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Eine Einladung zur ILMAC 2013

<a href=”http://www.ilmac.ch/”href=”http://www.ilmac.ch/”rel=”nofollow&#8221; “target=”_blank” title=”Direkt zur ILMAC Website”> Titel der Mausberührung erscheint

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Reblog vom 6.9.13 noch einmal (weil es bald losgeht) – Man beachte die Möglichkeit mit dem Code hier ein gratis-Ticket zu bekommen!

An der ILMAC, der Messe Industrie und Labortechnik (ilmac.ch) die vom 24. bis 27. September 2013 in Basel stattfindet, treffen sich Anbieter und Hersteller und Abnehmer aus den Bereichen: Laborbedarf, Analytik, Spezialitätenchemie, Informationstechnologie, verfahrenstechnische Anlagen, Umwelttechnik und Qualitätskontrolle.

Ein Treffen der Pharma, Chemie, Biotechnologie, Kosmetik, Nahrungsmittel und Getränke und Umwelttechnik!

Basel als Inszenierungsort ist eine logische Wahl – da es europaweit das wichtigste Zentrum der Pharma- und Chemieindustrie ist … und immerhin noch die drittgrösste Life-Sciences Region in Europa. Mehr als 3500 Unternehmen der Branche sowie Universität und Fachhochschulen sind in der Region angesiedelt.

An der ILMAC 2010 waren 465 Aussteller beteiligt, davon gut ein Drittel ausländische Firmen – hauptsächlich aus Deutschland, aber auch Frankreich, Italien, Grossbritannien, Belgien, Österreich und den USA. An der diesjährigen ILMAC haben sich bisher 409 Aussteller angemeldet, die auch diverseste Produktneuheiten demonstrieren werden.

Neu wurden die Pharma-Verpackung und die Lebensmitteltechnologie mit integriert. Und der Fokus liegt 2013 auch auf diesen 2 Themen.

Pharmaverpackung

Pharma-Verpackung interessiert mich als – praktisch letztem Vermittler zum Patienten ebendieser natürlich sehr und ich bin gespannt, ob und was sie da neues zeigen werden. Deshalb gehe ich auch Ende September auf die Messe und schaue mich da ein bisschen um. Im neu geschaffenen Bereich sollte ich also Hersteller von Anlagen zu Primärverpackung finden: Dosier- Abfüll, Zähl- und Wägemaschinen. Ausser dem die Primär und Sekundärverpackungen selber … (zum Beispiel Blister und Umverpackung) wobei hier ziemlich sicher die Nachverfolgbarkeit der Packungen und das Problem der Arzneimittelfälschungen diskutiert werden wird.

Das Thema Arzneimittelfälschungen wird auch am „lunch and learn“ aufgegriffen– diese Anlässe finden jeweils über Mittag statt und dabei sind diverse kürzere Vorträge mit einem Steh-Lunch verbunden.

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In der Lebensmittel- und Getränketechnologie schaue ich sicher auch rein, dort ist es so, dass sich die Herstellung der fertigen Lebensmittel in Bezug auf Qualitätskontrolle, Hygienevorschriften immer mehr den Prozessen, die schon in der Pharmaindustrie angewandt werden annähern. Sogenanntes Functional Food und Convenience Food kommt immer mehr. Da lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen.

An der Messe werden durch die Schweizerische Chemie Gesellschaft diverse Awards an Fachhochschulen vergeben – und die Siegerprojekte in 3 Vortragsserien im ILMAC Forum vorgestellt. Die besten 13 Projekte finden sich während der ganzen Messe auch ausgestellt in einer Halle.

Am Job Corner von academics.de (dem Online-Stellenanzeiger der “Zeit”) finden sich die aktuellen Stelleninserate der Aussteller … an der ILMAC finden sich alle: Anbieter, Kunden und (neue?) Mitarbeiter.

Wer auch Interesse daran hat zu kommen, findet Hier „klick“ die Möglichkeit ein Ticket vorzubestellen. Mit dem Prio-Code: Blog-ILMAC2013 ist es sogar gratis!

