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Circle of life

Interessant. Ich arbeite jetzt schon lange genug an diesem Ort, dass ich manche Patienten tatsächlich aufwachsen sehen kann. Von der Abgabe klassischer Kinder- Medikamente, über Akne-Mittel, über Kondome (bei Jungen) oder die Pille (bei Mädchen) … und mitzubekommen, wie die dann selber schwanger werden – viel zu früh in meinen Augen, aber … es liegt nicht an mir das zu entscheiden … und jetzt wieder: Kinder Medikamente. Für dieselbe Familie sozusagen.

Sollte ich mich jetzt schon alt fühlen?

Über diese Anzeigen

Apotheken aus aller Welt, 518: Offenburg,

Danke vielmals für die Fotos an Broken Spirits. Ich weiss nicht:  ist’s das gute Wetter oder sind’s die Farben? Ich finde sie einfach nur …. schön!

gestern war ich wegen meiner monatlichen “großen Fototour” in Offenburg auf der 3. Paul Pietsch Classic – einer Oldtimer-Rallye quer durch den Schwarzwald.
Offenburg ist eine hübsche Stadt und hat auch die ein oder andere hübsche Apotheke (es gibt mindestens noch eine weitere in einem alten, verschnörkelten Haus, die hatte ich aber abends leider nicht mehr gefunden).
Das hier war aber eh die beeindruckendere ;-)

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Fast gelöscht hätte ich diesen Schnappschuß: von diesem Oldtimer habe ich bessere Fotos. Kurz vor dem gezielten Schlag auf die Löschtaste habe ich noch das Apothekenzeichen im Hintergrund gesehen. Besonders passend: ich habe zufällig ein schweizer Team erwischt.

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heisse Zeiten

Es wird ja langsam kühler und … also wirklich heiss hatten wir es hier nicht lange. Aber genau in der Zeit hatten wir in der Apotheke eine Saison-Ausstellung für eine Sonnencreme, die jetzt ungenannt bleiben soll :-)

Jedenfalls, man stelle sich das vor: Es ist heiss draussen, es ist immer noch ziemlich warm drinnen und die Ausstellung, die einen Strand suggeriert inklusive Palme, Liegestuhl und Badetuch auf etwas Sand.

Sommer halt.

Und eine Kundin im mittleren Alter, die das wirklich ernst genommen hat. Jedenfalls genug um anzufangen, die Kleider abzuziehen, schon von der (offenen) Eingangstür her. Erst die leichte Jacke, dann die Bluse, dann das T-shirt … eins nach dem andern. Die Kleider hat sie beim weiterlaufen einfach auf den Boden fallen lassen … gefolgt von den zunehmend besorgten Blicken der Angestellten und ein paar erstaunter Kunden.

Als sie an der Kasse ankommt und anfangen will auch noch den BH aufzunesteln, reisst sich die Drogistin Sabine aus der Schockstarre und stoppt sie.

Ich weiss nicht wie, aber sie bringt sie dazu zumindest einen Teil wieder anzuziehen, bevor sie sie nach Hause schickt. In Begleitung einer anderen Kundin übrigens – ihr Verhalten war seltsam genug, dass man sie nicht allein lassen wollte, obwohl Sabine mir nachher versichert hat, dass sie zwar etwas verwirrt schien, aber nicht so, als könne sie nicht für sich sorgen.

Seltsame Begegnung auf jeden Fall.

Ich habe das erst danach erzählt bekommen – ob ich aber schneller gewesen wäre als Sabine, wage ich zu bezweifeln.

Apotheken aus aller Welt, 517: Menorca, Balearen, Spanien

Liebe Irene: Danke für Dein Ferienmitbringsel!
diesmal habe ich im Urlaub mal daran gedacht, eine Apotheke zu fotografieren. In den kleinen Küstenorten auf Menorca waren sie öfters in hübschen Häusern untergebracht, besonders adrett war die in Fornells, leider sind wir dort nur vorbeigefahren, so dass ich nicht knipsen konnte.
Die Aufnahmen zeigen die Apotheke in Cala Galdana, drinnen war ich aber nicht.
Die Leuchtanzeige mit der Uhrzeit war nur eingeschaltet, während die Apotheke geöffnet war.
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Apotheken aus aller Welt, 516: Hamburg, Deutschland

Danke vielmals Céline (aus der Schweiz) für diese Apotheken:

Also das spontane Erblicken von Apotheken ist wirklich eine heftige. Nebenwirkung deines Blogs – den ich übrigens nach wie vor mit grosser Freude lese! (Und dein Buch verschenkt meine Mama glaub noch öfter als ich – passt eigentlich fast immer und ist einfach köstlicht amüsant!)

