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Ihr könnt das. Die Pille danach in Deutschlands Apotheken

Ab Heute ist es so weit und die Apotheken in Deutschland dürfen die Pille danach ohne Rezept abgeben.

Eine eigentlich wirklich gute Sache – eine Erleichterung für die Frauen, wo die Verhütung aus irgendeinem Grund versagt hat. Jetzt müssen sie dafür nicht mehr von Pontius zu Pilatus laufen.

Es ist auch nichts weltbewegend Neues: in anderen Ländern ist das schon länger so. Eure Nachbarn die Schweizer und Österreicher winken hier jetzt freundlich. (huhu!)

Trotzdem scheinen sie sich in Deutschland speziell schwer damit zu tun. Ein Grund dafür ist sicher die etwas seltsam abrupte Einführung. Erst Jahrelange Diskussionen … und dann geht es innerhalb von ein paar Wochen doch.

Ich möchte den deutschen Apothekern hier etwas Mut machen: Ihr könnt das.

Auch wenn manche Ärzte ihre Bedenken, dass ihr da richtig beraten könnt äussern: Ihr könnt das. Es ist nicht Hirnchirurgie. Es geht um die Abgabe von einem Medikament und die richtige Beratung dazu. Tatsächlich gehört die Pille danach eher zu den Medikamenten, die nicht so problematisch sind. Man muss manche Dinge vor der Abgabe abklären – das macht dann (bitte!) wirklich der Apotheker, der auch weiss, was und warum er das fragen muss. Inzwischen gibt es auch Vorlagen dafür. Sehr freundlicherweise hat hier Astrid (deutsche Apothekerin) eine zur Verfügung gestellt, die sie für ihre Apotheke aus verschiedenen Quellen zusammengestellt hat: Arbeitsanweisung Pille danach-1 (Klick auf den Link lädt die odt Datei herunter)

Passt das für Eure Apotheke an, folgt dem, dokumentiert Eure Beratung, dann macht ihr es richtig.

Im übrigen: der von den Frauenärzten gerne zitierte eventuelle Wirkungsverlust bei übergewichtigen Frauen sieht der EMA respektive dessen Committee for Medicinal Products for Human Use als nicht erwiesen an und kommt zum Schluss, dass Gewichtseinschränkungen für Levonorgestrel und Ulipristalacetat nicht gerechtfertigt sind. Siehe hier:  http://www.ema.europa.eu/ema/index.jsp?curl=pages/news_and_events/news/2014/07/news_detail_002145.jsp&mid=WC0b01ac058004d5c1

Ich würde das nur bei wirklich stark übergewichtigen Frauen in Betracht ziehen – und die zum Frauenarzt weiterschicken zum Einsetzen einer Kupferspirale..

Ihr könnt das.

Auch wenn die Haftpflichtversicherungen Euch Angst machen mit Horror-szenarien von Frauen, die Alimente wollen, weil die Pille danach nicht gewirkt hat.

In Eurer Beratung (die ihr wirklich machen und dokumentieren solltet) sagt ihr auch was in der Packungsbeilage steht: Die hormonelle Notfallverhütung darf nur im Ausnahmefall eingesetzt werden. Sie eignet sich nicht als langjährige Verhütungsmethode. Diese Methode verhindert nicht in jedem Fall eine Schwangerschaft. Im Zweifelsfall sollte daher bei Ausbleiben der Periode bald eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. … Ja, die Pille danach ist keine 100% Methode – und je länger man wartet, desto unsicherer. Die Zeitvorgaben sind einzuhalten. Achtet auf die möglichen Wechselwirkungen mit schon genommener Medikation und darauf, dass bei der Ulipristal genommene Kontrazeptiva unwirksam werden, also unbedingt zusätzlich verhütet werden muss. Selbst in Amerika, wo die Pille danach an Frau und Mann faktisch ohne Beratung (solange er/sie nur alt genug ist) abgegeben wird hört man nichts von Klagen wegen Alimente-Zahlungen. Und wir wissen alle, wie klagefreudig die Amerikaner sind.

Ihr könnt das.

Auch wenn es Bedenken von Gruppen mit religiösem Hintergrund gibt. Die gab es schon immer. Leute, die nicht wollen, dass Frauen selber über ihren Körper bestimmen können und wann sie schwanger werden. Pro-Life Gruppen, die gegen Abtreibung und sogar Verhütung sind. Darunter gibt es auch Ärzte und Apotheker. Aber: Es gehört zum Beruf der Apotheker Medikamente abzugeben. Dazu gehören auch Verhütungsmittel und neu die Pille danach. Da moralische Bedenken anzumelden um sie nicht abzugeben … Naja, in meinen Augen hat man dann den Beruf verfehlt. Man kann die Frau natürlich in so einem Fall an eine andere Apotheke (oder Arzt) weiterleiten … aber das finde ich nur in Ordnung, wenn auch eine in erreichbarer Nähe ist.

Im übrigen: es gibt sicher Ausnahmen und unzuverlässige und unvernünftige Frauen. Aber in den über 10 Jahren, die ich Pille danach Beratungen mache, habe ich noch niemanden gesehen, der das wirklich missbraucht. Habt Mut – nur wegen der Freigabe der Pille danach werdet ihr nicht überrannt werden von Teenies nach dem One Night Stand. Vor allem nicht, wenn ihr die über die zusätzlichen Gefahren ungeschützten Geschlechtsverkehr aufklärt.

Ihr könnt das.

Auch wenn wir auf der anderen Seite Frauen haben, die schon jetzt (sozusagen präventiv) in Foren von „Nötigung“ schreien, wenn sie die Pille danach gleich in der Apotheke einnehmen sollen. Eine Praxis, die wir bei uns auch machen. Der Grund ist: das ist eine Notfallkontrazeption. Das ist für Ausnahmefälle gedacht. Je schneller sie eingenommen wird, desto schneller wirkt sie. Wenn das jemand partout ablehnt, muss ich mich fragen wieso? Der Verdacht liegt nahe, dass sie dann „auf Vorrat“ mitgenommen wird – und weil das nicht der Anwendung entspricht für die die Pille für die Abgabe in der Apotheke freigegeben wurde … darf ich eine Abgabe verweigern. Die Frau kann immer noch zum Frauenarzt und sich ein Rezept ausstellen lassen – DANN bekommt sie sie auch in der Apotheke auf Vorrat.

