Pharmazeutisches Wissen (Rerun)

Ich habe schon ein paar Artikel zusammen, über das Wissen, dass wir in der Apotheke brauchen – und mehr. Die Artikel sind vor allem für Apotheker (oder andere Mitarbeiter im Gesundheitssystem) interessant, aber vielleicht findet sich auch etwas für den medizinischen nicht vorbelasteten – und sei es nur als Einblick, dass es oft nicht so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Wichtiges Wissen über Medikamente

Spezielle Medikamente

Generika - genauer hingeschaut

Wechselwirkungen und Interaktionen:

Die Arbeit der Apotheke am Beispiel Wechselwirkungen

Abhängigkeiten

Die Arbeit in der Apotheke

Für die Apotheke im Ort:

Diverses:

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Na, die für’s Herz!

Die freundliche, ältere Dame kommt in die Apotheke mit ihrem Einkaufszettel:

notiz

Herzkapseln also. Okay, welche denn?

Dame: “Ich habe ein Dauerrezept hier. Da sind sie drauf”

Das hilft natürlich enorm:

(Das sind die Medikamente von ihrem Dauerrezept)

drp

Also: “Für’s Herz” – mal sehen … der Blutverdünner? (Aspirin cardio, nimmt man zur Herzinfarktprophylaxe), oder das Blutdruckmedikament (Nifedipin?) oder gar der Cholesterinsenker (Atorvastatin – auch zur Herzinfarktprophylaxe) ?? Was darf’s denn sein?

Und zweites Problem: auf dem Einkaufszettel steht noch Alcacyl … ein frei verkäufliches Schmerzmittel. Das unglücklicherweise diverse Wechselwirkungen mit ihren Medikamenten vom Rezept hat. Speziell unangenehm: mit dem Blutverdünner zusammen riskiert sie Blutungen. Wir haben sie dann auf Paracetamol gewechselt.

Wie sag ich’s meinem Patienten?

Immer schwierig: Wechselwirkungen. Noch schwieriger: Wechselwirkunge bei Medikamenten wie Antidepressiva und Antipsychotika.

Leider gibt es gerade bei den erwähnten Medikamenten häufig welche … auch “wichtigere” wie Herzrhythmus-störungen und gegenseitige Wirkverstärkungen – letztere können auch gewollt sein, können sich aber auch in verstärkten Nebenwirkungen äussern.

Und viele, die das nehmen müssen haben schon eine kompliziertere Persönlichkeitsstruktur und Probleme mit Wechseln / neuen Medikamenten / Anpassungen und derartigem. Sie auf Wechselwirkungen aufmerksam zu machen (wie ich eigentlich sollte*) verwirrt sie oft noch mehr und verunsichert sie, so dass sie am Schluss die (nötigen) Tabletten doch nicht nehmen.

Was tun? Bisher habe ich es so gehandhabt, dass – wenn so etwas auftritt und das Medikament neu ist – ich dem Patienten erst mal sage, dass ich rasch noch etwas mit dem Arzt klären muss (ich sage nicht unbedingt was) … und dann das mache. Der Arzt soll dann – mit dem Wissen um die Wechselwirkung -entscheiden, wie wichtig es ist, dass der Patient informiert ist und ob er auf eine mögliche Wechselwirkung oder auch Nebenwirkung achten soll.

Also ist es ein bisschen ein Dilemma. Wie viel soll / kann ich sagen?

Und meine Kollegin ist da letztens ein bisschen “reingelaufen”. Sie hatte abends eine Patientin, die sich schon reichlich beunruhigt in der Apotheke präsentierte. Auf dem Rezept ein neues Antidepressivum zu ihren bereits vorhandenen. Bei Eingabe in den Computer zeigt dann auch eine schwerwiegende Wechselwirkung an – noch nicht kontrainduziert aber im Sinne von “von einer Kombination wird stark abgeraten”.