Ich war grad für einen Wochenendausflug in Hamburg – und das ist mir dabei untergekommen. Besonders gut hat mir der Wegweiser bei den Landungsbrücken gefallen – auch wenns noch nicht mal die Apotheke selbst ist :-)

In der Nähe vom Rathaus – sieht aus wie ein Stützlishop…

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Die alte englische Apotheke ist in der Nähe vom Gänsemarkt, gibts offenbar seit über 200 Jahren (gemäss ihrer website).

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 Die hier ist an der Mönkebergstrasse

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Die Hafenapotheke selbst hab ich nicht gesehen, aber der Wegweiser bei den Landungsbrücken ist cool :-)

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… und zu guter Letzt noch die Apotheke am Flughafen:

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Ich sehe schon: Hamburg lohnt sich auch für einen Besuch der Apotheken :-)

Wieder was gelernt

Der Kunde, ein freundlicher älterer Herr (Typ Gentleman) kommt mit einem Dauerrezept für diverse Medikamente. Er braucht noch nicht alles, gibt mir an, was er will und bekommt von mir das gewünschte.

Am Ende will er sein Rezept wieder, da er „sonst nichts in der Hand hat, wenn er es einmal in einer anderen Apotheke holen will.“

Wenn er es selbst bezahlt, hätte er das Rezept mitbekommen, aber die Medikamente darauf sind unproblematisch, darum mache ich ihm eine Kopie, vermerke die bisherigen Abgabe, stemple es auf der Rückseite und erkläre ihm, dass die andere Apotheke mir so anrufen kann, falls sie eine Frage hat.

„Reicht denn das?“ fragt er mich.

„Ja.“ Sage ich bestimmt. „Immerhin ist es ein Dauerrezept. Die Medikamente drauf sind auch nicht problematisch – wir nehmen auch solche Rezeptkopien an.“

Er geht wieder.

Eine Woche geht vorbei, dann ruft er an und sagt: „Ich brauche doch das Originalrezept.“

… das ist inzwischen unterwegs zur Abrechnungsstelle, wo es eingescannt wird.

Pharmama: „Weshalb? Hat die Apotheke ein Problem? Dann kann sie mich anrufen.“

„Es ist eine Versand-Apotheke. Die sagen, sie brauchen das Original.“

Ich verspreche ihm, dort anzufragen, ob das nicht auch anders geht.

Ich telefoniere also und erkläre der Telefonistin woher ich anrufe und weshalb. Dass ich für die Kopie verantwortlich bin und das Original inzwischen der Krankenkasse eingeschickt habe. Und ob das für sie denn so nicht reicht – mit meiner Bestätigung und so.

„Nein, tut es nicht. Wir brauchen das Originalrezept. Kopien dürfen wir nicht annehmen.“

Sie lässt sich nicht umstimmen – auch wenn sie mir zustimmt, dass das nicht wirklich Kundenfreundlich ist. Offenbar haben sie da andere Vorschriften wie wir.

Okay – wirklich unsinnig ist das nicht mit den Originalrezepten, dann wird sicher weniger Missbrauch damit getrieben. Andererseits … Hmmm. Unflexibel.

Ich überbringe dem Kunden die schlechte Nachricht und entschuldige mich für die Falsch-Auskunft. Das habe ich vorher auch nicht gewusst. An das Original-Rezept komme ich jetzt auch nicht mehr hin – wie gesagt, das wird eingescannt. Danach kann ich es wieder-holen und ausdrucken. Das wäre dann aber auch eine Kopie …

Er nimmt das (zum Glück) erstaunlich gut auf: „Ach, dann komme ich einfach das bei ihnen holen. Sie rechnen das ja auch der Krankenkasse ab – und gegebenenfalls kann ich das telefonisch bestellen und sie würden es ja auch bringen?“

Pharmama: „Ja – natürlich!“

Das ist ja ganz gut für uns ausgegangen. Für das nächste Mal weiss ich dann, dass (falls die Person das nachher beim Versand holen will) sie das Originalrezept braucht und ich dann halt die Kopie zur Abrechnung mit der Krankenkasse nehme. Bei uns geht das nämlich.