Aber mal ernsthaft: das hatte ich bisher auch noch nie. Man könnte noch viele theoretische Situationen ausdenken – für die Praxis halte ich es so: ich gebe die Pille danach ab, wenn ich aufgrund der Fragen sicher bin, dass ich das kann. Bei Unsicherheiten gibt es immer noch die Möglichkeit sie an den Frauenarzt weiter zu schicken. Auch das liegt in meiner Verantwortung.

Im übrigen: Ihr solltet wirklich etwas verlangen für die zusätzliche Arbeit, die ihr mit der Abgabe der Pille danach habt. Ihr müsst das nicht als “Beratungstaxe” deklarieren, “Dokumentationspauschale” oder ähnliches geht auch. Ihr habt dadurch Mehrarbeit. Ihr erspart den betroffenen Frauen auch viel Zeit (und vielleicht ein paar unangenehmere Begegnungen) – auch das sollte etwas wert sein. Im übrigen: die Variante “Pille danach vom Arzt” fällt wegen dem nicht weg. Und für unter 20 jährige ist das immer noch der Weg, wenn man sie gratis (lies von der Kasse bezahlt) haben will.

Darum: Mut, liebe deutsche Apotheker! Ihr könnt das und ihr macht das (gut)!

Allgemein ist zu sagen: Es ist schwer am Anfang, weil man noch nicht sicher ist wie man vorgeht, wie man am besten fragt. Man wird sicherer mit der Zeit. Dann fühlt man sich auch wohler dabei. Man sieht, dass das so funktioniert. Und auch, dass der Service von den Frauen geschätzt wird.

Ihr könnt das.

Vielleicht hat noch jemand sonst ein paar Aufmunternde Worte für die deutschen Apotheker/innen?

Zu spät für … ?

Junge Frau (JF) mit Pillenrezept. Eine Wiederholung. Aber kein so normaler Bezug:

JF: „Ich habe das eine Zeitlang nicht genommen – jetzt … Ich bin nicht sicher, ob ich das wieder nehmen soll – es könnte sein, dass ich schwanger bin.“

Pharmama: „Im Normalfall fängt man mit der Pille am ersten Tag der Periode an. Wenn Sie die nicht bekommen, dann … in dem Fall wäre es sinnvoll, vorher einen Schwangerschaftstest zu machen.“

Sie kauft einen.

JF: „Und was, wenn ich schwanger bin?“

Pharmama: „Dann sollten sie die Pille nicht nehmen und mit dem Frauenarzt Kontakt aufnehmen.“

JF: „Ummm – wie sieht das aus mit der Pille danach?“

Pharmama: „Wie meinen sie das?“

JF: „Kann ich die nehmen?“

mir schwant übles.

Pharmama: „Wie lange ist es her seit dem Geschlechtsverkehr?“

Frau: „2 Wochen.“

Pharmama: „Nein, das ist viel zu lange. Die Pille danach können sie bis maximal 72 Stunden danach nehmen.“

JF: „Meine Freundin sagt, man kann auch einfach 2 Pillen nehmen.“

Pharmama: „Was? 2 normale Pillen, wie diese hier? (Zeige auf ihre normalen Pillen) – Nein.“

(Ich habe schon gehört, dass das im Internet anstelle der Pille danach empfohlen wird. Das funktioniert allerdings nur mit der richtigen Pille – nicht die, die sie hat, man bekommt eine nicht so gesunde Dosis Östrogene dazu … und auch hier nur innerhalb desselben Zeitrahmens)

JF: „Nein, 2 von der Pille danach, dann gehe das auch.“

Pharmama: „Nein.“

JF: „Meine Freundin sagt das. Was kann ich denn sonst machen, wenn ich nicht schwanger sein will?“

Pharmama: „Zum Frauenarzt gehen. Es gibt noch andere Möglichkeiten als die Pille danach. … nach der Zeit fällt das allerdings unter Abtreibung.“

JF: „Oh. Okay.“

Ich will hoffen, dass der Test negativ ist.

Die Pille danach ist NICHT die Abtreibungspille.

Boom! Die Pille danach ohne Rezept – auch in Deutschland. Per sofort?!

Es ist soweit! Ist es soweit? So ganz sicher ist sich noch keiner, aber die EU Kommission hat am Mittwochabend entschieden, EllaOne (Ulipristal) aus der Rezeptpflicht zu entlassen.

Hoppla – erst diskutiert man monatelang und bremst, wo man kann …. und dann wird das einfach freigegeben – faktisch hört sich das für die Öffentlichkeit an nach: per sofort. Dabei weiss noch niemand (speziell die betroffenen Apotheker, die das durchsetzen müssen) , wie genau das jetzt zu laufen hat?

Das BMG sagt, man werde der Entscheidung folgen und das deutsche Recht für die beiden Präparate (Ulipristal und Norlevo: PiDaNa) schnellstmöglich anpassen- und auch die Packungen müssen erst noch angepasst werden respektive zumindest eine Bewilligung eingeholt werden, bevor man sie ohne Packungsänderung oder Umzeichnung (da steht überall drauf: rezeptpflichtig) abgeben darf.

Den Apothekern in Deutschland würde ich raten, bis das passiert ist, die Pille danach noch nicht selber abzugeben und wie bisher an den Arzt weiter zu verweisen. Auch im Notfalldienst. Immerhin hat man bei der Pille danach 3 (Norlevo) bis 5 (Ulipristat) Tage nach dem Geschlechtsverkehr Zeit.

Aber: Aus der Rezeptpflicht entlassen – bedeutet das jetzt einfach “freiverkäuflich”? Oder gibt es da Vorgaben, die man erfüllen sollte?