…. was soll ich schreiben? Den Rest könnt ihr dem Brief entnehmen, den ich dem Arzt auf dessen erboste Reaktion hin geschrieben habe. In seinem Brief  beklagt er sich darüber, wie wir die Patientin behandelt haben, speziell, dass wir ihr gesagt hätten, sie solle das Medikament nicht nehmen. Sie braucht für ihre Behandlung dringend das – und wie wir dazu kämen, sie zu verunsichern?

Sehr geehrter Herr Dr. …

Erstmals: vielen Dank für Ihren Brief. Ich nehme ihn als konstruktive Kritik gerne an.

Dann möchte ich mich entschuldigen, dass das so unglücklich gelaufen ist. Es liegt natürlich auch in unserem Interesse, dass die Patientin die bestmögliche Behandlung und Beratung bekommt.

Am betreffenden Tag arbeitete (meine Kollegin). Sie hat mir erklärt, dass die Patientin zu einem Zeitpunkt mit dem Rezept kam, an dem Sie nicht mehr erreichbar waren. Darum hat sie der Patientin erklärt, dass sie wegen einer Wechselwirkung erst mit Ihnen, dem Arzt Rücksprache nehmen möchte. Die Patientin hat darauf erklärt, dass sie das dann lieber selbst mit Ihnen besprechen möchte.

Wir haben also der Patientin nicht gesagt, dass sie das Medikament nicht nehmen soll. Wir haben ausserdem versucht, sie als verschreibender Arzt zu erreichen, respektive angeboten, es gleich am nächsten Tag abzuklären, was die Patientin abgelehnt hat.

Wir sind uns bewusst, dass ein sensibler Umgang vor allem auch mit depressiven Patienten wichtig ist und dass es wichtig ist, dass diese ihre Medikamente (regelmässig) nehmen. Leider können wir angezeigte Wechselwirkungen nicht vollständig ignorieren. In dem Sinne wäre es das nächste Mal vielleicht sinnvoll, etwas weniger Info an die Patientin zu geben – vor allem wenn der Arzt gerade nicht erreichbar ist.

Dennoch denke ich nicht, dass meine Kollegin falsch gehandelt hat. Falls Sie aber eine bessere Vorgehensweise vorzuschlagen haben, nehme ich diese gerne entgegen.

mit freundlichen Grüssen Pharmama

Vielleicht sage ich das nächste Mal in so einem Fall am besten “ich muss das Medikament erst bestellen, ab morgen habe ich es hier.” ?

* mehr zum Thema: die Arbeit der Apotheke am Beispiel Wechselwirkungen

Schnippisch

Pharmama: “Nehmen sie sonst noch andere Medikamente ein?”

(Ihr kennt das schon – das muss ich wissen, um eventuelle Wechselwirkungen abzuklären)

Kunde (schnippisch): “Ich nehme nur die Medikamente, die ich nehmen muss.”

Das ist keine Antwort auf meine Frage! Aber was er kann, kann ich auch:

Pharmama: “Okayyy … und was für welche müssen sie nehmen?”

Gelernt ist gelernt (2)

Vaseline ist kein guter Ersatz für KY Gel. - Schau nicht allzu überrascht, wenn deine Partnerin dir erklärt, dass sie schwanger ist, obwohl ihr ein Kondom benutzt habt.

Erinnern Sie sich daran, dass ich sie gewarnt habe ja nicht die Grapefruit Diät zu starten, wenn die Medikamente, die sie nehmen Nifedipin, Sortis, Zoloft und Valium sind?

Es ist keine sehr gute Idee, Isopropyl-Alkohol auf eine Windeldermatitis zu geben. Wenn Sie schon desinfizieren möchten, nehmen sie etwas sanfteres. (Aua!)

Wenn man Unterhaut-Fettgewebe, Muskel oder Knochen sehen kann … dann ist es KEIN Kratzer.

Sehr starke, stechende Schmerzen sollten das Zeichen für sie sein, dass sie einen Arzt aufsuchen – nicht, dass sie den Dritten Tag in Folge Ibuprofen oder Naproxen nehmen.

Mehr?