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Aus dem Pharmaziestudium: praktische Prüfungen

Das ist der vorläufig letzte Teil meiner Reihe "aus dem Pharmaziepraktikum"

vorher: der allererste Tagim Labor, mündliche Prüfungen und (schon länger her): ein Einblick 

und jetzt also: praktische Prüfungen

Als Pharmazeut hat man eine Menge Stoff zu lernen und dementsprechend eine Menge Prüfungen. Ein Teil der Prüfungen ist jedoch nicht mündlich, sondern praktisch – das heisst, man muss zeigen, was man kann, indem man etwas analysiert, etwas herstellt … und natürlich alles protokolliert.

Obwohl ich immer gerne Labor hatte und auch einigermassen gut war (lies: keine 2 linke Hände und ein Auge für besten Weg zum Ziel) – bei den Laborprüfungen schnitt ich nie wirklich gut ab … auch nicht wirklich schlecht, aber … für mich enttäuschend.

Ich kann schlecht sagen, an was das lag. Laborprüfungen sind grundsätzlich Stress, manchmal dachte ich, dass der eigentliche Grund für diese Art Prüfungen ist, zu schauen, wie man unter Druck reagiert. Zeitdruck hauptsächlich, aber manchmal auch nicht funktionierendes Equipment, nicht genügend Maschinen für die Anzahl Studenten etc.

Ich selber blieb eigentlich immer ruhig. Ich bin da auch normalerweise diejenige, die die andern wieder aufbaute, wenn sie weinend in der Ecke sassen, oder Ideen brachte, wie man vielleich weiterkommt. Nur bei mir selber … je nun.

Bei den Laborprüfungen ist viel Glück dabei. Mehr als bei anderen Prüfungen. Es gibt einfache Analysen und schwierigere, es gibt einfachere Herstellungen und schwierigere – manches ist auch individuelles Empfinden.

Zum Beispiel die Defektur-Prüfung. Im Gegensatz zur Rezeptur, wo von einem Arzneimittel kleine Mengen hergestellt werden müssen, ist die Dezeptur Grossmenge. Nicht 100g Salbenmischung, sondern 1 kg. Nicht 20 Zäpfchen, sondern 200.

Man weiss in etwa, was so drankommt. Im besten Fall – und sehr zu empfehlen ist es – hat man die Sachen vorher einmal durchprobiert.

So auch ich. In meinem Praktikumsjahr in der Apotheke habe ich so ziemlich alles gemacht, was nur irgend machbar war. Oft zur Belustigung meines Chefs, der gelegentlich meinte: „Das habe ich noch nie jemanden machen sehen – und die Destlillationsapparatur war seit mindestens 20 Jahren nicht mehr in Betrieb!“ … Nun, sie war noch da – und Kamillenextrakt samt Einstellung desselben stand auch auf der Liste, Also …!

Also wusste ich auch genau, was ich an der Prüfung nicht machen müssen wollte. Erstens diese %&*/§-Emulsion und zweitens Sapo Kalinus.

Die Prüfung dauert ein paar Stunden. Die Aufgaben kamen auf Karteikärtchen zum ziehen. Ich war die letzte, darum bekam ich mit, dass irgendein armes Schwein die Emulsion erwischt hat – die ist einfach unglaublich schwierig, sie stabil zu bekommen, speziell ohne Mixer. Die gute Nachricht für die war: es hatte einen Mixer für die Prüfungen.

Dann meine Karte. Umdrehen und … Bingo!

Sapo Kalinus.

Oh. Nein.

Nun gut, es gibt Schlimmeres (sagte ich mir) und machte mich beherzt an die Arbeit. Sapo Kalinus ist medizinische Schmierseife. Das Problem ist dabei der Verseifungsprozess des Leinöls, das mit Kaliumhydroxidlösung und Wärme gemacht wird. Dazu braucht es noch Alkohol als Katalysator – und etwas Glück.

Ich bereitete also alles vor: Das Wasserbad vorheizen, die Stoffe abwiegen, alles zusammenmischen und gleich zum Wasserbad, damit der Katalysator nicht verdampft.

Das Wasserbad ist kalt.