Apotheken aus aller Welt, 515: Kinsale, Irland

Danke vielmals an Leserin flaemmchen81

ich verfolge deinen Blog schon sehr lange und nachdem ich gerade von einem Europa-Roadtrip mit meiner kleinen Tochter zurück bin (7 Länder in 5 Wochen!), kann ich dir nun auch ein schönes Apothekenfoto schicken. Es stammt aus Kinsale in Irland, einem malerischen kleinen Dörfchen an der südirischen Atlantikküste, dass für bunte Türen an kleinen niedlichen Häusschen bekannt ist, jährliche Musik und Gourmet Festivals und 1915 wurde hier direkt vor der Küste die Lusitania versenkt.

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Die ist ja hübsch!

Komplizierte Patienten

Vorausschickend – die meisten Patienten sind nicht kompliziert als Persönlichkeit, sondern wegen den Beschwerden, die sie haben … also: die zu behandelnde Krankheit kann nicht so einfach behandelt werden (da keine Medikamente, oder nur solche mit unangenehmen Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen …). Das sind an sich schon genug Probleme, aber dann gibt es noch die Patienten (und Leute sonst), die offenbar (unbewusst?) darauf aus sind, es sich noch etwas schwieriger zu machen.

Die Patientin, Frau Payn, schon im fortgeschrittenen Alter von etwas über 80, hat auf Anraten des Arztes das Voltaren, das sie schon lange gegen ihre Gelenkschmerzen nimmt abgesetzt. Hauptsächlich weil es offenbar ihr Asthma fördert. Es könnte natürlich auch sein, dass sie im Moment mehr pumpen muss wegen ihrer akuten Erkältung – aber das will sie gar nicht hören.

Nun gut.

Wenn sie mir nur nicht praktisch täglich halbstundenlang (!) anrufen würde um sich zu beklagen. Letzte Woche vor allem weil sie Mühe hat zu atmen: „Woher kommt das denn?“

Pharmama: „Nun, ich würde ja sagen von ihrem Astma und die Erkältung macht das sicher auch nicht besser.“

Diese Woche: weil sie mehr Schmerzen hat in den Gelenken.

Überraschung.

Frau Payn (jammernd): „Weshalb kommt das jetzt mehr?“

Pharmama: „Weil Sie das Voltaren nicht mehr nehmen.“

Frau Payn. „Ah, ja. Und kann ich da nichts machen sonst?“

Pharmama: „Sie könnten mit dem Arzt einen Ersatz suchen.“

Frau Payn: „Der Arzt hat gemeint, ich soll Sie fragen.“

Pharmama: „Wir können noch ein anderes Schmerzmittel versuchen. Paracetamol nehmen Sie ja schon, Ibuprofen geht nicht wegen den Magenproblemen, die ihnen das gemacht hat, Tramadol geht nicht, weil es ihnen da schwindelig geworden ist … Novalgin nicht, weil Sie da schon einmal mit Hautproblemen reagiert haben … „

(Ja, wir haben bei ihr im Computer schon einen halben Roman an Dingen, die aus dem einen oder anderen Grund nicht gehen).

„Wir können es aber noch mit Celebrex versuchen. Das ist zwar auch nicht ideal, aber wir können es versuchen. Möchten Sie das?“

Frau Payn: „Ja.“

Ich organisiere ein Rezept vom Arzt, der damit einverstanden ist. Einen besseren Vorschlag hat er auch nicht. Das Medikament wird ihr gebracht. Sie hat ja so Gelenkschmerzen, dass sie nicht aus dem Haus kommt …

Am nächsten Morgen bekomme ich wieder ein Telefon.

Frau Payn: „Sie haben mir ja gestern das Celebrex vorbeigebracht …“

Pharmama (übles ahnend): „Ja .– und?“

Frau Payn: „Sie müssen denken, ich bin blöd, aber … ich habe es nicht genommen.“

Pharmama: „Und wieso nicht?“

Frau Payn: „Das Medikament ist von Pfizer. Ich hatte schon einmal etwas von Pfizer und nicht vertragen….“

Grmpf.