Aber bitte.

Wenn Sie ein Rezept bringen für ein Medikament -sagen wir mal Marcoumar -und danach noch ein Aspirin kaufen wollen und die Apothekerin Sie auf die (gefährliche) Wechselwirkung zwischen den beiden aufmerksam macht, sagen Sie: „Das macht nichts, ich will das trotzdem!“

Und wenn die Apothekerin sich dann weigert, ihnen das zu verkaufen, stürmen Sie aus der Apotheke, dann kommen sie nach 2 Minuten wieder zurück um weiter zu schimpfen.

Wenn auch der Kunde, der das ganze gezwungenermassen mitbekommen hat, Ihnen dann noch sagt, dass sie besser auf den Rat der Apothekerin hören, rufen sie noch in die Runde: „Ich mache ihnen einen Gefallen, indem ich diese Apotheke benütze! Aber von jetzt an, gehe ich nur noch in die (Discountapotheke), DIE stellen nie in Frage, was ich nehme!“

Und das ist natürlich viel besser für Sie.

Pharmazeutisches Wissen

Ich habe schon ein paar Artikel zusammen, über das Wissen, dass wir in der Apotheke brauchen – und mehr. Die Artikel sind vor allem für Apotheker (oder andere Mitarbeiter im Gesundheitssystem) interessant, aber vielleicht findet sich auch etwas für den medizinischen nicht vorbelasteten – und sei es nur als Einblick, dass es oft nicht so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Wichtiges Wissen über Medikamente

Spezielle Medikamente

Generika - genauer hingeschaut

Wechselwirkungen und Interaktionen:

Die Arbeit der Apotheke am Beispiel Wechselwirkungen

Abhängigkeiten

Die Arbeit in der Apotheke

Für die Apotheke im Ort:

Diverses:

Der Vorteil der Hausapotheke

Nein, nicht von der Zuhause, die man im Apothekenschrank hat, sondern die Apotheke, wo man nach Möglichkeit alle seine Medikamente holt …

Telefon von der Frau eines unserer Patienten. Sie ist beunruhigt, weil ihr Mann sich nicht wie er selbst benimmt und irgendwie “neben sich steht”.
Sie will wissen, ob das neue Antibiotikum, das er bekommen hat die Ursache dafür ist.

Ich schaue sein Dossier an.
Er nimmt Tegretol, ein Antiepileptikum (Carbamazepin)– und ist damit seit einigen Jahren stabil.

Das Antibiotikum das er neu nimmt? Erythromycin.
Das Problem ist, dass das Antibiotikum den Abbau von Tegretol in seinem Körper drastisch reduziert – was dann praktisch eine Überdosierung von Tegretol für ihn bedeutet. Kein Wunder benimmt er sich so seltsam, wegen der geringen Therapeutischen Breite (dem Bereich zwischen der noch wirksamen Dosis und der Grenze zur Vergiftung) müssen Antiepileptika genau eingestellt werden und bei Änderungen irgendwelcher Art muss man gut aufpassen.

Warum wir das nicht bemerkt haben?
Weil er das Antibiotikum nicht bei uns, sondern in einer anderen Apotheke eingelöst hat. Und verschrieben wurde es ihm nicht vom Hausarzt – der Ferien hatte – sondern im Notfall im Spital.

Was macht man in so einem Fall? Ich habe hier geraten das Antibiotikum zu stoppen und mit dem Arzt Kontakt aufzunehmen wegen einem Ersatz. … und es das nächstemal entweder bei uns beziehen und unbedingt zu sagen, dass er Antiepileptika nimmt.

“die Pille” und Wechselwirkungen

Orale hormonelle Kontrazeption (OC) – oder „die Pille“ ist die am häufigsten gebrauchte Verhütungsmethode.

Es gibt noch andere Verhütungsmethoden: Vaginalring. Hormonpflaster, Östrogenfreie Ovulationshemmer, Kupferspirale, Hormonspirale, Minipille, Dreimonatsspritze, Hormonimplantat, Kondome, Pille danach (letzteres nur als Notfall).

