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Verleitende Namen

Zu mir kommt die leicht irritierte Drogistin Sabine.

Sabine: “Da ist eine Kundin und die will Vitamin B17. Ich kenne das nicht. Sie meint, ich hätte keine Ahnung und ich soll die Apothekerin fragen und ich soll schauen, ob wir das bestellen können.”

Oh weh.

Pharmama: “Das ist kein Vitamin, das ist nur eine Fantasiebezeichnung, die man etwas gegeben hat, damit es nach etwas gesundem tönt.

Tatsächlich ist das nicht einmal etwas gesundes – das ist … warte (ich zermarter mir das Gehirn) etwas mit Blausäure. Kommt natürlich vor in Aprikosenkernen und so.

Den Namen, den ich gesucht habe ist Amygdalin. Der „Wirkstoff“ Blausäure –  ist toxisch. Zuviel und man macht eine Cyanidvergiftung – das heisst, es verbindet sich mit dem dreiwertigen Eisen in den Körperzellen … stärker als das Sauerstoffatom, das dort hingehört und das schädigt natürlich die Zellatmung – die Zellen sterben. Kleinere Mengen können wir in der Leber noch entgiften, aber schon 50mg Cyanid-freisetzende Blausäure ist tödlich.

Wegen genau dem Problem ist das auch nicht zugelassen. Es existiert kein Fertigarzneimittel und bei Zubereitungen gibt es strenge Vorschriften.

Die Leute, die das unbedingt nehmen wollen, weichen dann darauf aus Aprikosenkernen oder bitteren Mandeln zu kaufen.

Experten raten aber auch hier wegen dem Gift drin, maximal 1-2 Aprikosenkerne am Tag zu verzehren oder vorsorglich ganz auf solche Produkte zu verzichten.

Amygdalin wird deshalb als Vitamin B17 bezeichnet, da ein Mangel im Ausbruch einer Krebserkrankung resultieren würde. Das ist ein Konjunktiv – da ist gar nichts bewiesen. Amygdalin ist weder als Arzneimittel zugelassen, noch spielt es in der menschlichen Ernährung als Vitamin eine Rolle.

Da kann ich sie nur enttäuschen und ihr abraten.

Auch wenn sie dann denkt, auch ich hätte auch keine Ahnung.

Über diese Anzeigen

Mit jedem einzelnen Satz

Frau Säuerlich betritt die Apotheke – gleichzeitig mit einem anderen Kunden. Ich kenne die Kundin schon und bin entsprechend vorgewarnt, allerdings heute war es besonders schlimm. Frau Säuerlich ist, wie der Name schon sagt … säuerlich. Sie macht auch in Ruhestellung ein Gesicht wie wenn sie gerade in eine Zitrone gebissen hätte – die Amerikaner sagen dazu Catbutt-face. Sie ist schwierig. Ich weiss nicht, wie sie das schafft, aber … sie regt mich auf. Mit jedem einzelnen Satz, den sie sagt.

Es fängt schon an als ich (freundlich lächelnd) auf sie zukomme zum bedienen. Sie ist zusammen mit einem anderen Kunden in die Apotheke gekommen und meine Kollegin, die vorne stand, nahm sich ihn an … was Frau Säuerlich schon nicht passte. Wie ich am Gesichtsausdruck und der ungeduldig winkenden Hand erkennen konnte, war sie der Meinung, dass sie zuerst hereingekommen ist. Die beiden waren etwa gleichzeitig und sie ist direkt nach dem Eingang stehen geblieben – wohingegen er weiter gegangen ist und so zuerst von meiner Kollegin bedient wurde und ich erst den Weg zu ihr nach vorne machen musste.

Zwischenbemerkung: Ja, meine Kollegin wollte sie auch nicht unbedingt nehmen – es ist schon vorgekommen, dass Frau Säuerlich zu ihr gesagt hat: „Ist denn sonst niemand da, der mich bedienen könnte?“ Oder ungesagt: Sie will ich nicht.

Also komme ich zur schon angesäuerten Kundin nach vorne (nach ganz vorne).

