Blog-Archive

Apotheken aus aller Welt, 512: Kos, Symi, Griechenland

Danke vielmals an Pharmaziestudent Stephan für diese Apotheken mit Ferien-Feeling:

ich war kürzlich auf Segelreise über ein paar griechische Inseln und habe dabei ein paar Apotheken fotografiert. Mir persönlich gefiel die in Symi in der Marina am besten(drittes Bild). Das Sortiment ist unserem recht ähnlich. Einige heimische Marken habe ich dort auch gefunden.

 

Apotheke auf Kos:
Kos-zentrum
Apotheke auf Symi:
Symi-wohngegend
Symi-marina

Über diese Anzeigen

Dafür ist keine Zeit!

Das war eine unglaublich hektische Woche. Speziell der Freitag.

Ein jüngerer Mann rennt in die Apotheke, er schaut … zerzaust aus und hat riesige Schweissflecken auf dem T-Shirt.

„Ich brauche Hilfe. Ich muss etwas haben, um jemanden zum erbrechen zu bringen, ansonsten stirbt er!”

Wa…?

Pharmama: „Da kenne ich leider gar nichts mehr (früher gab es noch Ipecac Sirup). Sie sollten sofort mit ihm in den Notfall gehen, oder die Sanität rufen, wenn es so schlimm ist.“

Verschwitzter Mann: “Dafür ist keine Zeit, er wird sterben!”

Und rennt wieder raus. Keine Ahnung, wohin.

Ich verstehe nicht ganz, wie man in einer Situation sein kann, wo es zu spät ist für die Sanität/den Notfall, aber etwas, das man in der Apotheke kauft, kann ihn noch retten? Ehrlich, ich hoffe, er war etwas dramatisch – vorher gesehen habe ich ihn noch nie.

Apotheken aus aller Welt, 511: Kyauk Myaung und Tagaung, Myanmar / Burma

Steffi sammelt schon länger Apotheken für mich (und darf gerne noch ein paar Bilder schicken :-) )

zwei Apotheken von unserer Reise durch Myanmar im Herbst 2013.
Die eine stammt aus dem Dorf Kyauk Myaung (hier bin ich mir ehrlich gesagt, nicht ganz sicher, ob es eine Apotheke oder ein Arzt ist), die andere aus Tagaung. Spannend finde ich die Aufbewahrung, so in der Auslage, bei so ca. 35°C im Schatten… *örks*

Myanmar-Kyauk-Maung-2

Myanmar-Tagaung

Was kann ein Apotheker?

… und wann braucht es einen Arzt? Das ist das Thema des dosis, einem Heft des Schweizer Apothekervereins, bei dem der Kantonsarzt von Bern, Dr. Jan von Overbeck zur Sprache kommt – und dabei schön zeigt, dass Apotheker und Ärzte sich nicht allgemein gegenseitig bekriegen, wie es einem die Presse momentan suggerieren will. Er schreibt (wie ich auch) Zusammenarbeit gross:

in der Grundversorgung haben beide Berufsgruppen absolut Interesse, zusammenzuarbeiten, denn ihre Tätigkeiten ergänzen sich gegenseitig. Auch für die Gesellschaft ist es von Vorteil, wenn sie zusammenarbeiten, denn es gibt zu wenige Hausärzte. Apotheker sind am nächsten an unserem Beruf. Sie können problemlos die Erstabklärung übernehmen. So können wir gemeinsam die Lücken in der Grundversorgung schliessen.

Es geht im Artikel um das neue Heilmittelgesetz, wonach Apotheker das Recht bekommen sollen, mehr bisher rezeptpflichtige Medikamente abzugeben.

Ja, der Apotheker müsste gewisse medizinische Beschwerden tragieren und die entsprechende Medikation selbständig abgeben können. In Notfallsituationen ist das schon der Fall. Zur Zeit darf die akute Harnweginfektion im Notfall vom Apotheker diagnostiziert und behandelt werden, aber nicht während der normalen Arbeitszeiten, was ein klarer Widerspruch ist.

Er spricht hier die Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente “in begründeten Ausnahmefällen” an .. darüber habe ich schon ein paar Mal geschrieben. Wir dürfen das. Und bevor ich den Aufschrei aus Deutschland höre, noch rasch der Nachsatz: wir können das auch. Wir haben Ausbildung und Weiterbildungen dafür besucht. Dr. Jan von Overbeck hatte offenbar die Gelegenheit an solchen Weiterbildungen dabei zu sein – er hat im Rahmen von netCare (das ist das Projekt hier) mit den Apotheken gearbeitet.

