Apotheken aus aller Welt, 508: Vilnius, Litauen

Nach längerer Pause geht’s jetzt weiter mit den Apotheken. Noch eine von Bari (mit Dank!)

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und eine, die aussieht, wie ein Büro (in der Innenstadt)Vilnius6

Über diese Anzeigen

Medikamente hamstern?

Frau um die 50 in der Apotheke: „Ich hatte letzte Woche Augentropfen auf Rezept, könnten Sie mal nachschauen? Ich brauche sie alle noch einmal.“

Ich schaue im Computer in ihrem Patientendossier nach. Das Rezept wurde vor etwa 10 Tagen eingelöst. Sie hatte 3 Sorten Augentropfen auf dem Rezept: Antiallergische, künstliche Tränen und Antibiotika-Augentropfen.

Pharmama: „Das ist nur ein Dauerrezept für die befeuchtenden Augentropfen. Weshalb brauchen Sie die anderen nochmals?“

Es könnte ja sein, dass sie immer noch Beschwerden hat und eine weiterführung der Therapie angesagt ist.

Frau (unbeeindruckt): „Die Antibiotika und die Antiallergischen finde ich nicht mehr.“

… Hmmm?

Pharmama: „Also, die befeuchtenden sind kein Problem, da haben sie ein Dauerrezept, die Antiallergischen kann ich als Ausnahme einmalig auf dem Rezept wiederholen, wenn sie die länger brauchen. Aber die Antibiotika sind Liste A, die darf ich nicht wiederholen. Außerdem… Das ist jetzt 10 Tage her … Brauchen Sie die wirklich noch?“

Frau: „Die habe ich bisher noch gar nicht angewendet.“

Ich schaue sie mir an. Sie sieht nicht nach akuter Augeninfektion aus. Und selbst wenn … für das sollte sie zum Arzt.

Pharmama: „Ah. Nun, dann macht es auch nichts, wenn das noch einen Tag länger geht, bis der Arzt ein neues Rp ausstellt. Bitte besorgen Sie dafür ein neues Rezept vom Arzt.“

Wie „lässig“ manche Leute mit ihren Medikamenten umgehen, werde ich nie verstehen. Dass ihr die befeuchtenden Augentropfen ausgegangen sind … okay – Einzeldosen sind nicht haltbar, wenn sie offen sind. Allerdings könnte sie selbst da noch welche haben – das sind 20er Packungen Aber bei den anderen beiden … habe ich bei ihr einfach das Gefühl, es kümmert sie nur insofern, als sie nochmals eine Packung zuhause haben will. Nur für den Fall. “Zahlt” da ja auch die Krankenkasse.

Lies: Hamstern.

Es kam dann auch kein neues Rezept für sie. War wohl doch nicht „so“ wichtig.

Seit heute ….

… bin ich stolzer Besitzer einer Autoren-Seite auf Amazon

zu finden unter http://www.amazon.de/Pharmama/e/B00KCV5LC4/ref=sr_tc_2_0?qid=1409939492&sr=8-2-ent

  • hat ja auch nur 6 Monate gedauert, bis das durch war. Natürlich ist es nicht ganz einfach, wenn man unter einem Pseudonym schreibt, aber: es hat ja geklappt.

Übrigens: mein Cartoon-Buch macht Fortschritte. Jetzt ist schon mal ein Probedruck unterwegs zu mir.

Und ich bin am überlegen: soll ich das auch als e-book anbieten? Macht das überhaupt Sinn bei Cartoons?

 

Mit jedem einzelnen Satz

Frau Säuerlich betritt die Apotheke – gleichzeitig mit einem anderen Kunden. Ich kenne die Kundin schon und bin entsprechend vorgewarnt, allerdings heute war es besonders schlimm. Frau Säuerlich ist, wie der Name schon sagt … säuerlich. Sie macht auch in Ruhestellung ein Gesicht wie wenn sie gerade in eine Zitrone gebissen hätte – die Amerikaner sagen dazu Catbutt-face. Sie ist schwierig. Ich weiss nicht, wie sie das schafft, aber … sie regt mich auf. Mit jedem einzelnen Satz, den sie sagt.

