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Was kannst Du als Apotheker/in erwarten?

Bald schliesst eine neue Generation Apotheker ihr Studium ab (gratuliere Euch!), aber andere sind noch nicht so weit und überlegen sich vielleicht noch, ob das etwas für sie ist. In dem Zusammenhang höre ich häufiger diese Fragen:

Würdest Du wieder Apothekerin werden? Oder: magst Du Deinen Beruf?

Für mich hier und jetzt kann ich beide Fragen mit „Ja“ beantworten. Ich würde zwar nicht noch einmal das ganze Studium und die Ausbildung durchlaufen wollen – einerseits, weil das enorm anstrengend war, andererseits, weil ich nicht gern etwas doppelt mache. Aber für die Schweiz ist Apothekerin (immer noch) ein sehr attraktiver Beruf, der Verantwortung und Ansehen mit sich bringt.

Ich bin dankbar, dass uns hier nicht derart Steine in den Weg gelegt werden wie den Apothekern in Deutschland, die politisch faktisch zu Handlagern und Angestellten der Krankenkassen gemacht werden und denen immer mehr Verantwortung weggenommen wird … dabei könnten sie das genau so wie wir hier auch: Patienten beraten und betreuen. Die richtige Medikation (selber) aussuchen. Wir stehen wirklich noch im Patientenkontakt und sind nicht reine Dispensierer und Tablettenabzähler und Krankenkassen-Kontrolleure wie die Apotheker in den USA, die praktisch nur noch auf Verlangen nach vorne kommen um den Patienten zu beraten.

Natürlich gibt es auch hier immer mehr Bürokratie und immer mehr Dokumentation – aber uns lässt man die Patienten richtig anschauen und danach handeln (ob etwas selbst behandelt werden kann, oder zum Arzt muss), uns lässt man noch die Generika selber auswählen (nicht nur nach finanziellen Aspekten, sondern auch nach pharmakologischen!), wir tragen die Verantwortung und dürfen dem Patienten Vorbezüge machen (wenn der Patient das Rezept vom Arzt nachliefert). Wir dürfen Wiederholungen auf bestehende Rezepte machen und sogar ausnahmsweise einzelne rezeptpflichtigen Medikamenten ohne Rezept abgeben.

Was kannst Du erwarten, wenn Du Apothekerin wird?

  1. Erwarte keine traditionellen Arbeitszeiten. Wer eine Karriere in der Offizin-Apotheke verfolgt, versteht, dass auch der Apotheker (und die Apothekerin) als medizinische Fachperson und Angestellte im Gesundheitssystem im Normalfall keine 8 bis 5 Uhr Schichten zu erwarten hat. Durchgehende Arbeitszeiten ohne „offizielle“ Mitagspausen. Morgen – oder Abendschichten, teils verlängerte Öffnungszeiten, Samstagsarbeit und nicht zu vergessen Notfalldienste. Das geht im Normalfall gut, wenn man die Arbeitspläne möglichst lange vorher bekannt sind … dann kann man auch damit noch gut ein Sozialleben und sogar eine Familie haben.
  2. Erwarte, dass Du nie aufhörst zu lernen. Nach dem Studium ist nicht einfach fertig damit. Es kommen neue Wirkstoffe und Medikamente auf den Markt, altbekanntes wird aufgrund neuerer Erkenntnisse zurückgezogen (Erinnert sich noch jemand an Vioxx?), Vorschriften und Richtlinien ändern sich (früher waren die meisten Frauen in der Menopause auf Hormonpräparaten) und wenn man da nicht fast ständig am Ball bleibt, merkt man bald, wie sich das Unwissen akkumuliert. Irgendwann wird das peinlich und noch später gefährlich.
  3. Erwarte Änderungen im Gesundheitssystem – es bleibt nichts, wie es ist. Neben den neuen Erkenntnissen auf medizinischem Feld, ändert sich auch das des Systems. Früher musste man alles in der Apotheke zahlen und dann selber der Krankenkasse einschicken, heute ist das eher die Ausnahme. Dafür muss aber die Versicherungsdeckung praktisch zeitgleich überprüft werden. Früher gab es kaum Generika – heute immer weniger Originalpräparate. Und es gibt Vorschriften, wann man die zu empfehlen und abzugeben hat. Neue Vorschriften und Limitationen betreffend Medikamente – und deren Übernahme durch die Krankenkassen. Die Dokumentation wird wichtiger als die Herstellung. Jetzt kommen langsam die Elektronischen Rezepte und irgendwann kommt auch die Gesundheitskarte mit zentral gespeicherter Patienteninformation.
  4. Du musst nicht in die Apotheke stehen. Mit dem Pharmazie-Studium kannst Du auch andere Nischen finden. Es gibt Spitalapotheker, Apotheker in der Pharmaindustrie in Forschung und Herstellung und Apotheker in der Registrierung: wo die Medikamente und ihre Studien von den Behörden getestet und zugelassen werden.

Für die Zukunft hier … ich bin gespannt. Ich erwarte, dass die Arbeit des Apothekers auch weiterhin als wichtig angesehen wird und als zunehmend wichtige Stütze in unserem Gesundheitssystem (ich sag nur mal: Ärztemangel). Ich hoffe, dass wir mehr eingebunden werden in die Patientenbetreuung (zum Beispiel Einstellung und Kontrolle chronischer Beschwerden wie zum Beispiel des Blutdrucks) und dass wir in Zukunft auch selber impfen dürfen.