Natürlich hat das Grenzen, die er (wie ich) sieht:

Es ist genau wie bei uns Medizinern: Man muss die eigenen Grenzen kennen. Ein Kardiologe wird auch keine Magenspiegelung machen. Die Grenzen für den Apotheker liegen nicht unbedingt nur bei bestimmten Medikamenten, sondern im jeweiligen medizinischen Fall. Ein Apotheker kann eine junge und gesunde Person mit banalen Symptomen triagieren und die entsprechenden Medikamente abgeben. Wenn aber jemand mit Komplikationsrisiken wie Diabetes oder Herzinsuffizienz wegen der gleichen Beschwerden kommt, braucht es klar Abklärungen durch den Arzt – das Gleiche gilt natürlich auch für primär komplizierte Fälle. Apotheker, die die entsprechende Ausbildung und Erfahrung haben, sind durchaus in der Lage abzuklären, ob sie selber ein Medikament abgeben können oder den Patienten zum Arzt schicken müssen. Die Verantwortung liegt dann beim Apotheker.

Und sehr schön finde ich auch dies:

Wenn wir höhere Durchimpfungsraten erreichen wollen, müssen wir die Apotheker involvieren – mit einer Zusatzausbildung, die bereits jetzt viele haben, sind sie für diese Aufgabe absolut qualifiziert.

Au ja, bitte! Wenn es wieder eine Pandemie gibt – wir wollen dafür vorbereitet sein und mit den Ärzten arbeiten.

Originalquelle dosis 9.2014 Nr. 66 zu finden hier bei pharmasuisse.

Apotheken aus aller Welt, 510: Ljubljana, Slowenien

Danke vielmals an Jessica für ihr Apotheken-Bild:

hier das Bild eine Apotheke aus Ljubljana, Slowenien….oder wie wir immer nur sagten “die Hauptstadt” wegen des fast unausprechlichen Namens. Es ist leider nur von quer übern Platz aufgenommen, aber ich finde das Gebäude trotzdem recht imposant.

Slowenien

Guardians of the galaxy

apogrootw

 

Am Wochenende waren mein Kuschelbär und ich endlich mal wieder im Kino einen Film schauen ohne Junior (das erste Mal seit etwa März oder so) und haben uns Guardians of the galaxy reingezogen. Und ich fand ihn echt super! Natürlich: das ist eine Marvel-Comic Verfilmung und das passt nicht jedem, aber … auch meinem Mann hat’s gefallen.

Das hat mich dazu inspiriert das oben zu malen … ins Buch kommt der allerdings nicht mehr. Einerseits hat es jetzt genug drin (viele!), andererseits habe ich schon die Proof-Ausgabe erhalten zum anschauen. Da bin ich heute dran.

Sorry, wenn der Text nicht gut lesbar ist – im Buch arbeite ich mit Computertext. Da steht:

Rocket: Was meinen Sie ist besser, damit er schneller wächst: Vitamine oder doch lieber Dünger?

(ich bin Groot!)

 

Apotheken aus aller Welt, 509: Vilnius, Litauen

Und noch ein paar (vorläufig?) letzte Bilder aus Vilnius von Bari:

vilnius7

und eine Apotheke mit Innenansicht: modern geschwungen.

Innenstadt-mit-innen-(1) Innenstadt-mit-innen-(3) vilniusInnenstadt-mit-innen-(5)

Wieso, Weshalb, Warum?

Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Ich beantworte gerne Fragen in der Apotheke – das gibt einem die Möglichkeit gelegentlich ein bisschen mit dem Wissen zu glänzen, das man sich in 5 Jahren Studium (und über 10 Jahren Apotheke) angeeignet hat :-) Aber manchmal gibt es einfach keine einfachen Antworten.

Zum Beispiel auf die Frage „Weshalb hat mir mein Arzt dieses aufgeschrieben statt jenes?“

Die Antwort ist in den meisten Fällen: „Weil dem Arzt das als das bessere erschien?“ – natürlich ist das „besser“ auch oft medizinisch erklärbar.