Ich: „Grüetzi!“

„Melisse“ wirft sie mir entgegen – ohne Grüetzi oder Guten Tag. „Wofür ist das?“ Und als Nachsatz „Melissentee.“

Pharmama: „Das ist beruhigend und krampflösend bei Magen-Darm Beschwerden.“

Frau Säuerlich: „Das ist nicht gegen Blähungen?!“

Ich weiss nicht, wie sie es macht, aber das hört sich direkt anklagend an.

Pharmama: „Nun, indirekt schon – aber für Blähungen wäre Fenchel bes…“

Frau Säuerlich: „Das habe ich schon probiert. Nützt nix. Haben Sie Arnika-Salbe?“

Pharmama: Etwas überrascht ob dem schnellen Themawechsel: „Ja.“

Frau Säuerlich (ironisch überrascht tönend): „Oh, haben Sie.?“

Pharmama: „Ja, Moment, ich zeige sie Ihnen.“

Ich hole die Weleda Salbe in 2 Grössen

Frau Säuerlich: „Ach. Weleda.“ Sie klingt tatsächlich abschätzig. „Haben Sie keine andere?“

Pharmama: „Hier nicht, ich kann andere bestellen …“

Frau Säuerlich: „Nein, schon gut. Ich nehme die kleine – das muss ich erst ausprobieren. Wie teuer ist die?“

Wir gehen zur Kasse.

Pharmama: „Das macht 12.90.-…“

Frau Säuerlich: „Wiiieeviieeel? Grmmpf.“

Sie fängt an das Geld herauszuzählen

Ich (währenddessen): „Die ist gegen Quetschungen, Prellungen und blaue Flecken, bitte nicht auf offenen Wunden anwenden.“

(Sie wollte ja Info von mir. Kann sie haben.)

Frau Säuerlich: „Und Schmerzen.“

Pharmama: „Nein, die ist nicht gegen Schmerzen.“

Frau Säuerlich: „Meine Tochter hat mir die empfohlen. Also nicht gegen Schmerzen?“

Pharmama: „Nein.“

Frau Säuerlich: „Dann nehme ich sie nicht. (Sie schaut mir über die Schulter) Was haben Sie sonst zum einreiben gegen Schmerzen? … (und ohne zu warten) … ah – Voltaren natürlich.“

Pharmama: „Voltaren wäre eine Möglichkeit, oder …“

Frau Säuerlich: „Was sind das für kleine da unten?“

Pharmama: „Das sind die Voltaren Tabletten …“

Frau Säuerlich: „Nein, Tabletten will ich nicht… haben Sie mir kein Muster vom Voltaren?“

Pharmama: „Ich schau mal, was ich habe … Nein, tut mir leid. Im Moment habe ich nur Muster vom Perskindol zum einreiben gegen Schmerzen.“

Frau Säuerlich: „Grrmpf. Dann nehme ich halt das.“

Nimmt das Muster und geht wieder. Säuerlich, wie immer.

Eigentlich ist das fast lustig, wie sie es schafft, mich mit jedem Satz aufzuregen. Eine wahres kleines Kunststück. Da haben wir alles: Vom anklagenden Blick, weil sie nicht die erste war, die bedient wurde, über mich auszuquetschen und dann nicht zuzuhören / wieder abzuklemmen (ja, es gibt noch andere Sachen gegen Blähungen oder Schmerzen zum einreiben), anzutönen überrascht zu sein, dass wir etwas an Lager haben, sich über den Preis zu beklagen, Muster zu verlangen, auch wenn man nichts einkauft … und ihre ganz allgemeine Unzufriedenheit, die sie ausstrahlt.

So etwas am frühen Morgen und ich brauche danach ein bisschen Zeit, mich zu erholen um wieder entspannt auf den nächsten Kunden zuzugehen.

So ein Energiefresser.

spezielle Allergien

Frau in der Apotheke: “Ich möchte ein Schmerzmittel, aber ich bin allergisch auf Milligramm.”

Pharmama: “Entschuldigung, Sie sind was?”