Dieser Beitrag wurde erstellt mit freundlicher Unterstützung (aber ohne Beeinflussung) von Pharmapro. Der Ort für jetzige und zukünftige Apotheker und wo sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer finden:

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Darf ich Ihnen einen Polymedikations-check anbieten?

Der Polymedikationscheck ist eine Dienstleistung in Schweizer Apotheken, die die Apotheken als direkter Leistungserbringer gegenüber der Krankenkasse auf ähnliche Stufe wie die Ärzte stellt.

Wer täglich mehrere Medikamente nehmen muss, verliert leicht den Überblick. Je mehr Medikamente desto schwieriger wird es, sie nicht nur zu nehmen, sondern auch sie richtig zu nehmen. Die richtige Menge zum richtigen Zeitpunkt – vor, zum, nach dem Essen, Morgens, mittags, abends, vor dem Schlafen, bei Bedarf…

Bei dem Polymedikationscheck nimmt sich der Apotheker (die Apothekerin) extra Zeit, zusammen mit dem Patienten seine Medikamente gründlich durch zu gehen.

Dabei wird angeschaut, weshalb ein Medikament genommen wird – gelegentlich findet sich wieder eines, das nur aus reiner Gewohnheit weiter verschrieben und genommen wurde, Manchmal lässt sich der Einnahmeplan vereinfachen, Manchmal findet man Wechselwirkungen, die einen Wechsel nach sich ziehen. Wichtig ist es auch zu zeigen, was passiert, wenn man ein Medikament vergessen hat zu nehmen, was man dann tun soll, wenn man es merkt – und bei welchen das wichtig und bei welchen das nicht ganz so schlimm ist.

Insgesamt soll dies die Einnahmetreue des Patienten verbessern helfen. Bei manchen Medikamenten reicht es schon eine einzige zu vergessen und es hat üble Auswirkungen.

Einmal im Jahr können wir das der Krankenkasse abrechnen – und brauchen kein Rezept vom Arzt dazu. Ab 4 Medikamenten während mindestens 3 Monaten genommen, übernimmt die Krankenkasse diesen Check.

In manchen Ländern wie Grossbrittanien ist der Polymedikationscheck (dort MUR Medicines Use Review genannt) sogar Pflicht, in anderen, wie Amerika auch nur Kür (dort heisst das CMR Comprehensive Medication Review)

Die Schweiz bietet den Polymedikationsscheck PMC seit 2010 an … bis jetzt aber eher zögerlich. Ich verstehe die Probleme, die die Apotheker damit haben: eine (neue) Dienstleistung zu verkaufen und eine im Wert von 48.60 Franken ist nicht einfach – das muss man manchen Patienten erst mal schmackhaft machen. Dazu kommt, dass man für etwas, das von der Krankenkasse übernommen wird nicht unbedingt Werbung machen darf – also fallen allgemeine Fernseh- Zeitschrift- und Radiowerbung weg. Bleibt nur noch die Leute direkt zu fragen – in der Apotheke. Aber es gibt ja noch andere Ideen:

Stellt Euch das vor, wir könnten ja dafür wie die Vertreter früher von Tür zu Tür gehen um es bekannter zu machen:

“Guten Tag! Hätten Sie heute Interesse an einem PMC? Ich könnte rasch hineinkommen und Ihnen meine Dienstleistung demonstrieren. Nur 15 Minuten ihrer Zeit für ein gesünderes, glücklicheres Sie. Blick auf die Packung Sortis auf dem Küchentisch Ah, ich sehe, Sie nehmen ein Statin. Haben Sie gewusst, dass …? (Tür schlägt zu)

“Guten Tag liebe Frau. Kann ich Ihnen zeigen, wie praktisch so ein PMC ist? Damit kann es Ihnen im Nu besser gehen! Nehmen Sie zu viele Medikamente? Haben Sie Wechselwirkungen von all den Tabletten, die Sie 6 x täglich nehmen müssen? Verspüren Sie Nebenwirkungen? Mit dem PMC können wir all diese unangenehmen Nebeneffekte reduzieren, Sie müssen weniger Medikamete nehmen und so können Sie den Tag besser geniessen. Darf ich hinein kommen?” (Tür schlägt zu).

Oder richtig mutig:

“Gehören Sie zu den vielen, die vielleicht demnächst sterben werden? Ich bin der Syrio Forel der Apotheke und ich sage: „Nicht heute!“. In nur 15 Minuten ihrer Zeit kann ich ihnen zeigen, wie praktisch der PMC ist und wie ich mit seiner Hilfe auch ihr Leben retten kann!” Ich höre: Brutus! Fass!) und renne um mein Leben …

Oder vielleicht so:

“Haben Sie Medikamente? Kann ich ihnen helfen, sie richtig zu nehmen?”