Da war die Frau mit der Frage an die Apothekerin (mich) am Telefon gestern. Sie war offenbar zudem schwerhörig und etwas langsamer – wohl aufgrund des Alters, was unsere Konversation ziemlich … schwerfällig erschienen lässt. Das muss ich aus den Gesichtern meiner Mitarbeitern schliessen, wenn ich etwas (und in angemessener Lautstärke) zum dritten oder vierten Mal wiederholt habe.

Die Kurzfassung war in etwa die:

Ältere Frau (äF) am Telefon – die Kollegin hat sie mir weitergegeben, die hat ihren Namen allerdings nicht richtig verstanden und mir hat sie ihn (obwohl ich mich mit dem ganzen ‚Pharmama’s Apotheke, Pharmama hier, Grüetzi’ gemeldet habe, nicht gesagt:

äF: „Also ich war im Spital und da hat man mir Temesta aufgeschrieben für nachher. Weshalb? Ich verstehe das nicht. Ich hatte bisher jahrelang die Seresta und das hat immer gut geklappt.“

(man merke auch hier: Jahrelang)

Pharmama: „Hat man die Tagsüber verschrieben oder zum Schlafen?“

äF: „Zum Schlafen, ich nehme die Seresta jahrelang nur zum Schlafen, und das ging immer gut damit. Mit den Temesta bin ich morgens so müde … Wieso hat er gewechselt?“

Pharmama: „Nun, die Halbwertszeit … also die Wirkung vom Temesta ist länger als die vom Seresta und deshalb …“

äF: (unterbricht): „Seresta ist besser als Temesta?“

Pharmama: „Nein, die Temesta wirken länger als die Seresta.“ (wiederhole das 2 x, buchstabiere zusätzlich noch, bis die Info hoffentlich angekommen ist)

äF: „Das verstehe ich nicht.“

Pharmama: „Weil die Temesta länger wirken, werden sie häufiger zum Durchschlafen verwendet. Das könnte aber auch der Grund sein, dass sie morgens noch müde sind.“ (wiederhole auch das 3 x in verschiedenen Formen)

äF: „Dann findet er also, die sind besser für mich? Ich finde die Seresta besser zum Schlafen, aber …. was finden Sie denn das beste?“

Pharmama: (nur halb scherzend): „Wenn man ohne Tabletten Schlafen kann.“

Heh! Sie hat mich nach meiner Meinung gefragt!

äF: „Was? Nein, das geht gar nicht, ohne meine Seresta kann ich nicht schlafen. Und die Temesta sind nix für mich.“

Pharmama: „Dann würde ich bald ihren Haus-Arzt fragen, dass er ihnen stattdessen wieder die verschreibt.“

äF: „Ja. Ich verstehe wirklich nicht, warum die das im Spital gewechselt haben. Und ich bin immer so müde am morgen …“

(Rinse and Repeat)

Apotheken aus aller Welt, 508: Vilnius, Litauen

Nach längerer Pause geht’s jetzt weiter mit den Apotheken. Noch eine von Bari (mit Dank!)

vilnius5

und eine, die aussieht, wie ein Büro (in der Innenstadt)Vilnius6

Medikamente hamstern?

Frau um die 50 in der Apotheke: „Ich hatte letzte Woche Augentropfen auf Rezept, könnten Sie mal nachschauen? Ich brauche sie alle noch einmal.“

Ich schaue im Computer in ihrem Patientendossier nach. Das Rezept wurde vor etwa 10 Tagen eingelöst. Sie hatte 3 Sorten Augentropfen auf dem Rezept: Antiallergische, künstliche Tränen und Antibiotika-Augentropfen.

Pharmama: „Das ist nur ein Dauerrezept für die befeuchtenden Augentropfen. Weshalb brauchen Sie die anderen nochmals?“

Es könnte ja sein, dass sie immer noch Beschwerden hat und eine weiterführung der Therapie angesagt ist.

Frau (unbeeindruckt): „Die Antibiotika und die Antiallergischen finde ich nicht mehr.“

… Hmmm?