Ich hoffe, da werden verbindliche Vorgaben gemacht und ihr bekommt etwas Hilfe von Euren Verbänden, was die Umsetzung betrifft.

Von mir ein paar Hilfestellungen:

Die Beratung der Pille danach ist Aufgabe des Apothekers/ der Apothekerin. PTA sind fähige Angestellte, aber das gehört von der Problematik eindeutig in Eure fähigen Hände! Bisher hat das der Arzt gemacht (oder machen sollen), jetzt wird das zu Eurer Aufgabe, die ihr aber sicher kompetent übernehmt.

Haltet die Beratung schriftlich fest – erstellt vorher einen standardisierten Fragebogen (mit einfachen Ja/Nein-Antworten) anhand dessen ihr die Beratung machen könnt. Dadurch wisst ihr immer, ob alles notwendige gefragt wurde, es macht einen sicherer und auch schneller bei der Beratung – und der Bogen kann danach im Zweifelsfall auch als offizielle Dokumentation dienen.

Die Deutsche Apotheker Zeitung hat einen Artikel erstellt, in dem sie zusammenfassen auf was es bei der Beratung für die Pille danach ankommt. Das kann man als Ausgangspunkt nehmen. Hier findet sich der Artikel.

In meinem Buch “Haben Sie diese Pille auch in grün?” habe ich praktisch alles angegeben, was bei uns so gefragt werden muss – und sogar in der Reihenfolge, nach der wir vorgehen … also kann das auch (zusammengefasst) als Vorlage gelten. Nur um hier ein bisschen Werbung dafür zu machen :-)

Die Frage, ob das auch für unter 16 jährige geht kann ich bejahen. Einziges Cave: Die Person muss Urteilsfähig sein, also verständnisvoll und reif genug, zu verstehen, um was es geht und das muss individuell ermittelt werden. Dazu sollte man sich folgende Überlegungen machen: weiss die Frau, was sie will / kann sie ihren eigenen Willen äussern? Ist sie intellektuell entsprechend entwickelt? Hat sie die Informationen über die Pille danach, die Anwendung und die damit verbundenen Risiken verstanden? Kann und tut sie eventuelle Alternativen in Betracht ziehen?

Eine Zeitlang wurde diskutiert, ob die Pille danach eine Gewichtslimite hat – sie also nur für schlanke Frauen einsetzbar ist. Nach Auswertung aller verfügbaren Daten kam die EMA bzw. dessen Committee for Medicinal Products for Human Use zum Schluss, dass eine Wirkminderung bei höherem Körpergewicht nicht erwiesen und daher Gewichtseinschränkungen für Levonorgestrel und Ulipristalacetat nicht gerechtfertigt sind. (Quelle)

Im Notfall kann eine solche Beratung durchaus auch durch eine Notfallklappe passieren. Ist nicht toll – aber das ist keine Beratung durch die Klappe. Meist kommt es ja nicht vor, dass sich draussen eine Riesenschlange bildet – nicht in den paar Minuten. Dann … das fällt zwar unter Notfall … aber auch dafür hat man 3 bis 5 Tage Zeit (je nach Pille danach) und kann das als Patientin durchaus auch auf den Morgen verschieben, wenn man in der Apotheke wieder einen Beratungsraum hat. Ich empfehle diese Beratung unbedingt im Beratungsraum vorzunehmen oder in einer wirklich stillen Ecke oder gar im Büro der Apotheke.

Wichtig ist beim Abschluss auch auf die möglichen Nebenwirkungen (spezifisch: Übelkeit und dass sie bei Erbrechen innert 3 Stunden zurück kommen müssen) hinzuweisen. Dass die Pille danach die Periode verschieben kann (und wenn sie mehr als 5 Tage über dem erwarteten Termin noch nichts bekommen haben, dass sie dann zum Arzt gehen). Dass die Pille danach nur die Verhütung für jetzt gerade ist – und für den Rest des Zyklus weiter verhütet werden muss – im Falle von Ulipristal ausserdem zwingend mit Kondomen, da die die normale Verhütung ausser Kraft setzen kann (!).

Besorgt Euch von den Herstellerfirmen der Pille-Danach-Anbieter Prospekte zum abgeben bei der Beratung – als Ersatz für die Packungsbeilage. Die könnt ihr zwar auch mitgeben, aber in den Prospekten steht die Info verständlicher drin.

Dann geht es um die Abgabe. Ich gebe die Pille danach nicht ab – ich lasse sie direkt in der Apotheke einnehmen. Auf Vorrat gebe ich sie nur via Rezept ab. Immerhin “ist” das die Pille danach.

Pille danach – bald ohne Rezept auch in Deutschland ?

So wie es aussieht, kommt die Pille danach nun doch auch zur Abgabe ohne ärztliches Rezept in die deutschen Apotheken. Das nach langem Hin- und Her und erbittertem Widerstand Seitens gewisser Leute in der Politik und (interessanterweise) auch manchem anderen.

Ich denke, viel von dem Widerstand beruht auf Fehlannahmen.

Vielleicht kann ich hier ja mit ein paar von diesen aufräumen.

Die Pille danach ist kein Schwangerschaftsabbruch. Sowohl die Norlevo als auch die Ella one (Ellapristol) sind wirkungslos, wenn die Befruchtung der Eizelle stattgefunden hat. Sie greift früher in das Geschehen ein,

Zu den „erzwungenen Beratungsgesprächen“ kann ich nur sagen: Das sind keine Smarties (richtig!) das sind Medikamente, Hormone und hochwirksam. Die Anwendung sollte erfolgen, nachdem abgeklärt wurde, ob sie Erstens: Angebracht ist (wirklich notwendig) und Zweitens: Möglich ist (keine Gegenanzeigen, andere Erkrankungen, Wechselwirkungen etc.).

