Archiv für den Monat Juli 2010

Schöne Aussichten (2)

Das war wieder ein schöner Sommertag!

P.S.: und allen Schweizern einen ebenso schönen Nationalfeiertag morgen!

Dauerrezepte und Vorbezüge

Dauerrezepte und Vorbezüge gibt es zum Beispiel in Deutschland  ja gar nicht. Man mag das jetzt gut finden oder nicht … jedenfalls sind solche Dialoge wie der gestern dann auch nicht möglich:

Pharmama: „Ihr Dauerrezept für das Blutdruckmittel ist vor knapp 3 Monaten abgelaufen.“
Patient: „Wie kann das sein? Der Arzt hat gesagt, ich muss die Medikamente wahrscheinlich mein Leben lang nehmen!“
Pharmama: „Das ist schon möglich, aber das heisst nicht, dass das einmal dafür ausgestellte Rezept für den Rest ihres Lebens gültig ist. Sie müssen von Zeit zur Zeit zur Kontrolle zum Arzt, auch ob die Medikamente auch so wirken wie sie sollen.“
Patient: „Aha. Und jetzt?“
Pharmama: „Wenn sie jetzt gar keine Medikamente mehr haben, kann ich ihnen einen Vorbezug machen, aber sie müssen zum Arzt und mir ein Rezept bringen.“
Kunde: „Ist es ok, wenn das Rezept in 3-4 Monaten kommt?“
Pharmama: „Äh, nein. Sie haben 2-3 Wochen Zeit es zu besorgen.“

Malen mit Mikroben

Dieser hübsche Aesculapstab ⚕ -der ja bekannterweise das Symbol des ärztlichen und pharmazeutischen Standes ist- wurde mit Bakterien und Pilzen auf eine Agarplatte gemalt.  Vor der kultivierung der Bakterien dürfte von dem Bild noch nicht allzu viel zu sehen gewesen sein.  Auf der Platte sind Kolonien von Scopulariopsis brevicaulis, Candida sake und Cladosporium herbarum.

Noch mehr Mikroben-Malereien finden sich hier.

Gelangweilte Mikrobiologen oder Kunst bei der Arbeit? – ich find’s cool.

Einfach ignoriert

Liebe Kunden,
… auch wenn ich nicht hinter der Theke der Apotheke hinten im Laden stehe sondern vorne im Laden etwas am einräumen, aufräumen oder sogar putzen bin, bin ich trotzdem noch genauso hier arbeitend und Apothekerin.
Mich und mein „Guten Morgen“ dann einfach zu ignorieren, ohne Zurückzugrüssen an mir vorbeizuziehen und schnurstracks nach hinten zu laufen holt ihnen keine Pluspunkte bei mir.
Am Ende läuft es nämlich darauf heraus, dass ich – weil alle anderen auch beschäftigt sind – hinter ihnen herlaufe, vorbeilaufe, um die Theke herum und sie mit dem genau gleichen „Guten Morgen“ nochmals begrüsse.

😦

Warum macht man das? Tunnelblick? Morgenmüde? Allgemeinmuffel? Ich rede nur mit der Apothekerin?

Schmelztabletten

Kundin in der Apotheke: „Haben sie mir andere Schmerztabletten? Diejenige, die ich meiner Mutter gegeben habe, wirken nicht.“
Apotheker: „Was für welche haben sie denn probiert?“
Kundin: „Imodium lingual.“
Apotheker: „Imodium?? Aber das ist gegen Durchfall, das sind doch keine Schmerztabletten!“
Kundin: „Das steht aber drauf: Schmerztabletten.“

Sie hatte den Aufdruck „Schmelztabletten“ falsch gelesen. Üble Sache!

.

(mit besten Dank für die Geschichte an den übermittelnden Apotheker!
Wenn Du auch eine kennst und sie nicht selbst veröffentlichen kannst / willst … ich nehme sie gerne!)

Blogfundstück. Oder: nicht nur bei uns.

Blogfundstück von Blogamaspätenbendleser. Das Original ist hier zu finden. Ist zwar schon etwas her, aber ich fand’s süss!

Faschingsdienstag

Ich war grad unterm Tisch von einem Apotheker ein Kabel verlegen, als das Teleklingel fonte.
Er: „Ja? Herr [Patient]! Wie geht es Ihnen? Lange nichts mehr gehört! Wie? Bauchschmerzen? Wieviel Krapfen haben Sie denn schon gegessen? WAS? HEUTE? WIEEE???!! IN DER LETZTEN STUNDE? Warum machen Sie denn sowas? Ja, wir sind da, kommen Sie nur vorbei! Auf wiederhören!“
Er, zu mir gerichtet: „Herr [Techniker], das glauben Sie mir jetzt nicht. Kennen Sie jemanden, der schon mal 16 Krapfen in nur einer Stunde gegessen hat?“
Ich: „Ähm… Naja… um ehrlich zu sein…“
Er: „Der Mann ist 83 Jahre alt!“

Im Zuge eines Lachanfalls bin ich dann so derb an die Tischplatte geknallt, dass mir der Apotheker eine Kopfschmerztablette geschenkt hat. Und einen Krapfen. 😉

Frankiertes Antwortcouvert mitschicken

Wir haben einem Arzt, der keinen Fax hat und extrem schlecht telefonisch erreichbar ist, den Rezept-vorbezug des Patienten per Brief geschickt, mit der Bitte ihn zu unterschreiben und zurückzuschicken.
Das hat er dann auch gemacht – mit einer Notiz dran: „Schicken sie das nächste Mal ein frankiertes Antwortcouvert mit!“

Was zum Geier?
Sicher nicht!