Pharmama: „Aber Sie wissen, dass Pfizer nur die Firma ist und sehr unterschiedliche Sachen herstellt? Nur weil Sie einmal auf ein Produkt von Pfizer reagiert haben, heisst das noch lange nicht, dass Sie auf das auch reagieren. Das hat einen ganz anderen Wirkstoff drin. Das hat wahrscheinlich auch ganz andere Hilfsstoffe drin, auf das was Sie schon hatten – und … ich erinnere mich, dass Sie auch schon Medikamente hatten von Pfizer, die Sie vertragen haben …“

Frau Payn: „Hmmm … aber wissen Sie, dann habe ich die Packungsbeilage gelesen …“

(Ooooh Goooott)

„… und die Nebenwirkungen, die da drin stehen, die haben mich so abgeschreckt …“

Pharmama: „Haben Sie schon mal die Nebenwirkungen beim Voltaren gelesen?“

Frau Payn: „Nein?“

Pharmama: „Oder bei dem Antibiotikum, das Sie im Moment nehmen?“

Frau Payn: „Nein …“

Pharmama: „Machen Sie’s nicht.“

(Im Normalfall bin ich nicht so direkt – aber sie braucht das. Die Info kommt sonst einfach nicht an. Im übrigen ist sie so ein Fall, dass sie jede erdenkliche Nebenwirkung, die sie gelesen hat, wahrscheinlich auch noch bekommt. Einfach darum.).

Pharmama: „Die Firmen schreiben da jeglich erdenkliche Nebenwirkungen rein . Teils auch solche, die nur in einer von 1 Mio vorkommt. Das machen sie um sich abzusichern. Das heisst nicht, dass Sie das auch bekommen.“

Frau Payn: „Ja – okay. Trotzdem. Im Moment sind mir die Schmerzen lieber, als dass ich möglicherweise das bekomme, was da drin steht.“

Pharmama: „Nun – es sind Ihre Schmerzen und es ist auch Ihre Entscheidung ob sie das nehmen oder nicht.

Sie rufen mir an, wenn sich etwas ändert, das ich wissen muss, ja?“

Die kleine Cartoon-Buch-Präsentation

Apotheken aus aller Welt, 514: München, Deutschland

Noch einmal mit Dank an viel-Einsenderin Maggy :

Nochmal eine Apotheke aus München. Die Asam Apotheke befindet sich in der Sendlinger Straße. Es gibt einige Fotos, die ich am Abend gemacht habe. Ich bin am nächsten Tag noch einmal vorbei gegangen (eigentlich wollte ich mir nochmal einen Cakepop kaufen, der Laden lag in der gleichen Straße, aber die hatten am Sonntag zu.)

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Wie werden Apotheker im Film und Fernsehen porträtiert?

… Yup, so werden wir Apotheker im Film und Fernsehen präsentiert. :-(

Und das ist beileibe keine Ausnahme, wie ein Studienprojekt gefunden hat. Da gibt es noch einige mehr.

Die Daten zu der Untersuchung wurden inzwischen veröffentlicht.  Ein paar Auszüge:

Apotheker kommen in Film und Fernsehen nicht gut weg. Das mal vorweg.

Das gilt aber teils auch für Ärzte: während sie früher gerne als Kleinstadt-Helden dargestellt wurden, sind doch schon die Hälfte aller Darstellungen in den 80er und 90er Jahren negativ. Bei den Krankenschwestern gibt es einen Wechsel weg von der selbstaufopfernden Helferin zu mehr sinistren Charakteren – und in einem Drittel der Filme ist sie auf der Suche nach einer romantischen Affäre (Stereotypenbildung par Excellence).

Aber zu den Apothekern. Wichtige Rollen spielten sie in diesen Filmen:

  • The Pharmacist – von W.C. Fields (1933)
  • On Old California (1942) – das war John Wayne
  • It’s a wonderful Life (1946)
  • The Andy Griffith Show (1960-1967) – darüber hatte ich es schon hier.

Danach wird es … unschön. Einerseits gibt es kaum grosse Rollen für sie – dafür ist die Anzahl der Darstellungen allgemein steigend (zusammen mit den Filmen selber). Die Studie wollte schauen, wie die Apotheker in Film und Fernsehen porträtiert wurden in der Zeit zwischen Januar 1970 bis Juli 2013: positiv, neutral oder negativ?