Das macht bisher der Arzt – und später halt der Apotheker oder der Arzt. Man kann sich aussuchen, was man will, aber „nachgeworfen“ bekommen sollte man sie nie. Das gilt in meinen Augen noch für eine Menge anderer Medikamente. Das ist keine Schikane.

Dabei geht es auch auf gar keinen Fall darum, die Patientin in ihrer Entscheidung zu beeinflussen. Die Artikel, die da von Belehrung reden, oder dass wir vom „Schutz des ungeborenen Lebens“ sprechen müssen könnten nicht mehr falsch liegen. Mal abgesehen davon, dass die Pille danach-Patientin noch gar nicht schwanger ist … sie will nur (nachträglich) verhindern, dass sie es wird.

In der Schweiz ist die Pille danach seit Jahren in der Apotheke ohne Rezept erhältlich: Nach so einem Beratungsgespräch zwischen der Apothekerin und der Frau, die die Pille danach wünscht.

Ich habe davon schon viele durchgeführt. Das ist uns Apothekerinnen auch nicht peinlich, das gehört zu unseren Aufgaben: Die Patienten über die richtige Anwendung der Medikamente zu beraten.

Dieses Beratungsgespräch dauert wenige Minuten, wird anhand eines vom Apothekerverein herausgegebenen (und den neuen Begebenheiten angepassten) Fragebogens geführt – und zwar nicht im Verkaufsraum, sondern im Beratungsraum. Das gebietet das Patientengeheimnis und ich habe noch nie gesehen oder gehört, dass das anders gemacht wird.

Dabei wird abgeklärt, ob die Patientin mündig ist (auch unter 16 Jahren möglich),

Wie lange der ungeschützte Geschlechtsverkehr her ist (die Pille danach kann nur innerhalb einer bestimmten Zeitspanne angewendet werden),

Ob und weshalb der Geschlechtsverkehr ungeschützt war (Kondom gerissen, Pille vergessen, keine Verhütung … mit den entsprechenden Tipps gegebenenfalls)

Wo im Zyklus sich die Patientin befindet (braucht es die Pille danach wirklich?)

Ob die Patientin schon schwanger sein könnte (keine Gegenanzeige beim Norlevo, aber ein Grund zum Frauenarzt zu gehen)

Wie es mit Vorerkrankungen aussieht (spezifisch: Eileiterschwangerschaft und Eileiterentzündung)

Wie es aktuell mit Erkrankungen aussieht (Durchfall?)

Ob andere Medikamente genommen werden (Gibt es mögliche Wechselwirkungen, kann die Pille danach richtig wirken?)

Ob Allergien bestehen (spezifisch gegen Hormonpräparate)

Im Zweifel kann man einen Schwangerschaftstest machen lassen oder die Patientin an den Frauenärztlichen Notfall oder die Familienplanungsstelle weiter schicken.

Ist alles okay, wird die Pille danach gleich in der Apotheke eingenommen. „Auf Vorrat“ gibt es die Pille danach nicht.

Man muss über die weitere Verhütung informieren (Die Ella One vermindert zum Beispiel die Wirkung der normalen Pille!)

Falls nötig kann man an der Stelle noch auf die Übertragung von Geschlechtskrankheiten hinweisen – dass man schwanger werden kann ist nicht der einzige Effekt von ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

Man weist die Patientin auf die möglichen Nebenwirkungen hin, gibt ihr ein Informationsblatt mit.

Das war es.

 

Aus meinen Erfahrungen (und der Apotheker/innen) die ich kenne, kann ich auch ein paar Dinge zu den „Auswirkungen“ der rezeptfrei erhältlichen Pille danach sagen:

Es wird immer ein paar Frauen geben, die unvernünftig mit sich und ihrer Sexualität umgehen. Trotzdem sind das wirklich sehr wenige hier und die Ausnahme und nicht die Regel. Die meisten Frauen, die zu einem Pille danach Gespräch kommen, sind vernünftige und um sich besorgte Individuen, deren Anliegen verständlich ist.

 

Und jetzt kommt das Aber: Aber bei uns in der Schweiz ist es auch so, dass die Pille (oder sonstige normale Kontrazeption, also Verhütung) nicht von den Krankenkassen übernommen wird. Auch nicht für unter 20jährige. Das selbe gilt für die Pille danach. Die gibt es nicht gratis, sondern sie kostet. Das Beratungsgespräch ist im Preis enthalten.

Da sie frei verkäuflich ist kann die Apothekerin gegebenenfalls (bei finanziell sehr schlecht dastehenden Personen) noch etwas am Preis drehen – aber gratis abgegeben wird sie nicht. Den Arztbesuch dazu hätte man übrigens auch bezahlt – und das wäre insgesamt wohl sogar etwas teurer.

Trotz all dem gibt es bei uns nicht mehr Schwangerschaftsabbrüche oder Jugendschwangerschaften als in anderen Ländern. Tatsächlich hat die Schweiz eine der niedrigsten Abbruchraten im internationalen Vergleich. Das hat sich auch nach Einführung der Pille danach (die auch kein Abbruch ist: siehe oben) nicht geändert.

 

Ich weiss nicht, wie das in Deutschland gehandhabt werden wird / soll.

Dort wird ja die normale Kontrazeption von der Krankenkasse übernommen (werden die dann dort #wiesmarties geschluckt deswegen? Ich denke auch nicht).

Auf jeden Fall sollte die Arbeit des Apothekers (die Beratung – die notwendig ist und nicht ganz unaufwändig, auch wenn sie nicht Stunden dauert) mit vergütet werden. Oder sogar separat.

Nicht unbedingt als „Hürde“ – obwohl es vielleicht manche von denen, die dann denken, sie nehmen lieber das als die normale Verhütung … doch zum Denken anregt.

Immerhin ist es für die Frauen auch der geringere Aufwand – wenn man daran denkt, wie schwierig das sein kann, zur richtigen Zeit (und Ort) einen Arzt aufzutreiben, der einen empfängt und es dann verschreibt … und dann muss man das doch in der Apotheke holen gehen. Das sollte es doch wert sein.

