Archiv für den Monat Januar 2011

Apotheken in aller Welt, 78: Mykonos, Griechenland

Und noch ein Bild von Leserin Andrea:

Die andere Apotheke habe ich 2009 auf Mykonos fotografiert. Auch hier mit mässigem Erfolg – geschlossen… Die könnte ich mir von innen sehr hübsch vorstellen! Damals wusste ich noch nichts von Deinem Interesse an fremden Apotheken, sonst hätte ich mir mit der Aufnahme mehr Mühe gegeben und nicht die Hälfte abgeschnitten…. :-p

Man muss sich natürlich die Umgebung dazudenken: lauter weissgetünchte Häuser unter strahlend blauem Himmel und Sonnenschein, auf einer Insel umgeben von türkisfarbigem Meer … Mykonos ist ja die Nachbarinsel von Tinos, wo wir letzten Sommer waren – ja, ich kann mir das gut vorstellen 🙂

Interessant: die benutzen das klassische grüne Apothekenkreuz samt Schlange und Waage, das wir hier in der Schweiz haben (auf dem Bild das obere).

Potenzmittel ohne Rezept

Junger Mann kommt in die Apotheke und fragt: „Habt ihr Viagra?“
Pharmama: „Ja.“
Mann: „Ok, ich nehme welches.“
Pharmama: „Dafür brauchen sie aber ein Rezept.“
Mann: „Ookay …“
Ich denke, er läuft wieder raus, aber:
Mann: „Und was ist mit Cialis?“
Pharmama: „Das ist auch rezeptpflichtig.“
Mann: „Gibt es irgendetwas, das für das gleiche ist, das ich ohne Rezept kaufen kann?“

Ah, Nöö… ausser man nimmt das „Alpen-Viagra“ – Spagyrik-Spray aus dem Graubünden:

Das enthält Yohimbin, das als Aphrodisiakum verwendet wird (in der Schweiz gibt es übrigens sonst keine Produkte mit Yohimbin mehr im Handel) und ausserdem enthält der Spray Steinbockhorn als Spagyrische Essenz.

Innovativ, aber was ich über die Idee, da Steinbock-Horn reinzutun (auch wenn das nicht eine gefährdete Tierart ist) denke … das zensiere ich hier lieber. Sowas!

Apotheken in aller Welt, 77: Budapest, Ungarn

Regelmässige Leserin Andrea (Merci vielmals!), schickt uns diese Apotheke:

Ich war im Herbst mit einer Freundin in Budapest und wollte dort für Dich eine schöne Apotheke fotografieren. Wie Du siehst, war ich nicht sehr erfolgreich, was das „schön“ angeht, aber interessant fand ich das Exemplar mit dem „Schweizerkreuz“ trotzdem.  Bei näherer Betrachtung (also wirklich von gaanz nah) erkennt man, dass es sich nicht um ein Schweizerkreuz, sondern ein goldenes Kreuz handelt. Wenn man ungarisch spricht, hilft das natürlich auch, es ist nämlich die Goldene Kreuz Apotheke. 🙂

Das ist mal eine Apotheke, die nicht das „umgekehrte Rot-kreuz“ einsetzt, sondern selbst ein Kreuz im Namen hat – aber aussehen tut es schon ähnlich 🙂

Pharmama in den Medien (2)

In der „Apotheke + Marketing“ vom Springer Verlag:

Apotheken im Netz – bloggen für Image und Kundengewinn

Bloggende Apotheker muss man derzeit noch fast mit der Lupe suchen. „Pharmama“ steht im Grunde allein auf weiter Flur. Die Schweizer Apothekerin, die diesen viel gelesenen Blog betreibt, durfte sich im vergangenen Mai immerhin über den DocCheck-Blog-Award freuen. Ihre thematische Mischung aus unterhaltsamen Episoden aus dem Apothekenalltag und nützlichem Wissen, über das nur Pharmazeuten verfügen, überzeugt viele Stammleser – darunter auch andere Apotheker.

Kenner der Materie gehen davon aus, dass ein Blog mindestens einmal wöchentlich mit einem neuen Artikel bestückt werden muss, um nennenswerte Resonanz zu erzielen. Tatsächlich sind erfolgreiche Blogger wie die Schweizer Apothekerin „Pharmama“ fleissiger: Kaum ein Tag vergeht, an dem sie nicht ein oder zwei Artikel schreibt. So entsteht ein Blog, der häufig besucht, gelsesen und kommentiert wird. Fachfrau „Pharmama“ rät denn auch: „Man sollte den Blog auf keinen Fall nur als kleinen Nebenjob auffassen.“ Und ergänzt: „Eigentlich ist das wie mit einem Pflänzchen: Das muss man regelmässig giessen und pflegen, sonst geht es ein.“

der Autor des Artikels ist übrigens Mirko Gründer, Journalist beim Medienbüro Medizin.