Die Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva ist bei korrekter Anwendung mit einem Pearl Index < 1 sehr viel höher als die anderen Verhütungsmethoden.

Trotzdem kommt es gelegentlich zu “Versagern”, einerseits, wenn sie nicht richtig genommen werden, andererseits, wegen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten – und an diese muss man denken – wir in der Apotheke, aber auch die Patientin selbst, die die Pille oder eine andere hormonelle Verhütungsmethode verwendet:

Diese Interaktionen sind wesentlich bei Oralen Kontrazeptiva, Hormonimplantaten, Pflaster und Vaginalring:

Antibiotika, Chemotherapeutika, Antimalariamittel:
Diese sind verantwortlich für viele ungewollte Schwangerschaften.
Sie beeinträchtigen die Wirkung der Verhütung, wobei  der Mechanismus nicht restlos geklärt. Störung des enterohepatischen Kreislaufs, und wenn sie Durchfall machen (eine häufige Nebenwirkung) ist die Aufnahme in der Körper gestört.

Bei Antibiotika-Therapie ist neben der “Pille” eine zusätzliche Anwendung nichthormonaler Methoden für die Zeit der Anwendung, sowie bis zu (7-) 14 Tagen danach zu empfehlen.

Probleme machen:

  • Penicilline (Amoxicillin, Pieperacillin, Benzylpenicillin, Phenoxymethylpenicillin, Flucloxacillin, Clavulansäre, Tazobactam)
  • Tetracycline (Doxycyclin, Minocyclin, Demeclocyclin,Lymecyclin, Tigecyclin)
  • Cephalosporine (Cefaclor, Cefazolin, Cefuroxim, Cefamandol, Cefotaxim, Ceftriaxon, Cefixim, Ceftibuten, Cefpodoxim, Ceftazidim, Cefprozil, Cefepim, Ceftobiprol)
  • Chloramphenicol
  • Sulfonamide (Sulfadiazin, Sulfamethoxazol – Cotrimoxazol, Sulfasalazin)
  • Nitroimidazole (Metronidazol, Ornidazol, Tinidazol)

Bei Makrolid AB (Azithromycin, Clarithromycin, Erythromycin, Roxithromycin, Spiramycin) ist die Datenlage nicht restlos geklärt

Tuberkulostatika
Rifampicin (zusätzlich noch Enzyminduktion, also werden die Hormone schneller abgebaut)

Antimykotika:
Griseofulvin

Antidepressiva:
Imipramin: (auch wegen Verstärktem Abbau)

Antihistaminika
Cimetidin- (auch wegen Verstärktem Abbau)

Antiepileptika:
Sind Enzyminduktoren (CYP3A4) und erhöhen den Abbau der Steroide in der Leber und im Gastrointestinaltrakt. Verminderter kontrazeptiver Schutz.

Müssen diese genommen werden, muss eine Barriere-Methode zur Verhütung bis 28 Tage nach Absetzen angewendet werden. Das ist wegen der Dauer-anwendung oft nicht möglich, dann kann man als Alternative eine Pille nehmen mit höherem Östrogengehalt. Oder ein anderes Antiepileptikum wählen.

Wirksamkeit der Pille vermindert bei: Carbamazepin, Phenobarbital, Primidon, Phenytoin, Oxacarbazepin, Felbamat, Topiramat(?).

Wirkung nicht beeinträchtigt bei: Valproat, Gabapentin, Levetriacetam, Lamotrigin, Tiagabin, Vigabatrin

Johanniskraut und Kontrazeptiva
Ein bisschen ein Streitthema, ob das jetzt wirklich einen Einfluss hat. In der Kombination traten vermehrt Zwischenblutungen auf. Abnahme der kontrazeptiven Wirkung ist wahrscheinlich.
Also: andere kontrazeptive Massnahmen (andere Verhütungsmittel wie Kondom, Spirale etc) oder andere psycho-pharmakologische Massnahmen (andere Therapie der Depression).