Frau: “Naja, ich kann Milligramm nehmen, aber nicht mehr als 200 aufs Mal – also geben sie mir ein Schmerzmittel mit weniger drin!”

automatischer Refill-Service

Frau Kehraus etwa 55 Jahre, wohnt in der Nähe – nicht weiter als 2 Querstrassen weg – und kommt bei uns regelmässig ihre Rezepte einlösen. Sie möchte auch, dass wir ihr Sachen vorbeibringen – ein, zwei Mal monatlich oder so.

Das ist in Ordnung. Wir machen das auch als Kundendienst … nur manchmal frage ich mich: Warum? – wenn sie schon mindestens jede Woche einmal sowieso in der Gegend ist. Sie kommt dann auch in die Apotheke um dies und das zu kaufen.

Aber was bei ihr am schwierigsten ist: Ihre Dauermedikamente. Sie will, dass wir ihr die Sachen automatisch bringen – also dann, wenn sie ihr auslaufen – und zwar ohne, dass sie sie verlangen muss – Wir ‚sollten schliesslich wissen, wann meine Tabletten ausgehen und sie mir dann bringen’. Sie will nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass sie genug zu Hause hat.

Pharmama: „Das kann ich nicht. Ich habe nicht das Computersystem dafür … und kann auch nicht ständig nachschauen gehen. Vielleicht könnte ich noch ein Computerprogramm basteln, das mich daran erinnert, aber auch dann weiss ich nicht mit Sicherheit, ob Sie nicht noch welche haben – manche der Dinge sind je nach Bedarf zu nehmen.“

(Und ich weiss ja auch nicht, ob sie die wirklich so nimmt, wie sie sollte).

„Es ist wichtig, dass Sie uns jeweils den Auftrag geben. So wie die andern auch. Das geht auch telefonisch.“

Sie will davon nichts hören.

Ich erkläre ihr: „Das ist dasselbe wie man schauen muss, dass man immer Brot, Milch oder Toilettenpapier zu Hause hat.“

Nichts nützt.

Sie erklärt mir dass ihre Gesundheit tatsächlich meine Verantwortung (!) ist. Immerhin ist es ja auch meine Verantwortung, dass Sie die richtigen Tabletten bekommt, also soll ich auch schauen, dass sie die rechtzeitig bekommt. Lies: Automatisch.

Ich habe das Gefühl, mich jetzt hinsetzen zu müssen.

“Nein. Nochmal: Ihre Gesundheit ist Ihre Verantwortung!”

Was ich noch machen könnte ist, ihr ein Dosett richten lassen. Dann wären die Medikamente bei mir und sie würde wöchentlich das Dosett gerichtet bekommen und auch nach Hause geliefert.

Das will sie aber auch nicht, schliesslich sei sie ‘noch nicht so tüdelig, dass ich die Tabletten nicht selber aus den Packungen nehmen könnte!’ Der wahre Grund dürfte aber sein, dass Sie für den Service bezahlen müsste.

Mir scheint manchmal, die Leute heute wissen immer mehr von ihren Rechten und immer weniger von ihrer Verantwortung oder “Pflichten”.

Frau Kehraus war mehr als erstaunt, dass ich ihrer Argumentation nicht folgte. Wahrscheinlich war sie so überrascht wie ich, dass sie meinen Erklärungen nicht folgen konnte.

Ich habe ihr gesagt, was ich tun kann für sie – dass Ihre Medikamente gebracht werden, wenn Sie sie verlangt. Auch telefonisch. Und wenn das nicht genug ist … nun ja. Sie kann ja noch versuchen, ob eine andere Apotheke das macht.

(Kaum).

There’s an App for that? Medikamenteneinnahme

Die Geschäftsfrau (GF) marschiert in die Apotheke und direkt auf mich zu mit folgendem Wunsch: „Haben Sie mir einen Medikamentenwecker?“

Pharmama: „Einen was?“

GF: „Einen … ach ich weiss auch nicht wie das heisst. So ein Wecker halt, wo ich die Zeiten einstellen kann, wann ich die Medikamente nehmen muss und der dann klingelt und mich daran erinnert.“

Pharmama: „Oh. Nein, das habe ich nicht.“

GF: „Nicht? Ich dachte so etwas müssten Sie haben. Sie sind doch eine Apotheke?“

Pharmama: „Ja. Und eine Drogerie. Trotzdem … das habe ich nicht.