Es ist nicht nur kalt, wie sich herausstellt. Es ist kaputt. Und bis ein neues aufzutreiben war in der Grösse … ja, richtig, war ein Teil meines Katalysators verdampft. Mit dem Ergebnis, dass das Zeug nicht richtig verseifte. Jedenfalls nicht, bis ich wieder etwas Alkohol zugab. Das ist schwierig zu dokumentieren. Und das wurde aber nicht gerne gesehen. Das gab Abzug. :-(

In der Prüfung hatten noch andere Probleme – nicht nur die mit der Emulsion (die übrigens dank Mixer ganz gut gelang). Manche … machten sie sich die Probleme auch gleich selber. Kollege M. zum Beispiel, der Kohlegranulat herstellen musste. Einer unserer wenigen Männer. Kohlegranulat – braucht man als Antidot- ist … einfach, aber macht eine ziemliche Sauerrei, wenn man nicht sauber arbeitet. Die meisten würden dafür auch Handschuhe anziehen – speziell zum granulieren, nicht nur wegen den netten schwarzen Rändern, die es dabei unter den Nägeln gibt, auch wegen der Hygiene des Produktes. Kollege M. verzichtete darauf, was den Assistenten, die die Prüfung überwachten und uns über die Schulter schauten natürlich auffiel. Als ihn der Assistent darauf hinwies, meinte M. nur: „Ach, Dreck zu Dreck.“ – was uns rechts und links innerlich aufstöhnen liess. M. ist nicht so – das war reine Prüfungsnervosität, die da aus ihm sprach. Ungeschickt!

Auch das gab wahrscheinlich Abzug.

Diese Prüfung war wenigstens nur ein Tag lang. Andere dauern eine ganze Woche – und dann hat man noch etwas (wenig) Zeit, das Protokoll zu schreiben, zu drucken und es abzuliefern.

Da war zum Beispiel Galenik, wo wir Aufgaben bekamen, die keine bekannte Lösungen hatten. Ich durfte zum Beispiel versuchen einen Arzneistoff besser löslich – und damit hoffentlich besser Magenverträglich zu machen. Dafür sollte ich einen Träger und Gefriertrocknung benutzen. Das ist prinzipiell cool – wer gefriertrocknet nicht gerne? Nur – das Problem bei meiner Substanz war ja, dass sie schlecht löslich war – und um sie so zu behandeln musste ich sie vorher in einem Lösungsmittel lösen, das … ich sag jetzt mal … nicht so nett ist. Klar entfernt das trocknen das meiste, aber … eben. Ich war die ganze Woche mit den verschiedensten Lösungsmitteln und Versuchen beschäftigt um nur zu einem einigermassen akzeptablen Ergebnis zu kommen … Das natürlich auch noch getestet werden musste … jedenfalls habe ich es dann geschafft irgendwie fertig zu werden. Das wirkliche Problem begann mit dem Protokoll. Alles Computergeschrieben, zum Xten Mal überarbeitet – bis 12 Uhr muss es abgegeben sein. Es ist 9 Uhr – das reicht noch lange. Wenn der Drucker nicht in genau dem Moment seinen Geist aufgibt. Und zwar total.

Keine Panik, der Nachbar hat ja auch noch einen … nur wie bringe ich meine Daten da rüber? Am Schluss haben wir den Drucker bei uns neu installiert, das ging einfacher. (Immer daran denken, das war noch zu Zeiten von Floppy Disk und so).

Ausgedruckt. Endlich. 11 Uhr – noch 1 Stunde.

Das reicht noch. Ich muss mit dem öffentlichen Verkehr bis dahin, im Normalfall braucht man etwa eine halbe Stunde.

Im Normalfall. Wenn nicht das Tram Verspätung hätte … und dann auch noch total stehen bleibt, wegen einem Unfall in der Innenstadt. Neeeeiiiinnn!

Noch 10 Minuten.

Ich bin ausgestiegen und den Rest gerannt.

Ich kam 15 Minuten zu spät.

Auch das gab Notenabzug.

Es gibt noch mehr praktische Prüfungen, die sind kürzer. eine oder 2 Stunden.

Zum Beispiel die Erkennung von Pflanzen. Das steigert sich über die Jahre. Anfangs hat man noch die ganze Pflanze (lebend), dann die Teedrogen (getrockenete Pflanzenteile) und dann die Teemischungen (gemischte getrocknete Pflanzenteile).