Und dann gibt es noch andere Einflüsse, die die Wirksamkeit der oralen Kontrazeptiva herabsetzen:

Magenetzündungen, Darmentzündungen, Zöliakie, Morbus Crohn, Mukoviszidose
Schädigen Magen- und Darm-Schleimhaut, Verringerte Resorption, verringerte Serumspiegel

Durchfall, Erbrechen: Verringerte Aufnahme im Darm, verringerte Serumspiegel

Starkes Untergewicht, Kohlenhydratarme und proteinreiche Diät – führen zu erhöhter Aktivität der P450 Enzyme, also stärkerem Abbau der OC

Rauchen: Induktion der P450 Enzyme

Alle Angaben ohne Gewähr…  Habe ich noch etwas vergessen?

Lakritze und Medikamente

Auf Wunsch einer “einzelnen Dame” :-) gibt es hier noch einen Nachtrag zur Serie “Wechselwirkungen zwischen Nahrungs- und Genussmitteln und Medikamenten” zum Thema Lakritze / Bärendreck/ Süssholzwurzelextrakt

Die Lakritze, auch Bärendreck genannt hat bei uns ein sehr hohes Ansehen als Süßigkeit und ist daher fast jedem bekannt. Lakritze wird aus der Pflanze Süssholz, lat. Glycyrrhiza glabra hergestellt. Verwendung finden die Wurzeln der Pflanze, welche im Herbst geerntet werden. Diese werden getrocknet und in der Medizin- und Süßwarenproduktion eingesetzt.

Wirkung von Lakritze:
Lakritz-Produkte können bei regelmäßigem Verzehr zu Bluthochdruck und Wassereinlagerungen im Gewebe führen. Glycyrrhizin, ein natürlicher Bestandteil des zur Lakritzgewinnung benötigten Süßholzsaftes, hemmt ein Schlüsselenzym im hormonell gesteuerten Mineralstoffhaushalt. Bei häufigem Genuss größerer Mengen wird der Harnfluss gesteigert und es drohen Veränderungen des Mineralstoffwechsels mit Kaliumverlusten und Natriumanreicherungen. Ein konstanter Kaliumspiegel ist aber sehr wichtig für Herz, Nerven und Muskeln. Symptome von Kaliumverlust: Muskelschwäche, langsame Reflexe, erhöhter Blutdruck und Müdigkeit.

Wechselwirkungen:
Da Lakritze dieselbe Wirkung hat wie ein Entwässerungsmittel, muss man bei Diuretika aufpassen:
Azosemid, Bemetizid, Bendroflumethiazid, Benzylhydrochlorothiazid, Bumetanid, Butizid, Chlortalidon, Clopamid, Cyclothiazid, Etacrynsäure, Etozolin, Furosemid, Hydrochlorthyazid, Hydroflumethiazid, Indapamid, Mefrusid, Metolazon, Piretanid, Polythiazid, Torasemid, Trichlormethiazid, Xipamid.

Auch Organempfänger sollen sich vor Lakritze hüten, eine Studie zeigt, dass die Süßigkeit im Körper die Aufnahme des Wirkstoffs Ciclosporin blockiert. Das Immunsuppressivum soll nach der Transplantation eines Organs die Abstoßungsreaktion der Körpers verhindern. Eine unterbundene Wirkung könne fatale Folgen haben.

Ausserdem gibt es erste Hinweise, dass die Anti-Baby-Pille die Empfindlichkeit für Glycyrrhizin erhöht. Dies ist insofern bedenklich, als Frauen ohnehin sensibler auf das Naturprodukt zu reagieren scheinen und schon die Pille allein zu Bluthochdruck und Wassereinlagerungen führen kann.

Rat:
Pillen-Anwenderinnen sollten vorsorglich auf den Genuss größerer Lakritzmengen verzichten. Dies gilt auch für Menschen mit Bluthochdruck (v.a. wenn Diuretika genommen werden) , Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und Lebercirrhose, sowie Schwangere und Organtransplantierte.