Echt, ich finde das PMC eine sehr gute Sache … ich bin einfach nicht gut darin, das zu verkaufen. (Und das oben sollte kein Hinweis an meine Arbeitgeber sein, das so einzuführen!). Ich weiss, wie wichtig das ist – es hängt auch davon ab, dass gezeigt wird, dass das einen positiven Effekt hat, damit es auch weiterhin von der Krankenkasse übernommen wird. Die Tatsache, dass die anscheinend schon bei einigen eingesandten PMCs als „nicht genügend“ reklamiert haben (und offenbar nicht bezahlt?) hilft mir da auch nicht.

Vielleicht ist das ein Aufruf an die Patienten da draussen: Das gibt es, das ist eine gute Sache, das ist die Gelegenheit die Medikamente mal zusammen mit einer Fachperson, die sich richtig Zeit nehmen kann durch zu gehen und anzuschauen, ob man da nicht etwas vereinfachen könnte, ob es Probleme damit gibt und wie man die umgehen kann.

Ich finde, das sollte man nutzen.

Also: fragt in der Apotheke danach. Auch damit sich die Apothekerin nicht wie eine Bittstellerin vorkommen muss.

Info des Apothekerverbandes über den PMC: http://www.pharmasuisse.org/DE/dienstleistungen/themen/seiten/polymedikationscheck.aspx

Ein Apotheker ist nicht Erfüllungsgehilfe des Arztes

ein Apotheker ist „nicht der Erfüllungsgehilfe des Arztes“, der sich auf seine ärztliche Therapiehoheit berufen könne. Arzt und Apotheker bildeten vielmehr eine „Behandlungsgemeinschaft“, woraus sich für den Apotheker eine formale und auch eine inhaltliche Prüfungspflicht ergibt, bevor ein Apotheker ärztlich verordnete Rezepte bedienen darf.

Ja – derartiges habe ich auch schon geschrieben – zuletzt in der Umfrage auf dem Blog, ob man bei einem Rezept mit Unklarheit in der Diagnose den Arzt anrufen und nachfragen sollte.

Obiges Zitat stammt übrigens aus einer aktuellen Urteilsverkündung aus einem deutschen Fall. Im langjährigen Gerichtsfall wurde ein Apotheker angeklagt und jetzt auch verurteilt

Ich finde den Fall etwas unglücklich und sympathisiere mit dem Apotheker, dem selbst das Gericht ein recht mildes Urteil auferlegt hat –

Verurteilt wurde er wegen unerlaubten Handelstreibens durch Abgabe von Betäubungsmitteln, Beihilfe zum unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sowie Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente ohne Rezept zu drei Jahren Haftstrafe. Er behält aber seine Berufsbewilligung und kann danach weiter arbeiten.

Das hört sich jetzt reichlich übel an, aber man sollte den Hintergrund der Geschichte mit einbeziehen:

Der Apotheker (übrigens in meinem Alter) hat vor etwa 15 Jahren die Apotheke seines Vaters übernommen (das muss dem Fall sehr bald nach dem Studium passiert sein). Im selben Haus ist eine Arztpraxis mit einer Genehmigung für die Substitutionsbehandlung von bis zu 100 Patienten. Der Arzt hat Betäubungsmittelrezepte ausgestellt – und der Apotheker hat sie beliefert. Auch nachdem ihm mit der Zeit auffallen musste, dass da einiges nicht stimmte: die Höchstmengen wurden ohne entsprechende Kennzeichnung überschritten, die vorgeschriebenen Einnahmehinweise für den Sichtbezug gab es nicht. Auf Privatrezepten wurden für Erwachsene (noch vor der Zulassung dafür) grosse Mengen Ritalin verordnet. Die Medikamente wurden direkt in die Praxis geliefert – die neben der Substitutionsbehandlung einen florierenden Schwarzmarkthandel für die Medikamente aufzog.

Während der polizeilichen Vernehmung hat der Apotheker übrigens ausgesagt, mehrfach den Kontakt zum Arzt gesucht zu haben, von diesem jedoch äußerst herrisch abgewiesen worden zu sein.

Offenbar war er dadurch derart eingeschüchtert, dass er dann einfach weiter die Rezepte belieferte – und das macht ihm das Gericht zum Vorwurf: er hätte den Arzt melden müssen … oder zumindest die Abgabe verweigern.

Zum Verhängnis wurde ihm bei dem Gerichtsfall aber noch etwas anderes: eine PTA in der Apotheker, deren Mann offenbar ein bekannter Drogenhändler war, bestellte und lieferte diesem kilogrammweise Lidocain. Die Mitarbeiterin will ihren Chef um Erlaubnis gebeten haben – mit Verweis auf einen angeblichen Schwager, der in Bosnien als Arzt arbeitet. Insgesamt gingen 350 kg Lidocain über den Ladentisch – die dann zum Strecken von Cocain verwendet wurden. Lidocain selber darf eigentlich verkauft werden, aber nicht, wenn das danach zum Herstellen (oder hier Strecken) von Drogen verwendet wird. Die Menge Lidocain ist denn auch den Behörden aufgefallen, die daraufhin die Apotheke überwachte und dem Apotheker wurde schliesslich zum Verhängnis, dass er in Ferienabwesenheit der PTA selber 20kg Lidocain bestellt und verkauft hat – zum Einkaufspreis.

Überhaupt … der Apotheker war alles andere als geschäftstüchtig: während der Arzt (gegen den ein separates Verfahren am laufen ist) einen luxuriösen Lebensstil führte, soll dieser die Medikamente nach vorläufigem Kenntnisstand nie bezahlt haben. Ein sechsstelliger Betrag wäre dann noch offen.