Die fand ich eigentlich noch toll. Man nehme das hier (Bild) und sage dann, was da alles drin ist. Dafür braucht man vor allem seine Augen, aber auch die Nase (Geruch) und den Mund (Geschmack). Eine Lupe hilft auch, gelegentlich auch das Mikroskop.

Es ist lustig zu sehen, wie manche sich für die Prüfung vorbereiten und was sie mitnehmen. Eine Flasche Wasser ist gut – um den Geschmack zwischendurch zu neutralisieren und auch wegen den Drogen, die einem den Speichel abstellen. Manche nehmen auch Brot dafür mit. Pech hat, wer Baldrian in der Mischung hat. Der ist zwar einfach herauszufinden, überdeckt aber mit seinem Geruch so ziemlich alles andere.

Und nicht zu vergessen die ganzen Glücksbringer: Stofftierchen und Steine und Münzen … die sieht man eigentlich die ganzen Jahre immer wieder – warum auch nicht? Das letzte Mal hat es offensichtlich damit geklappt :-)

und jetzt Ihr: an was erinnert Ihr Euch speziell von wegen den praktischen Prüfungen? Gutes / schlechtes / stressiges …?

Heftige Reaktionen

… das nur als Beispiel für die Leute, die es sich nicht vorstellen können, wie es im Labor (gelegentlich) zugeht.

hydrogen-peroxide-catalysed-hydrogen-potassium-iodide

 

gefunden hier.

Das ist übrigens eine Reaktion von KI mit H2O2 – man gebe noch etwas Seifenlösung dazu und schon hat man Elefantenzahnpasta …

Aus dem Pharmaziestudium: Im Labor

Ich muss zugeben – ich hatte es nicht so mit Labor. Vor allem am Anfang. Vom Chemiepraktikum am Gymnasium her hatte ich noch einen gesunden Respekt … das wurde noch verstärkt von der ersten Stunde – die praktischerweise eine Einführung in die Sicherheit war. Die wichtigsten Aussagen, die man für’s überleben im Labor braucht.

  • Du sollst eine Schutzbrille tragen – und dazu als Anschauungsmaterial einmal Laborunfall ohne Brille (üble Augenverätzung) und einmal mit Brille (wie ein umgekehrter Panda: wo die Brille war weiss, sonst schwarz)
  • Du sollst einen Laborschurz tragen – je länger, je besser.
  • Du darfst NIE mit dem Mund Flüssigkeiten ansaugen mit Pipetten – auch das mit Anschauungsbild: schön, wie man die Mundschleimhaut gleich am Stück abziehen kann …
  • Dann Säuren verdünnen: „Erst das Wasser, dann die Säure, sonst passiert das ungeheure!“ … wobei das Ungeheure eine Explosion des Säuregefässes ist.
  • Kein Essen und trinken im Labor. Man greift nur einmal daneben.
  • Wenn Du an etwas riechen musst, dann wedel es dir zu. Niemals sollte man die Nase direkt darüber halten. Wer es trotzdem mal probieren will – Eisessig eignet sich als Test, ob man das richtig macht. Vorsicht: hinter einem sollte dafür nichts stehen.
  • Achtung vor dem Siedeverzug! In Bechergläser und Reagenzglas, die über dem Bunsenbrenner erhitzt werden gehören Siedesteine.

Mit diesen Kurzinstruktionen wurden wir auch schon ins Labor gelassen. Jeder durfte sich einen eigenen Laborplatz aussuchen und anfangen, sich dort häuslich – äh, arbeitsmässig einzurichten. Das bedeutete als erstes, mit einer laaaangen Liste auf dem Labormaterial stand zu kontrollieren, ob alles vorhanden ist und falls nicht, das gegebenenfalls zu besorgen. Jetzt … das ist nicht ganz so einfach, denn als blutiger Anfänger kennt man die Namen der Gefässe und Geräte noch nicht. Becherglas und Reagenzglas – das ist noch einfach, aber Erlenmeyerkolben? Uhrglas? Exsiccator? Magnesiumstäbchen?… und was zum Geier ist eine Nutsche? (unreifes Kichern in den Ecken: hat das was mit Knutschen zu tun?) Mit etwas Hilfe vom Assistent schaffen wir es schliesslich alle durch die Liste.

