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Pharmazeutisches Wissen (Rerun)

Veröffentlicht am von pharmama

Ich habe schon ein paar Artikel zusammen, über das Wissen, dass wir in der Apotheke brauchen - und mehr. Die Artikel sind vor allem für Apotheker (oder andere Mitarbeiter im Gesundheitssystem) interessant, aber vielleicht findet sich auch etwas für den medizinischen nicht vorbelasteten - und sei es nur als Einblick, dass es oft nicht so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Wichtiges Wissen über Medikamente

Spezielle Medikamente

Generika - genauer hingeschaut

Wechselwirkungen und Interaktionen:

Die Arbeit der Apotheke am Beispiel Wechselwirkungen

Abhängigkeiten

Die Arbeit in der Apotheke

Für die Apotheke im Ort:

Diverses:

Na, die für's Herz!

Veröffentlicht am von pharmama

Die freundliche, ältere Dame kommt in die Apotheke mit ihrem Einkaufszettel:

notiz

Herzkapseln also. Okay, welche denn?

Dame: "Ich habe ein Dauerrezept hier. Da sind sie drauf"

Das hilft natürlich enorm:

(Das sind die Medikamente von ihrem Dauerrezept)

drp

Also: "Für's Herz" - mal sehen ... der Blutverdünner? (Aspirin cardio, nimmt man zur Herzinfarktprophylaxe), oder das Blutdruckmedikament (Nifedipin?) oder gar der Cholesterinsenker (Atorvastatin - auch zur Herzinfarktprophylaxe) ?? Was darf's denn sein?

Und zweites Problem: auf dem Einkaufszettel steht noch Alcacyl ... ein frei verkäufliches Schmerzmittel. Das unglücklicherweise diverse Wechselwirkungen mit ihren Medikamenten vom Rezept hat. Speziell unangenehm: mit dem Blutverdünner zusammen riskiert sie Blutungen. Wir haben sie dann auf Paracetamol gewechselt.

Wie sag ich's meinem Patienten?

Veröffentlicht am von pharmama

Immer schwierig: Wechselwirkungen. Noch schwieriger: Wechselwirkunge bei Medikamenten wie Antidepressiva und Antipsychotika.

Leider gibt es gerade bei den erwähnten Medikamenten häufig welche ... auch "wichtigere" wie Herzrhythmus-störungen und gegenseitige Wirkverstärkungen - letztere können auch gewollt sein, können sich aber auch in verstärkten Nebenwirkungen äussern.

Und viele, die das nehmen müssen haben schon eine kompliziertere Persönlichkeitsstruktur und Probleme mit Wechseln / neuen Medikamenten / Anpassungen und derartigem. Sie auf Wechselwirkungen aufmerksam zu machen (wie ich eigentlich sollte*) verwirrt sie oft noch mehr und verunsichert sie, so dass sie am Schluss die (nötigen) Tabletten doch nicht nehmen.

Was tun? Bisher habe ich es so gehandhabt, dass – wenn so etwas auftritt und das Medikament neu ist – ich dem Patienten erst mal sage, dass ich rasch noch etwas mit dem Arzt klären muss (ich sage nicht unbedingt was) ... und dann das mache. Der Arzt soll dann - mit dem Wissen um die Wechselwirkung -entscheiden, wie wichtig es ist, dass der Patient informiert ist und ob er auf eine mögliche Wechselwirkung oder auch Nebenwirkung achten soll.

Also ist es ein bisschen ein Dilemma. Wie viel soll / kann ich sagen?

Und meine Kollegin ist da letztens ein bisschen "reingelaufen". Sie hatte abends eine Patientin, die sich schon reichlich beunruhigt in der Apotheke präsentierte. Auf dem Rezept ein neues Antidepressivum zu ihren bereits vorhandenen. Bei Eingabe in den Computer zeigt dann auch eine schwerwiegende Wechselwirkung an - noch nicht kontrainduziert aber im Sinne von "von einer Kombination wird stark abgeraten".

.... was soll ich schreiben? Den Rest könnt ihr dem Brief entnehmen, den ich dem Arzt auf dessen erboste Reaktion hin geschrieben habe. In seinem Brief  beklagt er sich darüber, wie wir die Patientin behandelt haben, speziell, dass wir ihr gesagt hätten, sie solle das Medikament nicht nehmen. Sie braucht für ihre Behandlung dringend das - und wie wir dazu kämen, sie zu verunsichern?

Sehr geehrter Herr Dr. ...

Erstmals: vielen Dank für Ihren Brief. Ich nehme ihn als konstruktive Kritik gerne an.

Dann möchte ich mich entschuldigen, dass das so unglücklich gelaufen ist. Es liegt natürlich auch in unserem Interesse, dass die Patientin die bestmögliche Behandlung und Beratung bekommt.

Am betreffenden Tag arbeitete (meine Kollegin). Sie hat mir erklärt, dass die Patientin zu einem Zeitpunkt mit dem Rezept kam, an dem Sie nicht mehr erreichbar waren. Darum hat sie der Patientin erklärt, dass sie wegen einer Wechselwirkung erst mit Ihnen, dem Arzt Rücksprache nehmen möchte. Die Patientin hat darauf erklärt, dass sie das dann lieber selbst mit Ihnen besprechen möchte.

Wir haben also der Patientin nicht gesagt, dass sie das Medikament nicht nehmen soll. Wir haben ausserdem versucht, sie als verschreibender Arzt zu erreichen, respektive angeboten, es gleich am nächsten Tag abzuklären, was die Patientin abgelehnt hat.

