Ein Einblick in das Pharmaziestudium

Das wird jetzt vielleicht etwas trocken.

Trotzdem ist das eventuell interessant als Einblick für Ärzte und andere, die gerne wissen wollen, was die Apothekerin so gelernt hat.

Kurz gesagt studiert man in der Schweiz 5 Jahre lang um Apotheker/in zu werden. Man kann das noch in Basel, Zürich und Genf tun – in Bern kann man nur die ersten beiden Jahre absolvieren.

Zum Studium gehört sehr viel Chemie, viel Biologie und typisch medizinische Fächer wie Anatomie und Physiologie und dann typisch pharmazeutische wie Arzneiformenlehre…  Neben den Lektionen gibt es immer viel praktische Arbeit im Labor und mehr.

Was folgt ist der Stand vor 10-15 Jahren, inzwischen hat es ein paar Wechsel/Anpassungen gegeben, v.a, das Praktikumsjahr ist jetzt ganz am Schluss – und man kann wählen, ob man sich auf die Offizin oder die Wissenschaft spezialisieren will. (Mehr Info hier)

1. Jahr  – 1. Semester (in Klammer die Wochenstunden)

Einführung in die Physik (5)

Physikalisches Praktikum für Anfänger (6)

Mathematik für Studierende der Pharmazie (3)

Allgemeine Chemie (6)

Analytische Chemie für Studierende der Pharmazie (2)

Organische Chemie I (6)

Anorganisches chemisches Grundpraktikum (25)

Allgemeine Biologie (8)

Praktikum Biologie für Pharmazeuten (2)

Repetitorium der Allgemeinen Chemie (2)

1. Jahr  – 2. Semester

Einführung in die Physik (5)

Allgemeine Chemie (2)

Anorganisches chemisches Grundpraktikum (25)

Organische Chemie II (6)

Biologie für Pharmazeuten (4)

Praktikum Biologie (3)

Physikalisches Praktikum für Pharmazeuten (3)

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2. Jahr – 3. Semester

Biochemie (3)

Grundlagen der klinisch-chemischen Analyse (2)

Praktikum klinische Chemie

Medizinische Mikrobiologie und Immunologie (2)

Praktikum pharmazeutische Biologie (4)

Anatomie für Studierende der Pharmazie (2)

Physiologie für Studierende der Pharmazie (2)

Praktischer Kurs in Physiologie

Einführung in die praktiscge Pharmazie

Übungen organische Chemie (1)

2. Jahr – 4. Semester

Organische Chemie Praktikum (20)

Kolloquium zum organischen Chemie Praktikum (1)

Biochemie mit Demonstrationen (3)

Grundlagen der klinischen Analyse (2)

Mikrobiologie Kurs (2)

Anatomie (2)

Physiologie (2)

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3. Jahr : 2 Semester obligatorisches Praktikum Pharmazie – d.h. Arbeit in einer Offizin Apotheke

Plus:

– 5. Semester

Pharmazeutische Chemie (3)

Praktikum 1 und 2: Analyse (16)

Einführung in die analytische Prozedur (1)

Einführung in die Benutzung von Literatur

Analytische Pharmazeutische Chemie I (1)

Metabolismus von Arzneistoffen I (1)

Arzneiformenlehre (2)

Pharmazeutische Biologie (2)

Pharmazeutische Biologie Praktikum (2)

Arzneimittelanwendung und – sicherheit (3)

Pharmakologie

– 6. Semester

Medizinische Propädeutik (2)

Pathophysiologie für Medizinier (3)

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4. Jahr  – 7. Semester

Organische Pharmazeutische Chemie (3)

Praktikum 1 und 2: Analyse einfacher und zusammengesetzter Stoffe

Metabolismus von Arzneistoffen II (1)

Analytische Pharmazeutische Chemie II (1)

Arzneiformenlehre II (2)

Pharmazeutische Biologie (2)

Pharmazeutische Biologie Praktikum Pharmakognosie (2)

Pharmazeutische Biologie Praktikum Phytochemie

Sozial und Präventivmedizin (2)

Pharmakologie (4)

Medizinische Propädeutik

4. Jahr – 8. Semester

Pathophysiologie für Mediziner(3)

Arneimittelanwendung und – sicherheit II (2)

Einführung in das analytische Praktikum

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5. Jahr – 9. Semester

Pharmazeutische Chemie (3)

Arzneimittelanwendung und Sicherheit III (3)

Biopharmazie I (1)

Praktikum Biopharmazie (1)

Arzneiformenlehre III (2)

Praktikum pharm. Technolopgie feste/flüssige/disperse Formen (12)

Seminar Arzneiformenlehre (2)

Pharmazeutische Biologie (2)

Praktische Pharmazie (2)

Pharmakotherapie (1)

5. Jahr – 10. Semester

Pharmazeutische Chemie (3)

Arzneimittelanwendung und Sicherheit IV (3)

Biopharmazie II (1)

Praktikum Biopharmazie (1)

Arzneiformenlehre IV (2)

Praktikum pharm. Technolopgie feste/flüssige/disperse Formen (12)

Seminar Arzneiformenlehre (2)

Pharmazeutische Biologie (2)

Ernährungslehre und Diätetik (2)

Pharmakotherapie (1)

(11. Semester: Prüfungen)

Es gilt nicht ganz umsonst als eins der aufwändigsten und strengsten Studien, die man aussuchen kann … Lektionen auslassen liegt hier nicht drin, daneben arbeiten gehen genausowenig.

