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die falsche Anwendung (17)

Eine Geschichte aus Amerika:

Da war eine Frau, die das Trocknungspäckchen das mit dem Symbicort Inhaler kommt aufschnitt und es ins Mundstück des Inhalators gab – für ihren Mann zum inhalieren. Sie kam dann in die Apotheke um dem Apotheker zu zeigen, was sie getan hat und wunderte sich, dass das nur eines in der Packung hatte.

Sie konnte nicht lesen, was auf dem kleinen Päckchen stand, also sagte der Apotheker es ihr: „Nicht einnehmen!“

Sie sagt: „Aber das weiss ich doch, man inhaliert es!“

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Brrr.

Hier geht’s zu den falschen Anwendungen 1-16

 

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akustische Signale

Auf dem Rezept für die Stammkundin: ein Pulmicort Turbuhaler.

Ich sehe, dass sie das bisher noch nie gehabt hat bei uns, also bringe ich zum Original gleich noch das Demogerät mit … das neue Spielzeug. Das „Spielzeug“ ist ein vereinfachter Turbuhaler zum üben, der innen etwas hat, damit es pfeift, wenn man damit richtig inhaliert. Damit hat man eine akustische Kontrolle.

Ich gebe ihr also den Turbuhaler und frage sie: „Wissen Sie schon, wie man das anwendet?“

Kundin: „Ja das hatte ich vor ein paar Jahren schon einmal.“

Pharmama: „Oh, das ist gut. Darf ich es Ihnen trotzdem noch zeigen? Wie haben hier so tolles Demomaterial bekommen, wo man auch hören kann, wenn man richtig inhaliert. Das tönt dann wie eine Pfeife.“

Kundin: „Ja, sicher.“

Pharmama: „Also, Sie nehmen das Gerät in die Hand, drehen den Deckel auf und nehmen ihn ab. So.”

“Dann sieht das aus wie ihr Übungsgerät” (ich gebe ihr das Spielzeug).

“Jetzt drehen Sie den Ring unten erst in die eine, dann in die andere Richtung, bis es *klick* macht.“

Kundin *klickt*

“Dann atmen Sie ganz aus, nehmen das Gerät in den Mund und atmen da durch tief ein. Wenn wir ein Pfeifen hören, machen Sie es richtig.”

Sie nimmt das Gerät an den Mund und …. nichts. Das heisst, nicht ganz. Ich höre, dass ziemlich Luft durch geht, aber kein Pfeifen.

Sie und ich schauen etwas irritiert auf das Demogerät.

Pharmama: „Äh, haben Sie jetzt dadurch eingeatmet oder da durch geblasen?“

Kundin: „Oh, ich habe geblasen! Ich dachte, wenn es wie eine Pfeife ….“

:-)

Aber: Ja, ja … ich weiss wie’s geht!

(unbedingt auch die hier lesen: Die Anwendung von Inhalatorien und Pffft)

Demonstrierter Placeboeffekt

Die Frau kommt mit einem Rezept für Ventolin. Während sie wartet atmet sie schwer und hustet quer durch die ganze Apotheke und zieht damit viel Aufmerksamkeit auf sich, von Angestellten und Kunden.

Ich beeile mich.

Sie sagt: “Ich brauche das jetzt ganz dringend! Zeigen Sie mir rasch, wie man das anwendet!” 

Also stelle ich ihr Ventolin vor sie, hole das Demo Gerät und zeige ihr wie das geht: Schütteln, Deckel ab, ausatmen, ansetzen, gleichzeitig drücken und einatmen …

Die Frau greift sich das DemoGerät, inhaliert und … ihr scheint es sofort besser zu gehen! Kein Husten mehr, kein Keuchen, sie atmet auf ….

Alle schauen sie an.

Pharmama: „Äh, das war nur das Demogerät, ich habe ihr Ventolin noch gar nicht aufgemacht.“

Der Ausdruck auf ihrem Gesicht war unbeschreiblich.

Im Demogerät hat es keinen Wirkstoff drin, es sprüht aber wie das Original.

Prioritäten, Prioritäten …

Frau, die unglaublich nach Zigaretten stinkt kommt in die Apotheke mit einem Rezept für Ventolin Inhaler. Sie hat keine Krankenkassenkarte dabei und war noch nie mit einem Rezept bei uns.

