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Die problematische, äh natürlich problemlösende Apothekerin …

Irgendwie hatten die Ärzte heute ein Problem, naja, vielleicht habe ich es ihnen dann gemacht, falls sie vorher noch keines hatten.

Auf dem Rezept vom Spital, das eine Frau gebracht hat fehlen sämtliche Angaben zum Patienten. Laut Auskunft ist das für ihren 12 jährigen Sohn. Damit stimmt die Dosierung der Schmerzmittel darauf nicht ganz überein.

Ponstan 500 mg  S: 1-1-1 (wären etwas hoch)

Dafalgan 1g S: 1-1-1 (hoch, aber gerade an der Grenze)

Also muss ich sowieso anrufen. Ins Spital – was immer toll ist, weil … ja, das dauert, bis man da mal am richtigen Ort und bei der richtigen Person ist. Zumindest war das Rezept vom selben Tag, was die Chancen ziemlich erhöht, dass die richtige (am besten gleich die Verschreibende) Person auch wirklich da ist.

Der Arzt war dann auch super freundlich, hat sich ob des fehlenden Namens aber etwas erstaunt gezeigt „Da hätte noch eine Etikette mit der Info drauf sollen“ (No shit, sherlok) und hat sich überzeugen lassen, die Dosierung auf 250mg 1-1-1 anzupassen.

Er meinte nur verteidigend: „Aber ich habe extra im Kompendium nachgeschaut!“ (das ist bei uns das Arzneibuch)

Ja, da steht folgendes drin: (und zwar sowohl bei den Tabletten als auch Kapseln und Suspension):

Dosierung; Mit dem Essen.

>14 J.: 3×tgl. 1 Tabl. oder 2 Kaps., max. 2 g tgl.
12–14 J.: 3×tgl. 1 Kaps. oder 25 ml.
9–12 J.: 2(–3)×tgl. 1 Kaps. oder 3×tgl. 20 ml.
6–9 J.: 3×tgl. 15 ml.

Das Problem dabei ist, dass es Tabletten gibt zu 500mg und Kapseln zu 250mg. Und dass die Dosierungsanweisung das etwas ungenau schreibt, wenn man das nicht weiss. Und als ausländischer Arzt, nach den ich ihn mit seinem Akzent eingeordnet habe, wusste er das offenbar nicht.

Kein Riesen-Problem … solange wir Apotheker da sind und das merken.

Rezept 2 war auch vom Spital, aber einer anderen Abteilung und ein anderer Arzt … das bringe ich morgen.

Lebertran reloaded

Letzthin kam ein Kunde, der wollte Lebertran kaufen – für sein Kind.

Brrr – habt ihr das Zeug jemals probiert? Mein Bruder hat mal für irgendeinen Pfadi – Inititiationsritus – Drink etwas davon gekauft. Ich habe dann aus Neugier etwas davon genommen. Das Zeug ist abscheulich! Es fischelt, es stinkt, und man bekommt den Geschmack kaum mehr aus dem Mund.

Ich könnte mir nicht vorstellen das selber regelmässig zu nehmen … und ganz sicher würde ich nicht versuchen das meinem eigenen Junior einzuflössen.

Ich habe ihm dann davon abgeraten und gezeigt, was er stattdessen nehmen kann:

Halibut classic – das sind Kapseln mit Lebertran. Sie werden geschluckt (kein Geschmack im Mund) und man braucht sie vor allem zum Vorbeugen von Erkältungskrankheiten im Winter (das Vitamin A, D und E darin schützen die Schleimhäute).

Oder Equazen: das gibt es auch als Kapseln – aber Kau-Kapseln. Das geht bei Kindern, die noch nicht Kapseln schlucken können. Der Geschmack von denen ist etwas besser … Erdbeere kombiniert mit etwas fischelig. Das nimmt man wegen den Omega-3-Fettsäuren für die Unterstützung der Gehirnfunktionen, des Gedächtnisses … und bei zappeligen Schülern. Meiner hat die gut genommen, trotz des grenzwertigen Geschmackes … aber er mag auch Fisch allgemein.

Und dann gibt es noch die Supradyn Junior Gummis – in Fischform, da auch sie Omega 3 Fettsäuren enthalten – und andere Vitamine. Die sind wirklich fein. Nichts mit Fischgeschmack. Die nehme ich heute für ihn.