Wir sind uns bewusst, dass ein sensibler Umgang vor allem auch mit depressiven Patienten wichtig ist und dass es wichtig ist, dass diese ihre Medikamente (regelmässig) nehmen. Leider können wir angezeigte Wechselwirkungen nicht vollständig ignorieren. In dem Sinne wäre es das nächste Mal vielleicht sinnvoll, etwas weniger Info an die Patientin zu geben – vor allem wenn der Arzt gerade nicht erreichbar ist.

Dennoch denke ich nicht, dass meine Kollegin falsch gehandelt hat. Falls Sie aber eine bessere Vorgehensweise vorzuschlagen haben, nehme ich diese gerne entgegen.

mit freundlichen Grüssen Pharmama

...

Vielleicht sage ich das nächste Mal in so einem Fall am besten "ich muss das Medikament erst bestellen, ab morgen habe ich es hier." ?

* mehr zum Thema: die Arbeit der Apotheke am Beispiel Wechselwirkungen

Schnippisch

Veröffentlicht am von pharmama

Pharmama: "Nehmen sie sonst noch andere Medikamente ein?"

(Ihr kennt das schon - das muss ich wissen, um eventuelle Wechselwirkungen abzuklären)

Kunde (schnippisch): "Ich nehme nur die Medikamente, die ich nehmen muss."

Das ist keine Antwort auf meine Frage! Aber was er kann, kann ich auch:

Pharmama: "Okayyy ... und was für welche müssen sie nehmen?"

...

Gelernt ist gelernt (2)

Veröffentlicht am von pharmama

Vaseline ist kein guter Ersatz für KY Gel. - Schau nicht allzu überrascht, wenn deine Partnerin dir erklärt, dass sie schwanger ist, obwohl ihr ein Kondom benutzt habt.

Erinnern Sie sich daran, dass ich sie gewarnt habe ja nicht die Grapefruit Diät zu starten, wenn die Medikamente, die sie nehmen Nifedipin, Sortis, Zoloft und Valium sind?

Es ist keine sehr gute Idee, Isopropyl-Alkohol auf eine Windeldermatitis zu geben. Wenn Sie schon desinfizieren möchten, nehmen sie etwas sanfteres. (Aua!)

Wenn man Unterhaut-Fettgewebe, Muskel oder Knochen sehen kann ... dann ist es KEIN Kratzer.

Sehr starke, stechende Schmerzen sollten das Zeichen für sie sein, dass sie einen Arzt aufsuchen – nicht, dass sie den Dritten Tag in Folge Ibuprofen oder Naproxen nehmen.

Mehr?

Aber bitte.

Veröffentlicht am von pharmama

Wenn Sie ein Rezept bringen für ein Medikament -sagen wir mal Marcoumar -und danach noch ein Aspirin kaufen wollen und die Apothekerin Sie auf die (gefährliche) Wechselwirkung zwischen den beiden aufmerksam macht, sagen Sie: „Das macht nichts, ich will das trotzdem!“

Und wenn die Apothekerin sich dann weigert, ihnen das zu verkaufen, stürmen Sie aus der Apotheke, dann kommen sie nach 2 Minuten wieder zurück um weiter zu schimpfen.

Wenn auch der Kunde, der das ganze gezwungenermassen mitbekommen hat, Ihnen dann noch sagt, dass sie besser auf den Rat der Apothekerin hören, rufen sie noch in die Runde: „Ich mache ihnen einen Gefallen, indem ich diese Apotheke benütze! Aber von jetzt an, gehe ich nur noch in die (Discountapotheke), DIE stellen nie in Frage, was ich nehme!“

Und das ist natürlich viel besser für Sie.

Der Vorteil der Hausapotheke

Veröffentlicht am von pharmama

Nein, nicht von der Zuhause, die man im Apothekenschrank hat, sondern die Apotheke, wo man nach Möglichkeit alle seine Medikamente holt ...

Telefon von der Frau eines unserer Patienten. Sie ist beunruhigt, weil ihr Mann sich nicht wie er selbst benimmt und irgendwie "neben sich steht". Sie will wissen, ob das neue Antibiotikum, das er bekommen hat die Ursache dafür ist.

Ich schaue sein Dossier an. Er nimmt Tegretol, ein Antiepileptikum (Carbamazepin)– und ist damit seit einigen Jahren stabil.

Das Antibiotikum das er neu nimmt? Erythromycin. Das Problem ist, dass das Antibiotikum den Abbau von Tegretol in seinem Körper drastisch reduziert – was dann praktisch eine Überdosierung von Tegretol für ihn bedeutet. Kein Wunder benimmt er sich so seltsam, wegen der geringen Therapeutischen Breite (dem Bereich zwischen der noch wirksamen Dosis und der Grenze zur Vergiftung) müssen Antiepileptika genau eingestellt werden und bei Änderungen irgendwelcher Art muss man gut aufpassen.

Warum wir das nicht bemerkt haben? Weil er das Antibiotikum nicht bei uns, sondern in einer anderen Apotheke eingelöst hat. Und verschrieben wurde es ihm nicht vom Hausarzt - der Ferien hatte - sondern im Notfall im Spital. ... Was macht man in so einem Fall? Ich habe hier geraten das Antibiotikum zu stoppen und mit dem Arzt Kontakt aufzunehmen wegen einem Ersatz. ... und es das nächstemal entweder bei uns beziehen und unbedingt zu sagen, dass er Antiepileptika nimmt.