Pharmama: „Also, die befeuchtenden sind kein Problem, da haben sie ein Dauerrezept, die Antiallergischen kann ich als Ausnahme einmalig auf dem Rezept wiederholen, wenn sie die länger brauchen. Aber die Antibiotika sind Liste A, die darf ich nicht wiederholen. Außerdem… Das ist jetzt 10 Tage her … Brauchen Sie die wirklich noch?“

Frau: „Die habe ich bisher noch gar nicht angewendet.“

Ich schaue sie mir an. Sie sieht nicht nach akuter Augeninfektion aus. Und selbst wenn … für das sollte sie zum Arzt.

Pharmama: „Ah. Nun, dann macht es auch nichts, wenn das noch einen Tag länger geht, bis der Arzt ein neues Rp ausstellt. Bitte besorgen Sie dafür ein neues Rezept vom Arzt.“

Wie „lässig“ manche Leute mit ihren Medikamenten umgehen, werde ich nie verstehen. Dass ihr die befeuchtenden Augentropfen ausgegangen sind … okay – Einzeldosen sind nicht haltbar, wenn sie offen sind. Allerdings könnte sie selbst da noch welche haben – das sind 20er Packungen Aber bei den anderen beiden … habe ich bei ihr einfach das Gefühl, es kümmert sie nur insofern, als sie nochmals eine Packung zuhause haben will. Nur für den Fall. “Zahlt” da ja auch die Krankenkasse.

Lies: Hamstern.

Es kam dann auch kein neues Rezept für sie. War wohl doch nicht „so“ wichtig.

Mit jedem einzelnen Satz

Frau Säuerlich betritt die Apotheke – gleichzeitig mit einem anderen Kunden. Ich kenne die Kundin schon und bin entsprechend vorgewarnt, allerdings heute war es besonders schlimm. Frau Säuerlich ist, wie der Name schon sagt … säuerlich. Sie macht auch in Ruhestellung ein Gesicht wie wenn sie gerade in eine Zitrone gebissen hätte – die Amerikaner sagen dazu Catbutt-face. Sie ist schwierig. Ich weiss nicht, wie sie das schafft, aber … sie regt mich auf. Mit jedem einzelnen Satz, den sie sagt.

Es fängt schon an als ich (freundlich lächelnd) auf sie zukomme zum bedienen. Sie ist zusammen mit einem anderen Kunden in die Apotheke gekommen und meine Kollegin, die vorne stand, nahm sich ihn an … was Frau Säuerlich schon nicht passte. Wie ich am Gesichtsausdruck und der ungeduldig winkenden Hand erkennen konnte, war sie der Meinung, dass sie zuerst hereingekommen ist. Die beiden waren etwa gleichzeitig und sie ist direkt nach dem Eingang stehen geblieben – wohingegen er weiter gegangen ist und so zuerst von meiner Kollegin bedient wurde und ich erst den Weg zu ihr nach vorne machen musste.

Zwischenbemerkung: Ja, meine Kollegin wollte sie auch nicht unbedingt nehmen – es ist schon vorgekommen, dass Frau Säuerlich zu ihr gesagt hat: „Ist denn sonst niemand da, der mich bedienen könnte?“ Oder ungesagt: Sie will ich nicht.

Also komme ich zur schon angesäuerten Kundin nach vorne (nach ganz vorne).

Ich: „Grüetzi!“

„Melisse“ wirft sie mir entgegen – ohne Grüetzi oder Guten Tag. „Wofür ist das?“ Und als Nachsatz „Melissentee.“

Pharmama: „Das ist beruhigend und krampflösend bei Magen-Darm Beschwerden.“

Frau Säuerlich: „Das ist nicht gegen Blähungen?!“

Ich weiss nicht, wie sie es macht, aber das hört sich direkt anklagend an.

Pharmama: „Nun, indirekt schon – aber für Blähungen wäre Fenchel bes…“

Frau Säuerlich: „Das habe ich schon probiert. Nützt nix. Haben Sie Arnika-Salbe?“

Pharmama: Etwas überrascht ob dem schnellen Themawechsel: „Ja.“

Frau Säuerlich (ironisch überrascht tönend): „Oh, haben Sie.?“

Pharmama: „Ja, Moment, ich zeige sie Ihnen.“

Ich hole die Weleda Salbe in 2 Grössen

Frau Säuerlich: „Ach. Weleda.“ Sie klingt tatsächlich abschätzig. „Haben Sie keine andere?“

Pharmama: „Hier nicht, ich kann andere bestellen …“

Frau Säuerlich: „Nein, schon gut. Ich nehme die kleine – das muss ich erst ausprobieren. Wie teuer ist die?“

Wir gehen zur Kasse.