Labor hat man viel im Pharmaziestudium. Man fängt bei den wirklich grundsätzlichen Sachen an und arbeitet sich durch die Jahre hoch. Man fängt mal an mit der Analyse von Einzelsubstanzen (anorganischen), dann organischen, dann Mischungen, dann Arzneiformen. Dann Synthese und und und …

Anfangs ist man noch unglaublich vorsichtig. Alles wird möglichst weit weg von einem gehalten, Handschuhe angezogen, die Brille natürlich (in Gedanken immer noch die netten Bilder aus der Einführung) … mit der Zeit, wenn nichts schlimmes passiert, wird man mutiger – manche tatsächlich ein bisschen übermutig.

Das mit dem verdünnen von Säure zum Beispiel: Wasser und konzentrierte Salzsäure … ja, es dampft ein bisschen – na und? Wasser und konzentrierte Schwefelsäure  – oh, das wird ja warm! Interessant.
Und irgendwann hat es dann tatsächlich die Kollegin direkt mir gegenüber geschafft, erst die Schwefelsäure in den Messkolben zu füllen und dann das Wasser reinzugeben … das wird dann nicht nur warm. Das wird heiss! Heiss genug, den Kolben zu sprengen und explosiv reichlich konzentrierte Säure durch die Gegend zu spritzen. Ein Glück für Labormäntel – die Spritzer verteilten sich wegen Labortisch unten und Chemikalienablage zwischen den Arbeitsplätzen oben alle auf Bauchhöhe – aber da hatten wir nachher in der Umgebung alle kleine Säurelöcher in den Schürzen. Diese Löcher haben übrigens die Angewohnheit mit jedem Waschen etwas grösser zu werden, so dass auch anfangs kaum sichtbare später einen Schurz wie ein Sieb erscheinen lassen.

Man kann sich vorstellen, dass wir nicht sehr erpicht waren, das Säureexperiment zu wiederholen und die unvorsichtige Kollegin noch Jahre den „ungeheuren“ Spruch anhören musste.

Die Chemikalien sind die eine Gefahrenquelle im Labor, Feuer ist die andere. Oft muss man etwas erwärmen, oder man muss die Flammenfarbe bestimmen – dafür braucht man den Bunsenbrenner. Der läuft mit Gas. Das kommt aus einem Hahnen an der Wand – der sieht ähnlich aus wie der Wasserhahn. Nur hat er eine andere Farbe vom Griff. Bunsenbrenner die Wasser sprühen sieht man nur am Anfang, das begreifen die Leute noch rasch.

Es ist aber keine gute Idee, erst das Gas einzuschalten und DANN auf die Suche nach Zündhölzern zu gehen. Oder den Gashahn aufzudrehen aber den Gummischlauch nicht oder nicht richtig fest befestigt zu haben … gleich daneben arbeitet nämlich sicher der Kollege auch mit brennender Flamme. Meine Erfahrungen aus der Feuerwehr konnte ich doch ein paar Mal einsetzen.

mehr lesen könnt ihr hier: Labor,  Labor ist gefährlichLabor und Darwins Theorie

Ja,  So war das bei uns.

Was habt ihr denn für Erfahrungen im Labor gemacht?

Arbeiten mit Erkältung

Etwas Mitleid bitte! Ich bin erkältet und voll heiser und muss arbeiten.

Das hat gelegentlich amüsante Auswirkungen. Zum Beispiel wenn ich das Telefon beantworte:

“Pharmama’s Apotheke, Pharmama.”

Stammkundin: “Hallo, wer ist am Apparat?”

(krächz) “Pharmama”

Stammkundin: “Sie sind nicht Pharmama.”

“Doch, ich bin’s, aber ich bin ziemlich heiser.”

oder:

“Pharmama’s Apotheke, Pharmama.”

Stammkundin: “Ist Pharmama hier?”

“Ich bins selber! Ich bin nur heiser!”

Ganz toll habe ich die Drogistin erschreckt, als ich in Vollmontur mit Maske und Handschuhen aus dem Labor kam. Ja, wenn ich krank bin, packe ich mich auch für Kleinigkeiten so ein.

Sehr schön auch, wenn einem sogar die Kunden zum Abschied “Gute Besserung” wünschen …

Im Labor

Sicherheit im Labor

Es ist mal wieder soweit und ich muss die jährliche Weiterbildung der Mitarbeiter in Punkto Sicherheit durchführen.