Lebertran selber gibt es noch – und es gibt auch hartgesottene, die das regelmässig nehmen. Aber ich glaube das letzte Mal habe ich Lebertran an eine schwangere Frau verkauft, die das (in Absprache mit der Hebamme) besorgt hat um die Wehen einzuleiten. Korrektur: Richtig, das war natürlich nicht Lebertran, das war Rizinusöl!

Phantom-Läuse

Es ist nicht gerade Läuse – Hoch – Zeit (die ist eher jeweils nach den grossen Ferien), trotzdem hatte ich letztens eine beunruhigte Mutter mit Kind in der Apotheke, deren “Käfer” auf dem Kopf ich mir unbedingt anschauen sollte.

Im Normalfall mache ich das nicht – wer Läuse finden will, kann das am besten in den nassen Haaren mit einem Lauskamm, denn dann bewegen sich die sonst sehr flinken Tierchen auch nicht mehr. Aber die Mutter war sehr beunruhigt und überzeugt, dass es irgend ein anderes Insekt war … eben weil man Läuse ja meist nicht so gut sieht.

Stellt sich heraus, dass es wirklich Läuse waren. Massenhaft Läuse. Mit Handschuh konnte ich  mit einem kürzeren Blick schon 2 herauspicken (und zerquetschen).

Ich kann inzwischen ziemlich gut beraten, was Läuse angeht. Wie man sie findet, wie und mit was man sie bekämpft. Wie man die Mittel anwendet. Wen man sonst noch anschauen, behandeln und informieren sollte.

Und ich bin gut darin, die betroffenen Eltern zu beruhigen. Das ist nämlich nicht ein Hygiene Problem und manche Eltern denken dann sie hätten irgendwie nicht aufgepasst oder etwas falsch gemacht, dass ihr Kind jetzt Läuse hat.

Nur gegen etwas habe ich noch nichts gefunden: Dass es mich nach so einer Beratung regelmässig an der Kopfhaut juckt und beisst: Phantomläuse. Ich weiss, es ist nur meine Einbildung, aber kratz …. kratz … ihr wisst schon.

Mehr lesen über Läuse:

Die Rückkehr der Läuse

Läuse – immer noch

Läuse und der Coiffeur

Da ‘unten’

Parasiten bei der Familie Pharmama (ja, auch wir hatten schon Läuse)

Per Anhalter durch die Packungsbeilage

Schwerwiegende Dosierungsprobleme

Auf dem Rezept für ein Kind, Geburtstag Mitte 2008 – also 7 Jahre alt. Das Kind ist nicht anwesend, nur der Vater, der das Rezept gebracht hat:

BenUrOn Saft D.S: 20 ml 4 x täglich

Hmmm.

 

BenURon enthält Paracetamol. In der Dosierung 30mg/ml =

Also sind 20ml = 600mg.        600mg x 4 = 2400mg pro Tag

Die Packungsbeilage sagt:

für 7 jährige empfohlen 250-500mg pro Dosis, maximal pro Tag 1.5g = 1500mg!

Holla die Waldfee. Gut, so mancher Arzt im Kinderspital und anderswo berechnet das inzwischen nach Gewicht und nicht nach Alter. Aber wenn das so abweicht, wäre eine Gewichtsangabe auf dem Rezept schön.

Aber wir haben ja den Vater in der Apotheke.

Ich frage den Vater: „Wieviel wiegt das Kind?“

Er weiss es nicht.  :-(

„Ist es 25 kg? 30 kg?? 40 kg???“

Mein Junior ist 8 Jährig und wiegt etwa 30 kg. Das ist noch praktisch – habe ich doch so eine in dem Fall aktuelle Vergleichsmöglichkeit.

Vater: „Vielleicht um die 35?“

Okay. Das passt nicht zur Dosierung.

Auch wenn das Kind etwas mehr wiegt. 50mg pro kg Körpergewicht ist die Obergrenze. Im Umkehrschluss müsste das Kind für die Dosierung von 2400mg also 48kg wiegen.

Aber Ummm – 48kg? 7 Jährig??

„Ich rufe lieber dem Arzt an wegen der Dosierung.“

Der war echt Dankbar für den Anruf und ist dann auf 15ml bis 4 x täglich runter … das sind immer noch 1800mg pro Tag – er meinte auch, das Kind sei „etwas“schwerer. Genaueres hat er mir aber nicht gesagt.

