Archiv für den Monat April 2010

Gibt’s die auch in kleiner?

Ein Teenager steht schon eine ganze Zeit vor dem Regal mit den Kondomen. Ich schaue da in angemessener Entfernung zu, da ich weiss, dass das vor allem bei jüngeren Diskretion braucht … und wenn er Fragen hat, bin ich da.
Schliesslich kommt er mit einer Packung zu mir und fragt: „Haben sie die auch in kleiner?“
„Kleiner?“ frage ich, „ich müsste nachschauen, da haben wir einen Prospekt wo die Durchmesser und Längen angegeben sind.“
Er schaut mich an, wird auf einmal krebsrot und sagt : „Die Packungsgrösse! Ich meinte die Packungsgrösse!

Oh. hoppla. 🙂

mehr Fragen zu Kondomen hier.

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Sichtbare Schockwellen

Der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull hat uns ausser einem Chaos im Luftverkehr noch etwas beschert: nämlich interessante Bilder von einem plinianischen Ausbruch:

Etwas spannendes sind die sichtbaren Schockwellen, die die Explosionen im Krater verursachen (etwa ab Sekunde 18). Sieht ziemlich heftig aus.

Isotretinoin und „off label use“

Liebe Ärzte,
Das Aknemittel Isotretinoin wie in Roaccutan und seinen Generika (Tretinac, Curakne, Liderm und Isotretinoin Mepha) war noch nie ein einfaches Medikament. Bei der Verordnung müssen verschiedene Dinge beachtet werden –die wichtigsten: keine Vorgeschichte mit Depressionen, weil das Medikament selbst welche machen kann – engmachige Kontrolle wegen möglicher Hautprobleme und falls es für eine Frau ist muss eine Schwangerschaft vor und während der Behandlung unbedingt ausgeschlossen werden, da der Wirkstoff teratogen ist, also Missbildungen macht. Inzwischen wurde man noch vorsichtiger und Frauen soll nicht mehr als der Bedarf für einen (1!) Monat verordnet werden. Das bedeutet: Keine 100er Packungen und keine Dauerrezepte mehr dafür.

Im Kompendium steht:

Verschreibungs- und Abgabeeinschränkungen
Verschreibungen für Roaccutan müssen für Frauen im gebärfähigen Alter auf einen Behandlungszeitraum von 30 Tagen limitiert sein, und eine Fortsetzung der Therapie erfordert eine erneute Verschreibung. Idealerweise sollten der Schwangerschaftstest, die Ausstellung des Rezeptes und die Abgabe von Roaccutan am selben Tag erfolgen. Die Abgabe von Roaccutan muss innerhalb von maximal 7 Tagen nach der Ausstellung des Rezeptes erfolgen.

Ja, tut mir auch leid. Wenn ich ihnen also telefoniere, nachdem sie – wieder einmal – ein Rezept über 3 Monate ausgestellt haben, werden sie nicht aggressiv und sagen „Das weiss ich. Es gibt aber Apotheken, die das trotzdem abgeben, ohne jedes Mal anzurufen.“
Mag sein. Aber dazu gehören wir nicht.

Ich darf an der Stelle über die Vorschriften betreffend „Off label use“ von Medikamenten aufklären.

Unter Off-Label-Use versteht man die Verordnung eines zugelassenen Fertigarzneimittels außerhalb des in der Zulassung beantragten und von den nationalen oder europäischen Zulassungsbehörden genehmigten Gebrauchs, beispielsweise hinsichtlich der Anwendungsgebiete (Indikationen), der Dosierung oder der Behandlungsdauer.

Sie als Arzt dürfen tatsächlich trotz den Vorschriften auch für Frauen grosse Packungen aufschreiben. Da das aber nicht den Vorgaben entspricht, ist es definitionsgemäss eine off label use.
– Darüber müssen sie als Arzt die Patientin aufklären.
– Ausserdem müssen sie ihr sagen, dass sie als Arzt dementsprechend die volle Verantwortung übernehmen, wenn bei dieser Art Anwendung etwas schief geht.
– Plus sie müssen die Patientin darüber aufmerksam machen, dass die Krankenkasse das nicht übernehmen muss – das ist übrigens das, was bei den Patienten in der Apotheke am meisten zieht: da gehen sie lieber zur Kontrolle und holen sich ein neues Rezept.