… Ich könnte mal schauen, ob ich ihnen etwas bestellen kann … (zu mir selber) wie heisst das wohl?“

unter Medikamentenwecker finde ich nichts. Auch nicht unter Timer, Uhr, Alarm etc.

Die Kundin beobachtet mich bei meiner Suche. Sie wird ungeduldig.

GF: „Finden Sie gar nichts? Was machen die anderen Leute denn so?“

Pharmama: „Nun, ich denke heute benutzen die meisten ihr Smartphone…“

GF: „Ja wie?!“

Pharmama: „Da gibt es diverse Apps dafür…“

GF – zückt ihr iphone: „Welche ist denn da gut? Sagen Sie mir mal den Namen …“

Dazu möchte ich anmerken, dass ich bei der Arbeit mein iphone nicht auf mir trage – und selbst wenn, ich habe keine solche App drauf, da ich nur einmal täglich eine Tablette nehmen muss – und dafür brauche ich das nicht.

Bisher hatte ich auch keine Anfragen nach Medikamentenweckern in der Apotheke … obwohl ich das eigentlich noch sinnvoll finde …

Pharmama: „Das kann ich im Moment nicht – aber ich bin sicher, sie finden leicht etwas geeignetes…“

„Hmmmpf!“ macht die Frau. „Sie sind nicht gerade eine Hilfe. Dann gehe ich mal selber suchen.“

Sprichts und geht.

Und ich suche jetzt ein geeignetes App dafür.

Benutzt Ihr so etwas? Und wenn ja: Welches?

(Nur für’s nächste Mal)

das habe ich gefunden: Medi Wecker (iPhone), RemindmeRx (iphone), TrackMyMeds (Android),

 

Die “falsche” Frage …

„Können Sie herausfinden, wieviel Prozentig die Salpetersäure noch ist?“

Die Frau um die 50 stellt mir eine Flasche Acidum nitricum 65% auf den Tisch und fährt gleich weiter:

„Ich benutze die zur Schmuck-herstellung und in der letzten Zeit ist sie nicht mehr gleich … wirksam wie auch schon.“

Pharmama: „Ja. – Wieviel wollen Sie denn dafür zahlen?“

Frau: „Wie meinen Sie?“

Pharmama: „Ich kann es herausfinden. Dazu müsste ich wohl eine Säuretitration machen. Das braucht diverses an Material und viel von meiner Zeit, ist aber theoretisch möglich. … Günstiger wäre es allerdings wohl, einfach eine neue Flasche zu kaufen und uns diese hier entsorgen zu lassen.“

Frau: „Wieviel kostet 1 Liter?“

Pharmama: „Etwa 22 Franken.*“

Frau: „Ui. Und was verlangen Sie für die Analyse?“

Pharmama: „Hmmm … angesichts der Tatsache, dass ich da ein paar Stunden beschäftigt bin – mindestens 40 Franken. Dazu kommen aber noch die Analyse-Chemikalien … “

Frau: „Ich nehme eine neue Flasche!“

Gute Entscheidung.

(*hängt mich nicht an den Preisen auf – das sind hier Schätzwerte)

finanzielle Risikopatienten …

Ein Mann kommt mit einem Blatt Papier, das er der Pharmaassistentin in die Hand drückt mit den Worten: „Kann ich das bei Ihnen auch?“

Das Blatt stellt sich als sogenannte Forderungsabtretung heraus. Als selbst verfasste, so wie’s aussieht.

Darauf steht mehr oder weniger „Ich (Name), trete meine zukünftigen Forderungen aus den Medikamentenkosten durch (Apotheke) gegenüber der Krankenkasse an die Apotheke ab.“

„Machen wir sowas?“ kommt meine Pharmaassistentin zu mir.