Neben dem Verhalten bei Feuer und Überfällen gehört dazu auch der Punkt Sicherheit im Labor. Das hier wird eine der Fragen: “Du musst Leichtbenzin abfüllen. Welche der beiden Trichter nimmst Du?”

Und? Zusatzpunkte wenn man weiss, was ausser den bunten Etiketten noch auf die Flasche gehört.

Labor ist gefährlich …

Das habe ich auch schon erwähnt.
Heute sehe ich in den Nachrichten gleich 2 Vorkomnisse mit Chemikalien aus/in der Apotheke:

Sprengstoffalarm in der Apotheke.

50 Menschen mussten evakuiert werden, weil eine Apothekerin eine Säure im Regal hat austrocknen lassen. Die verdickte Pikrinsäure hätte beim Herunterfallen eine stärkere Explosion als Dynamit auslösen können.

In einigen -vor allem älteren- Apotheken kann man wirklich überraschendes unter den Chemikalien finden. Im Laufe der Zeit häuft sich da einiges an – und wenn man da nicht regelmässig Kontrollen macht …

So wundert es auch nicht gross, wenn man den nächsten Artikel sieht:

Lebensgefährliche Beute: Einbrecher stehlen Zyankali

Nach einem Einbruch in eine Apotheke im unterfränkischen Kreis Miltenberg warnt die Polizei vor höchst gefährlichem Diebesgut. Offenbar entwendeten die unbekannten Täter nicht nur Bargeld und teure Medikamente – sondern auch das tödliche Gift Zyankali.

Da kann man nur hoffen, dass die Einbrecher das weisse Pulver nicht mit Kokain oder derartigem verwechseln und schnupfen …

Chemieunfall

Ich sag’s doch: Labor ist gefährlich!

Offenbar haben sie das auch hier gemerkt:

Zwei Verletzte bei Chemieunfall in Huttwil

Bei einem Chemieunfall in einer Drogerie im bernischen Huttwil sind zwei Angestellte verletzt worden. Sie wurden mit Atembeschwerden ins Spital eingeliefert.

Wie sich zeigte, war am Montagnachmittag im Keller des Geschäfts an der Bahnhofstrasse eine kleinere Menge Salmiak aus einem Gebinde ausgelaufen, wie die Berner Kantonspolizei mitteilte. Die Drogerie wurde evakuiert. Die Feuerwehr Huttwil nahm die Flüssigkeit auf. Quelle: 20 Minuten

Ich weiss ja nicht, wie das bei denen abgelaufen ist, aber da wir bei uns praktisch den gleichen Zwischenfall auch schon hatten folgt hier ein Erfahrungsbericht:

Es ist jetzt schon einige Jahre her, da kommt um etwa 11 Uhr die Drogistenlehrtochter, die die Aufgabe hatte im Keller Salmiak abzufüllen – nämlich aus dem etwa 20 Liter Vorratsbehälter in 1 Liter Gebinde – in die Apotheke gerannt und schreit: „Hilfe! Ich kann es nicht mehr abstellen!“

Pharmama:Was?“

Lehrling: „Das Salmiak! Es läuft einfach weiter!“

Ich schnappe mir im Labor Schutzbrille (die, die wie eine Taucherbrille aussieht) und Handschuhe, dann renne ich mit ihr in den Keller, während ich beides anziehe.

Vor der Türe in den Chemikalienraum hole ich einmal tief Luft und öffne die Türe. Ich komme keine 2 meter weit, schlägt es mich fast um. Die Luft ist inzwischen getränkt von Ammoniaklösung, meine Augen fangen sofort so an zu tränen (trotz geschlossener Brille), dass ich kaum was sehe und die Nase brennt. Trotzdem mache ich einen Versuch das Ablassventil zuzudrehen – aber das Ding sitzt fest!

Rasch wieder nach draussen, Luft schnappen … sobald ich wieder etwas sehe fällt mein Blick auf einen Eimer den das Blumengeschäft wohl hier gelassen hat. Den schnappe ich mir, dann gehe ich nochmal (mit angehaltenem Atem) rein, stelle ihn unter den immer noch auslaufenden Behälter – es muss ja nicht noch mehr auf dem Boden landen – und wieder raus.