Pharmama: „Das macht 12.90.-…“

Frau Säuerlich: „Wiiieeviieeel? Grmmpf.“

Sie fängt an das Geld herauszuzählen

Ich (währenddessen): „Die ist gegen Quetschungen, Prellungen und blaue Flecken, bitte nicht auf offenen Wunden anwenden.“

(Sie wollte ja Info von mir. Kann sie haben.)

Frau Säuerlich: „Und Schmerzen.“

Pharmama: „Nein, die ist nicht gegen Schmerzen.“

Frau Säuerlich: „Meine Tochter hat mir die empfohlen. Also nicht gegen Schmerzen?“

Pharmama: „Nein.“

Frau Säuerlich: „Dann nehme ich sie nicht. (Sie schaut mir über die Schulter) Was haben Sie sonst zum einreiben gegen Schmerzen? … (und ohne zu warten) … ah – Voltaren natürlich.“

Pharmama: „Voltaren wäre eine Möglichkeit, oder …“

Frau Säuerlich: „Was sind das für kleine da unten?“

Pharmama: „Das sind die Voltaren Tabletten …“

Frau Säuerlich: „Nein, Tabletten will ich nicht… haben Sie mir kein Muster vom Voltaren?“

Pharmama: „Ich schau mal, was ich habe … Nein, tut mir leid. Im Moment habe ich nur Muster vom Perskindol zum einreiben gegen Schmerzen.“

Frau Säuerlich: „Grrmpf. Dann nehme ich halt das.“

Nimmt das Muster und geht wieder. Säuerlich, wie immer.

Eigentlich ist das fast lustig, wie sie es schafft, mich mit jedem Satz aufzuregen. Eine wahres kleines Kunststück. Da haben wir alles: Vom anklagenden Blick, weil sie nicht die erste war, die bedient wurde, über mich auszuquetschen und dann nicht zuzuhören / wieder abzuklemmen (ja, es gibt noch andere Sachen gegen Blähungen oder Schmerzen zum einreiben), anzutönen überrascht zu sein, dass wir etwas an Lager haben, sich über den Preis zu beklagen, Muster zu verlangen, auch wenn man nichts einkauft … und ihre ganz allgemeine Unzufriedenheit, die sie ausstrahlt.

So etwas am frühen Morgen und ich brauche danach ein bisschen Zeit, mich zu erholen um wieder entspannt auf den nächsten Kunden zuzugehen.

So ein Energiefresser.

Kopie forte?

Das ist das, was ich zuerst gelesen habe, als ich dieses Rezept bekam:

rpkopie

Der Arzt meint aber kein extra starkes Generikum, sondern das Medikament Nopil forte.

…und das ist der Grund, warum ich meinen Mitarbeitern sage, sie sollen mir nie sagen “was” sie lesen …. das beeinflusst nämlich.

 

Patientengeheimnis – Fragen

Ich bin mir meiner Berufs-mässigen Schweigepflicht und dem Patientengeheimnis sehr bewusst. In der Apotheke wird jedes Zettelchen, wo der Name eines Patienten drauf steht separat gesammelt und dann geschreddert, nicht mit dem normalen Abfall entsorgt. Von zurückgebrachten Medikamenten knübeln wir die Dosierungsetiketten, die Druckpatronen und Farbbänder der Eikettendrucker werden auch separat vernichtet. Ich bringe meinen Leuten bei, was sie wem sagen dürfen (und was nicht). Wenn wir wegen einer Bestellung telefonieren müssen, wird abgeklärt, ob der Empfänger auch der Patient ist – und ansonsten nur gesagt: “Bitte teilen sie ihm/ihr mit, sie soll uns zurück rufen” oder, wenn es nur ein Anrufbeantworter ist nur mitgeteilt: “Die Bestellung ist angekommen und liegt für Sie auf der Seite” – Nie was. 

Die Krankenkassen bekommen Auskunft über die Bezüge soweit es für die Abrechnung nötig ist.

Mit dem Arzt kommuniziere ich insoweit es für die korrekte Behandlung des Patienten notwendig ist (unleserliche Rezepte, Dosierungsnachfragen etc.).