Im Artikel finden sich noch gute Tipps allgemein zum Aufbau eines eigenen Blogs – auch spezifischer für Apotheken. Mich würden ja mehr bloggende Apotheker und Apotheken freuen!

Meine Begegnung mit Valium

Natürlich „begegne“ ich Valium täglich in der Apotheke – wie viele andere Medikamente auch. Aber: die meisten davon habe ich (noch) nicht versucht -und bin froh, wenn ich es nicht muss: Medikamente sind keine Genussmittel, sondern da für einen Zweck – und keiner der Ahnung hat von Pharmakologie kommt auf die Idee, einfach mal etwas aus reinem Spass zu schlucken. … Digoxin irgendwer? Klar, man hat Kopfschmerzen oder Durchfall, oder … so das normale halt. Aber von den rezeptpflichtigen Sachen lasse ich eigentlich die Finger.

Nach einem furchtbaren Flug in die Ferien vor vielen Jahren aber, wollte ich doch mal wissen, ob ich den Rückflug nicht besser „gedopt“, also am besten tief schlafend überstehe.
Also fragte ich in der Thailändischen Apotheke nach einem Schlafmittel, genauer gesagt spezifisch Zolpidem. Zolpidem bekam ich nicht -weil in Thailand auch rezeptpflichtig- dafür boten sie mir als Alternative ein Benzodiazepin an. Ich habe dann darauf verzichtet, weil ich nämlich schon ein Benzodiazepin dabei hatte, nämlich 1 Tablette Valium 2mg. Die Tablette stammt aus den Medikamentenretouren der Apotheke und lag schon seit Jahren unbeachtet in den Tiefen meiner (zugegeben sehr kompletten) Reiseapotheke.

Die nahm ich dann auf dem Rückflug. Es war ein Nachtflug und kurz vor dem Nachtessen warf ich die Hälfte ein.

Valium ist nicht ein Schlafmittel, es ist ein ziemlich starkes Beruhigungsmittel. Der Effekt – den ich mit klinischem Interesse an mir beobachten konnte, ist, dass es eine gewisse Distanziertheit bringt – zwischen sich und was immer einen beunruhigt. Man könnte es auch mit „mir ist alles scheissegal“ bezeichnen.
Mit diesem Neben-mir-stehen Gefühl war ich trotz gelegentlichen Turbulenzen ruhig genug, dass ich dachte, ich könnte etwas schlafen. Am Rande bekam ich jedoch noch das kleine Drame aum mich herum mit:

Die Lichter sind gelöscht worden, alles bereitete sich darauf vor zu schlafen … bis auf die Frau und ihr Kollege, die sich den Platz im Gang bei uns (in der Nähe der Toiletten) ausgesucht hatten ihr lautes und ausdauerndes Schwätzchen zu halten. Mein Kuschelbär versuchte auch zu schlafen, aber mit dem Gequatsche direkt nebendran war das unmöglich. Das hat er ihr dann auch gesagt – ohne Effekt. Es ging gleich weiter wie zuvor. Da wurde er ärgerlich – und auch laut und forderte sie nochmals auf, endlich Ruhe zu geben – immerhin war Schlafenszeit! Zustimmendes Gemurmel um uns herum. Sagt mein Mann: „Und meine Frau, die will auch schlafen! (und zu mir) Nicht wahr?“ Und ich – in meinem Medikamenten-stupor: (in gelangweiltem Ton) „Ja, ja, ist schon gut.“
Wie gesagt: mir war alles wurst.
Nicht gerade die Unterstützung, die man von seinem Partner erwarten kann, oder?

So im Nachhinein fand ich das dann nicht gerade toll – und habe seitdem auch keine von den Dingern mehr genommen. Ich verstehe aber seitdem schon, warum das manchen sehr helfen kann in enorm belastenden Situationen … nur muss man aufpassen, dass man nicht von dieser „Stütze“ abhängig wird. Probleme lösen diese Tabletten nämlich nicht, sie schieben sie einfach von einem weg.

Seltsame Suchanfragen

Ich staune ja immer wieder, mit was für Suchanfragen, die Leute auf meinem Blog landen.