In der mündlichen Urteilsbegründung wurde festgestellt, die Initiative sei nicht von dem Apotheker ausgegangen und er habe auch keinen persönlichen Vorteil gehabt, sondern sogar „draufgezahlt“. Das Gericht gehe davon aus, dass keine Wiederholungsgefahr vorliegt und der Verurteilte bereits seit langem alle Gesetze und Vorschriften exakt einhält.

„Wert“ war es das ganze sicherlich nicht. Aber (um etwas positives darüber zu sagen) zumindest zeigt es, dass wir Apotheker unseren Beruf (und die damit verbundenen Kontroll-Aufgaben) wirklich ernst nehmen sollten und dafür einstehen, wenn uns bei einem Rezept etwas seltsam vorkommt. Wir sind eben nicht bloss die Erfüllungsgehilfen des Arztes … schön, dass das hier so deutlich gesagt wird.

Quellen: Husumer Nachrichten: 3 Jahre Haftstrafe für Apotheker und Apotheke-ad-hoc: Apotheker hätte Arzt stoppen müssen

Was kommt da so gut verpackt?

verpackung

Jemand der raten will?

Lösung: Ein Steller mit Ohropax (das sind Stöpsel für in die Ohren gegen Lärm) <-(anmalen mit der Maus, dann sieht man es). So ein Overkill!

Werde ich demnächst durch einen Roboter ersetzt?

Der Frage ging eine Gruppe Forscher nach. Maschinen können ja heute schon erstaunliches – und da wird weiter-entwickelt. Alles werden sie dennoch nicht können. Ein Job ist umso sicherer vor Automatisierung je mehr man dabei mit (eigenen) Lösungen auf Probleme aufwarten muss, es nicht ohne persönlichen Kontakt mit anderen Menschen geht, man Verhandeln muss und je weniger man sich dabei in enge Stellen quetschen muss …

Daraus haben die Forscher dann eine Formel entwickelt und die sagt, dass ich als Apothekerin …

pharmarobo

Yay – … nur eine 1.2 % Chancen habe in dem nächsten 20 Jahren durch einen Roboter ersetzt zu werden. Naja – Roboter gibt es in der Apotheke ja schon … aber die sind dann wirklich nur für den Teil “in enge Stellen quetschen” und die Ware rausholen zuständig.

Nicht so schön steht es um meinen Mann, der Mechaniker ist:

mechrobo

Hoppala – naja, in dem Fall gut, ist er selbstständig (und hat noch eine Frau, die arbeiten kann).

Wer selber nachschauen will, wie es um seinen Job steht, kann das hier: Will Your Job Be Done By A Machine?

(Ah ja – das sind natürlich grobe Schätzungen … und es können sich noch einige Sachen verändern, ausserdem gingen sie von den Verhältnissen in den USA aus), aber es ist doch Interessant zu sehen, wie sich manche die Zukunft vorstellen. … Jetzt bist Du vorgewarnt ;-)

Weil’s so schön war:

whatsapp

Ganz wichtig: auch mal sagen, wenn etwas gut war!

Das gilt für Mitarbeiter und Angestellte – und ist besonders schön, wenn es auch mal vom Kunden / Patienten kommt.

In dem Sinn: einen guten Start in die Woche Euch allen!

Ist das das richtige?

Diese Frage kam vor ein paar Tagen auf Facebook bei einer anderen Apothekerin auf:

Scheinbar gesunde Frau kommt mit Rezept über Cefuroxim 500 12 Tbl.


”Soll es für die Blase sein?” frage ich.


“Nein, meine Beine sind so schlapp. Ich habe einen grippalen Infekt.” antwortet die Frau.


“Haben Sie auch Fieber oder andere Beschwerden?”

“Nein, nur müde Beine.”

Ich bin jetzt echt sprachlos, was soll man da Beraten??????
 “Der Doktor hat Ihnen großen Mist aufgeschrieben. Ich empfehle Ihnen ….. “ geht ja nun auch nicht.

Kleine Erklärung vorneweg für medizinische Laien: Cefuroxim ist ein Breitband-Antibiotikum. Es wirkt gegen Infektionen mit Bakterien. Gegen Viren wie bei den meisten Erkältungen nützen sie auch gar nichts. Es sollte nur eingesetzt werden, falls wirklich nötig – und nach Möglichkeit auch spezifisch gegen empfindliche Bakterien.  Der Grund dafür ist auch, dass sich Resistenzen bilden können – dann wirkt das Antibiotikum irgendwann nicht mehr. Als Antibiotikum hat es auch klassische Nebenwirkungen, da es häufig nicht nur die Bakterien kaputt macht, die es bekämpfen soll, sondern auch die, die nützlich für uns sind – zum Beispiel im Darm. Darum gibt es häufig Durchfall. Oder die in der Vaginalflora, darum gibt das nach Antibiotikumgabe gelegentlich Pilzinfektionen dort. In keiner Packungsbeilage wird sich aber finden, dass das gegen müde Beine wirkt. Und vom Wirkmechanismus her ist es auch nicht „off label“ dafür sinnvoll einzusetzen.