Es fängt schon an als ich (freundlich lächelnd) auf sie zukomme zum bedienen. Sie ist zusammen mit einem anderen Kunden in die Apotheke gekommen und meine Kollegin, die vorne stand, nahm sich ihn an … was Frau Säuerlich schon nicht passte. Wie ich am Gesichtsausdruck und der ungeduldig winkenden Hand erkennen konnte, war sie der Meinung, dass sie zuerst hereingekommen ist. Die beiden waren etwa gleichzeitig und sie ist direkt nach dem Eingang stehen geblieben – wohingegen er weiter gegangen ist und so zuerst von meiner Kollegin bedient wurde und ich erst den Weg zu ihr nach vorne machen musste.

Zwischenbemerkung: Ja, meine Kollegin wollte sie auch nicht unbedingt nehmen – es ist schon vorgekommen, dass Frau Säuerlich zu ihr gesagt hat: „Ist denn sonst niemand da, der mich bedienen könnte?“ Oder ungesagt: Sie will ich nicht.

Also komme ich zur schon angesäuerten Kundin nach vorne (nach ganz vorne).

Ich: „Grüetzi!“

„Melisse“ wirft sie mir entgegen – ohne Grüetzi oder Guten Tag. „Wofür ist das?“ Und als Nachsatz „Melissentee.“

Pharmama: „Das ist beruhigend und krampflösend bei Magen-Darm Beschwerden.“

Frau Säuerlich: „Das ist nicht gegen Blähungen?!“

Ich weiss nicht, wie sie es macht, aber das hört sich direkt anklagend an.

Pharmama: „Nun, indirekt schon – aber für Blähungen wäre Fenchel bes…“

Frau Säuerlich: „Das habe ich schon probiert. Nützt nix. Haben Sie Arnika-Salbe?“

Pharmama: Etwas überrascht ob dem schnellen Themawechsel: „Ja.“

Frau Säuerlich (ironisch überrascht tönend): „Oh, haben Sie.?“

Pharmama: „Ja, Moment, ich zeige sie Ihnen.“

Ich hole die Weleda Salbe in 2 Grössen

Frau Säuerlich: „Ach. Weleda.“ Sie klingt tatsächlich abschätzig. „Haben Sie keine andere?“

Pharmama: „Hier nicht, ich kann andere bestellen …“

Frau Säuerlich: „Nein, schon gut. Ich nehme die kleine – das muss ich erst ausprobieren. Wie teuer ist die?“

Wir gehen zur Kasse.

Pharmama: „Das macht 12.90.-…“

Frau Säuerlich: „Wiiieeviieeel? Grmmpf.“

Sie fängt an das Geld herauszuzählen

Ich (währenddessen): „Die ist gegen Quetschungen, Prellungen und blaue Flecken, bitte nicht auf offenen Wunden anwenden.“

(Sie wollte ja Info von mir. Kann sie haben.)

Frau Säuerlich: „Und Schmerzen.“

Pharmama: „Nein, die ist nicht gegen Schmerzen.“

Frau Säuerlich: „Meine Tochter hat mir die empfohlen. Also nicht gegen Schmerzen?“

Pharmama: „Nein.“

Frau Säuerlich: „Dann nehme ich sie nicht. (Sie schaut mir über die Schulter) Was haben Sie sonst zum einreiben gegen Schmerzen? … (und ohne zu warten) … ah – Voltaren natürlich.“

Pharmama: „Voltaren wäre eine Möglichkeit, oder …“

Frau Säuerlich: „Was sind das für kleine da unten?“

Pharmama: „Das sind die Voltaren Tabletten …“

Frau Säuerlich: „Nein, Tabletten will ich nicht… haben Sie mir kein Muster vom Voltaren?“

Pharmama: „Ich schau mal, was ich habe … Nein, tut mir leid. Im Moment habe ich nur Muster vom Perskindol zum einreiben gegen Schmerzen.“

Frau Säuerlich: „Grrmpf. Dann nehme ich halt das.“

Nimmt das Muster und geht wieder. Säuerlich, wie immer.

Eigentlich ist das fast lustig, wie sie es schafft, mich mit jedem Satz aufzuregen. Eine wahres kleines Kunststück. Da haben wir alles: Vom anklagenden Blick, weil sie nicht die erste war, die bedient wurde, über mich auszuquetschen und dann nicht zuzuhören / wieder abzuklemmen (ja, es gibt noch andere Sachen gegen Blähungen oder Schmerzen zum einreiben), anzutönen überrascht zu sein, dass wir etwas an Lager haben, sich über den Preis zu beklagen, Muster zu verlangen, auch wenn man nichts einkauft … und ihre ganz allgemeine Unzufriedenheit, die sie ausstrahlt.