Das ist alles, was ich dazu gefunden habe. Wer noch mehr weiss, soll sich melden!

Tyramin und MAO-Hemmer

Achtung: Überarbeitet!!

Tyramin entsteht bei der Zersetzung von Eiweißen aus der Aminosäure Tyrosin und ist enthalten in Nahrungsmitteln, zu deren Fertigung Schritte wie Gärung oder Fermentation gehören, so z. B. viele Käsesorten, Rotweine oder Schokolade. Es ist des Weiteren Inhaltsstoff von Bananen und Misteln – in den Beeren letzterer sogar in giftiger Konzentration.

Tyramin wirkt Kreislaufanregend, Herzfrequenz steigernd und kann Migräne auslösen.

Bei einer gleichzeitigen Behandlung mit MAO-Hemmern wie im Antidepressivum Moclobemid (Aurorix, MocloA) oder den Parkinsonmitteln Selegilin (Jumexal) und Rasagilin (Azilect) könnte es wegen der Hemmung des Abbaus des Tyramins -eben durch die Monoaminooxidase- zu einer Anreicherung mit gegebenenfalls stark ausgeprägter Kreislaufwirkung bis hin zur Bluthochdruck-Krise, unter Umständen mit fatalen Folgen (Hirnblutung), führen. Man spricht dann vom sogenannten „Cheese-Effect“.

Tatsächlich steht in der Packungsbeilage von Aurorix dies:
Die Behandlung mit Aurorix erfordert keine Diätrestriktionen bei Patienten mit normalen Essgewohnheiten. Patienten wird geraten, auf die Einnahme grosser Mengen tyraminreicher Nahrungsmittel zu verzichten.

Und bei Selegilin, der ja ein selektiver MAO-B Hemmer ist, wenn auch ein irreversibler, steht gar dies:
Während der Selegilin-Behandlung in den empfohlenen Dosen wurde über keine hypertensive Reaktion (‘Cheese Effect’) beim Verzehr von tyraminhaltigen Lebensmitteln berichtet. Diätetische Einschränkungen sind daher nicht erforderlich.

Trotzdem hier die Lebensmittel, die bedenkliche Wechselwirkungen in Kombination mit MAO-Hemmern zeigen können, sind nicht nur solche mit Tyramin, sondern auch mit Histamin und Tyrosin (Auswahl):

  • Ananas (Tyramin),
  • Bananen (Tyramin),
  • Beeren – u. a. Blaubeeren etc. (Histamin),
  • Erdbeeren (Tyramin),
  • Chianti-Wein (Tyrosin),
  • Dill (Tyrosin)
  • Feigen (Tyramin)
  • Fenchelöl (Tyrosin)
  • Fisch (Tyrosin),
  • geräucherter Fisch (Histamin),
  • Geflügelleber (Tyrosin),
  • Joghurt
  • Käse (Tyramin & Histamin),
  • Muskatnuss (Tyramin)
  • Petersilie, (Tyramin),
  • Pferdebohnen (Tyrosin),
  • Rosinen (Tyramin)
  • Rotwein (Histamin),
  • Sauerkraut (Histamin),
  • Schinken (Histamin)
  • Schokolade (Tyramin),
  • Soja-Sauce (Tyramin)
  • Tomaten (Tyramin),
  • alkoholhaltige Speisen und Getränke (Bier, Wein etc.)(Tyramin)

Citrate in Limonade etc. und Medikamente

Teil 7 der Reihe Wechselwirkungen zwischen Nahrungs- und Genussmitteln und Medikamenten. Heute: Citrate

Limonaden, Obstsäfte, Wein, Brausetabletten enthalten Salze der Zitronensäure, so genannte Citrate. Schluckt man damit Medikamente, die Aluminiumsalze enthalten (z. B. die Antacida Riopan, Alucol), kann die
Aluminiumkonzentration im Blut ansteigen.