Frau: “Dann zahle ich es halt. Wieviel?”

Pharmama: “Das macht 17 Franken und 5 Rappen.”

Frau: “Waaas? Aber … ich kann nicht atmen….!!”

Dann geht sie – ohne es genommen zu haben. Als nächstes sehe ich sie mit einem Riesen-Pack Zigaretten – einer sogenannten Zigarettenstange in der Plastiktasche an der Apotheke vorbeilaufen.

Ich könnte mich ja  irren, weil ich nicht rauche, aber … das hat sicher mehr gekostet als das Ventolin. Einiges.

Ja, ja. Prioritäten halt.

Pfffft!

Ältere Frau in der Apotheke: „Ich habe gestern dieses Ventolin von ihnen bekommen und ich denke, sie haben mir ein gebrauchtes gegeben. Da kommt nichts raus!“

Pharmama: „Lassen sie mich das mal anschauen.“

Frau: „Sie wissen schon, was sie da tun, oder? Das ist lächerlich! Der Inhaler ist brandneu!“

Ich nehme ihn aus der neuen Verpackung. Verfalldatum ist ok, das Gewicht auch …

Pharmama: „Zeigen Sie mir doch mal, wie sie in benutzen.“

Frau: Schüttelt ihn, hält ihn vor den Mund, atmet aus, atmet ein, drückt – Pfffft.

Ich verziehe keine Miene, nehme den Spray und entferne den blauen Deckel.

War ihr das peinlich.

Oh! Oh, eigentlich … weiss ich das! Das war wohl ein Hirnfurz von mir. Entschuldigen Sie vielmals die Störung.“

Abgang.

… erst jetzt erlaube ich mir zu lachen. Eigentlich hat sie es aber sonst wirklich perfekt gemacht. Nur der Deckel … :-)

Inhalatoren: Es ist sooo wichtig, dass man die richtig anwendet, sonst wirken sie nicht

Inhalation bei Erkältung

Unter Inhalation versteht man die Anwendung eines Arzneistoffes via die Lunge.

Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Bei Asthma oder manchmal auch bei Bronchitis mit Atembeschwerden benutzt man im Normalfall die fertigen Medizinprodukte in Form von Dosieraerosolen, Diskus oder Pulverinhalatoren. Das sind kleine Geräte, die beim Draufdrücken oder Einatmen durch das Gerät eine bestimmte Dosis Medikament abgeben: Im Normalfall Bronchien-erweiternde Mittel und/oder Cortison. Diese sind alle rezeptpflichtig.

Es gibt auch die Möglichkeit Mischungen via Vernebler zu inhalieren. Diese funktionieren nicht über Wärme sondern versprühen die Lösungen durch Druckluft oder Ultraschall in feine Tröpfchen, die dann eingeatmet werden können.

Die bekanntesten sind die Geräte von PARI. Dabei verwendet man ebenfalls Lösungen mit Bronchien-erweiternden Mitteln und/oder Cortison in einer 0.9% Salzlösung. Die Salzlösung und das Gerät (zum mieten oder kaufen) gibt es auch ohne Rezept, aber die Lösungen sind sonst nur via Arztrezept erhältlich.

Und dann gibt es noch das, was man bei Erkältungen macht: die Inhalation von leichtflüchtigen Substanzen (meist ätherischen Ölen) durch erhitzen und verdampfen in heissem Wasser.

Das kann man machen mit reinen ätherischen Ölen, Pflanzenauszügen wie Kamille, Eucalyptus, Thymian, Rosmarin, ev. sogar Lavendel (dann nimmt man einfach die Pflanzen in getrockneter oder Teeform) oder mit Fertigprodukten, die auch Mischungen aus ätherischen Ölen enthalten: Pulmex, Nasobol, Transpulmin, Vicks, Po Ho Öl, – dabei kann man ausser den Kapseln oder Tabletten durchaus auch die Erkältungssalben nehmen und die im heissen Wasser auflösen.

Achtung: Ätherische Öle sollten bei Kinder nur vorsichtig angewendet werden, weil manche mit Bronchospasmen reagieren – d.h. die Lungenwege ziehen sich krampfartig zusammen und sie bekommen keine Luft mehr. Unter 6 Monaten keine Erkältungssalben mit ätherischen Ölen benutzen (danach geht z.B. Pulmex Baby). Richtige Inhalationen erst ab etwa 6 Jahren – vorher besser nur mit Wasserdampf arbeiten.