Aber, wie gesagt: Deutschland. Nicht die Schweiz.

Gratulation jedoch schon mal, dass ihr so weit gekommen sind!

Eine Pille für … gegen …

“Haben Sie die Pille zum abtreiben?”

Das fragt mich das seltsame Duo das in der Apotheke steht. Die ältere Frau (50?) und der junge Mann (20-30).

Das heisst, eigentlich fragt nur die Frau – der Mann steht etwas belämmert daneben.

“Ah,” sage ich “Wir haben die Pille danach … die ich unter bestimmten Umständen geben kann, aber …” (die Formulierung war doch etwas seltsam, vielleicht meinen sie wirklich die Pille zum abtreiben, die gibt’s so nicht) “… wie lange ist es denn her seit dem Geschlechtsverkehr?”

“Es ist nicht für mich,” sagt die Frau. “Und es ist jetzt etwa 3 Wochen her …”

Oh.

“Da bleibt ihnen nichts übrig, als mit der betroffenen Person zum Frauenarzt oder zur gynäkologischen Beratung zu gehen. Die Pille danach wirkt nur in den ersten 72 Stunden. Aber auch jetzt gibt es noch Möglichkeiten. Nur: sagen sie ihr, sie soll bald gehen.”

Man fragt sich manchmal, was für Geschichten und Schicksale hiner so (einfachen) Fragen stecken.

Sound alike und Verwechslungsgefahr

Jüngere Frau in der Apotheke: „Haben Sie mir Elloane? … ich bin nicht ganz sicher, ob ich das richtig ausspreche.“

Ich: „Ella One?“ (ich sprech das englisch aus)

Die Ella One ist die hier neu zugelassene Pille danach– die dürfen wir aber nur auf Rezept abgeben. Die Pille danach Norlevo nach einer Beratung mit Patientin und Apothekerin auch ohne. Aber … von vorne:

Pharmama: „Haben Sie ein Rezept, oder sind sie Ärztin?“ frage ich sie.

„Ich bin Ärztin.“ Sie zeigt mir ihren Arztausweis.

Pharmama: „Die Ella One habe ich noch nicht hier, aber die Norlevo. Anderer Wirkstoff, gleiche Wirkung.“

Ärztin: „Norlevo? Meine Frauenärztin hat mir einen anderen Namen gesagt als Generikum. Haben sie das Yaz hier?“

Jetzt bin ich etwas verwirrt. Yaz ist eine der normalen Verhütungspillen.

„Ja, die habe ich hier …“

Aber zuerst gehe ich mal an den Computer.

Ich schaue die Generika von Yaz nach. Eines davon nennt sich Eloine. Aha!

Pharmama: „Oh, meinten Sie Eloine?“

Sie hat das französisch ausgesprochen, also mache ich das auch.

Ärztin: „Ich bin nicht sicher. Das ist ein Generikum vom Yaz.“

Pharmama: „Ja, das ist so. Ich dachte, sie fragten nach der Ella One – der Pille danach.“

Ärztin: „Nein, die Eloine. Aber wenn Sie mir eine Yaz haben, ist das auch gut.“

Hoppla! Die hören sich viel zu ähnlich an für meinen Geschmack. Da sind wir knapp um eine Verwechslung herumgekommen. Gut – sie hätte das spätestens gemerkt, wenn da nur 1 Pille in der Packung ist …

Zeiten und Orte wo flirten nicht angebracht ist

Zum Beispiel in der Apotheke:

Einer der wenigen männlichen Apotheker … bekommt nach dem „Pille danach“- Gespräch von der Patientin ihre Telefonnummer zugesteckt.

Uh. Neee!

Nur zur Erinnerung: Pille danach = sie hatte offenbar in den letzten 3 Tagen ungeschützten Geschlechtsverkehr. Mit irgendjemandem.

Gewichtslimite für die Wirkung der “Pille danach”?

Hmmm … so wie sich das liest, werde ich wohl demnächst eine neue Frage zu unserem Fragenkatalog vor der Abgabe der Pille danach hinzufügen müssen:

“Wieviel wiegen sie?”

Der Hersteller eines der Medikamente mit dem Inhaltsstoff Levonorgestrel – zu dem auch das Norlevo bei uns Unofem/PiDaNa in Deutschland, Vikela in Österreich gehören, hat herausgefunden, dass die Wirkung der Pille danach bei Frauen mit höherem Gewicht abnimmt. Deshalb sollen jetzt die Packungsbeilagen angepasst werden.

Aufgefallen ist Anna Glasier, einer Professorin für Gynäkologie an der Universität von Edinburgh, dass offenbar Frauen mit höherem BMI mehr Versager aufwiesen (Studie hier). Danach war das Risiko einer Schwangerschaft mehr als 3 x höher bei übergewichtigen Frauen gegenüber Frauen mit einem normalen BMI.

Aber der BMI ist nicht einmal die neue Limite – da geht es um das Körpergewicht alleine. Danach soll (so oder ähnlich) in den neuen Packungsbeilagen stehen:

Studien zeigen Hinweise, dass Norlevo weniger wirksam ist bei Frauen, die 165 Pfund/75 kg oder mehr wiegen und nicht wirksam ist in Frauen die 176 Pfund/ 80 kg oder mehr wiegen

Umm. Das finde ich jetzt eher beunruhigend. 75kg oder 80kg ist noch nicht soooo viel. Für Amerikaner ist das tatsächlich Durchschnittsgewicht (166 Pfund/75kg) für Schweizerinnen ist das niedriger (ca. 63kg) … trotzdem gibt es da genug, wo ich dann sagen müsste: “Es kann gut sein, dass das bei ihnen nicht so funktioniert, wie es soll. Sie sollten sich zum Frauenarzt begeben für die mechanische Methode.”

Die “Spirale danach”, die kann bis 5 Tage nachher eingesetzt werden und verhindert >99% der Schwangerschaften – braucht aber eben einen Arzt und macht teils Schmierblutungen, Schmerzen etc.