Also zurück zum Fall: Der Arzt verschreibt etwas, das keinen Sinn macht / nicht für diese Anwendung zugelassen ist … und in der Apotheke wird das bemerkt. Da gäbe es noch mehr Beispiele: Hustenmittel, obwohl kein Husten vorhanden, sondern nur Halsschmerzen, Tamsulosin (Mittel gegen benigne Prostatahyperplasie) bei einer Frau oder Silbertraubenkerzenextrakt (Mittel in der Menopause) bei einem Mann …

Wie soll man reagieren?

Man will ja nicht den Patienten gegen den Arzt aufhetzen. Oder den Arzt gegen die Apotheke aufbringen. … das spiegelt sich dann in Kommentaren der Apotheker wieder wie:

Den Doc muß ich dafür nicht anrufen. Der meint das schon ernst.

Und der Arzt blafft einen dann an “Ich hab mir schon was bei der Verschreibung gedacht”…. Danke für das nette Gespräch!

Ja, der Arzt hat das Verschreibungsrecht. Ja, er hat sich dabei wahrscheinlich etwas gedacht. Es gibt so etwas wie “off label use”  – das Tamsulosin zum Beispiel wird gelegentlich bei Harnsteinen auch bei Frauen eingesetzt, damit die besser abgehen. Vielleicht hat er auch nur etwas aufgeschrieben, weil der Patient unbedingt etwas wollte – und es einfach nichts gescheites gibt. Dann ist das wohl eine Art modernes Placebo.

Aber ich finde in so einem Fall, wo auffällt, dass Medikament und für was es wirken soll (die Indikation) einfach nicht zusammenpassen, da sollte die Apotheke den Arzt anrufen und nachfragen. Dafür sind die Apotheken da. Wir sind nicht nur Medikamentendispenser, wir sind medizinische Fachpersonen und unsere Aufgabe ist es sicher zu stellen, dass das richtige Medikament beim richtigen Patient landet und richtig angewendet wird. Das 4 Augen Prinzip hat seinen Grund.

Und ich finde, wenn der Arzt sich dabei was gedacht hat – dann kann er uns das „was“ ja auch sagen. Oder?

Das ist meine Meinung. Aber jetzt hätte ich gerne Eure Meinung dazu – in 2 kleinen Umfragen:

(Bitte besucht den Post um daran teilzunehmen!)

Für die Fachperson (Apotheker / Pharmaassistentin / PTA):

Für medizinische Laien / Patienten:

Und für die Ärzte habe ich den nächsten Post, wo sie sich auch gerne äussern dürfen.

Ein Grund mehr rechtzeitig zu schliessen ….

… man wird sonst verklagt.

Am 20. Dezember 2014 lief der Weihnachtsverkauf auf Hochtouren. So befanden sich in einem Luzerner Kosmetikgeschäft um 16 Uhr, als die Filialleiterin die Ladentür schloss, noch einige Kunden im Laden, welche ihre Einkäufe bezahlen wollten. Zwei Polizisten in Zivil, die um 16.15 Uhr um Zutritt in den Laden baten, kannten keine Gnade, wiesen das Personal zurecht und verzeigten das Geschäft.

Nett.

Gefunden unter den Kandidaten für den Rostigen Paragraphen – wo das unnötigste Gesetz oder der ärgerlichste Entscheid  gesucht wird. (Zu finden und abzustimmen hier).

Kosmetikgeschäft steht da – aber irgendwo habe ich gelesen, das war eine Drogerie. Wie auch immer: Ich mach jetzt zu, bitte gehen Sie, ich will keine Strafe zahlen müssen … Ich versuch’ das mal morgen Abend.

Aufstellende Mitarbeiter

Es ist etwas doof, wenn grad 2 gute Mitarbeiter gleichzeitig krank sind (gute Besserung, Euch beiden!).

Auch unschön ist, wenn es dann noch “so ein Tag” ist … Ihr wisst schon: es harzt bei den kleinsten Dingen, man hat das Gefühl, man macht alles zwei- oder drei-Mal, weils beim ersten Mal aus irgendeinem Grund nicht klappt und dann sind die Kunden und Patienten auch noch super-ungeduldig, hören nicht zu, wenn man etwas wichtiges sagt/fragt … Etceterapepe.

In dem Moment, als ich wirklich genug hatte, erschien plötzlich dieses Wunderding vor mir:

Ein Cupcake!

Und das war so was von fein!

Gemacht am Tag vorher von der einen Mitarbeiterin, die es auf einmal gepackt hat welche zu machen – und sie uns mitzubringen. Und gebracht von der anderen Mitarbeiterin, die wohl meine “Notsituation” richtig erkannt hat :) – perfektes Timing!

Ich hab echt die allerbesten Mitarbeiter und Kolleginnen! (Gilt für anwesende und grad kranke) … So macht das Arbeiten Spass.

Bingbong

Spätabends. Zeit zum schliessen und meine Pharmaassistentin räumt das Strassenschild hinein, fährt die Computer nach unten, räumt die Kassen nach hinten … Normalerweise helfe ich ihr dabei, aber heute bin ich noch an einem wichtigen Telefon im Büro.

„Ich mach das Licht aus!“ sagt sie und schliesst auch die Türe. Nur zu, nicht ab – denn in ein paar Minuten gehen wir sowieso beide raus.

„In Ordnung!“ rufe ich – „ich bin noch ein paar Minuten hier am Telefon“

Sie geht nach hinten, sich umziehen.

„Bingbong!“ macht es nach kurzer Zeit.

Das ist die Türe.

Ich schaue um die Bürotür herum nach vorne in den dunklen Laden und sehe nur knapp die Türe noch zuschwingen, aber sonst niemanden.

Seltsam. Meine Kollegin wird doch nicht gehen ohne mir noch mal ‚Tschüss’ zu sagen? Ich bin immer noch am Telefon, momentan in der Warteschleife.

Da höre ich meine Pharmaassistentin:

„Hallo?!? Wir haben geschlossen!“

… (die Antwort höre ich nicht, nur wieder sie)

„Nein. Jetzt kann ich ihnen nichts mehr verkaufen. Die Kassen sind weggeschlossen, die Computer unten …“

…(unverständliches von weiter weg)

„Nein! Auch „nur kurz“ nicht. Es geht jetzt nicht. Morgen wieder. Bitte gehen Sie!“

„Bingbong.“

Sie kommt zu mir ins Büro.

„Hast Du das mitbekommen? Die ist in den stockdunklen Laden gelaufen, fast noch über den Strassensteller gestolpert, den ich extra hinter der Tür platziert habe. Hat sich in Ruhe umgeschaut und als ich aufgetaucht bin, umgezogen, in Strassenkleidern … wollte sie eine Nachtcreme ….“

Wir schütteln beide den Kopf. Leute.

Aber von jetzt an wird die Türe ganz geschlossen. Schon vorher.

Ihr könnt das. Die Pille danach in Deutschlands Apotheken

Ab Heute ist es so weit und die Apotheken in Deutschland dürfen die Pille danach ohne Rezept abgeben.

Eine eigentlich wirklich gute Sache – eine Erleichterung für die Frauen, wo die Verhütung aus irgendeinem Grund versagt hat. Jetzt müssen sie dafür nicht mehr von Pontius zu Pilatus laufen.

Es ist auch nichts weltbewegend Neues: in anderen Ländern ist das schon länger so. Eure Nachbarn die Schweizer und Österreicher winken hier jetzt freundlich. (huhu!)

Trotzdem scheinen sie sich in Deutschland speziell schwer damit zu tun. Ein Grund dafür ist sicher die etwas seltsam abrupte Einführung. Erst Jahrelange Diskussionen … und dann geht es innerhalb von ein paar Wochen doch.

Ich möchte den deutschen Apothekern hier etwas Mut machen: Ihr könnt das.

Auch wenn manche Ärzte ihre Bedenken, dass ihr da richtig beraten könnt äussern: Ihr könnt das. Es ist nicht Hirnchirurgie. Es geht um die Abgabe von einem Medikament und die richtige Beratung dazu. Tatsächlich gehört die Pille danach eher zu den Medikamenten, die nicht so problematisch sind. Man muss manche Dinge vor der Abgabe abklären – das macht dann (bitte!) wirklich der Apotheker, der auch weiss, was und warum er das fragen muss. Inzwischen gibt es auch Vorlagen dafür. Sehr freundlicherweise hat hier Astrid (deutsche Apothekerin) eine zur Verfügung gestellt, die sie für ihre Apotheke aus verschiedenen Quellen zusammengestellt hat: Arbeitsanweisung Pille danach-1 (Klick auf den Link lädt die odt Datei herunter)

Passt das für Eure Apotheke an, folgt dem, dokumentiert Eure Beratung, dann macht ihr es richtig.

Im übrigen: der von den Frauenärzten gerne zitierte eventuelle Wirkungsverlust bei übergewichtigen Frauen sieht der EMA respektive dessen Committee for Medicinal Products for Human Use als nicht erwiesen an und kommt zum Schluss, dass Gewichtseinschränkungen für Levonorgestrel und Ulipristalacetat nicht gerechtfertigt sind. Siehe hier:  http://www.ema.europa.eu/ema/index.jsp?curl=pages/news_and_events/news/2014/07/news_detail_002145.jsp&mid=WC0b01ac058004d5c1

Ich würde das nur bei wirklich stark übergewichtigen Frauen in Betracht ziehen – und die zum Frauenarzt weiterschicken zum Einsetzen einer Kupferspirale..

Ihr könnt das.

Auch wenn die Haftpflichtversicherungen Euch Angst machen mit Horror-szenarien von Frauen, die Alimente wollen, weil die Pille danach nicht gewirkt hat.

In Eurer Beratung (die ihr wirklich machen und dokumentieren solltet) sagt ihr auch was in der Packungsbeilage steht: Die hormonelle Notfallverhütung darf nur im Ausnahmefall eingesetzt werden. Sie eignet sich nicht als langjährige Verhütungsmethode. Diese Methode verhindert nicht in jedem Fall eine Schwangerschaft. Im Zweifelsfall sollte daher bei Ausbleiben der Periode bald eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. … Ja, die Pille danach ist keine 100% Methode – und je länger man wartet, desto unsicherer. Die Zeitvorgaben sind einzuhalten. Achtet auf die möglichen Wechselwirkungen mit schon genommener Medikation und darauf, dass bei der Ulipristal genommene Kontrazeptiva unwirksam werden, also unbedingt zusätzlich verhütet werden muss. Selbst in Amerika, wo die Pille danach an Frau und Mann faktisch ohne Beratung (solange er/sie nur alt genug ist) abgegeben wird hört man nichts von Klagen wegen Alimente-Zahlungen. Und wir wissen alle, wie klagefreudig die Amerikaner sind.

Ihr könnt das.

Auch wenn es Bedenken von Gruppen mit religiösem Hintergrund gibt. Die gab es schon immer. Leute, die nicht wollen, dass Frauen selber über ihren Körper bestimmen können und wann sie schwanger werden. Pro-Life Gruppen, die gegen Abtreibung und sogar Verhütung sind. Darunter gibt es auch Ärzte und Apotheker. Aber: Es gehört zum Beruf der Apotheker Medikamente abzugeben. Dazu gehören auch Verhütungsmittel und neu die Pille danach. Da moralische Bedenken anzumelden um sie nicht abzugeben … Naja, in meinen Augen hat man dann den Beruf verfehlt. Man kann die Frau natürlich in so einem Fall an eine andere Apotheke (oder Arzt) weiterleiten … aber das finde ich nur in Ordnung, wenn auch eine in erreichbarer Nähe ist.

Im übrigen: es gibt sicher Ausnahmen und unzuverlässige und unvernünftige Frauen. Aber in den über 10 Jahren, die ich Pille danach Beratungen mache, habe ich noch niemanden gesehen, der das wirklich missbraucht. Habt Mut – nur wegen der Freigabe der Pille danach werdet ihr nicht überrannt werden von Teenies nach dem One Night Stand. Vor allem nicht, wenn ihr die über die zusätzlichen Gefahren ungeschützten Geschlechtsverkehr aufklärt.

Ihr könnt das.

Auch wenn wir auf der anderen Seite Frauen haben, die schon jetzt (sozusagen präventiv) in Foren von „Nötigung“ schreien, wenn sie die Pille danach gleich in der Apotheke einnehmen sollen. Eine Praxis, die wir bei uns auch machen. Der Grund ist: das ist eine Notfallkontrazeption. Das ist für Ausnahmefälle gedacht. Je schneller sie eingenommen wird, desto schneller wirkt sie. Wenn das jemand partout ablehnt, muss ich mich fragen wieso? Der Verdacht liegt nahe, dass sie dann „auf Vorrat“ mitgenommen wird – und weil das nicht der Anwendung entspricht für die die Pille für die Abgabe in der Apotheke freigegeben wurde … darf ich eine Abgabe verweigern. Die Frau kann immer noch zum Frauenarzt und sich ein Rezept ausstellen lassen – DANN bekommt sie sie auch in der Apotheke auf Vorrat.

Aber mal ernsthaft: das hatte ich bisher auch noch nie. Man könnte noch viele theoretische Situationen ausdenken – für die Praxis halte ich es so: ich gebe die Pille danach ab, wenn ich aufgrund der Fragen sicher bin, dass ich das kann. Bei Unsicherheiten gibt es immer noch die Möglichkeit sie an den Frauenarzt weiter zu schicken. Auch das liegt in meiner Verantwortung.

Im übrigen: Ihr solltet wirklich etwas verlangen für die zusätzliche Arbeit, die ihr mit der Abgabe der Pille danach habt. Ihr müsst das nicht als “Beratungstaxe” deklarieren, “Dokumentationspauschale” oder ähnliches geht auch. Ihr habt dadurch Mehrarbeit. Ihr erspart den betroffenen Frauen auch viel Zeit (und vielleicht ein paar unangenehmere Begegnungen) – auch das sollte etwas wert sein. Im übrigen: die Variante “Pille danach vom Arzt” fällt wegen dem nicht weg. Und für unter 20 jährige ist das immer noch der Weg, wenn man sie gratis (lies von der Kasse bezahlt) haben will.

Darum: Mut, liebe deutsche Apotheker! Ihr könnt das und ihr macht das (gut)!

Allgemein ist zu sagen: Es ist schwer am Anfang, weil man noch nicht sicher ist wie man vorgeht, wie man am besten fragt. Man wird sicherer mit der Zeit. Dann fühlt man sich auch wohler dabei. Man sieht, dass das so funktioniert. Und auch, dass der Service von den Frauen geschätzt wird.

Ihr könnt das.

Vielleicht hat noch jemand sonst ein paar Aufmunternde Worte für die deutschen Apotheker/innen?

Danke für’s Schuhe-Wichteln!

Merci an Ina von suecos, die mich angefragt haben, ob sie mir ein Paar ihrer Schuhe für die Apotheke wichteln können? Das sind sie:
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Etwas blöd nur, dass wir Kleidervorschriften haben … und so nett ich die bunten Clogs finde. Clogs (und so bunt) sind nicht bei uns. Aber: sie haben auch andere Arbeitsschuhe – und die darf ich jetzt ausprobieren:

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Fazit bis jetzt: Sehr leicht, angenehm zu tragen. Das müssen sie auch sein – in der Apotheke bin ich den ganzen Tag auf den Beinen. Wer die nimmt, sollte allerdings wirklich eine Nummer grösser nehmen als normal, sie sind etwas kleiner geschnitten. Anfänglich quietschen sie etwas auf unserem Boden, aber das scheint sich mit der Zeit zu geben – und ich bekomme wesentlich weniger elektrische Schläge als bei den skechers, die ich vorher getragen habe.