Es ist also ein interessantes und spannendes Thema, das viel zu wenig dran kam im Studium und das in der Praxis für einige Fragen und auch Unsicherheiten sorgt. (siehe vorherige Erlebnisse).

Vielleicht habt ihr noch Fragen oder Erlebnisse, die wir hier diskutieren können? 

Stellt sie direkt in den Kommentaren oder mailt sie mir!

Patientengeheimnis und Abgabe an Minderjährige

Die absolute Horrorversion – wenigstens nicht bei mir in der Apotheke passiert – und das kann es auch nicht. Jedenfalls nicht so. Das erkläre ich noch.

Sehr grosse, sehr gut frequentierte Apotheke zur Mittagszeit.

Die Frau um die 40 stürmt in die Apotheke. In der Hand eine Packung Norlevo (das ist hier die Pille danach).

Frau (aufgebracht): “Das hier  …” (wedelt mit der Packung) “habe ich im Zimmer meiner minderjährigen Tochter gefunden! Das hat ihre Preisetikette drauf! Ich will wissen, ob sie das von Ihnen bekommen hat!”

Apotheker: “Das … darf ich ihnen nicht sagen.”

Frau: “Aber Sie können das sicher nachschauen. Sie heisst …”

Apotheker: “Das könnte ich nachschauen, aber das werde ich nicht.”

Frau: “Was? Wieso? Ich bin die Mutter! Ich muss das wissen – und sie ist minderjährig! Sie ist 15! Sie hätten das ohne meine Erlaubnis nicht abgeben dürfen!!”

Apotheker: “Das stimmt so leider nicht. Falls wir ihrer Tochter etwas abgegeben haben, fällt das unter das Patientengeheimnis. Auch wenn ihre Tochter noch nicht 18 ist.

Und die Pille danach dürfen wir auch an unter 16 jährige abgegeben werden, soweit die Jugendliche mündig ist im Sinne von: versteht um was es geht und wie man das anwendet.”

Die Frau hat dann noch einen Riesen-Aufstand gemacht, aber nichts weiter erreicht.

Übrigens, das kann bei mir nicht passieren. Nicht, weil ich das nie an unter 16jährige Abgeben würde (ich würde, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind). Ich gebe bei der Pille danach meist den Prospekt der Firma mit. Eventuell auf Wunsch noch die Packungsbeilage. Die ganze Packung nicht (aus Gründen wie dem oben) und die Pille selber lasse ich grad in der Apotheke schlucken.

Das Ganze erinnert an die gerade aktuelle Situation in Deutschland, wo die Apothekerin einer minderjährigen (13jährigen) ein Schlankheitsmittel verkauft hat. Das ist unglücklich, speziell aus dem Grund, da hier in der Packungsbeilage steht, man soll das nicht an Kinder oder Jugendliche abgeben, die sich noch im Wachstum befinden. Bei Norlevo steht: “Über die Anwendung bei Jugendlichen unter 16 Jahren liegen nur limitierte Daten vor. Bei Kindern vor der Menarche besteht keine Indikation.” – also kein Verbot hier.

Mich würde ja interessieren, wie das Mädchen denn ausgesehen hat – die Apothekerin hat sich inzwischen mehrfach entschuldigt, sie ‘habe nicht realisiert, wie jung das Mädchen gewesen ist.’ Das kann ich mir tatsächlich noch vorstellen, dass die älter ausgesehen hat. Dann hat sie es wohl auch gezielt verlangt …

 

Bei dem Mittel handelte es sich um Formoline – Nahrungsfasern, die im Darm Fett zurückhalten sollen und so eine fettarme Diät unterstützen.  Ein nicht-apothekenpflichiges Präparat, das man auch im Supermarkt oder im Versandhandel hätte bekommen können. Das ist auch nicht wirklich ein gefährliches Mittel – die Wechselwirkungen, die das machen *kann” hätte man auch bei einer Faserreichen Diät.

Die Mutter scheint sich, wenn man das liest, aber fast mehr darüber aufzuregen, dass es 1. ein Abnehmpräparat war … die Apothekerin also die überzogenen Schönheitsvorstellungen der Öffentlichkeit unterstützt und dass sie 2. das in der Apotheke verkauft hat. Da werden schliesslich höhere Erwartungen angesetzt.

Erinnert sich noch jemand an Alli? Das war auch toll, die Leute dazu Zwangs-zu-beraten.