Gut, rechnen wir so Sachen immer nach.

Also: lieber Kinderarzt (auch im Spital): Du machst unsere (und damit dann auch Deine) Arbeit leichter, wenn Du auf das Rezept bei Kindern gleich das Gewicht drauf schreibst! Danke!

Nachtrag:

Die gehen im Spital schon von anderen Grundlagen aus. Für meinen Junior mit Armbruch haben sie vom Algifor Sirup auch 14ml 3 x täglich aufgeschrieben …

Empfohlen sind für 7 Jährige um die 30kg 3 x 12.5ml
Aber beim Ibuprofen ist das auch nicht so ein so grosses Problem wie beim Paracetamol, wo man mit einer Überdosierung ziemlich rasch Leberschäden macht.

(Nachrechnen kann man auch selber. Dosierungsangaben in der Packungsbeilage oder unter Compendium.ch)

blaue Flecken

Es ist ja kalt – aber nicht so kalt, dass sich die Beschwerde Ihr Kind habe „blaue Beine“ damit erklären liesse. Vor allem, wenn die Lippenfarbe immer noch normal ist.

Im Beratungsraum darf ich einen Blick auf die Beine von ihrem Sohn werfen. Und die Mutter hat recht: die Beine sind blau. Fleckig blau. Allerdings nicht so, wie ‚blaue Flecken’ sonst aussehen.

Hmmmm….

Ansonsten geht es ihm gut. Keine Schmerzen, Keine Ausschläge, kein Fieber, guter Allgemeinzustand.

Die Hosen gingen etwas schlecht ab. Fast wie wenn der Stoff gestärkt wäre.

Pharmama: „Sind das neue Hosen?“

Mutter: „Ja, die Jeans haben wir vorgestern gekauft.“

Ich nehme einen der Alkoholtupfer vom Blutzuckermessen und fahre damit über einen der blauen Flecke …. der auch prompt abgeht. :-)

Das ist also die Erklärung: die neuen Hosen färben ab. Im übrigen: man sollte (gerade bei Kindern) neue Kleider vor dem ersten Tragen waschen. Nicht nur wegen dem Abfärben. Die Kleider können tatsächlich Stoffe enthalten die Hautreizungen und Allergien auslösen – oft werden sie vor dem Transport und der Lagreung behandelt: als Schutz vor Pilzbefall, Knitterschutz, Farbschutz …

Apotheke ohne Toilette

Es titelt die Apotheke Adhoc: “Apotheker: kein Klo für Kleinkinder”

Situation: der Sohn gerade 2 Jahre und frisch ohne Windeln muss auf die Toilette. Die Mutter geht mit ihm in die Apotheke und die Angestellte in der Apotheke verweist sie auf das nahgelegene Kaufhaus, da sie selber keine öffentlichen Toiletten haben. Auf dem Weg dorthin ist es zu spät für den Kleinen, also wird das Geschäft auf dem Gehsteig verrichtet. … und hinterher wird im Internet das Ganze gross reklamiert.

Jaaa –  Auch wir haben nur eine Mitarbeitertoilette. Kunden lassen wir da aus verschiedenen Gründen nicht drauf … und verweisen Anfragen genau so auf das Kaufhaus nebenan. Das aus verschiedenen Gründen. Hauptsächlich: Die Mitarbeitertoilette ist für die Mitarbeiter (und wird auch von ihnen gereinigt), Kunden da drauf zu lassen (oder manchmal auch nur Angehörige) hat in der Vergangenheit schon verschiedene Male zu … Sauberkeitsmängeln geführt. Ausserdem ist die Toilette in den Hinterräumen, wobei man am Labor vorbeikommt und am Lager – das ist Nicht mehr der Kundenbereich, enthält sensible Stoffe (auch Chemikalien, unseren BG Schrank, Sicht auf geschäftssensible Daten)  und wer sich dort aufhält ist ein Mitarbeiter – oder muss in Begleitung eines Mitarbeiters sein. Ich brauche die Mitarbeiter aber vorne zum Beraten und Bedienen und nicht hinten am warten, bis jemand mit dem Toilettengang fertig ist.

