dass er drogenabhängig ist, ob wir  seine Ritalin Tabletten (die er wöchentlich direkt vom Arzt der Suchtklinik bekommt) für ihn aufbewahren. Ansonsten werden sie ihm nämlich „auf der Gasse“ gestohlen.

Ungewöhnlich, aber eigentlich logisch: gibt es einen besseren Ort für die Tabletten als … die Apotheke?

Der Sonne davon…

Die Schweiz hat uns wieder – und der Winter offenbar auch. Nichts mehr mit Sonne und warm 😦

Der Rückflug war lange (12 1/2 Stunden)- aber wir hatten Glück, er hätte noch länger werden können. Kurz nach Start und Aufstieg informierte uns der Pilot, dass er noch keine Bewilligung bekommen habe auf die geplante Flughöhe von etwa 11000 m zu steigen, offenbar wegen einer anderen Maschine. Unser Flug war voll – und offenbar auf mit maximaler Beladung. Das Problem sei nun, dass wenn er nicht steigen darf, wir zuviel Treibstoff verbrauchen, dann wird er langsamer fliegen müssen, sonst reicht der Treibstoff nicht bis zum Zielflughafen. Uh – echt?

Ah, und dann war da noch die Durchsage, ob „ein Arzt an Bord ist“ – ich habe allerdings nicht gesehen oder gehört, um was es ging – offenbar war es dann doch nicht so schlimm – das hätte aber eine ungeplante Zwischenlandung geben können.

Jedenfalls hatte ich Musse ein bisschen der Umgebung zuzuhören und habe mich köstlich amüsiert über eine krebsrote jüngere Frau, die ihrer Freundin detailliert erzählt hat, wie sie denn zu dem Sonnenbrand gekommen ist: Sie ist auf dem Weg zum Strand im offenen Fahrzeug gefahren – und dachte, sie könne gar keinen Sonnenbrand bekommen, weil sie sich ja vom Fleck bewegt hat.

Klar – Sonnenbrand bekommt man ja nur, wenn man herumliegt ….

%d Bloggern gefällt das: