Archiv für den Monat August 2010

Auf Wiedersehen!

Bis Anfang September! Jetzt zischen wir (endlich) auch ab in die Ferien. Genauer gesagt hierhin:

da waren wir ja schon mal – mehr Fotos sieht man z.B. hier.

Ich werde Euch vermissen, seid anständig während meiner Abwesenheit!

Im Blog wird es während dieser Zeit ruhig bleiben, emails werde ich wohl auch nicht beantworten können – ich freue mich aber trotzdem, falls ihr neue Zusendungen zur Serie „Apotheken in aller Welt habt“.

Und bis dann? Warum versucht ihr es nicht einmal mit einem Zufallspost?

klick hier: „I feel lucky“

Einzunehmen zweimal täglich

Apothekerin: „Nehmen sie eine Tablette 2 x täglich.“
Kundin: „Und wie bitte soll ich dieselbe Tablette zweimal schlucken??“

Apothekerin: „Nehmen Sie zweimal täglich je eine Tablette“

Apotheken in aller Welt 21: Äthiopien

Bela aus dem regnerischen Norden schickt mir dies:

Hallo Pharmama,
hier sind einige Bilder die ich in Äthiopien gemacht habe.
Ich bin dort mit mit einer Gruppe von 13 verrücken Radfahrern, für einen guten Zweck, 6 Wochen lang durch Äthiopien gefahren. Daher auch die bunten Trikot mit unseren Sponsorenlogos. 1600km Gesamtstrecke immerhin.
Zur Apotheke: Die am meisten verkauften Mittel dort sind Schmerzmittel, allesamt in Preiskategorien, die sich auch die Einheimischen mal leisten können. Frei verkäuflich ist sowieso das meiste dort. Oft ersetzt der Besuch einer Apotheke den Besuch eines Arztes (von denen es sowieso zu wenige außerhalb der Hauptstadt gibt).

Auf dem Apothekenschild steht: „Rural Drug Vender“. Der Zugang ist auch sehr … ländlich. Samt Sandhügel 🙂

Wahnsinns-Sortiment: Pilzsalbe, Zinkoxidsalbe und Zugsalbe.

Also die Pharmaassistentin (?) finde ich auch hier hübscher als den Apotheker …

Aufziehende Gewitterwolken

Wir haben eine Kundin, die bei uns regelmässig auf Rezept Tena Einlagen gegen Inkontinenz bezieht.
Die Krankenkasse bezahlt das bei ihr, weil ihr die Ärztin eine totale Harninkontinenz bescheinigt hat – das bedeutet, sie hat praktisch keine Kontrolle über ihre Blase und verliert häufig und viel Urin.
Die Kundin ist ausserdem aus einer eher sozial schwachen Schicht. Ich bemerke das hier so, weil es für die Geschichte relevant ist.
Das Problem ist nämlich: auch wenn die Krankenkasse die Tena im Moment bezahlt … da ist eine Limitation drauf, das bedeutet, sie bezahlt im Jahr nur einen gewissen Betrag. Genau 2700 Franken bei totaler Inkontinenz.
Und weil die Kundin wirklich häufig kommt, sind wir jetzt Mitte Jahr schon bei 2400 Franken angelangt – ich weiss das, weil ich unruhig wurde und es mal nachgerechnet habe.

Also versuche ich mit ihr darüber zu reden, aber sie versteht mich nicht und denkt ich will ein neues Rezept. „Nein! Nicht ein neues Rezept – aber vielleicht reden sie mal mit der Ärztin, ob die mit der Krankenkasse Kontakt aufnimmt, dass es vielleicht auch über den Betrag hinaus übernommen wird. Ansonsten kommen wir nächstens zu dem Problem, dass die Tena durch sie selbst bezahlt werden müssen …“ (und das kann sie nicht) – „und dann müssten sie mit dem Sozialamt Kontakt aufnehmen, ob die das eventuell zahlen.“
Als nächstes kommt sie stolz wie Adam mit einem Brief von der Krankenkasse. „Hier, da schreiben sie, dass sie die Tena übernehmen!“
Blick in den Brief … „Da schreiben sie nur, dass sie bis zu einem Betrag von 2700 Franken die Tena übernehmen …. Das ist eben das Problem, das ich erwähnte. Danach zahlen sie nicht mehr.“

Ich rufe in einer ruhigen Minute die Ärztin an, um sie zu informieren. Die meint aber, sie schreibe der Kundin einfach eine andere Art der Tena auf, die nicht von der Grundversicherung übernommen werden, sondern von der Zusatzversicherung …. Und da die Kundin bei 2 verschiedenen Kassen versichert ist, denkt sie, dass ihr so 2 x die 2700 Franken vergütet werden.
Das wäre ja eine Idee … aber: die Kundin nimmt nur von den Packungen, die die Grundversicherung zahlt.
Was nun?

Ich habe getan, was ich konnte: Kundin frühzeitig über das Problem informiert, Ärztin informiert. Hilfe angeboten.
Nun bleibt mir nur abzuwarten … aber die Gewitterwolken, die ziehen unaufhörlich weiter auf.
Heute war die Kundin wieder da, ihre Tena holen.

Bald, bald …. 😦

Apotheken in aller Welt 20: Bretten, Deutschland

Anne aus Bretten schickt mir dies:

Liebe Pharmama,
Ihre Reihe „Apotheken in aller Welt“ ist sehr interessant – und ließ mich die heimischen Apotheken unseres Städtchens Bretten (im Kraichgau zwischen Karlsruhe, Heidelberg und Pforzheim) einmal genauer betrachten.
Es herrscht hier eine recht große Dichte, allein in der Kernstadt mit 28 Tsd. Einwohnern sind es 5 Stück, dazu eine einer Kette im Einkaufszentrum. Das ist für uns Kunden natürlich sehr angenehm, für die Inhaber aber sicherlich eine große Herausforderung, die Kunden zu binden. Die meisten kommen wohl mit dem Auto aus umliegenden Ortschaften und sind entsprechend flexibel in der Wahl.

Die älteste, die Markt-Apotheke von 1632 (innen leider modernisiert), liegt idyllisch in der Fußgängerzone, doch zum nächsten großen Parkplatz läuft man gut 150m. Der Apotheker hat eine pfiffige Lösung für seine Auto-Kunden gefunden: Er deklariert seine hinter dem Haus gelegene Privatgarage zum kostenlosen Kundenparkplatz und reduziert so den Fußweg auf etwa 20m.
Die hässlich an der Ausfallstraße gelegene Weißhofer-Apotheke kommt den Autofahrern noch mehr entgegen: Sie hat ihre Garageneinfahrt zum Autoschalter ausgebaut (kann man die Aufschrift lesen? „Autoschalter – wenn’s schnell gehen soll; Beratung – wenn’s mehr sein soll“) Außerdem hat sie massiv „geflaggt“, damit man ja nicht vorbeifährt.
Die anderen Innenstädtchen-Apotheken seien gerechtigkeitshalber ebenfalls erwähnt:
Die Melanchthon-Apotheke setzt eher auf Entschleunigung und Verweilen, indem sie sich noch ein Hautzentrum angegliedert hat.
Die Hirsch- sowie die Rathaus-Apotheke betonen ihre Kompetenz in Naturheilverfahren und Homöopathie (wobei hier im Südwesten die Kügeles-Gläubigkeit eh recht hoch ist, finde ich).

Kommentar Pharmama: Jaja, ungewöhnliche Probleme erfordern kreative Lösungen – und die mit dem umgebauten Privatparkplatz finde ich super! Ich persönlich hoffe aber, dass diese Drive-through Apotheken nicht zu uns kommen. Ich finde dass Medikamente Beratung brauchen und irgendwie ist das in den paar Minuten durch ein Autofenster nicht so gut möglich.

Krabbelgetier

Ein Kunde fragt mich am frühen Morgen: „Haben sie etwas gegen Staubmilben?“
Pharmama: „Sie können die Teppiche oder Stoffe absaugen und wenn sie sie an die Sonne stellen oder hängen, das bringt sie auch um. Ausserdem gibt es da diesen Milbenspray ..“ (hole ihn)
Mann: „Geht das auch auf Sofas?“
Pharmama: „Ja. Hier steht: für Bett, Sofa, Teppiche… gut staubsaugen, Mittel stossweise aus einer Entfernung von ca. 20 cm aufsprühen, einwirken lassen und nochmals absaugen.“
Mann: „Oh gut, den nehme ich. Wissen sie, wenn ich eine Zeitlang auf dem Sofa sitze, fängt es plötzlich auf der Haut zu krabbeln an …“

Mmmm … eigentlich spürt man von Staubmilben nichts, oder? Ausser man ist allergisch, dann reagiert man … eben allergisch. Aber krabbeln? Naja, im Spray ist Permethrin drin, der sollte gegen alle möglichen Arten von Krabbeltieren wirken.

Lassen Sie mich das wiederholen (9)

Lassen sie mich das wiederholen. Sie sind also der Ex-Mann der Tochter des ehemaligen Inhabers – der seit Jahren (noch bevor ich hier angefangen habe zu arbeiten) nichts mehr mit unserem Geschäft zu tun hat, und sie bestehen darauf, dass wir ihnen darum jetzt den Mitarbeiterrabatt geben?
Okeeee.


Nein.

Heute ist ‚einer dieser Tage‘

Nein, nicht weil Freitag der 13. ist.

Aber ich komme frühmorgens in die Apotheke und finde diverse Rezepte und Zettel auf meinem Schreibtisch.

Rezept 1: Arzt hat eine ungewöhnliche Dosierung aufgeschrieben, bitte nachfragen, ob das so sein soll.
Rezept 2: Bitte Tel an Dr. Hausarzt ob anstelle des Feigensirup ein Paragol N Sirup abegegeben werden kann, da dies dann auf Rezept / über Krankenkasse gehen könnte. Frau Müller-Schulze hat nicht viel Geld und möchte nichts, das sie gleich selbst zahlen muss.
Rezept 3: Frau Roth hatte bisher immer Dauerrezepte für ihre Antiepileptika – dies hier ist keines. Bitte Arzt anrufen, ob man da eines draus machen kann.
Rezept 4: 2. Medikament auf Rezept ist unleserlich und Kunde weiss auch nicht, was es sein soll. Bitte beim Arzt abklären.
und Rezept 5: Frau Donner hat immer Seroquel, aufgeschrieben wurde Sertalin – soll das wirklich so sein? Sie weiss nichts von einem Wechsel.

Merkt man, dass es Freitag morgen ist und bei uns in der Gegend viele Ärzte am Donnerstag mittag zu haben?
Na, dann hänge ich mich jetzt erst mal ans Telefon.

PS: falls es interessiert, hier die Antworten: 1: Ja, bis zur nächsten Kontrolle, 2: Geht in Ordnung, sie können was aussuchen. 3: Ja, habe ich vergessen draufzuschreiben, 4: Tyroqualin, 5: Hoppla, da habe ich mich verschrieben. Es soll das Seroquel sein, wie bisher.

Apotheken in aller Welt 19: Cluny, Frankreich

Muetze aus Frankreich schreibt:

hier kommen wie schon versprochen die Bilder der drei Apotheken hier aus Cluny. Ich habe ein kleines Copyright drauf gemacht und die Dateigröße angepasst damit du nicht ganz so viel Webspace verbrauchst. Als erstes die Pharmacie de l’Abbaye. Die ist der Abtei hier in Cluny am nächsten. Wenn du schonmal hier in Cluny warst hast du sie ja vielleicht entdeckt.  Dann folgen die Bilder der Pharmacie des Art die nur 50m weiter ist, dafür aber direkt an der Hauptstrasse liegt. Als letztes ist noch die Pharmacie Lamartine zu erwähnen die unserem eigenen kleinen Laden am nächsten ist. Zum einen Hat diese eine sehr schöne Aussenfassade und zum andern ist sie anscheinend auch schon sehr alt wie man an dem Türschild sieht welches ich im Detail noch mitschicke.

.

Schöne Fotos von ein paar so wie es aussieht älteren Apotheken in Cluny. Holzfassaden gefallen mir immer sehr, aber auch die Steinmetzarbeiten sind toll!

Was sagt der Computer?

Kundin in der Apotheke: „Haben sie hier noch Hepatodoron?“
Apothekerin: „Lassen sie mich rasch im Computer nachschauen … das ist im Moment ja nicht lieferbar … Nein. Wir haben heute morgen das letzte verkauft.“
Kundin: „Was sagt der Computer?“
Apothekerin: „Er sagt, wir haben keines mehr.“
Kundin: „Ok, können sie einen Moment warten. Mein Mann möchte mit ihnen reden.“
Apothekerin: „Sicher.“
Mann der Kundin: „Und? Haben sie Hepatodoron?“
Apothekerin: „Nein, tut mir leid.“
Mann der Kundin: Was sagt der Computer?“
Apothekerin: „Immer noch dass wir heute morgen das letzte verkauft haben.“
Mann: „Ok, danke.“

und für das habe ich 5 Jahre studiert? Na kommt schon Leute, fordert mich etwas!

Kontaktfreudig

Ja, das ist er, unser Junior. Das muss er vom Kuschelbär haben, denn ich selbst bin in der Öffentlichkeit – wenn ich nicht gerade bei der Arbeit Selbstvertrauen und Autorität verströme (*hust*) eher zu den schüchternen zu zählen. Bei Partys findet man mich mit einem Glas in der Hand am Rand und ruhig die Leute beobachtend.