Mögliche Symptome: Anämie, Verwirrung, Krampfanfälle bis hin zum Koma. Aluminium steht außerdem im Verdacht, die Alzheimer Krankheit zu begünstigen.

Soviel zur Theorie. In der Praxis ist das eine Frage der Dosis: Wer nimmt Mittel gegen Magensäure und trinkt dann sofort viel Limonade? Kurzfristig sollte das kein Problem sein.
Aufpassen müssen höchstens Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und Kinder. Die sollten das nicht gleichzeitig einnehmen – ein Abstand bei der Einnahme löst auch hier das Problem.

… Mal abgesehen davon, dass Brausetabletten oder Kohlesäurehaltige Getränke sowieso nicht gut sind bei Magenbrennen und übersäuertem Magen.

Blutverdünner und Ernährung

So, die grossen Themen in der Reihe Wechselwirkungen von Nahrungs- und Genussmitteln mit Medikamenten haben wir abgehakt. Jetzt kommen wir zu den kleineren und manchmal kontrovers diskutierten Dingen.
Teil 6: Antikoagulation (Blutverdünner) und Nahrung:

Früher hat man gesagt, man muss aufpassen, was man isst, wenn man den Blutverdünner Phenprocoumon (Marcoumar) nimmt. Dem ist heute nur noch bedingt so:

Die Ernährung sollte unter einer Therapie mit Antikoagulantien vom Typ: Vitamin-K-Antagonisten (Marcoumar) in den Grundzügen gleich bleiben, ohne extreme Bevorzugung oder Ausschaltung bestimmter Nahrungsmittel. Es ist wichtig, die Ernährungsweise, unter welcher die Antikoagulantieneinstellung erfolgte, beizubehalten, insbesondere hinsichtlich des Verzehrs Vitamin-K-reicher Nahrungsmittel.

Vitamin K Gehalt in der Nahrung:

  • hohe Gehalte (> 100µg): Gemüse, insbesondere grüne, blattförmige Pflanzen (beispielsweise Blattspinat, Blumenkohl, Brokkoli, Grünkohl, Kopfsalat, Lauchgemüse, Rosenkohl, Sauerkraut, Soja, Zwiebeln)
  • mittlere Gehalte (10-100µg): Getreide, Eier, Kartoffeln und Fleisch
  • niedrige Gehalte (< 10 µg):  Fisch, Früchte und Milchprodukte.

Der Einfluss von Vitamin K-haltigen Nahrungsmitteln wird jedoch oftmals überschätzt.

Cumarinreiche Vegetabilien wie Waldmeister, Steinklee und Tonkabohnen sind hingegen zu meiden, weil die Blutverdünnung dann stärker ist.

Grössere Mengen Alkohol beeinflussen die Blutgerinnung ebenfalls.

Und nicht zu vergessen eine Menge Medikamente! Achtung bei Schmerzmitteln (nur Paracetamol macht keine Probleme) und einer Vielzahl anderer, v.a. rezeptpflichtiger Medikamente – hier ist eine Einstellung der Blutgerinnung und Überwachung wichtig.

Blutverdünner die man spritzen muss (Heparine wie Fragmin, Fraxiparin, Clexane) werden durch die Nahrung kaum beeinflusst. Sie können aber auch mit anderen Medikamenten Wechselwirkungen haben, v.a. solchen, die auch blutverdünnend wirkenden.

Milchprodukte, polyvalente Kationen und Medikamente

Nun also – wie gewünscht – Teil 5 der Reihe Wechselwirkungen zwischen Nahrungs- und Genussmitteln und Medikamenten

Zuerst ein bisschen Chemie: Polyvalente Kationen nennt man die mehrfach positiv geladenen Teilchen zu denen Calcium, Eisen, Aluminium, Magnesium oder auch Zink in Lösung werden: Ca++, Mg++, Fe++ oder Fe+++ etc.
Diese Kationen sind Bestandteil von Antacida sowie Mineralstoffpräparaten und werden häufig im Rahmen der Selbstmedikation erworben oder ärztlich verordnet.