Hier ein paar „Perlen“:

xenical flüssig pups – Ja, das ist wie beim Alli: Isst Du fett und nimmst das Medikament, kommt das Fett unverdaut (und ziemlich flüssig) unten raus. Und weil es flüssig ist und körperwarm kann es gut sein, dass man das fast nicht bemerkt … bis es zu spät ist.

krokodil-fett – also die paar Mal, die ich Krokodilfleisch hatte, fand ich das auch ziemlich fett. Für was man Krokodilfett medizinisch brauchen kann, weiss ich allerdings auch nicht.

sex nach norovirus – Ah, zu nahe an der Erkrankung stelle ich mir das als ziemlich eklig vor …. mit dem Durchfall und den Brechattaken..

pöstler kann kein rückgeld geben – Ja, das Problem hatte ich auch schon, aber wieso landest Du damit hier auf dem Blog?

schwangerschaftstest eine linie dünner als die andere – gratuliere, Sie *sind* schwanger. Wenn die Linie da ist, ist es egal, ob sie dicker, dünner oder heller ist.

medikament unabhängig von der mahlzeit aus versehen zur mahlzeit gegeben? – Kein Problem. Unabhängig von der Mahlzeit bedeutet nichts anderes als: es ist egal, wann man es gibt, ob vor, mit oder nach dem Essen…

alte fentanyl pflaster lutschen – Bäh. Was macht man nicht alles für seinen Kick, wenn man abhängig ist.

was is das billigste generika? – Ookaayyy … und das wichtigste wurde vergessen: von welchem Original?

wo guten sexurlaub+kondom – Also mit Sexurlaub habe ich keine Erfahrung, aber Kondome gibt’s auch in der Apotheke.

als strafe kateter an penis machen beim kind – Übel. Manche Eltern sollte man ihre eigenen Methoden spüren lassen.

hiv test fake – Absolut unlustig!

cerazette placebo – Wer das wohl will? Wohl kaum die Frau, die etwas zum Verhüten sucht. Vielleicht der Freund, der unbedingt ein Baby will? Überleg Dir das nochmal.

männer windel voll zäpfen – ??? Da will ich gar nicht anfangen das zu hinterfragen….

Mit Gift gegen Gicht

Dass der Unterschied zwischen Gift und Heilmittel oft nur eine Frage der Menge ist, habe ich schon erwähnt. Ein typisches Beispiel dafür ist Colchicin – das im akuten Gichtanfall verwendet wird.

Colchicin, das Gift der Herbstzeitlosen (sieht aus wie ein Krokus) ist ein Spindelgift und hemmt die Zellteilung –es wirkt entzündungshemmend, indem es Wanderung und Funktion (Phagozytose und Freisetzung von Entzündungsvermittlern) der neutrophilen Granulozyten hemmt. Das weiss ich alles noch vom Studium– vermutlich weil sich mir die Bezeichnung „Gift“ in Zusammenhang mit einem Medikament im Gehirn eingeprägt hat. Aber gebraucht habe ich das bisher noch nicht einmal.

Genau dieses Colchicin hatte ich nun auf einem Rezept.

In der Schweiz gibt es kein Medikament mehr mit Colchicin. Nichts mehr. In Deutschland gibt es noch welche, z.B. das Colchicum Dispert.
Alternativ dazu empfiehlt z.B. Pharmawiki, man könne die Kapseln auch selbst herstellen – zumindest gut ausgerüstete Apotheken könnten das.
Ich sehe mich eigentlich als ziemlich gut ausgerüstete Apotheke, aber das Ganze scheitert an der Beschaffung des Grundstoffes: Colchicin Trockenextrakt bekomme ich nämlich nicht*. Was es noch gibt ist ein Flüssigextrakt – aber in Kapseln kann ich den nicht reinmachen.
Also doch importieren.
Eine Bewilligung brauche ich dafür nicht mehr – immerhin ist das Produkt schon in einem Nachbarland „mit einem vom Institut als gleichwertig anerkannten Zulassungssystem zugelassen“

Für den Kunden ergibt sich aber noch ein Problem. Da das Medikament in der Schweiz nicht (mehr) zugelassen ist, handelt es sich bei der Anwendung um eine „off-label use“ und zwar egal, ob ich es selbst herstelle oder importiere. Und als solche muss die Krankenkasse das nicht übernehmen (und sie macht es auch nicht).