Der Arzt kann für das Ausstellen des Rezeptes etwas verlangen* und wir haben ja schon das Hin-Couvert bezahlt.
Nein, das nächste Mal sage ich dem Patienten bei dem Arzt, es gibt entweder keinen Vorbezug, oder er muss mir das Rezept selbst vorbeibringen.

* Das wäre wohl Punkt 00.0140 1: Ärztliche Leistung in Abwesenheit des Patienten, Franken 17.76.-
Porti sind da allerdings drin enthalten, die kann er nicht separat abrechnen – vielleicht darum der Protest?

pro 5 Min.

Apotheken in aller Welt 13: Grilli, Italien

Leserin (und Blogschreiberin) Geneviève schickt ein Bild und schreibt dazu:

Hallo Pharmama
Gestern sind wir aus der Toskana zurück gekommen und ich habe eine Ohrenentzündug mitgebracht. Nachdem ich 5 Stunden im Spital deswegen verbracht hatte, musste ich anschliessend in die Apotheke, um Antibiotika zu holen.
Natürlich habe ich an Deinen Aufruf gedacht und schicke Dir hier also ein Foto der Farmacia aus Grilli (das liegt etwa 20km von Grossetto – die nächste grössere Stadt. Wir selbst hausten … in Vetulonia – ein Städtchen, in welchem man Etrusker-Gräber gefunden hat)

Kein Schaufenster und Gitter vor der Türe nach Ladenschluss. Heimelig. Hmmmm. Aber der Himmel ist sowas von blau!

1 Woche

Auf dem Nasenspray haben wir auf das Etikett geschrieben: „Nicht länger als 1 Woche anwenden.“

Kunde: „Ist das jetzt 5 Tage oder 7?“

Na?

Apotheken in aller Welt 12: Kathmandu, Nepal

Leserin Laura (die übrigens auch blogt) schickt mir ein Bild aus Nepal und schreibt dazu:

Hallo Pharmama!

Ich bin zwar nicht im Urlaub in Kathmandu, Nepal, sondern lebe hier seit fast einem Jahr, trotzdem kommt ein Foto =)
Tschuldigung, dass es von soweit weg aufgenommen wurde, aber ich wartete auf der anderen Straßenseite auf meinen „Bus“ zur Arbeit und der kann immer kommen, der hat keine Zeiten^^ In der Apotheke kann man zumindest alles kaufen, Paracetamol, Ibuprofen, Damenbinden, jegliche Antibiotika und die Antibabypille. Selbstverständlich sehr billig und ohne Rezept oder sowas^^
Liebe Grüße,
Laura

Kein Apothekenkreuz, kein weisser Schurz (wenigstens ein weisses Hemd) und der Laden ist auf die Strasse hin offen – da ist nichts mit „Raumtemperatur“ und QMS – aber: eindeutig eine Apotheke!

Medikamente, Alkohol und Fahrtüchtigkeit

Ein Kunde kam vor ein paar Tagen in die Apotheke und erzählt diese Geschichte:
Er hatte einen Auto-Unfall vor 4 Monaten … und zwar hat er morgens eine Tablette, die er von uns bekommen hat geschluckt – Name unbekannt, es sei aber eine grüne Packung gewesen- dann habe er nach 6 Stunden 2 Bier getrunken und bei der anschliessenden Rückfahrt mit dem Auto einen Unfall mit Totalschaden gemacht.
Von uns will er jetzt wissen, wann er das Medikament bezogen hat.
Was er uns hinhält ist eine leere Packung Codein Knoll Tabletten.

Ja. Hmmm.
Klar kann ich ihm einen Auszug machen – nur denke ich, wenn ich seine bisher bezogenen Medikamente anschaue, dass das Problem weniger bei den Codein Knoll (Hustentabletten), als bei den Sirdalud Kapseln (Muskelrelaxans mit Tizanidin) liegt. Die machen erstens mehr müde und zweitens steht da ausdrücklich in der Packungsbeilage drin, dass in Kombination mit Alkohol die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt ist. Ausserdem: das wäre im Gegensatz zu den Codein eine (leicht) grüne Packung.