Das gilt auch für Kleinkinder. Oh ja – ich weiss, wie schnell es manchmal gehen muss. Als der Junior frisch seine Windeln los hatte, da wusste ich, dass zwischen Ansage “ich muss mal” und der Tat nicht viel Zeit liegt, da das mit dem “Gschpüren” noch nicht richtig funktioniert. Auch ich habe schon den Einkaufswagen stehen lassen und bin mit ihm durchs Kaufhaus gerannt auf der Suche nach der nächsten Toilette. Und auf dem Spielplatz hat er das “kleine” Geschäft auch schon an einen Baum ganz hinten verrichtet. Ich denke, die Lösung zu dem Problem ist, dass man weiss, wo man eine Toilette findet – und wo nicht. Die Apotheke gehört definitiv zu “wo nicht”.

P.S. für die Schweiz gibt es auch eine App, wo man die nächste öffentliche Toilette findet. Natürlich gibt es noch mehr Toiletten: in grossen Kaufhäusern etc. Aber die ist hilfreich, wenn man weiss, dass man schneller mal eine finden muss: WC-Guide

Aber Frage an Euch: habt ihr denn eine Toilette in der Apotheke, die für Kunden zugänglich ist?

Könnten Sie sich das mal ansehen?

Ich habe zugegebenermassen einiges mehr Mühe, wenn ich Haut beurteilen soll und sie ist … dunkel. Ich sehe bei afrikanisch oder indisch-stämmigen Leuten einfach fast nicht, ob das jetzt entzündet ist oder nicht. Bläschen sind viel weniger gut sichtbar – am besten sehe ich noch, ob es trockene Schuppen hat. Manches spürt man auch besser, als dass man es sieht.

Ich bin sicher dass wenn man das häufiger hat, das auch besser geht, aber ich habe da einfach keine Übung.

Aber … für das nächste Mal wäre es eine wirklich sehr gute Idee, erst mehr zu fragen, was das sein könnte – statt die betroffenen Hände des Kindes gleich anzufassen … auch wenn die Mutter das Kind einem in die Arme drückt.

Vor allem, wenn es sich nach allem Nachfragen dann wahrscheinlich um einen Fall von Krätze handelt.

Oh – Ah – bitte gehen Sie damit zum Arzt. Und sagen ihm vorher, was ich vermute.

WO ist das Desinfektionsmittel?

Aber mal davon abgesehen: ist es nicht erstaunlich, was für Farben die Haut so haben kann?

allhuman

Mann und Frau

Mann und Frau an der Theke.

Er fragt nach der Pille danach, Sie schlägt vor, erst einen Schwangerschaftstest zu machen.

Ich empfehle dringend noch einmal miteinander zu reden …

Ein Schwangerschaftstest zeigt frühestens 6 bis 7 Tage nach dem Geschlechtsverkehr und erfolgreicher Befruchtung eines Eis an, die Pille danach können wir bis 72 Stunden = 3 Tage nach dem Geschlechtsverkehr abgeben.

Also: Wann genau war das denn? Und was wollt ihr?

So wie Er Sie ansah, gibt das noch Diskussionen. Sie sind dann verschwunden, ohne etwas zu kaufen.

Intimwaschmittel für Kinder?

Die Frau kommt forschen Schrittes in die Apotheke und fragt nach : “Intimwaschmitttel?“

Ich bringe sie zum passenden Regal und zeige Ihr unsere Auswahl: „Hier.“

Frau (beäugt die Auslage suchend): „Haben sie spezielle für Kinder? 2 Jährig.“

Pharmama: „Nein. Kinder brauchen auch noch kein Intimwaschmittel.“

Frau:Na, haben Sie eine Ahnung! Haben Sie also nicht?“

Pharmama: „Nein, keine speziellen. Wenn Sie unbedingt etwas wollen, können Sie von denen hier (zeige auf unsere Auswahl an Intimwaschmitteln, pH neutral, teils ohne Parfüms, teils in Tüchleinform etc.) nehmen – aber für Kinder ist eigentlich hauptsächlich nur Wasser empfohlen zum waschen … und nur in Ausnahmefällen wenig Waschmittel. Ich habe spezielle Waschmittel für Kinder. Spezielle Intimwaschmittel habe ich nicht.“

Die Frau sieht mich an, als habe ich ihr gerade erklärt, dass wir in der Apotheke keine Medikamente haben und geht.