Man hört gelegentlich von Salzwasserinhalation. Das müsste dann aber mittels Vernebler passieren, da Salze nicht flüchtig sind und im Wasser zurückbleiben (das Phänomen kennt man vom Haushalt wenn man etwas Salzwasser einkochen lässt). Anscheinend ist das aber manchen Ärzten noch nicht so bekannt.

Dr. House und der Inhalator

Grobe Übersetzung:

Patientin: „Ich habe Asthma. Die haben mir gesagt, wir kriegen das in den Griff, aber es ist überhaupt nicht besser geworden.“

Dr. House: „Also, manchmal machen Ärzte Fehler. … Sie benutzen einen Inhaler?“

Patientin: „Sicher, die ganze Zeit. Ich brauche etwa einen Inhaler pro Woche!“

Dr. House: „Sind Sie sicher, dass sie ihn richtig benutzen?“

„… warum zeigen Sie mir nicht mal wie das geht?“

Der Filmausschnitt stammt aus der Ärzteserie House, Season 5, Episode 11 – frisch aus Amerika. Wir dürfen noch etwas darauf warten. Mist.
Falls youtube mal wieder den Film entfernt hat: einfach auf youtube nach house und inhalator suchen, dann kommt er.

Die Anwendung von Inhalatoren

Es ist so wichtig, dass man mit den Kunden zusammen die korrekte Inhalation mit einem Inhalator übt.

Warum, zeigen die folgenden 3 Beispiele:

Kunde: „Dieser Inhalator, den sie mir gegeben haben wirkt nicht! Da ist kein Wirkstoff drin oder so!“

Apothekerin, nimmt das Dosieraerosol in die Hand, er ist vom Gewicht her noch voll. Bisher ist auch kein Rückruf eingegangen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Also fragt sie: „Könnten sie mir demonstrieren, wie sie ihn anwenden?“

Kunde (ärgerlich): „Natürlich, so wie immer!“

Apothekerin: „Bitte zeigen sie es mir.“

Kunde: nimmt den Inhalator, nimmt den Deckel ab, macht sein Hemd auf und sprüht sich eine Ladung auf die Brust …. „So!“

….

Für medizinisch nicht so bewanderte: Inhalatoren, Dosieraerosole, Inhalatorsprays, oder wie auch immer man sie nennen will, müssen zur Anwendung inhaliert werden, das heisst der Stoff muss in die Lunge, via die Atmung – nicht via die Haut!

Ähnliche Situation: Kundin, die das erste Mal den Dosieraerosol zum inhalieren hat, kommt wieder und sagt: „Der muss kaputt sein, da kommt überhaupt nichts vorne raus, wenn ich drücke.“

Als sie es demonstriert, wie sie es anwendet, zeigt sich, dass sie bisher vergessen hat den Deckel vorne abzunehmen.

….

Der beste aber (aus Amerika:)

Patientin nimmt regelmässig Symbicort 400.

Die Apothekerin revisiert ihre Medikamente mit ihr und fragt sie dabei, ob sie ihr demonstrieren kann, wie sie den Inhaler benutzt.

„Oh, das kann ich hier nicht.“ Sagt die Patientin.

Die Apothekerin schaut sich um und sagt: „Sollen wir in den Beratungsraum gehen?“

Patientin: „Das bringt nichts, ich habe ja meine Katze nicht dabei.“

Apothekerin: „Was???. Warum brauchen sie ihre Katze um mir zu zeigen, wie sie den Spray anwenden?“

Es stellt sich heraus, dass sie, weil man ihr gesagt hat, dass ihr Asthma durch die Katzenhaare ausgelöst wird sie den Inhalt ihrer verschiedenen Inhaler seit 7 Jahren auf die Katze sprayte (statt selbst zu inhalieren).

Sie schaute dann auch sehr ungläubig, als die Apothekerin ihr demonstrierte, wie man richtig inhaliert. „Und wie hilft das meiner Katze?“

Link mit Tips zur richtigen Anwendung von Inhalatoren