Aber: Stimmt seine Geschichte auch? Denn die Medikamente – sowohl das Codein als auch die Sirdalud wurden einige Monate vor dem Unfall bezogen! Gut, vielleicht hatte er nach der Behandlung ein paar übrig und als er wieder Husten oder Muskelschmerzen bekommen hat gedacht, er nimmt einfach von den Tabletten, die er zuhause hat.

Noch ein Problem: das Codein würde in einem Drogen-Test als Opiat angeben – vielleicht versucht er auch nur da etwas zu erklären. Die Menge spielt da keine Rolle, im Gegensatz zum Alkohol existieren keine Grenzwerte.

Die Versicherung kann übrigens bei einem Unfall wegen Grobfahrlässigkeit – also auch bei Drogen und Alkohol am Steuer -die Leistungen kürzen, so zahlt also Beispielsweise die Vollkaskoversicherung den Schaden am Fahrzeug nur teilweise oder gar nicht. … Und die Haftpflichtversicherung fordert in so einem Fall einen Teil der Kosten zurück.

Eine sehr gute Seite zum Thema Alkohol und Drogen / Medikamente am Steuer findet sich hier: http://www.fachstelle-asn.ch/de/fiaz.php

auf der Seite steht auch:

Da es bei Medikamenten eben keine Grenzwerte gibt und geben kann, gilt die Eigenverantwortlichkeit. Die Apotheker und Ärzte wissen um verkehrssichere Alternativpräparate, sie müssen aber spezifisch danach befragt werden. Dabei darf nicht vergessen werden, dass auch rezeptfreie Medikamente die Fahrfähigkeit negativ beeinflussen können. Deswegen sollte die Packungsbeilage sorgfältig gelesen und die vorgeschriebene Einnahmedosis nicht überschritten werden.

Nun, wir sagen es den Patienten im Normalfall, wenn wir etwas abgeben, was die Fahrtüchtigkeit sehr beeinträchtigt. Aber … trotzdem … 😦

Problematische Medikamente sind übrigens:
Schmerzmittel, Hustenmittel, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antiallergika, Psychopharmaka, Muskelrelaxantien, ausserdem Mittel gegen Bluthochdruck (v.a. bei der Einstellung), Diabetes (wegen Unterzuckerungsgefahr), Augentropfen (wenn sie die Sehstärke herabsetzen) …

Andererseits ist es oft ebenso problematisch die Medikamente nicht zu nehmen.

Darum: bitte vor dem Autofahren schauen, ob bei den Medikamenten etwas steht und auf jeden Fall auf die Kombination mit Alkohol verzichten!

Eine „strahlende“ Vergangenheit

Als die Radioaktivität entdeckt wurde, dachte man noch, es sei eine gute und gesunde Sache. Madame Curie – die den Begriff „radioaktiv“ praktisch erfand und 2 Nobelpreise für ihre Entdeckung und Erforschung verschiedener Elemente (Uranium, Radium, Thorium…) erhielt – musste aber am eigenen Körper erfahren, dass dem eher nicht so ist. Heute ist man einiges weiter mit dem Wissen und setzt sich nicht mehr freiwillig der Strahlung aus, wenn es sich vermeiden lässt.

Aber als die radioaktivität noch neu und strahlend war, wurde sie neben der Röntgendiagnostik auch in verschiedenen „gesunden“ Produkten genutzt: In Zahnpasta (s. Bild),  Gesichtscreme, Zäpfchen, in Schokolade, Trinkwasser …

Hier ist eine Seite mit einigen derartigen Produkten.

Was wohl die Erklärung dahinter war, dass das „gesund“ wirken sollte?

Mitgehört

Ich versuche ja, die Leute nicht zu stören, wenn sie etwas in Ruhe anschauen wollen. Aber ich bin dann oft auch nicht so weit weg um eventuelle Fragen zu beantworten. Und letztens habe ich dies mitbekommen:

Mann und Frau vor den Zahnbürsten.
Mann: „Oh, von denen die ich will, haben sie keine in blau.“
Frau: „Doch, sie haben.“
Mann: „Wo?“
Frau: „Na, die grüne da!“

Das ist nichts für mich

Frau kommt in die Drogerie mit von einem Sturz stark aufgeschürften Knien. Sie hat Bedenken, dass Narben zurückbleiben.
Die Drogistin erklärt ihr, wie sie die Wunde pflegen muss und dass sie, sobald die Wunde geschlossen ist und der Schorf ab ist eine Narbensalbe drauf machen kann.
Die Drogistin zeigt ihr die Louis Widmer Augenpflege – seit langem ein Geheimtipp, wenn es um Narbenbehandlung geht- und das Blatt, das wir neu bekommen haben, wo die Erklärung drauf ist, dass man damit jetzt auch Studien gemacht hat zur Narbenpflege. Auf dem Blatt sind sogar Bilder drauf von den Erfolgen: Eine Frau mit einer genähten Wunde an der Schläfe vor und nach der Behandlung.
Und was sagt die Kundin?

„Ah, das ist nicht für mich in dem Fall: ich habe es ja nicht im Gesicht!“

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