Wohl um das woanders zu suchen.

Aber ehrlich: Intimwaschmittel für ein 2-jähriges?

Wiiieesoo?

Selbstbehandlung

Mutter in der Apotheke: “Mein 4 jähriger Sohn hat Ohrenschmerzen und ich habe ihm dagegen vor 3 Tagen Vicks* Vaporub auf einem Watteball ins Ohr getan – aber er klagt immer noch. Und vorher, als ich ihm die Watte entfernt habe ist noch so flüssiges oranges  Zeug herausgekommen. Denken Sie, dass etwas Zitronensaft direkt ins Ohr dagegen helfen würde?”

“Nein. Arzt. Jetzt!”

Armes Kind. Wirklich?!

*Wick Vaporub für die deutschen Leser – und, Nein, diese Anwendung kann ich nicht empfehlen.

wenn’s juckt und beisst …

Ein Mann kommt mit seinem Jungen in die Apotheke und verlangt ein Mittel gegen Schuppen und juckende Kopfhaut für seinen Sohn.

Ein Blick auf den Junior, der da steht und sich ausgiebigst kratzt … und ich verkaufe ihm lieber ein Lausschampoo und Kamm.

…. (Brrrr).

Muss das wirklich sein?

Der Vater regt sich auf, weil ich dem Arzt anrufen möchte um eine ungewöhnliche Dosierung bestätigt zu haben betreffend dem Nasenspray des Sohnes:

“Oh, das ist ja lästig. Wir haben schon so viel Zeit beim Arzt gebraucht und das hier ist einfach lächerlich. Er hat uns alles erklärt und auch gesagt, dass es etwas stark ist. Muss das wirklich sein?”

Pharmama: “Nun, ich will trotzdem nachfragen, ob der Arzt wirklich die hohe Dosierung wollte. Er hat nämlich nicht sic auf das Rezept geschrieben, wie er könnte.”

Also habe ich angerufen.

Und der Arzt hat die Dosierung halbiert.

So ha!

Jetzt fragt sich vielleicht mancher: Wegen Nasenspray? Ja. Es war auch nicht “gewöhnlicher” Nasenspray, sondern welcher, der Desmopressin enthält. Das ist ein Mittel, das dem Hormon Vasopressin entspricht. Es wirkt auf die Nieren und hemmt dort die Wasserausscheidung. Demnach wird es eingesetzt bei Diabetes insipidus, wo die Regulierung des Wasserhaushaltes nicht mehr richtig funktioniert und man oft und viel auf die Toilette muss.

Und ich weiss, wie lange das beim Arzt dauern kann und dass das (auch für die Eltern) nicht lustig ist. Aber was sein muss, muss sein.

Verwechslungsgefahr!

lebkuchenhausmedi

Als Eltern weiss man (oder besser: sollte man wissen), wie wichtig es ist Medikamente ausserhalb der Reichweite von Kindern aufzubewahren.

Trotzdem kommen in Amerika pro Jahr 67 Tausend Kinder ins Spital wegen unbeabsichtigten Vergiftungen mit Medikamenten. Und in der Schweiz sind es laut toxi.ch jährlich an die 5000 Beratungen wegen von Kindern versehentlich eingenommener Medikamente.

Medikamente und Süssigkeiten sehen aber auch teils ähnlich aus.

Im Bild oben ist ein Lebkuchen-Häuschen mit Süssigkeiten und das andere mit Medikamenten dekoriert.

Sehr anschaulich!

Quelle: East Tennessee Childrens Hospital

Wie stelle ich ein Rezept aus – Anno 1936 (7)

Aus dem Buch Rezeptierkunde – Leitfaden zum Verschreiben und Anfertigen von Rezepten von Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Das hatten wir schon:

Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (1) Einleitung

Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (2) Zusammenarbeit mit Apotheken

Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (3) – wie sieht das Rezept aus?

Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (4) – Anwendung und lateinische Formulierung

Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (5) – Dosierungsangaben und Aufschreiben von Arzneistoffen / Spezialitäten

Wie stelle ich ein Rezept aus – Anno 1936 (6) – wie finde ich die richtige Dosierung

und heute: Spezielle Dosierung bei Schwangeren und Kindern

Bei schwangeren Frauen denke man daran, dass die meisten Arzneien auch auf den Fötus übergehen. Auch bei stillenden Frauen ist es besser, tunlichst jede Arzneimedikation zu vermeiden, denn viele Arzneien gehen in die Milch über.
Bei Frauen und Greisen pflegt man überhaupt mit der Dosis herunterzugehen.