213 Filme wurden gefunden mit 230 Auftritten von Apothekern.

  • Total Negativ: 144 (47 Kino, 97 Fernsehshows) = 62%
  • Total Neutral: 56 (19 Kino, 37 Fernsehshows) = 24%
  • Total Positiv: 30 (14 Kino, 16 Fernsehshows) = 14%

Apotheker werden demnach gerne so charakterisiert: Drogenhändler, Grossmaul, Faul, Arrogant, Opfer, übertritt persönliche Grenzen, Schwächling, Schnorrer, Psychotisch, übertritt Regeln, Bösewicht – aber auch: Hilfsbereit, Held (teils mit gemischten Motiven).

Der Apotheker wird als Medikations-Experte dargestellt, allerdings oft so, dass er das Wissen einsetzt für einen bösen Plan – oder aber sein Rat wird nicht ernst genommen.

9 Fernsehshows hatten einen Apotheker als Charakter mit einer Rolle, die wiederholt auftrat. Keine davon war weiblich.

8 von 60 Medizinischen Fernsehshows enthielten einen Apotheker. (Nur!) Nur in 2 davon, trat der Apotheker mehr als einmal auf.

Und dann eben die 62% negativen Darstellungen :-(

Das ist ziemlich enttäuschend – aber vielleicht auch eine Chance für die Zukunft: Wie wäre es mal zur Abwechslung mit einem wirklichen Apotheker-Helden? So schlecht stehen wir im Ansehen der Öffentlichkeit ja nicht da – sagt auch die jährliche Abstimmung von Readers Digest zu den vertrauenswürdigsten Berufen.

Damit das auch weiterhin so bleibt ist also ein bisschen mehr positive Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Und (hoffentlich) ein paar realistischere und positive Charaktere im Film und Fernsehen. … vielleicht auch mal mit einer weiblichen Apothekerin? (Nur damit der aktuellen Situation etwas mehr Rechnung getragen ist).

Apotheken aus aller Welt, 513: München Deutschland

Besten Dank an viel-Einsenderin Maggy für diese Apotheken:

Von meinem Aufenthalt in München vor einigen Monaten habe ich dir ja bereits eine Apotheke geschickt. Ich habe allerdings noch weitere entdeckt. Warum ich die damals nicht geschickt habe, ist mir auch nicht ganz klar. :) Die Apotheken befinden sich nur ein paar Meter auseinander. Beide sind beim Sendlinger Tor.

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Verleitende Namen

Zu mir kommt die leicht irritierte Drogistin Sabine.

Sabine: “Da ist eine Kundin und die will Vitamin B17. Ich kenne das nicht. Sie meint, ich hätte keine Ahnung und ich soll die Apothekerin fragen und ich soll schauen, ob wir das bestellen können.”

Oh weh.

Pharmama: “Das ist kein Vitamin, das ist nur eine Fantasiebezeichnung, die man etwas gegeben hat, damit es nach etwas gesundem tönt.

Tatsächlich ist das nicht einmal etwas gesundes – das ist … warte (ich zermarter mir das Gehirn) etwas mit Blausäure. Kommt natürlich vor in Aprikosenkernen und so.

Den Namen, den ich gesucht habe ist Amygdalin. Der „Wirkstoff“ Blausäure –  ist toxisch. Zuviel und man macht eine Cyanidvergiftung – das heisst, es verbindet sich mit dem dreiwertigen Eisen in den Körperzellen … stärker als das Sauerstoffatom, das dort hingehört und das schädigt natürlich die Zellatmung – die Zellen sterben. Kleinere Mengen können wir in der Leber noch entgiften, aber schon 50mg Cyanid-freisetzende Blausäure ist tödlich.

Wegen genau dem Problem ist das auch nicht zugelassen. Es existiert kein Fertigarzneimittel und bei Zubereitungen gibt es strenge Vorschriften.

Die Leute, die das unbedingt nehmen wollen, weichen dann darauf aus Aprikosenkernen oder bitteren Mandeln zu kaufen.

Experten raten aber auch hier wegen dem Gift drin, maximal 1-2 Aprikosenkerne am Tag zu verzehren oder vorsorglich ganz auf solche Produkte zu verzichten.

Amygdalin wird deshalb als Vitamin B17 bezeichnet, da ein Mangel im Ausbruch einer Krebserkrankung resultieren würde. Das ist ein Konjunktiv – da ist gar nichts bewiesen. Amygdalin ist weder als Arzneimittel zugelassen, noch spielt es in der menschlichen Ernährung als Vitamin eine Rolle.

Da kann ich sie nur enttäuschen und ihr abraten.

Auch wenn sie dann denkt, auch ich hätte auch keine Ahnung.

Wie wird man eine gute Apothekerin?

Frischer weisser Schurz und den Kopf voll von theoretischem Wissen – so stehen neue Apotheker in der Apotheke. – Bald ist es wieder soweit, die Abschlussprüfungen des hiesigen Jahrgangs sind bald fertig, dann fängt für einige Apotheker/innen die Arbeitswelt an.

Apotheker zu sein und fertig ist anders als die Arbeit im Praktikumsjahr. Auf einmal kann man sich nicht mehr hinter jemandem anderen verstecken – man hat niemanden mehr, der für einen hinsteht und die problematischen Fälle ausbügelt und Lösungen beschliesst. Auf einmal arbeitet man alleine.

Wahrscheinlich ist man nicht darauf vorbereitet. Als Neuling ist man das eigentlich nie. Ich war es sicher auch nicht.

Als ich hier in der Apotheke anfing, hatte ich einen Probetag hinter mir (eine Woche zurückliegend) und das war’s dann. Denn am Tag als ich eingeführt werden sollte, meinte mein Chef – „Ich fühle mich nicht so gut, ich denke, ich gehe nach Hause. Du machst das schon.“

Und weg war er. Krank zu Hause.

Und da stand ich. Allein. Mit der ganzen Verantwortung nur noch auf meinen Schultern.

Kein Sicherheitsnetz mehr.

Ich hab’s überlebt. Mich mit Hilfe der anderen Mitarbeiter ins Geschäft eingearbeitet – und ein paar Tage später dann doch noch eine richtige Einführung bekommen.

 

Aber ich habe hier ein paar Tipps für die frischen Pharmazeuten:

Das Studium der Pharmazie gibt einem ein Diplom, aber es bringt einem nicht wirklich bei, wie man ein Apotheker wird. Man ist nicht fertig mir lernen, nur weil man den Abschluss in der Tasche hat. Eigentlich … fängt man erst richtig an. Im Studium wird einem alles in schwarz/weiss beigebracht. Das ist aber nicht so, tatsächlich gibt es eine Menge graue Abstufungen. Was für die eine Person funktioniert, missrät bei der nächsten völlig. Es gibt keine Patentlösungen, die bei allen Situationen klappen. Wenn man das versteht, ist man schon sehr weit. Wer flexibel ist, wird nicht gebrochen.

Lass Dir Zeit. Entgegen dem, was manche zu denken scheinen, geht es nicht darum Rezepte so rasch wie möglich auszuführen. Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst um es korrekt zu machen – bei jedem einzelnen Rezept. Mit der Übung geht es schneller – aber noch einmal: das Ziel ist richtig und nicht schnellstens.

Du bist nicht besser als andere, nur weil Du jetzt eventuell mehr verdienst. Es mag sein, dass Du alle möglichen Fakten und Statistiken im Gedächtnis hast, jede Art Behandlung für alle Krankheiten aufsagen kannst, aber gegenüber der eingesessenen Apothekerin, die Patienten hat, die man fast nur als Fans bezeichnen kann, hast Du nichts voraus. Sie kümmert sich um sie. Und sie wird deshalb zurückgeliebt.

Eine überhebliche Einstellung bringt einen nirgendwohin. Nur weil man einen weissen Schurz anhat, macht das einen nicht besser als andere. Oder weiser. Tatsächlich werden die Leute Deine ältere Pharmaassistentin lieber um Rat fragen … jedenfalls, bis man selber ein paar Jahre zugelegt hat. Wenn man jung und weiblich ist, gilt das noch viel mehr, als wenn man jung und männlich ist. Da muss man drüber wegkommen. Das ist nicht persönlich gemeint. Das ist einfach so.

Schau die Leute anders an. Man sieht im Normalfall das, was man sehen will. Wenn man sich antrainiert, etwas Gutes in jedem zu finden, wird man den Leuten auch einfacher verzeihen, wenn sie einen enttäuschen und – wichtiger, sie werden dir verzeihen, wenn du sie enttäuscht.

Du hast kein Recht unhöflich zu sein. Nie. Bis zu dem Moment, wo Du deinen eigenen Lohn zahlst, wirst Du immer jemanden haben, dem Du Rechenschaft schuldest und Unhöflichkeit wird von Deinen Vorgesetzten nicht verteidigt, sogar wenn sie vielleicht gerechtfertigt war.