Dann telefoniere ich der Feuerwehr.

„Hallo, hier Pharmama. Bei uns im Keller der Apotheke läuft ein grösserer Kanister Ammoniaklösung aus. Ich bräuchte hier ein paar Personen mit Atemschutz um das wieder zu beheben. Könnten Sie einen Wagen schicken? …. Nein, im Moment läuft nicht mehr aus, es steht ein Eimer darunter, der gross genug ist den Rest aufzufangen, aber … Ja, die Adresse ist …“

Es dauert nur wenige Minuten, dann kommt die Feuerwehr mit Blaulicht und Sirene (!) angerast. Mit 3 Fahrzeugen (!) Raus springen ein paar Feuerwehrmänner mit Atemschutzmasken schon auf. Einer davon kommt zu mir gerannt und fragt, wo der Keller ist.

„Ich kann sie hinbringen. Wenn Sie mir auch ein Atemschutzgerät geben, kann ich ihnen auch zeigen, wo der Vorratsbehälter ist, aber ohne kommt man da nicht mehr rein.“

Da sagt der Feuerwehrmann: „ … Pharmama, bist Du das?“

Oh, toll. Ich erwische ausgerechnet einen, der mit mir in der freiwilligen Feuerwehr gewesen ist – offensichtlich ist er jetzt zur Berufsfeuerwehr aufgestiegen. Peinlich.

Jedenfalls war die Sauerrei in Rekordzeit behoben.

Die Sanität war auch noch da (ungerufen), aber ich konnte sie davon überzeugen, dass es uns gut geht …

Ende gut, alles gut

Gefährliche Arbeit in der Apotheke

Dabei meine ich diesmal nicht irgendwelche verärgerten Kunden, die zurückkommen um sich zu „rächen“ oder Drogenabhängige, die denken, sie kommen in der Apotheke zu ihrem Stoff. Das gibt es zwar auch, aber ich meine hier die etwas subtileren Sachen:

Bei einer meiner Abschlussprüfungen bin ich mal gefragt worden, was die Berufskrankheit der Apotheker sein könnte. Meine Antwort: „Krampfadern“.  Das ist so, denn wir sind praktisch den ganzen Tag auf den Füssen.

Aber die Apotheker sind noch durch mehr gefährdet. Augenprobleme wegen der Bildschirmarbeit … man sieht wenig Apotheker ohne Brille (oder Kontaktlinsen), schon mal aufgefallen?

Dann die Schubladen. Die stellen eine erhebliche Unfallgefahr dar, v.a. wenn mehrere Leute gleichzeitig dabei sind, Medikamente herauszunehmen oder zu versorgen. Ein Kollege von mir hat sich mal eine schöne Platzwunde an der Stirn zugezogen … zum Glück konnte er niemandem anderen die Schuld geben, denn er selbst hat sie offen stehen lassen.

Und nicht zu vergessen das Labor. Heute füllen wir zwar nicht mehr so viel ab, aber wir arbeiten immer noch mit potenziell gefährlichen Stoffen. Gut in Erinnerung habe ich da die Begebenheit mit der Capsaicin Salbe.

Capsaicin – das ist der Scharfstoff aus der Chilischote. Man verwendet ihn in Salben und Pflasterform, weil er reizend wirkt, wodurch die Nervenenungen ihre Schmerzboten ausschütten, dadurch hat man (später) weniger Schmerz. Capsaicin gibt es zum verarbeiten entweder in Pulverform – extrem gefährlich, wenn es „fliegt“ und in die Augen oder Lunge kommt – oder in flüssiger Form – immer noch nicht ganz ungefährlich, wenn es unverdünnt auf die Haut kommt. Der Apotheker damals arbeitete mit der Flüssigkeit und mit Handschuhen. Das war gut, leider wurde er bei der Herstellung der Salbe unterbrochen und musste das Labor verlassen. Dabei fasste er mit den Handschuhen an die Türklinke … und die nächste Pharmaassistentin die die Tür öffnete hatte es dann an den Händen … und rieb sich damit kurz über das beissende Auge. Ganz schlecht!! Wer sich mal nach dem Chilischotenschneiden ans Auge gefasst hat, kann sich in etwa vorstellen wie das brennt – nur ist der Stoff in der Apotheke noch konzentrierter. Mit Augenausspülen war es in  dem Fall nicht getan.