Durch die Einnahme der Arznei in verzettelter Dosis (dosis refracta) kann die Wirkung gesteigert werden (Bürgi), so dass man zuweilen mit kleineren Mengen auskommen kann …

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Aus heutiger Sicht ist das nur mehr als logisch. Wirkstoffe haben pharmakologisch gesehen 2 „Grenzen“, die man beachten muss – gemessen im Blutspiegel. Die untere Grenze ist der für die Wirkung benötigte Mindestspiegel, die obere Grenze ist der Spiegel ab dem es für den Körper giftig wird. Um zwischen diesen Grenzen zu bleiben ist es tatsächlich sinnvoll, Medikamente in mehreren (teils kleineren) Dosen zu verabreichen als einmal am Tag eine Riesen-Menge zu geben – je nach Stoff schiesst man da nämlich erst mal oben über die Toxizitätsgrenze und fällt dann – je nachdem, wie schnell das abgebaut wird – mehr oder weniger rasch wieder unter die Wirkgrenze.

Dann folgt ein längerer Exkurs über Die Dosierung in der Kinderpraxis.

Das Problem hier besteht noch heute: Man weiss noch immer bei vielen Medikamenten nicht wirklich, wie man die Dosieren soll – es gibt zuwenig Tests und wenig Erfahrensberichte bei den meisten.

So hinterlässt mich das Kapitel nicht viel weiser ..

Leider gibt es keinen richtigen, allgemein befriedigenden Schemata für die Arzneidosierung in der Pädiatrie. Einen gewissen Anhaltspunkt bietet das Körpergewicht …

Jung hat eine Formel aufgestellt, nach der die Menge folgendermassen berechnet werden kann:
Alter des Kindes /Alter des Kindes + 12

D.h. Ist das Kind 2 Jahre alt, dann ist seine Dosis: 2/2+12 = 2/14 = 1/7
= somit 1/7 der Dosis des Erwachsenen

Oder man gibt dem Kind soviel Zwanzigstel von der Dosis vom Erwachsenen als das Kind Jahre zählt.
Ein 2 jähriges Kind bekommt 2/20 = 1/10 der Dosis des Erwachsenen.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Man sieht schon: ein ziemlicher Unterschied. Viel mehr bringen auch die Tabellen, die er danach bringt nicht – verschiedene Ansätze, verschiedene Ergebnisse.

Von 1/8 bis 3/10 bis 1/5 der Erwachsenendosierung … alles Daten für 2 Jährige.

Und er warnt auch.

Bei der Anwendung dieser Formeln darf man aber nicht vergessen, dass das Körpergewicht und das Alter des Kindes keineswegs genügende Kriterien für die Dosierung sein können. Manche Arzneien werden vom Kinde besser vertragen als vom Erwachsenen in der entsprechenden Dosierung

Die folgenden Arzneien werden dem Kinde in entsprechend grösseren Dosen gegeben als dem Erwachsenen: Sulfanilamide, Avertin, Antipyrin, Natriumcacodylat, Belladonna, Bromide, Vitamin K, Vitamin D2 (Vaille Presse Medicale 1943)

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Es gbt aber durchaus auch das Gegenteil, auch wenn er da hier nicht darauf eingeht. Die Aufnahme und Verteilung ist beim Säugling nämlich auch anders als beim Kind und beim Erwachsenen. Der Darm ist noch anders aufgebaut, die Enzymaktivität im Körper ändert, Wasser-und Fettverteilung des Körpergewebes … es ist unglaublich komplex.

Am besten wäre es, wenn man in der Säuglings- und Kleinkinderbehandlung stets in refracta dosi ordinieren könnte. D.h. in wiederholten, tastenden kleinen Gaben bis zum Eintritt der Wirkung. Eine grosse Vorsicht ist auf alle Fälle bei der Säuglingsdosierung am Platze.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Und das kann ich unterschreiben. Damit beenden wir das heutige Kapitel Rezeptierende :-)