Dem Kunden habe ich das gesagt, er wollte es trotzdem. 2 Monate später kommt er zurück, eben weil ihm die Kasse das nicht bezahlt und fragt, ob er das Medikament zurückgeben kann.
Kann er, aber nur zum Entsorgen.
Ich frage ihn bei der Gelegenheit noch ein bisschen aus, weil ich es seltsam finde, dass die Packung bis jetzt ungeöffnet geblieben ist. „Was nehmen sie denn, wenn sie einen Gichtanfall haben?“
Kunde: „Ibuprofen“
Pharmama: „Und das geht gut?“
Kunde: „Ja, damit bekomme ich Schmerz und Entzündung gut in den Griff.“

Und wieso schreibt der Arzt dann Colchicin auf?!?
Mal abgesehen von der Schwierigkeit das zu bekommen und dass es nicht bezahlt wird von der Krankenkasse soll es nämlich nur noch es eingesetzt werden, wenn die Standardtherapie Kontraindiziert ist oder es Unverträglichkeiten mit ihr gibt.

Hmpf.

*P.S: nur für ein eventuelles nächstes Mal: weiss vielleicht sonst irgendwer, wo ich den Trockenextrakt herbekommen könnte?

Apotheken in aller Welt, 76: Lima und Puno, Peru

Hier noch die letzten beiden Apotheken von meinen Eltern. Zuerst in Lima, Peru:

und in Puno, Peru

wie oft steht da eigentlich „Farmacia“? 11 x mindestens … das ist kaum zu übersehen, auch wenn ein Erkennungszeichen wie unser Kreuz oder das rote A fehlen.

 

Rezeptologisches … oder -unlogisches

Was macht man eigentlich mit einem Rezept, wo der Arzt ein generisches Medikament verordnet und dann drauf schreibt: „Keine Generika!“

Nicht „Sic“ was ja bedeuten würde: „Genau das“ sondern eben: „Keine Generika!“

… Müsste ich dann nicht doch das Original geben?

Übrigens: Wenn bei uns in der Schweiz auf dem Rezept beim Medikament steht „aut idem“ – dann bedeutet das: „oder das gleiche“ und dass der Arzt durchaus ein Generikum wünscht.

Wenn in Deutschland das Feld „aut idem“ angekreuzt ist beim Medikament, dann bedeutet das dort offensichtlich, dass man das Medikament nicht ersetzen darf. Ich bin aber sicher, ich habe das bei einem „importierten“ deutschen Rezept aber schon gemacht…

Alt und Neu: Bepanthen Salbe

Lange haben wir nichts interessantes zurückbekommen, aber jetzt gleich ein paar Sachen auf’s Mal. Ich schätze da hat jemand den Medikamentenschrank von jemand älterem ausgemistet.

Hier also Bepanthen Salbe. links von heute, rechts die alte Version. Neu von Bayer, vorher von Roche. Dazwischen gab es noch eine Variante, wo die ganze Packung rosa war – vielleicht bekomme ich die auch mal. Die sah so aus:

Soviel ich weiss gibt es in Deutschland von der Bepanthen nur eine Art Salbe (korrigiert mich, wenn es nicht stimmt). In der Schweiz dagegen bekommt man Bepanthen Salbe – sehr fett, für’s Babypopo oder als Hautschutz, Bepanthen Creme – zur Hautpflege und Bepanthen plus Creme mit einem Desinfektionsmittel drin als Wundcreme. Zu unterschieden sind sie am farbigen Strich drauf: rosa für die Salbe, hellblau für die Creme und orange für die plus Creme.

 

Uh … das könnte einiges erklären

Das griechische „Pharmakos“ (φαρμακός) bezeichnet nicht etwa einen Apotheker sondern ein menschliches Opfer, das für Reinigungsrituale vorgesehen war.

Wenn Not in der Stadt war, wurde ein Pharmakos, also praktisch ein Sündenbock ausgewählt, der dann stellvertretend geopfert – oder vertrieben wurde.

Ob das Wort Pharmakon die geschlechtsneutrale Form von Pharmakos ist, ist unklar. Ein Pharmakon bezeichnet entweder ein Gift oder ein Heilmittel – was auch Sinn macht, denn oft macht ja nur die Menge der Unterschied.

Quelle: Wikipedia

Drastische Massnahmen

Mann in der Apotheke: „Ich hätte gerne einen Frauenkatheter.“
Das ist nicht gerade etwas, was wir hier dauernd brauchen, also frage ich erst mal „Für wen brauchen sie den denn?“
Mann: „Für unser 3 Wochen altes Baby.“
Pharmama: „Für Ihr Baby? Was hat es denn?“
Mann: „Es hat Bauchkrämpfe und meine Frau hat im Internet gelesen, dass das hilft.“
Pharmama: „Ah – und wissen sie denn, wie man das in dem Fall anwendet? Denn ich weiss das nicht.“
Mann: „Naja, da stand irgendetwas von einführen …“

Offenbar hat er gelesen, dass bei starken Blähungen und damit verbundenen Bauchkrämpfen es helfen kann, wenn man sozusagen „das Gas ablässt“ indem man den Katheter in den Enddarm einführt.