Das ist schade – ist die “Pille danach” doch sonst eine wirklich einfache, sichere Methode … – und offenbar reicht es auch nicht, da mit der Dosierung nach oben zu gehen.

UPDATE April 2014:

Im übrigen: der eventuelle Wirkungsverlust bei übergewichtigen Frauen sieht der EMA respektive dessen Committee for Medicinal Products for Human Use als nicht erwiesen an und kommt zum Schluss, dass Gewichtseinschränkungen für Levonorgestrel und Ulipristalacetat nicht gerechtfertigt sind. Siehe hier:  http://www.ema.europa.eu/ema/index.jsp?curl=pages/news_and_events/news/2014/07/news_detail_002145.jsp&mid=WC0b01ac058004d5c1

Demnach kann die Pille danach auch weiterhin an übergewichtige Frauen abgegeben werden. Wichtig ist jedoch eine möglichst baldige Einnahme nach dem Geschlechtsverkehr. Im Zweifel und als Alternative gibt es auch noch die Möglichkeit beim Frauenarzt eine Kupferspirale einsetzen zu lassen.

PiDaNa – oder: die Pille danach in Deutschland. Ein Erfahrungsbericht

Heute einmal ein Gastbeitrag direkt von einer betroffenen Person.

Hallo. Ich bin eine erwachsene, verantwortungsbewusste Frau. Meine genaue Identität spielt hier keine Rolle, sie ist Pharmama aber bekannt.

Wie soll ich anfangen? Fallen wir doch einfach mit der Tür ins Haus: Es geht um die "Pille danach".

Mein Freund und ich, wir sind noch nicht lange zusammen, also verhüten wir noch mit Kondomen. Die Antibabypille nehme ich nicht, das ist für mich aber durchaus eine Option in einer monogamen Beziehung, wenn mein Partner und ich nachgewiesen keine sexuell übertragbaren Krankheiten haben.

Soviel dazu. Ich bin also weder zu blöd noch zu faul noch zu verantwortungslos zum Verhüten.

Uns ist einfach dieses beknackte Kondom gerissen. Im Urlaub. In einer anderen Stadt, Hunderte Kilometer von Zuhause und meinen Ärzten entfernt.

Leider gibt es die Pille danach in Deutschland nur auf Rezept… In fast allen anderen europäischen Ländern (mit Ausnahme Italiens und Polens) ist sie lediglich apothekenpflichtig. Schade, dass das hier anders ist.

Warum?

Nun, versetzt euch mal in die Situation, die ich durchleiden durfte.

Gerissenes Kondom, natürlich mit perfektem Timing im Zeitraum um meinem Eisprung. Fremde Stadt. Fremde Ärzte. Ich muss die Pille danach nehmen, und ich brauche eine Ärztin die sie mir verschreibt.

Also fing dann das große Rumgooglen an – welche Gynäkologen sind in der Nähe, welche sind weiter weg? Telefonnummern rausgeschrieben. Und dann alle nacheinander anrufen.

Das war das unbeschreiblich demütigende. Ich muss ja am Telefon erklären, warum ich SOFORT einen Termin brauche, obwohl ich gar nicht Patientin dort bin. Also jeder Sprechstundenhilfe am Telefon die Sache mit dem gerissenen Kondom erzählt, und dass ich aus der anderen Ecke der Republik komme und ja schlecht meinen Urlaub abbrechen und sechs Stunden heimfahren kann, nur um mir von meiner eigenen Gynäkologin oder meinem eigenen Hausarzt die Pille danach verschreiben zu lassen…

Und dennoch, jedes Telefonat endete mit "Tut mir leid, da können wir nicht weiterhelfen. Wir nehmen keine neuen Patienten an. Ich verstehe, dass das für Sie eine unangenehme Situation ist, aber da müssen Sie es leider woanders versuchen.".

Nach anderthalb Stunden (viele Telefonate mit einigen verzweifelten Heulanfällen zwischendurch) hatte ich dann endlich eine Gynäkologin gefunden, die mich (obwohl auch sie keine neuen Patienten annimmt) schnell dazwischenschieben konnte, weil sie Mitgefühl mit meiner Notlage hatte.

Ja, mir ist im Endeffekt geholfen worden. Aber der Weg dahin war verdammt hart.

Warum geht es denn bitte in anderen Ländern, dass man die Pille danach rezeptfrei in der Apotheke bekommt? Kein normaldenkender Mensch würde das doch ausnutzen. Diese eine Pille kostet mehr als die Monatspackung der "normalen" Antibabypille, und jede Frau die in der Schule aufgepasst oder jemals die Bravo gelesen hat, weiß doch dass sie nicht zur normalen Verhütung geeignet ist.

Es wäre tausendmal weniger unangenehm, peinlich und demütigend gewesen, sich die Pille danach einfach in der Apotheke zu holen und da EINMAL zu erklären, was passiert ist, als mit vierzehn Sprechstundenhilfen zu telefonieren und jeder einzeln erklären zu müssen dass wir einen Verhütungsunfall hatten und ich keine Möglichkeit habe mir von meiner eigenen Ärztin helfen zu lassen, weil ich hier im Urlaub bin – nur um dann abgewiesen zu werden.

Mädels, Frauen … Sowas kann schneller passieren als man denkt. Kondome sind toll und schützen, aber auch bei absolut korrekter Anwendung kann so ein blödes Ding kaputtgehen, ohne dass man es sofort bemerkt.

Das ist sowieso schon die Hölle. Da muss es doch nicht noch zusätzlich zu all den Gedanken, die man sich in der Situation macht (unter anderem auch "Könnte ich mich mit etwas angesteckt haben?" – in meinem speziellen Fall jetzt nicht, aber bei einem One Night Stand wäre der Gedanke ja nicht abwegig!) besonders erschwert sein, an das blöde Notfallverhütungsmittel ranzukommen, und sich nach dem zehnten erfolglosen abtelefoniert langsam ernstgemeinte Sorgen zu machen, ob man es überhaupt innerhalb des Zeitrahmens schafft, an dieses Rezept zu kommen…

Danke Pharmama, dass ich dieses unangenehme Erlebnis hier anonym mit deinen Lesern teilen darf.