Und unsere Verantwortung in der Apotheke ist, wenn wir eine „off-label“ Anwendung sehen, beim Arzt anzurufen, ob das ok ist und er den Patienten aufgeklärt hat. Das wird bei uns dann auch festgehalten. Sicher ist sicher.

P.S. obiges stimmt genauso für die ungewöhnlich hohen Dosierungen von Antibiotika, die in Krankenhäusern in letzter Zeit immer mehr verschrieben werden. Wenn das mehr ist als in der Packungsbeilage vorgegeben, braucht es einen Rückruf beim Arzt wegen „off label use“.
Wenn das wirklich gewollt ist, könnte man als Arzt auch, um das Ganze etwas abzukürzen ein „sic!“ hinter die Dosierung schreiben. Dann wissen wir, dass das gewollt ist.

Bitte lassen sie den Hund nicht mehr Autofahren …

Auf der amerikanischen Tablettendose für den Hund:

Könnte Schläfrig machen. Alkohol könnte diesen Effekt verstärken. Seien Sie vorsichtig, wenn sie Auto fahren oder gefährliche Maschinen bedienen.

Umm, ja. 🙂

Auf der anderen Seite: so eine Kurzfassung der wichtigsten Nebenwirkungen fände ich auch bei uns Sinnvoll. Sinnvoller als die monstergrossen, unlesbaren Packungsbeilagen.

Nicht jetzt.

Bevor wir Hauslieferungen an manche Leute machen, telefonieren wir, um sicher zu sein, dass jemand zuhause ist.
Die Person nimmt das Telefon ab und sagt (deutlich) „Ich schlafe gerade. Rufen sie später noch mal an!“ Klick.

Hmmm.

Gut gewürzt …

In meinem Bemühen einer Kundin etwas Geld zu sparen, erkläre ich ihr, wie sie zuhause mit Kochsalz und lauwarmem Wasser selber Nasenspülungen machen kann.
Sagt sie: „Ich habe aber nur Meersalz, geht das auch?“
Pharmama: „Ist das Meersalz zum Kochen oder zum Baden?“
Kundin: „Zum kochen – es hat auch Kräuter drin.“
Pharmama: „Äh, dann können sie es aber nicht zum Nase-spülen verwenden.“

Schönheit lässt leiden

Was hier so optisch ansprechend daherkommt, lässt im Moment viele Leute leiden: es sind Pollen, unter dem Elektonen-mikroskop angeschaut:

Bei der Quelle findet sich eine Bildergallerie mit noch mehr solcher Anblicke. Da gibt es eine faszinierende Vielfalt an Farben und Formen. Sehenswert – nicht nur für Pollenallergiker.

Was wir zur Vorsorge tun

Es soll ja immer noch Leute geben, die denken, wir seien personalisierte Pillendispenser und nichts anderes. Das ist einfach nicht wahr.

Hier ein paar Beispiele, was die Apotheke im Bereich der Vorsorge tut.
Wir bieten an:

  • Blutdruckmessungen (inklusive Beratung bezüglich Lebensumstände: Bewegung, Ernährung)
  • Blutzuckermessung (inklusive Beratung bezüglich Lebensumstände: Bewegung, Ernährung)
  • Rauchstoppberatung
  • Hautberatung bezüglich Sonnenschutz – Hautkrebsvorsorge – jetzt aktuell
  • Gewichtsberatung / Ernährungsberatung (Alli et Co.)
  • Reiseberatung:  was mitnehmen? auf was aufpassen …
  • Impfberatung: wir kontrollieren Impfpässe und schauen, ob nachgeimpft werden muss.

Einige Apotheken bieten noch Cholesterinmessung an

  • oder Darmkrebsvorsorge
  • oder Nieren-Risikotest
  • oder Grippeimpfungen

Wir vermieten:

  • Milchpumpen,
  • Babywaagen
  • Krücken
  • Messen Stütz- und Kompressionsstrümpfe an
  • Machen Teemischungen
  • Kontrollieren die Hausapotheke
  • Machen Hauslieferungen

… und noch viel mehr.