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Die behalte ich jetzt mal. Und für das Paar von Junior gibt’s aus den Ferien dann ein Foto.

Ein Danke heute …

Danke speziell an meine lieben Kolleginnen (und Kollege) und Mitarbeiter – Ihr seid die besten!

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Ohne Euch wäre es kaum alles möglich – und Ihr macht die Arbeit so viel besser und einfacher. Ihr seid einfach toll. Ich weiss, wie ungewöhnlich das ist – ein so super Arbeitsklima und Zusammenhalt findet man selten. Und darum weiss ich, dass Ihr auch das für Euch behalten könnt. :-) (Pscht!)

Danke!

(Blümchen von den letzten Ferien – wo ich auch wieder mit bestem Wissen und Gewissen hin kann.)

“Ensüledigüng”

Ein Gast-Beitrag von Charlin, ihres Zeichens PTA in einer deutschen Apotheke:

Abends spät um Dunkeln lief ich nach der Arbeit hungrig und gestresst heim.

“Ensüledigüng!” Ein sichtlich aufgebrachter, grimmig dreinschauender ´Türkisch Baba´nebst mitgebrachtem Gorilla schnitten mir den Weg ab, bauten sich vor mir auf, und unterbrachen lauthals die Musik aus meinen Kopfhörern.

“Ensüledigüng,” er hämmerte an die Glastür der Apotheke vor der er stand, er käme nicht rein.

“Nun, es ist auch fast acht, diese Apotheke hat bereits geschlossen. Aber es gibt Notapotheken…” 

“Diese Notapotheke!”

“Ja? Sieht mir nicht so aus?” (Auch hinten war kein Licht.)

Er wedelte mit dem Handy, hier sei die Notapotheke, stehe im Internet. Der Gorilla hatte inzwischen die Nachtklappe entdeckt, und fragte was er tun müsse damit diese auf ginge.

Ich zeigte ihm die Nachtglocke.

Aber da habe er doch schon ganz oft drauf gedrückt?

Ja, aber es sei ja niemand da, der ihm öffnen… Beide zeigten sich wutentbrannt. Scheise Apotheke. Immer die gleiche. Keiner Arbeit.

Ich suchte das (tatsächlich etwas versteckte) Notdienstschild. Am ersten Tag des Wochenplans hatte diese Apotheke tatsächlich Dienst gehabt. In Deutschland dürfen (es gibt auf dem Land Ausnahmen) Notapotheken maximal 20km voneinander entfernt sein. Von der aktuell geöffneten trennten uns vielleicht 7km – und der Rhein.

Mit dem Auto … Nix Auto.

Ohne Auto ist der schnellste Weg zur Bahn laufen, die hoffentlich fährt, fast 45 min zum HBF fahren, umsteigen, die selbe Strecke auf der anderen Rheinseite, Apotheke finden, und zurück. Also mindestens 3h.

“Oh nein, ich muss Frau anrufen. Was sage Frau? Besser ich geh Krankenhaus!”

Krank sah er nicht aus. Er wirkte zunächst erleichtert, dann kamen Zweifel. “Krankenhaus gibt Medizin, ja?”

“Nein, im Krankenhaus erhalten Sie ein Rezept für Medizin, mit dem Sie dann in die nächste Notapotheke gehen.”

“Aber ich brauche Hustensaft gegen Fieber für meine kleine Sohn!” Baba wurde fast flehend, Gorilla hingegen noch unruhiger.

Der Gorilla bot an SEINE Frau anzurufen, schließlich habe er auch Kinder, und vielleicht wisse seine Frau was zu tun sei. Er zögerte dennoch. Klar. Zwei Patriarchen die heldenhaft die Nacht der einen Familie retten wollen und dabei auf die Hilfe einer fremden und der anderen Frau angewiesen sind? Das kratzt am Stolz. Außerdem liefen vor meinem inneren Auge eine Menge Erinnerungen an Geschichten ab, die ich aufgrund von Unwissen oder Sprachproblemen mit Medikamenten erlebt habe. Das arme Kind.

Ich hatte eine Idee: Ich gab mich als PTA zu erkennen, führte ein Beratungsgespräch durch. Im Background allerdings kein Regal zum Reingreifen, sondern die Hausapotheke der Frau des Gorillas. Am Ende stand Medikation und Dosierung für die Nacht fest, was am nächsten Morgen aus der offenen Apotheke zu holen sei, unter welchen Umständen man zum Arzt gehen solle und welche die Notapotheken der nächsten Nächte sind.

“Ist beste, ist beste!” Medikament war beste, Lösung war beste, alles war beste.

Als die beiden zum Heim des Gorillas rannten, war ich glücklich. Kein Zeitdruck, keine Verkaufszahlen, keine Diskussion über Apothekenpreise.

Hatten die ein Glück sind sie an fachkundige Hilfe geraten! Das war wirklich das beste, was ihnen in dem Moment passieren konnte … ausser vielleicht noch direkt die richtige Notdienstapotheke zu finden. Super Idee auch, von der schon in der Hausapotheke vorhandenen Mittel auszugehen.