Man macht sich darüber einfach keine Gedanken, wenn man nicht selbst plötzlich in der Situation ist. Und das kann jeder Frau passieren.

—–

Ich glaube, dem habe ich nicht viel beizufügen. Ausser vielleicht, dass im Moment gerade in Deutschland in Diskussion ist, ob sie "die Pille danach" nicht vielleicht doch rezeptfrei machen sollen. Meiner Meinung nach ist die Abgabe – so wie in der Schweiz üblich – in der Apotheke nach einem (protokollierten) Beratungsgespräch eine einfache, sichere und für die betroffenen Frauen schmerzlose Angelegenheit.

Das letzte hat nicht gewirkt!

 

Klassischer Fall von mehr hilft nicht mehr. Norlevo = “die Pille danach”

mehr über die Pille danach: hier !

Mal wieder: die Pille d-a-n-a-c-h

Kundin: „Ich komme zwar gerade vom Arzt, aber ich habe vergessen zu fragen wegen der Pille danach. Bekomme ich die auch in der Apotheke?“

Pharmama: „Ja, nach einem Gespräch mit mir. Sie wissen aber, dass die wirklich für danach ist? Davor kann ich sie nicht geben.“ *

Kundin (winkt ab): „Ah, ja schon klar, ich brauche sie.“

Beim Gespräch, 2. Frage: „Wie verhüten Sie normalerweise?“

Kundin: „Mit der Drei-Monatsspritze, jetzt aber nicht mehr und bis mein Mann sich unterbinden lässt habe ich nichts.“

Pharmama: „Wann war der ungeschützte Geschlechtsverkehr?“

Kundin (überlegt): „Das war also vor den Spritzen… vor etwa 6 Jahren.“

Pharmama: „Ich meinte eigentlich jetzt – weshalb sie die Pille danach jetzt brauchen.“

Kundin: „Ah, nein, wir haben noch nicht …“

Pharmama: „Dann wollen sie die Pille danach  nur für den Fall, dass?“

Kundin: „Ja … wieso?“

Pharmama: „Weil ich vorher genau das schon gesagt habe: Ich kann die Pille danach nicht vor dem Vorfall geben. Wenn Sie die auf Vorrat wollen, dann brauchen Sie dafür ein Rezept vom Arzt.“

Dann hielt ich noch eine kleine Rede über die Wirksamkeit und dass die Pille danach eben nicht so wirksam ist wie zum Beispiel die normale Pille, oder wie Kondome und von wegen der Nebenwirkungen … und dass sie doch, bis er die Unterbindung hatte, Kondome benutzen.

Als die Kundin rausgeht, hat sie noch eine letzte Frage: „Wie lange habe ich danach denn Zeit, sie zu holen?“

Pharmama: „Bis 72 Stunden“.

Kundin: „Oh, gut. Dann bis später!“

Äh ….. Wiedersehen?

 

*Nein, ich weiss nicht genau, warum ich genau da so deutlich darauf hingewiesen habe. Bauchgefühl mal wieder.

(Gute und schlechte) Gründe, warum man die “Pille danach” braucht

Allerbesten Dank an Nicoretta für diesen Gastbeitrag (oh und wie ich das kenne!)

Ich hätte da vielleicht noch etwas für einen Beitrag zur “Pille danach”. Ich habe letztes Jahr mal was für dich aufgeschrieben aber irgendwie nie losgeschickt:

Dies ist eine – bestimmt nicht vollständige – Liste von Gründen, wieso Kundinnen (und Kunden) in unserer Apotheke bisher die „Pille danach“ verlangt haben:

  • Die junge Frau möchte noch in den Ausgang und holt sie vorsichtshalber jetzt schon einmal, damit sie am nächsten Morgen ausschlafen kann… O-Ton: „Das ist am nächsten Tag immer so umständlich! Und da ich heute schon mal hier bin…“
  • Man holt die „Pille danach“ für eine Freundin… (Ja, klar…!)
  • Man(n) holt die „Pille danach“ für seine Freundin… (Nö, die muss schon selber kommen…)
  • Das Paar hatte ein Kondom benutzt, das aber LEIDER geplatzt ist. Dann bevor es geht, sagt der Freund: „Schau mal, die haben auch Kondome! Komm wir kaufen gleich eine Packung, dann haben wir das nächste Mal wenigstens welche.“ (Nie ärgern, nur wundern!)
  • Das Kondom ist beim Sex abgerutscht; dann kommt aber heraus, dass die Dame zusätzlich auch noch die Pille nimmt und das SEHR, SEHR regelmässig und genau. (Nein, die will wohl echt keine Kinder!)
  • Die Frau mittleren Alters hat schon 3 (fast erwachsene) Kinder und nach Jahrzehnten das erste Mal vergessen die Pille zu nehmen. (Ja, das IST ein guter Grund!)
  • Ein Kondom wurde 24h nach dem Sex in der Scheide gefunden (Wieso merkt man das erst so viel später? – Nein, ich will es gar nicht wissen…) Übrigens war die Dame dann aber erst 3 Tage nach dem spektakulären Fund bei uns; sie dachte allerdings es sei Freitag, obwohl es schon Samstag war… (Egal was Sie nehmen: Nehmen Sie weniger davon!)
  • Die junge Frau ist am Morgen nach dem Ausgang ohne Unterwäsche mit einem Unbekannten im Bett aufgewacht und kann sich an den feuchtfröhlichen Abend nicht mehr erinnern… (Einen HIV-Test würde ich Ihnen da vielleicht auch noch empfehlen…)
  • Man ist erst 16 Jahre alt und hatte in den letzten paar Stunden Sex mit 4 verschiedenen Typen; und die bringt man gleich alle in die Apotheke mit – da die vier Herren den Kaufpreis unter sich aufteilen wollen… (Manchmal bin ich froh, dass ich noch keine Kinder habe!)
  • Die junge Dame hatte vor mehr als 2 Wochen ungeschützten Sex und kommt erst jetzt!
  • Man hat eine Tochter, die sich mit ihrem Freund darauf geeinigt hat, dass er beim ersten Mal ein Kondom benutzt. Nach vollzogenem Akt ist aber kein gebrauchtes Kondom zu sehen… Die Tochter fragt beim Freund nach: „Nein, ich habe dann doch keines benutzt…“ (Netter Kerl! Das Mädchen war 15 und 7/8 und mit seiner Mutter da; die waren beide vielleicht gut gelaunt…)
  • Es kommt billiger 3x im Jahr bei einem One-Night-Stand die Pille danach zu kaufen als das ganze Jahr die Pille zu nehmen. (3 Kondome wären noch günstiger und schützen auch noch vor einer Ansteckung mit HIV etc.)
  • Eine Frau hat den Ehemann betrogen und darf auf keinen Fall schwanger werden! (Ähh ja… Kein Kommentar!)
  • Ein Mann hatte (als ca. 35-jähriger) Sex mit einer Minderjährigen (17), die einen „sehr strengen“ Vater hat und damit er es nicht doch bemerkt, darf sie auf keinen Fall schwanger werden. Er war übrigens ohne die junge Frau da…
  • Die junge Dame hatte in der letzten Nacht ungeschützten Sex. O-Ton: „…und dabei hat es sich noch nicht einmal gelohnt!“ (Ja, der Typ war da und hat es gehört!)
  • Eine sehr junge Frau war mit dem Freund „intim“. Bei genauerem Nachfragen ergibt sich, dass der Freund beim Petting auf den Oberschenkel ejakuliert hatte. (Nachhilfe: Wie ging das mit den Blumen und den Bienen noch…?)
  • Man hatte vor knapp 15 Minuten ungeschützten Sex. (Mann, die waren aber schnell da!)
  • Die Frau hat die Pille immer genommen, in der 7-tägigen Pause ist das Kondom aber geplatzt… (Etwas Aufklärungs-Nachhilfe und eine Beratung ist da wohl eher nötig!?!)
  • Die junge Dame hat ein Rezept für ihren Freund, der an Krücken geht. Sie weiss den Nachnamen des Freundes aber nicht und braucht dann noch die Pille danach…

Wir haben damals in der Apotheke darüber diskutiert, nachdem ich eine Kundin hatte, die eine ganz lustige Begründung hatte, warum sie die Pille danach brauchte… (Das erklärende Bild ist unten.) Und ich habe es dir aufgeschrieben, weil ich dachte, dass das etwas für deinen Blog wäre…

Definitiv!

Und wer noch nicht genug davon hat, findet hier noch mehr Begegnungen um die “Pille danach“.

Die Pille danach für davor

Leser Jörg hat mich auf diesen Artikel im Spiegel aufmerksam gemacht: “Pille danach für davor“.

Es wird ja in unterschiedlichen Ländern auch unterschiedlich gehandhabt, wie man an die “Pille danach”, die Notfallkontrazeption kommen kann.

Während man dafür in Deutschland und in Italien noch zum Arzt muss, um sich ein Rezept dafür ausstellen zu lassen, bekommt man sie in Österreich und der Schweiz ohne Rezept in der Apotheke. In der Schweiz braucht es dafür ein Beratungsgespräch mit der Apothekerin.

In anderen Ländern kommt man sogar noch einfacher an die Pille danach. In Amerika kann man sie ab 17 Jahren über den Ladentisch in der Apotheke kaufen. In Grossbritannien bekommt man die Pille danach sogar in den Drogerien und in Frankreich wird sie nach Bedarf auch an der Schule an Schülerinnen abgegeben.

Eines hatten alle aber gemeinsam: Es war die Abgabe “danach” … das ist auch bei uns so. Auf Vorrat bekommt man sie nicht – höchstens noch via Frauenarzt. Und jetzt kommt Grossbritanniens British Pregnancy Advisory Service (BPAS) und schickt die Pille nach einem paarminütigem Telefongespräch per Post – mit dem klaren Hintersinn sie zu besorgen, bevor man sie braucht …. damit sie dann nicht so viele ungewollte Schwangerschaften haben nach den Festtagen. Denn … “ungeplanter Sex kommt vor.”

Klar tut es das. Aber … an die Pille danach kommt man in Grossbritannien schon einfach genug (oder?). Ein Schutz gegen Geschlechtskrankheiten (die wieder enorm im Kommen sind) ist es auch nicht. Kondome zu verteilen wäre da in meinen Augen wesentlich sinnvoller. Und Aufklärung. Viel mehr Aufklärung, nicht nur Betreff Verhütung, sondern auch Betreff Geschlechtskrankheiten und was es bedeutet, Kinder zu haben. Grossbritannien hat ein Problem in die Richtung: “In keinem anderen westeuropäischen Land werden so viele Teenager schwanger wie in Großbritannien, in wohl keinem anderen Land der Welt treiben mehr Minderjährige ab. “

Schwieriges Thema. Eure Gedanken dazu?

Die Pille danach am Morgen danach

Die Pille danach (auch Plan B genannt) bekommt man in Amerika auch in der Apotheke – dort sogar ohne Beratungsgespräch.

Das folgende stammt von  http://www.overheardinathens.com

Später Sonntag morgen
Ein junger Mann und eine junge Frau kommen in die Apotheke.

Mann: “Wir hätten gerne die Pille danach.”
Apotheker: “Hier, bitte. Das macht …. Dollar.”
Mann: “Hmmm, der Preis ist glatt 15 Stutz hochgegangen …”
Der Apotheker macht grosse Augen, die Frau dreht sich mit demselben Ausdruck zum Mann um.
Frau: “Ähh …”
Mann: “Das hat sich jetzt nicht so gut angehört, was?”
Apotheker: “Also …. dann ist das so etwas was sie regelmässig nach einem Date holen?”

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