Das braucht jetzt etwas Erklärung. In der Schweiz gibt es 2 Arten der Abrechnung mit den Krankenkassen. Im Moment üblich ist, dass Apotheke und Krankenkasse einen Vertrag haben, so dass die Apotheke Medikamentenbezüge eines Patienten direkt an die Kasse verrechnen kann und von der Krankenkasse das Geld zurückbekommt. Nennt sich Tiers payant. Variante 2 ist, dass die Kasse keinen Vertrag mit der Apotheke hat und der Patient die Medikamente in der Apotheke selber zahlen, selber die Rezepte und Quittungen sammeln und selber einschicken muss um das Geld dann von der Kasse zurückzubekommen. Dafür sind diese Kassen, da sie einen (grossen) Teil der Verwaltungsarbeit praktisch dem Patienten überlassen dann auch günstiger. Das ist die Tiers garant.

Eine Forderungsabtretung ist die Möglichkeit, dass die Apotheke, obwohl der Patient eine Kasse der Variante 2 gewählt hat, die Rechnung trotzdem an die Krankenkasse einschickt und von der das Geld zurückbekommt. Das geht – mit einem spezifischen Vertrag mit dem Patienten.

Die Apotheke nimmt also dem Patient diese Arbeit ab und schiesst (wie bei der normalen Variante) das Geld dafür vor, bis es von der Kasse zurückkommt. Dem Patienten selber stellt die Apotheke nur noch die Rechnung für die Franchise (den 10 oder 20% Selbstbehalt, den er zahlen muss) oder für Dinge, die die Kasse auch nicht bezahlt.

Warum machen das nicht alle? Und: Warum mache ich das bei diesem speziellen Patienten auch nicht?

Das liegt daran, dass das mit dem zurückzahlen von der Krankenkasse nur so lange gemacht wird, wie der Patient auch seine Prämien und Ausstände bei der Krankenkasse zahlt. Macht er das nicht mehr, stoppt die Krankenkasse sofort alle Zahlungen für den Patienten an die Apotheke.

Die bleibt dann auf den Rechnungen sitzen.

So ein Forderungsübertrag ist also reiner Goodwill der Apotheke – es bedeutet einiges an Mehrarbeit und ist ein finanzielles Risiko – und darum machen das auch nicht alle. Wir machen es nur, wenn wir den Patienten als zuverlässigen und regelmässigen Kunden kennen.

Beides traf bei dem Herrn nicht zu. Nicht nur, dass er das letzte Mal vor über 3 Jahren bei uns war, ist seine Partnerin bekannt für ihre Unzuverlässigkeit. Und dass er sowas wie die Forderungsabtretung kennt zeigt mir, dass er das wahrscheinlich in einer anderen Apotheke hatte. Dass er jetzt das woanders will, liegt höchstwahrscheinlich daran, dass die andere Apotheke das zumindest bei ihm nicht mehr macht. Über die Gründe kann man jetzt spekulieren.

Also ist die Antwort in dem Fall: “Nein.”

Sampler: lustige Kundenwünsche

Hier ein paar spezifischere Kundenwünsche der eher amüsanten Natur:

Spezielle Kundenwünsche – 3 an einem einzigen Tag

etwas gegen innere Blutungen?!

Sie wollen Darmbakterien?

Ich denke sie wollen mehr laufen?

ein “amerikanisches Panadol“?

Alles für den self made man (oder Hauswerker)

Alkohol? Auf Rezept?

Das was gedacht ist, nicht das, was gesagt ist.

Sowas ist nie für einen selber

Auflösungserscheinungen – wenn der Teppich langsam verschwindet?

Jetzt wird es wirklich Frühling – die Insekten kommen raus

Exorzieren – ist das nicht etwas überholt? – keine Lösung für ADHS

Schwamm drüber – ja, besser.

Auf Diät – wenn jede Kalorie zählt

Was ist hier falsch? – das könnte gefährlich werden

Es ist kalt – und mein Haustier verträgt das nicht

Gibt’s die auch in kleiner? – nicht XL, XXL …

Silikongel – für wo?

Berühmte Pflaster – ja, haben wir.

Für das Gedächtnis – definitiv nötig

Sie brauchen die für WAS? – ungewöhnlich, aber kreativ

Feste Vorstellungen – gesucht wird …

Stärkungsmittel – gibt es ja mehrere

Hormone für den Mann – als das “V” noch jung und unbekannt war.

Geschenkezeit – freut sich darüber wer?

Mitgehört – zu allgemein

Bären-Repellent – falsch angewendet


Flattr this

Ersatzartikel

mittel-alte neue Kundin mit Rezept in der Apotheke: „Können Sie mir statt dem Norvasc Celebrex geben? Vom Norvasc bekomme ich Magenschmerzen.“

Pharmama: „Umm, nein, das Rezept ist für Norvasc und …“

Frau: „Aber die sind beide gegen Schmerzen und da steht auf dem Rezept: die Medikamente dürfen durch ihre Generika ersetzt werden. Der Arzt hat das so aufgeschrieben!“

Pharmama: „Das bedeutet ich kann das Medikament Norvasc durch eines seiner Generika ersetzen. Zum Beispiel durch Amlodipin. Celebrex ist ein ganz anderer Wirkstoff und …“

Frau: „Dann gehe ich halt in eine andere Apotheke, wo sie das machen!“

… und ich wollte noch sagen: Norvasc/Amlodipin ist ein Mittel gegen Blutdruck, Celebrex ist ein Schmerzmittel …

Umm, auf Wiedersehen.

Nicht dass das anderswo anders laufen wird. Höchstens noch, dass man ihr – falls sie lange genug zuhört, anbieten könnte dem Arzt anzurufen und das auszusortieren.

Nur leicht nervig

„Ich möchte gerne die Sportcreme, die es im Migros zu kaufen gibt“

:-(

„Ich dachte, die hätten Sie“.

*Migros = Supermarkt

Wart’z ab

“Haben Sie Mittel gegen Warzen?” Fragt mich der ältere Mann.

Pharmama: „Eine Menge. Wo haben Sie die Warze denn?“

Mann: „Auf dem Auge.“

Pharmama: „Auf dem Auge??“

Mann: „Ja, hier.” – Er zeigt sie mir kurz. Es ist eine Alterswarze und ja, direkt oberhalb des beweglichen Augenlids.

Pharmama: „Das ist eine Alterswarze – und an der Stelle … da kann ich ihnen nichts geben zum wegmachen. Da müssten sie zum Arzt.“

Mann: „Ich gehe sicher nicht zum Arzt. Reine Geldverschwendung. Geben Sie mir einfach etwas dagegen.“

Pharmama: „Ich kann ihnen keines von den Mitteln geben. Die sind für Warzen an den Händen und Füssen. Ums Auge hat man sehr empfindliche Haut, da kann ich ihnen nichts geben zum wegätzen oder weg-eisen.“

Mann: „Wo haben sie die Warzenmittel?“ Er schaut sich suchend um, wenn er die im Griffverkauf sehen würde, würde er wohl eines nehmen, um mich zu „zwingen“ es ihm zu verkaufen.

Ich rühre mich nicht vom Fleck.

Pharmama: „Nochmal: Ich KANN ihnen für diese Stelle kein Warzenmittel geben. Sie riskieren ihr Augenlicht.“

Mann: „Lassen Sie das mein Problem sein. Geben sie mir einfach eins von den Mitteln, die sie haben.“

Pharmama: „Nach dem was sie mir erzählt haben kann ich ihnen guten Gewissens kein Mittel verkaufen.“

Mann: „Und inoffiziell?“

Ich schüttel den Kopf.

Man stelle sich vor, was passiert, wenn er mit der Säure (ja, das ist es) danebentropft – ins Auge… oder sich mit dem Eisstift glatt durch die Haut ‘brennt’ …

Er schaut mich wütend an: “Und was mache ich jetzt damit?”

Pharmama: “Wenn Sie die Warze weghaben möchten, dann zeigen sie sie einem Arzt.”

„Alles Halsabschneider!“ murmelt er wütend, während er sich auf dem Weg aus der Apotheke macht.

:-( Ob er jetzt den Arzt damit meint oder mich, weiss ich nicht.

Ich verstehe ja, dass das frustrierend ist, wenn man gar nichts bekommt, aber … das hat gute Gründe. Kann er das nicht verstehen??