Überhaupt ist das Labor eine latente Unfallquelle. Da war doch vor ein paar Jahren die Drogistin (oder war es ein Lehrling?) die das Labor abgefackelt hat … aber das ist eine Geschichte für ein anderes Mal.

Labor und Darwins Theorie

Labor ist gefährlich. Ernsthaft. Auch wenn es heute im Apothekenlabor so harmlos aussieht, während dem Studium hatten wir diverse Zwischenfälle. Darwins Theorie vom Überleben der Fittesten in der praktischen Anwendung, könnte man sagen. Vor Beginn des Labors in organischer Chemie haben sie sogar eine Eintrittsprüfung angesetzt – damit man nicht gerade das Labor in die Luft sprengt oder sich selbst vergiftet, vermute ich. Aber wir hatten schon vorher diverse Zwischenfälle.

Bei unserem Labor machte ich ein paar Mal die Feuerwehr und musste eingreifen, wenn mal wieder jemand mit dem Bunsenbrenner hantierte und z.B. der Schlauch abfiel (gibt eine nette Stichflamme) oder der Putzlappen daneben anfing zu kokeln. Jedenfalls musste bei uns niemand mit einem schon brennenden Eimer aus dem Gebäude rennen – das gabs auch schon, gell Mr. M?

Einmal hatten wir eine unbeabsichtigte Demonstration des Sprichwortes „Erst das Wasser, dann die Säure, sonst passiert das Ungeheure“, sprich, einen explodierenden Säurekolben. Darauf hatten praktisch alle Laborschürze auf Bauchhöhe Säurebrandlöcher von der Schwefelsäure.

Eine Hydrolisierung ist eine eher heftige chemische Reaktion, wie meine Labornachbarin feststellen musste. Die Reaktion machte sich selbstständig (sie „ging ab“ ) und zwar so schnell und explosiv, dass nur noch das Schliessen der Kapelle, wo sie arbeitete Schlimmeres verhinderte. Ich vermute den gelben Fleck an der Decke sieht man heute noch.

Im gleichen Praktikum mussten wir einmal alle Fluchtartig den Raum verlassen, weil einer Mitstudentin der Schüttelkolben  gefüllt mit Ether aus der Hand gefallen war. Derselbe Aether, den man früher zum Betäuben von Leuten vor Operationen gebrauchte.

Oder während der medizinischen Analytik, wo eine Kollegin ihre Teströhrchen mit Blut falsch in die Zentrifuge geladen hat … das spritzt ziemlich eklig. Zum Glück war es nur eine kleine Menge.

Beim Aufräumen fiel einer Mitstudentin die Flasche konzentrierte Ameisensäure aus der Hand (der Deckel war nicht gut zu und man sollte Flaschen sowieso nie am Deckel tragend transportieren). Die Säure spritzte ihr ins Gesicht. Nur schnelles Eingreifen und Abwaschen unterm Wasserhahn verhinderte Schlimmeres. Trotzdem musste sie ins Spital, die Augen checken. Seitdem wissen wir: sie hatte Glück. Für die Augen sind Basen schlimmer. Und: Laborbrille auch beim Aufräumen anbehalten!

Aber das Schmerzhafteste war in der Analytik, wo wir Verdünnungen machen mussten mit einer Säure. Dabei Pipettiert man immer ein paar Mililiter (genaustens abgemessen) weiter. Ich kam nie in direkten Kontakt mit der Säure, doch die Dämpfe reichten aus mir die Haut am Daumen, den ich oben an der Voll-Pipette hatte vollständig abzuschälen – bis aufs Fleisch. Eine Zeitlang hatte ich dort nicht mal mehr Fingerrillen – das wär doch was für Einbrecher! (ist aber eine sehr schmerzhafte Methode, wie ich bezeugen kann). Wenigstens war ich mit meinem Leiden nicht alleine, der halbe Kurs lief mit bandagierten Daumen herum.

Aber ich hab’s überlebt bis jetzt. Denn auch heute noch kann man im Labor Dummheiten machen. Davon später mehr.