Wenn ein Kunde zu uns kommt und eine Beratung will („Ich hätte gerne etwas gegen..“) gibt man im Normalfall nicht einfach nur ein Medikament ab, sondern liefert Tipps zur Nichtmedikamentösen Unterstützung: Schlafhygiene, Übungen bei Inkontinenz, Ernährungsberatung bei Magenbrennen, …

Von daher: Ja, ich fühle mich ein bisschen angegriffen, wenn man mir sagt, als Apothekerin mache ich ja nichts für die Gesundheit und helfe den Leuten nicht wirklich.

Grumpf.

Einfach nur schön

Mal in der Sonne sitzen und nur schauen.

Angeschmiert. Eine Betrugswarnung für schweizer Apotheken.

An einem Samstag (logischerweise) kommt eine Kundin in die Apotheke und sagt, sie brauche dringend ihr Insulin. Es sei ihr ausgegangen, ihr Arzt hat zu, sie braucht es aber dringend.
Problem: sie ist keine Kundin von uns und hatte noch nie ein Rezept hier. Sie hat ihr Portemonnaie zu Hause vergessen und hat weder Versicherungskarte noch Ausweis dabei. Sie kann es darum auch nicht zahlen …

Meine Kollegin hat ihr dann nach Diskussion trotzdem das Insulin gegeben – schliesslich ist es ein lebenswichtiges Medikament – und festgehalten, was sie an Information bekam.
Die Kundin versprach, sobald möglich ein Rezept vom Arzt vorbeizubringen.

Das war vor etwas über einem Monat. Seither wurde nichts mehr von ihr gehört.
Die Pharmaassistentin versucht nun selbst ein Rezept aufzutreiben.
Und jetzt kommt das Beste: Die Kundin ist beim Arzt nicht bekannt. Unter der angegebenen Natelnummer nimmt jemand ab, der nicht einmal Deutsch kann (Türkisch irgendwer?), die Adresse ist falsch, bei der Krankenkasse kennt man niemanden mit dem Namen.
Lauter Sackgassen.
Das Geld (im 3-stelligen Bereich) können wir abschreiben.

Was macht man in so einem Extremfall? Für das nächste Mal habe ich Anweisung rausgegeben, dass die Person sich mindestens korrekt ausweisen müssen kann – ansonsten muss sie in den Notfall gehen.

Was ich daran speziell traurig finde ist, dass das Verhalten dieser Betrügerin es der nächsten, ehrlichen Person in ähnlicher Situation praktisch unmöglich machen wird, das benötigte Medikament ohne Umwege zu bekommen.

Spezielle Arten der Anwendung (2)

Es gibt so ein paar Medikamente, bei denen ist die Anwendung nicht ganz so einfach wie “Tablette rausdrücken, Tablette schlucken.” Von diesen möchte ich ein paar vorstellen.

Heute: der Solmucol / Solmucalm -Sirup

der Wirkstoff Acetylcystein zum verflüssigen von Schleim bei Husten ist in gelöster Form nicht allzu lange haltbar, darum wird das Wirkstoffpulver erst (kurz) vor der Anwendung mit dem Sirup gemischt.
Das geht so: 1. Ring am unteren Rand des Deckels abziehen, Flasche auf einen Tisch stellen und 2. mit der Hand fest den Deckel in die Flasche drücken. Das Pulver fällt aus dem Deckel in den Sirup. Schütteln zum mischen – fertig.

Wenn man das nicht macht, nimmt man nur den Grundlagensirup zu sich, – das schmeckt zwar gut, aber wirkt nicht …

Nachtrag 2016: Die Verpackung hat geändert und damit auch der Verschluss. NEU muss man nicht mehr drücken, sondern DREHEN zum auslösen des Pulvers.

Allergisch gegen …?

Bei der Dossier-erstellung für den etwa 5 Jahre alten Jungen frage ich die Mutter, ob der Sohn irgendwelche Allergien hat, worauf sie sagt: „Nein.“
Sagt ihr Sohn: „Doch, Mama, ich bin allergisch auf Codein.“
Die Mutter weiss davon offenbar nichts, schaut nur verwirrt drein
Pharmama zum Jungen: „Und was ist passiert, als du das genommen hast?“
Junge: „Ja, erinnerst Du dich nicht, Mama, das hat mich ganz fest müde gemacht!“

🙂
Oh süss!  (liegt das daran, dass ich selbst einen kleinen Jungen habe, dass ich derartiges so herzig finde?)