Trotzdem war es eine schöne Zeit.

die falsche Anwendung (10)

Sagt der Kunde (den ich noch nie vorher gesehen habe) nach dem Kauf einer Packung Detensor* zu mir:

„Weisst Du, wofür Detensor auch gut ist? Wenn Du auf Drogen bist und davon loskommen willst, hilft es beim kalten Entzug. Ich werfe einfach abends ein paar ein und verschlafe dann die Entzugserscheinungen …“

Uh, ähh … dafür sind sie aber nicht wirklich gedacht. Sie so überzudosieren kann gefährlich sein.

Und ausserdem: diese Schneewittchen-Methode ist neben der Gefahr der Überdosierung und Nebenwirkungen nicht dauerhaft, immerhin hat er es angeblich schon ein paarmal gemacht … und ist danach wieder rückfällig geworden.

*ein Schlafmittel auf Antihistamin-Basis, freiverkäuflich.

Normalerweise

Eine Kundin, die ich noch nie vorher gesehen habe kommt mit einer Packung Vitamintabletten und fragt:
„Sind das die Vitamintabletten, die ich normalerweise nehme?“

Das Franchise-F… äh Phänomen

Im Moment befinden wir uns in der Zeit, wo wir in der Apotheke am geschäftigsten sind.

Nicht nur in der Drogerie – wo das Weihnachtsgeschäft jetzt so richtig anläuft, nein, in der Apotheke mit den Rezepten.

Scheint so als müssten jetzt auf Ende Jahr wieder alle noch rasch zum Arzt und/oder die Medikamente auf ihren Dauerrezepten einlösen.

Ich nenne es das Franchise-Phänomen.

Für Nicht-Schweizer: die Franchise ist der Teil der Kosten an Medikamenten und Behandlungen, die man erst mal selbst übernehmen muss. Die Krankenkasse zahlt erst, wenn man über dem Betrag der Franchise ist.

Die Franchise kann man selbst wählen bei der Krankenkasse. Im Moment ist das Minimum 300 Franken, das Maximum 2500 Franken. Je höher die Franchise, desto niedriger die Prämie, die man pro Monat zahlen muss.

Jetzt gegen Ende des Jahres haben viele Leute die Franchise erreicht … und „nutzen“ das nun, um Medikamente praktisch auf Vorrat zu holen – damit sie nächstes Jahr nicht so viel brauchen. Dass das aber eine ziemlich kurzfristige Rechnung ist – weil sie ja nächstes Jahr doch wieder Medikamente brauchen (zumindest die mit den chronischen Krankheiten) und wir nur maximal die Menge für 3 Monate abgeben dürfen … naja, es verschiebt sich einfach etwas, aber sparen tut man dadurch nicht wirklich.

Gibt’s das eigentlich anderswo auch?

Telefondienst

Telefon in die Apotheke

Frau am Telefon: „Hallo ich bin Frau Fordernd, könnten Sie für mich den Arzt anrufen? Ich habe seine Telefonnummer nicht mehr und ich brauche einen Termin!“

Pharmama: „Ah, Nein. Ich kann ihnen gern die Telefonnummer ihres Arztes gern geben, aber sie sollten selber anrufen und den Termin abmachen. Er will sicher mit ihnen reden, worum es geht und ich weiss ja auch nicht, wann sie Zeit haben.“

… und ausserdem bin ich nicht ihre Sekretärin.

Bitte belästigen Sie Ihren Arzt

Bei Dauermedikation sind wir dazu angehalten nachzufragen, wie es den Patienten damit geht. Also: keine Probleme mit der Einnahme, irgendwelche Nebenwirkungen?

Letzte Frage der Apothekerin an den Kunden, der eben Simvastatin – das er schon länger hat -auf neuem Rezept bezogen hat: „Kommen sie mit Ihren Medikamenten gut zurecht?“

Kunde: „Ja, aber wenn ich mein Simvastatin nehme, bekomme ich immer diese Muskelschmerzen.“

Uh, oh! Rote Lampe: „Haben sie das auch dem Arzt gesagt, bei dem sie eben waren?“

Kunde: „Nein, nein, ich wollte ihn nicht damit belästigen.“

Bitte liebe Kunden, das sind so Dinge, die der Arzt auch wissen muss. Auch bei längerem Gebrauch eines Medikamentes können noch Nebenwirkungen auftreten und auch der Arzt sollte das erfahren. Das ist nicht Belästigung, dabei geht es um ihre Therapie!

Simvastin ist ein Cholesterinsenker, der als Nebenwirkung gelegentlich Rhabdomyolyse und Myopathien macht. Für Nicht-Mediziner: der Muskel fängt sich an aufzulösen, was dann noch eventuell zur Verstopfung der Nieren führt. Äussern tut sich das eben durch so Muskelschmerzen – und wenn das auftritt, sollte man das sofort melden und das Medikament in Absprache mit dem Arzt absetzen.

Ähnliches hatten wir auch schon mit ACE-Hemmer und der klassischen Nebenwirkung von denen: Husten. Die Patientin beklagte sich, dass sie seit Jahren (!) schlecht schläft, weil sie immer Husten muss. Der Grund war rasch gefunden, schwieriger war in dem Fall den Arzt dazu zu bringen das Medikament zu wechseln. „Warum wechseln? Es geht doch, sie nimmt das ja schon lange. Das bisschen Husten…“

Insistieren und etwas probieren, bis wir einen geeigneten Ersatz gefunden hatten – dann war die Kundin glücklich – und seither Stammkundin bei uns (vorher war sie woanders).