Glasklar, was sie will, oder?

Glasklar, was sie will, oder?

Glasklar, was sie will, oder? (Reblogg von tumblr)

A Japanese woman enters the pharmacy. No idea what she’s asking … she asks for a piece of paper and …. what an artist! hahahaha

Japanische Frau kommt in die Apotheke. Ich habe keine Ahnung, was sie mich fragt. Sie fragt nach einem Blatt Papier und … was für eine Künstlerin!

Die Tablette ist zu klein!

Ja, das war die Reklamation der älteren Dame gestern: „Die Tablette ist zu klein!“

Also ich persönlich bin ja froh, wenn die Tablette nicht allzu gross ist. Meistens sind sie dann einfacher zu schlucken.

Aber ich habe die Frau auch verstanden, nachdem sie mir erklärt hat, warum sie gerne grössere Tabletten haben will:

Sie hat ganz furchtbare Arthritis und Probleme damit, die kleinen Tabletten aus der Packung zu bekommen und dann vom Tisch aufzunehmen.

Zum Glück hat sie momentan nur eine kleine Packung. Ich habe ihr versprochen für das nächste Mal Tabletten zu suchen, die grösser sind.

Trotzdem eine amüsante Reklamation.

 

Was ich auch schon hatte: „Gibt es die Tabletten nicht in grösser? Dann könnte ich sie besser hälfteln (oder vierteln – oder in einem Fall: achteln)“.

Da haben wir dann einfach das Problem, dass das auch noch reichlich ungenau ist. Man teilt die Tabletten, ja – aber ob das dann wirklich die Hälfte der Dosis oder ein Viertel oder gar ein Achtel der Dosis ist??

Und der beste:

„Je grösser die Pille, desto besser die Wirkung – also so kleine Pillen können gar nicht gut wirken!“

Die Wirkung ist vom Wirkstoff abhängig – und von manchen braucht man mehr, von anderen weniger. Zum Beispiel Paracetamol 500mg und Ibuprofen 200mg. Das gibt dann halt auch verschieden grosse Tabletten … denn auch die Pharmaindustrie will die Tabletten nicht grösser haben als unbedingt nötig.

Von daher: Mal schauen, ob ich für die Dame grössere Tabletten mit dem gleichen Wirkstoff finde. Ansonsten müssen wir uns etwas anderes überlegen.

Kunden erziehen …

Wir haben da so eine Patientin – nennen wir sie Frau Misteli-  die … ist wirklich gut darin, das System zu bearbeiten. Sie ist etwa 50, bezieht Sozialhilfe und ist offensichtlich unfähig zu arbeiten. Woran das liegt, weiss ich nicht, anhand der Medikamente, die sie bekommt, kann ich keinen Grund sehen. Jedenfalls. Wenn ich sage „System bearbeiten“ meine ich aber nicht nur die Sozialhilfe. Sie bekommt ausserdem Unterstützung zuhause in Form der Haushilfe, die für sie aufräumt und einkaufen geht. Mittags sieht man sie häufig im Cafe des Quartiers, das nicht weit von uns liegt. Dort pflegt sie ihre sozialen Kontakte, bevor sie dann selber shoppen geht – unter anderem auch bei uns.

Sie bezieht so ziemlich alles, was möglich ist via Arzt und Rezept … das ist für sie praktisch, da ihr die Krankenkassenprämien ziemlich sicher auch von der Sozialhilfe bezahlt werden, also kostet es sie kaum etwas. Sehr häufig will sie von uns Vorbezüge … und dass wir danach beim Arzt selber das Rezept verlangen. Der Arzt unterschreibt auch immer brav alles … obwohl ich ihn auch schon darauf hingewiesen habe, dass ich sehr wohl dazu bereit wäre das einzuschränken. Wir reden hier von Dingen wie Halswehlutschtabletten, Sinupret, Nasenspray und derartigem, nicht nur ihrem Blutdruckmittel.

Gelegentlich will sie auch, dass man ihr Dinge vorbeibringt. Wir haben ja einen gratis Hauslieferdienst. Das ist in Ordnung, nur … Jetzt fängt sie an da zu übertreiben.