Toll jedenfalls, dass er sich noch daran erinnern kann – allerdings ist das keine Allergie sondern eine Nebenwirkung – noch dazu eine, die man erwarten kann.

Lassen Sie mich das wiederholen (8)

Sie wollen also für ihre schwangere Tochter, die nicht hier ist, ein Antibiotikum haben, weil der Zahnarzt findet, sie sollte eins nehmen. Der Zahnarzt – dem ich telefoniert habe – will aber selbst keines verordnen ohne zuvor mit dem Frauenarzt gesprochen zu haben – der ist aber schon im Wochenende. Und jetzt wollen sie, dass ich ihnen grad jetzt ‚einfach ein’ Antibiotikum abgebe. Ausserdem scheinen sie zu denken, dass mich anzuschreien die Sache beschleunigt.

Okeee….

Sorry, nein. Gehen sie mit ihrer Tochter ins Spital, da hat es eine Frauenärztliche Notfallabteilung.

Flugverbot und Auswirkungen auf die Apotheke

Wer denkt, der spuckende Vulkan in Island betrifft die Apotheken nicht, der lese dies hier mal (Quelle):

Flugverbot: Apotheker versorgen Transitpassagiere

Notversorgung auf dem Flughafen: Passagiere im Transitbereich des Frankfurter Flughafens, die dort wegen der Flugausfälle fest sitzen und keinen Zugriff auf im Gepäck mitgeführte Medikamente haben, werden von der dort ansässigen Apotheke mit benötigten Arzneimitteln versorgt. «Täglich haben wir seit dem Flugstopp zwischen 20 und 50 Lieferungen in den Transitbereich. Wegen fehlender Visa können die Reisenden diesen nicht verlassen», sagte Nicole Schulz, Pharmazeutisch-Kaufmännische Angestellte und Assistentin der Geschäftsführung der Flughafen-Apotheke. «Die gesamte Palette ist dabei: Antipyretika für Kinder, die plötzlich Fieber bekommen hatten, Medikamente gegen Durchfall und Erbrechen, Insuline, die zu Ende gingen, Herztabletten, die im Koffer im Flugzeug verstaut waren.»

Bei rezeptfreien Präparaten rufen die Passagiere in der Apotheke an, lassen sich beraten, und das pharmazeutisches Personal bringt das gewünschte Arzneimittel in den Transitbereich. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten ist der Medizinische Dienst involviert. Schulz: «Viele Reisende haben in den vergangenen Tagen aber auch mit ihren Ärzten zu Hause telefoniert. Diese haben uns dann die Rezepte vorab gefaxt.» Wie erfahren die Passagiere vom Apothekenservice? «Das komplette Flughafenpersonal, das im Transit-Bereich Essen und Trinken reicht, ist informiert und macht die Passagiere darauf aufmerksam», erklärt Schulz. «Die Bundespolizei weiß Bescheid, überall liegen Flyer bereit, die über den Lieferservice informieren.»

19.04.2010 l PZ/dpa


Also liebe Reisende, für das nächste Mal: die Medikation (v.a. die Dauermedikation) gehört ins Handgepäck – dann hat man sie dabei, wenn man sie braucht, sie kann nicht mit dem Gepäck verloren gehen und auch die Temperaturen sind einigermassen unter Kontrolle, was Einfluss auf die Wirksamkeit haben kann.

Übrigens: heute morgen ist der erste Flieger von der Schweiz aus gestartet – derweil machen sie aber weiter im Norden, in England wegen erneut stärkerer Aschedichte die Flughäfen wieder zu. Also im Moment bin ich froh, muss ich nicht jetzt reisen – mein Beileid an alle, die nicht anders können.

Übrigens: Nette Seite zum sehen, wo die Aschewolke ist – wo Flugzeuge fliegen (und wo sie am Boden stehen) hier: www.radarvirtuel.com

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