Aber Junior. Der braucht die anderen Leute und vor allem die Kinder. Ein Glück ist er im Tagi – dort kann er sein Bedürfnis voll ausleben. Aber wenn wir zusammen sind, da „muss“ ich mit ihm auf den Spielplatz – und die Standardfrage lautet: „Sind anderi Kinder au dört?“

Ja, andere Kinder sind meist auch dort. Und kaum angekommen, rennt er schon zum nächsten hin, baut sich vor ihm auf und sagt: „Ich bin der Junior!“ und „Ich bin soo alt..“ (zeigt 3 Finger) – dabei ist es völlig egal, ob es sich um Junge, Mädchen, älter oder jünger handelt. Sitzt eine Gruppe zusammen, so setzt er sich mittendrin hin.

Es ist lustig zu sehen, wie die anderen Kinder reagieren. Während manche erfreut sind über den neuen Spielkameraden, können andere mit soviel Nähe gar nichts anfangen.

Gefremdet hat er nie. Eine Tatsache, die mich schon etwas beunruhigt. So offen und vertrauend wie er ist, läuft er mit jedem mit, der ihn anlächelt. Aber was soll ich da tun? Ich will ihm ja auch nicht einfach unnötig Angst einjagen vor „Fremden“ – und vorläufig bin ich oder Papa (oder Oma, Opa, Omi oder die Tagesmutter) ja immer in seiner Nähe. Aber später … das gibt noch ein paar ernstere Gespräche.

Nicht mikrowellenfest

Kunde in der Drogerie: „Und dann brauche ich noch eine neue Nasenspülflasche.“
Drogistin: „Hier, bitte. Brauchen sie noch die Salzbeutel dafür?“
Kunde: „Nein, nur die Spülflasche … ich wollte sie in der Mikrowelle desinfizieren..“
Drogistin (am Tippen): „Ah…“
Kunde (leicht vorwurfsvoll): „Nur zur Info: sie ist nicht Mikrowellenfest.“
Drogistin: „Ah, ok.“

P.S. Ja, das steht auch so in der Packungsbeilage.

Generika – eine Betrachtung (5)

Immer, wenn man, denkt, dass man fertig ist.

Hier kommt ein Nachtrag zu meiner Generika-Reihe: Generika – die Seite der Krankenkasse in Deutschland

geschrieben allerdings nicht von mir, sondern von einer Apothekerin, die bei einer Krankenkasse arbeitet. Sie hat sich enorm Mühe gemacht und ausführlich geschrieben. Darum bringe ich nicht den ganzen Artikel auf der Hauptseite, sondern nach dem „weiter“.

Krankenkassen und Generika in Deutschland:

1. Aufgabe der Gesetzlichen Kranken-Versicherung
2. Wirtschaftliche Rolle der Generika und Rabattverträge
3. Gesundheitliche Aspekte
4. Zusammenfassung/Beurteilung

Aufgabe der GKV:

Wikipedia hat einen recht lesenswerten Artikel zum Thema gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland parat:

Aufgabe der gesetzlichen Krankenversicherung ist es, die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern (§ 1 SGB V). Dazu gehört auch, Krankheitsbeschwerden zu lindern (§ 27 SGB V)….Alle Versicherten haben grundsätzlich den gleichen Leistungsanspruch, dessen Umfang im Fünften Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) festgelegt und durch § 12 Abs. 1 SGB V begrenzt ist. Danach müssen die Leistungen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein und dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten.

Soweit die Theorie. Lies den Rest dieses Beitrags

Spendenwunsch

Morgens ein Zettel auf meinem Bürotisch in der Apotheke:

„Herr Meier würde gerne von uns eine Tube Ichtholan gespendet bekommen. Er ruft morgen nochmals an.“

Den Ganzen Tag habe ich gespannt auf den Anruf gewartet, aber gekommen ist bisher nichts – dabei habe ich mir von dem Anruf die Antworten auf ein paar Fragen erhofft:
Wieso hätte Herr Meier denn gerne eine Tube gespendet bekommen?
Ist er vielleicht ein so speziell guter Kunde von uns, dass er glaubt das verdient zu haben?
Oder gehört er zu den enorm bedürftigen, die sich nicht mal das Nötigste im Leben leisten können … darunter eine Tube Zugsalbe?
Oder denkt er, er versucht es einfach mal?

Ich sollte das auch mal ausprobieren: Im MacD: „Tag, könnte ich von ihnen eine Cola gespendet bekommen?“. Im Lebensmittelgeschäft: „Bekomme ich von ihnen eine Tafel Schokolade gespendet?“

Was hättet ihr denn gerne so gespendet in der Apotheke oder anderswo?

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