Es ist nie die Nachricht, die schlecht ankommt bei den Leuten, es ist normalerweise, wie man es sagt. Effektive Kommunikation ist ein Kurs, wo sich die Weiterbildung lohnt. Rede nicht an jemanden heran, rede mit ihm. Es ist okay zu sagen, „Wenn ich sie richtig verstehe, dann …“ . wenn sie denken, Du verstehst sie, dann hast Du die halbe Schlacht gewonnen. Es ist wichtig, zu empathisiseren. Wenn Dein Kunde der Überzeugung ist, dass Du auf seiner Seite bist, wird er Dir weniger Probleme machen. Zum Beispiel: es hört niemand gerne, dass der Arzt immer noch nicht das Rezept geschickt hat. Da kann man durchaus sagen: „Ich verstehe, dass sie das ärgert! Uns macht es auch verrückt, wenn wir schon 2 x angerufen haben und trotzdem nichts passiert. Vielleicht rufen sie einmal an, schliesslich sind sie ja der Patient.“

Sei deinen Kunden ein Freund.

Rede mit Deinen Patienten. Das ist der gute Teil des Jobs. Natürlich gibt es darunter welche, die einen verärgern (manchmal auch absichtlich), langweilen oder schocken. Aber am Ende des Tages ist das der Teil der Arbeit, der einem am meisten zurückgibt. Versuch es, auch wenn Du (wie ich) eher zu den introvertierten Leuten gehörst.

Stell Fragen statt Dinge anzunehmen. In der Apotheke geht es oft um die Gesundheit – und damit auch um das Leben der Menschen. Dinge anzunehmen statt sie zu erfragen und damit zu wissen kann sehr negative Auswirkungen haben. Also frag beim Arzt nach, wenn etwas unleserlich oder eine Dosierung unklar ist. Frag den Patienten, ob er weiss, wie man etwas nehmen muss und erkläre es ihm noch einmal, selbst wenn er es schon hatte.

Deine Pharmaassistentinnen sind deine rechte Hand und dein Lebensretter. Sie können deine Arbeit einfach machen oder schwerer. Natürlich gibt es welche, die besser sind als andere, aber arbeite mal ein paar Stunden ganz alleine – dann weißt Du, was Du an ihnen hast. Nur weil sie kein Diplom haben, heisst das nicht, dass sie nicht auch wertvoll sind.

Lerne von Deinen Fehlern. Obwohl man von uns nahezu Perfektion verlangt, sind Apotheker doch auch Menschen und wir machen Fehler, wie jeder andere auch. Ich selber habe einige Fehler gemacht, falsches Medikament gelesen, falsche Dosis angeschrieben und manches falsch eingeschätzt. Wichtig ist, dass man wirklich von den Fehlern lernt und sie nicht wiederholt – wo möglich.

Involviere Dich in den Zukunft deines Berufes und halte Dich informiert, was um Dich herum passiert. Das Gesundheitswesen ändert sich schnell – und es gibt Sachen, die man machen kann, damit man am Schluss nicht nur das ausführende Opfer ist. Du entscheidest mit, wohin der Apothekerberuf gehen wird. Also ist es wichtig beim Apothekerverein Mitglied zu werden – und vielleicht auch in anderen involvierten Organisationen.

Wenn du etwas sagst, dann halte es. Versprich nicht jemandem etwas und mach es dann nicht. Und wenn du es nicht durchziehen kannst, dann solltest Du besser alles versucht haben, bevor du aufgibst. Wenn Du etwas nicht tun konntest für einen Patienten, dann sollte er wissen, dass Du dein Bestes gegeben hast.

Hab Spass. Natürlich ist die Arbeit anstrengend – auf so ziemlich allen Ebenen, aber es gibt immer wieder Möglichkieten bei der Arbeit Spass zu haben. Mit den Kollegen zu scherzen. Ausserhalb etwas zu unternehmen. Ergreife die.

 

Das sollte es etwa sein. Deine Patienten mögen nicht so gut zu dir sein, wie Du zu ihnen, aber wenn Du Haltung bewahrst, realistische Erwartungen hast, Deine Grenzen lernst und Dich anständig benimmst, und Dich um sie kümmerst – dann bist Du eine gute Apothekerin. Und das ist ein sowohl fordernder als auch lohnender Beruf.