Sie kann ihre Sachen selber holen – Kleider, Lebensmittel und häufig auch einfach Nippes schleppt sie auch ganz alleine nach Hause. Ich denke, sie lässt das nur aus dem Grund machen, weil es für sie soviel praktischer ist. Sie hat auch keine (erkennbaren) psychischen Probleme – also so etwas wie Panikatacken. Tatsächlich ist sie direkt schamlos, was den Umgang mit anderen Leuten angeht. Ein bisschen distanzlos auch.

 

Das nur als Vorgeschickte, als Erklärung für das was folgt. Ehrlich – wir verhalten uns nicht jedem Patienten gegenüber so …

 

Also gestern, da ruft sie am Morgen an, weil man ihr ein Medikament vorbeibringen soll. Das Blutdruckmedikament. Auf Vorbezug – sie habe das Rezept zu Hause. Man macht das. Sie gibt dem Lehrling aber das Rezept nicht mit. Deshalb ruft man sie danach an, worauf sie sagt:

„Ich habe vergessen, dass da noch ein paar Sachen auf dem Rezept drauf stehen … ich schicke die Spitex vorbei. Ich kann heute unmöglich aus dem Haus gehen!“

Später bringt die Spitex dann 2 Rezepte (!)– gefolgt vom Telefonanruf der Frau: „Ich brauche die restlichen Sachen dringend noch heute! Bringen Sie mir das um 2 Uhr.“

Mit Mühe überzeugt mein gutmütiger Lehrling Minnie sie, bis nach der Mittagslieferung zu warten … ich daneben mache nur ausholende „Nein! Nein, NEIN!“ Gesten : dass wir 2 x am Tag bei einer Kundin vorbeigehen – das sollte für Notfälle vorbehalten bleiben. Die Sachen auf den Rezepten … die übrigens mehrere Tage alt sind … fallen da wirklich nicht drunter.

Es nützt nix. Trotz allem also geht der Lehrling das bringen … und kommt eine geschlagene Stunde später wieder zurück: „Sie hat so lange auf mich eingeredet. Ich bin einfach nicht weggekommen!“ jammert sie.

„Das nächste Mal sagst Du, dass Du in 5 Minuten zurückerwartet wirst. Ansonsten bekommst Du Probleme- von mir.“

Eine Stunde später sagt meine Pharmaassistentin zu mir, die aus dem Fenster schaut: "Du, Frau Misteli ist gerade vorbeigelaufen und ins Cafe gegangen."

„Nein!" Sage ich. "Ernsthaft?“
Tatsächlich, da sitzt sie.

Der würde ich am liebsten was erzählen, was wir davon halten, dass sie uns durch die Gegend hetzt, eine Mitarbeiterin eine geschlagene Stunde von der Arbeit abhält und danach geht sie, als ob nichts sei, einen trinken!

„Ich weiss auch wie“ – sagt meine Pharmassistentin und grinst. „Darf ich rasch etwas kaufen gehen gegenüber?“

„Klar.“ Sage ich.

Und schaue ihr zu, wie sie (im Schurz) ins Cafe über der Strasse geht – an Frau Misteli vorbei. Die hat sie natürlich gesehen und versucht sich hinter ihrem Kaffee zu verstecken. Donna, meine PA tut als ob sie stutzt, macht einen Schritt zurück und wendet sich dann Frau Misteli mit einem erstaunten / enttäuschtem Gesichtsausdruck, wie nur sie das hinbekommt direkt zu. Was sie ihr sagt, kann ich nicht sagen, aber die Reaktion von Frau Misteli sehe ich: sie versinkt fast im Stuhl.

„Was hast Du gesagt?“ frage ich Donna, als sie zurück ist.

Och nur: „Frau Misteli ?!? Sie hier?!?“

„Und sie?“

„Hat nur etwas gestammelt von ‚es ginge doch auf einmal besser und da konnte ich doch raus.’“

Ich glaube, das nächste Mal überlegt sie sich das noch einmal, ob sie uns durch die Gegend hetzen soll, wenn sie danach noch ins Cafe will.

Hoffentlich.