Mann: „Ich habe auch dem Kinderarzt telefoniert, der meinte, das können wir versuchen….“

Ich habe ihn dann noch mal genau ausgefragt, was denn die Beschwerden sind und ob sie schon etwas versucht haben – denn bevor ich zu so Methoden wie der obigen greife und ein Instrument in den Körper des Kindes einführe (schon Zäpfchen finden viele nicht gerade lustig) würde ich zuerst anderes versuchen.
Es stellt sich heraus, dass sie noch nichts probiert haben.

Na denn, versuchen sie es erst mal damit: achten sie darauf, dass die Mutter nichts blähendes isst (Zwiebeln, Kohl, Bohnen etc…), nach den Mahlzeiten immer gut aufstossen lassen und wenn Blähungen / Bauchkrämpfe auftreten hilft der richtige Griff (Leopardengriff), leichte Bäuchleinmassagen (z.B. mit Weleda Baby Bäuchleinöl), etwas Fencheltee oder Flatulex Tropfen mit Muttermilch gegeben. Und erst wenn all das nichts gebracht hat – dann können sie zurückkommen und ich bestelle den Katheter.

Urks. Ich verstehe, wenn man bereit ist solche Methoden zu versuchen, wenn nichts anderes hilft. Aber als Erst-Aktion? Neeee.

Bild: Junior im Leopardengriff. Kaum zu glauben, dass er mal sooo klein war 🙂

Das Wunderrezept

Ich habe mich hier ja schon ein paar Mal über Arzt-Rezepte beklagt, weil: schlecht bis nicht leserlich, nötige Info (Dosierung) nicht drauf etc.

Aber: da habe ich letzthin ein Rezept bekommen, das war einfach … perfekt:

  • Leserlich: Check
  • Dosierung drauf: Check
  • Anwendung drauf: Check
  • Gefahrenhinweise drauf: Bonuspunkte!

Da habe ich ja wirklich fast gar nichts mehr zu tun 🙂 Das einzige was mich leicht gewundert hat ist, dass nicht auch noch ein Magenschutz aufgeschrieben wurde.

Korrekte Aussagen

Lieber, erkälteter Kunde,

wenn Sie in die Apotheke kommen und mir sagen Sie „bekommen das Fieber einfach nicht runter“ und ich frage Sie, was denn Ihre Temperatur ist, antworten Sie bitte nicht mit „Keine Ahnung.“

Fieber ist messbar – dafür gibt es Thermometer.

Es kann sein, dass Sie andere, subjektivere Beschwerden haben, z.B. dass Sie Sich lausig fühlen, Schüttelfrost haben, Gliederschmerzen oder was auch immer – das nehme ich so zur Kenntnis. Vielleicht haben Sie auch das Gefühl es sei Ihnen heiss. Das ist ok, dabei können wir es lassen, aber das heisst noch nicht, dass Sie Fieber haben – dazu müssen Sie Ihre Temperatur messen.

Und dass Sie „es einfach nicht runter bekommen“ deutet darauf hin, dass Sie etwas in die Richtung getan haben. Haben Sie ein Aspirin genommen oder ein Panadol? Haben Sie Wickel gemacht mit Essigwasser oder sind Sie gar in die kalte Badewanne gesprungen?

Ah nicht? Dann haben Sie auch nicht wirklich versucht es herunter zu bekommen.

Ja, ich verstehe, dass Sie Sich nicht gut fühlen.

Hier, kaufen Sie erst mal einen Fieberthermometer. Ab einer Temperatur zentral von 38.5 Grad nennt man es Fieber. Und hier haben Sie ein Dafalgan, damit bekommen Sie das Fieber – wenn sie denn welches haben – herunter, ausserdem hilft es Ihnen vielleicht, sich allgemein etwas besser zu fühlen.

Und für’s nächste Mal: Bitte sagen sie nicht, dass Sie Fieber haben, wenn Sie es nicht gemessen haben, oder dass Sie versucht haben, es zu brechen, wenn Sie noch nichts ausprobiert haben,

Das macht 16.30.- Danke und Gute Besserung!

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