Calciumsalze finden sich in etlichen Multivitamin- und Monopräparate, auf Rezept zur Osteoporoseprophylaxe. (Calcimagon, Calcium Sandoz, Calperos ..)
Eisenpräparate sind bei Eisenmangelzuständen indiziert, beispielsweise während oder gegen Ende der Schwangerschaft. (Maltofer, Tardyferon, Ferrosanol…)
Magnesiumpräparate dienen bei Magnesiummangelzuständen als Ersatz. In der Selbstmedikation werden sie häufig gegen nächtliche Wadenkrämpfe eingenommen. (Magnesium Biomed, Magnesium Diasporal, Mag2 …)
Präparate mit Zink sind indiziert bei Zinkmangelzuständen; (Redoxon mit Zink, Zinkvital…) Zink findet sich zudem in vielen Multivitaminpräparaten.
In Antacida sind neben Magnesiumionen auch Aluminium und Calcium enthalten. (Rennie, Alucol, Riopan,…)

Ausserdem muss man daran denken, dass auch Nahrungsmittel diese polyvalenten Kationen in grösseren Mengen enthalten können, z.B. das in Milch und Milchprodukten (Käse, Yoghurt, Quark) enthaltene Calcium. Oder calcium- und magnesiumreichen Mineralwässer.

Was alle diese polyvalenten Kationen machen ist, dass sie im Magen zusammen mit den Wirkstoffen in manchen Medikamenten Verbindungen eingehen, die schwer löslich sind. Und diese können danach nicht oder nur wenig in den Körper aufgenommen werden. Daraus folgt eine Wirkverminderung bis Wirkungsverlust.

Deshalb:
Abstand von 2 Stunden einhalten zwischen der Einnahme dieser Kationen- sei es in Medikamenten oder Nahrungsmitteln und:

  • Schilddrüsenhormone: Levothyroxin (Euthyrox, Eltroxin, Novothyral, Tirosynt)
  • Gyrasehemmer- Antibiotika (Ciprofloxacin, Norfloxacin)
  • Tetracyclin-Antibiotika (Doxycyclin, Minocyclin)
  • Bisphosphonate (Osteoporosemittel) wie Alendronat (Alendron, Fosamax) oder Etidronat (Bonviva)

Bei den Antacida (den Mitteln gegen Magenübersäuerung) wie Rennie, Riopan, Alucol etc sollte man sicherheitshalber diesen 2 Stunden Einnahme-Abstand auch mit anderen Medikamenten einhalten, da man hier nicht nur das Problem der Komplexbildung mit den Kationen hat, sondern wegen der Magensäureneutralisation auch eine Veränderung des pHs und damit verbunden eine eventuelle Veränderung der Wirkstoffaufnahme – meist auch eine Verschlechterung.

Übrigens: Bei den Tetracyclinen gibt es grosse Unterschiede wie sie durch die gleichzeitige Einnahme von Milch beeinflusst werden. Bei Doxyzyklin, Minozyklin haben wir eine bis ca. 30% verminderte Serumkonzentration – Aber: andere Tetracycline, die in der CH nicht im Handel sind, werden mehr beeinflusst: bis 70% Verminderung.

Der Grund liegt darin, dass Doxycyclin ist verhältnismässig gut lipidlöslich, darum scheint die Substanz auch als Calciumkomplex durch die Membranen zu diffundieren und aufgenommen zu werden.

Bei einigen Doxycyclin-haltigen Spezialitäten wird die Einnahme mit Milch zur Reduktion möglicher Magenbeschwerden empfohlen. Da frage ich mich, ob es nicht besser wäre, das Antibiotikum statt mit Milch einfach während dem Essen zu nehmen? Das sollte gegen eventuelle Magenbeschwerden genauso gut helfen und nicht so problematisch sein wegen den polyvalenten Kationen wie in der Milch.

Die Namen in den Klammern sind die in der CH zugelassenen Medikamente – es handelt sich um eine Auswahl, es gibt noch mehr mit den Wirkstoffen. Die Liste erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.