So etwas am frühen Morgen und ich brauche danach ein bisschen Zeit, mich zu erholen um wieder entspannt auf den nächsten Kunden zuzugehen.

So ein Energiefresser.

Kopie forte?

Das ist das, was ich zuerst gelesen habe, als ich dieses Rezept bekam:

rpkopie

Der Arzt meint aber kein extra starkes Generikum, sondern das Medikament Nopil forte.

…und das ist der Grund, warum ich meinen Mitarbeitern sage, sie sollen mir nie sagen “was” sie lesen …. das beeinflusst nämlich.

 

Busy, busy … mit meinem Projekt

Damit bin ich beschäftigt:

uebersichtcomicbuch

und daneben kämpfe ich mit dem Word für Mac – das will einfach nicht wie ich :-(

Aber … falls es Euch zu lange wird auf mein Cartoon-Buch zu warten: es gibt ja noch mein anderes Buch:

Patientengeheimnis – Fragen

Ich bin mir meiner Berufs-mässigen Schweigepflicht und dem Patientengeheimnis sehr bewusst. In der Apotheke wird jedes Zettelchen, wo der Name eines Patienten drauf steht separat gesammelt und dann geschreddert, nicht mit dem normalen Abfall entsorgt. Von zurückgebrachten Medikamenten knübeln wir die Dosierungsetiketten, die Druckpatronen und Farbbänder der Eikettendrucker werden auch separat vernichtet. Ich bringe meinen Leuten bei, was sie wem sagen dürfen (und was nicht). Wenn wir wegen einer Bestellung telefonieren müssen, wird abgeklärt, ob der Empfänger auch der Patient ist – und ansonsten nur gesagt: “Bitte teilen sie ihm/ihr mit, sie soll uns zurück rufen” oder, wenn es nur ein Anrufbeantworter ist nur mitgeteilt: “Die Bestellung ist angekommen und liegt für Sie auf der Seite” – Nie was. 

Die Krankenkassen bekommen Auskunft über die Bezüge soweit es für die Abrechnung nötig ist.

Mit dem Arzt kommuniziere ich insoweit es für die korrekte Behandlung des Patienten notwendig ist (unleserliche Rezepte, Dosierungsnachfragen etc.).

Es ist also ein interessantes und spannendes Thema, das viel zu wenig dran kam im Studium und das in der Praxis für einige Fragen und auch Unsicherheiten sorgt. (siehe vorherige Erlebnisse).

Vielleicht habt ihr noch Fragen oder Erlebnisse, die wir hier diskutieren können? 

Stellt sie direkt in den Kommentaren oder mailt sie mir!

Patientengeheimnis und Abgabe an Minderjährige

Die absolute Horrorversion – wenigstens nicht bei mir in der Apotheke passiert – und das kann es auch nicht. Jedenfalls nicht so. Das erkläre ich noch.

Sehr grosse, sehr gut frequentierte Apotheke zur Mittagszeit.

Die Frau um die 40 stürmt in die Apotheke. In der Hand eine Packung Norlevo (das ist hier die Pille danach).

Frau (aufgebracht): “Das hier  …” (wedelt mit der Packung) “habe ich im Zimmer meiner minderjährigen Tochter gefunden! Das hat ihre Preisetikette drauf! Ich will wissen, ob sie das von Ihnen bekommen hat!”

Apotheker: “Das … darf ich ihnen nicht sagen.”

Frau: “Aber Sie können das sicher nachschauen. Sie heisst …”

Apotheker: “Das könnte ich nachschauen, aber das werde ich nicht.”

Frau: “Was? Wieso? Ich bin die Mutter! Ich muss das wissen – und sie ist minderjährig! Sie ist 15! Sie hätten das ohne meine Erlaubnis nicht abgeben dürfen!!”

Apotheker: “Das stimmt so leider nicht. Falls wir ihrer Tochter etwas abgegeben haben, fällt das unter das Patientengeheimnis. Auch wenn ihre Tochter noch nicht 18 ist.

Und die Pille danach dürfen wir auch an unter 16 jährige abgegeben werden, soweit die Jugendliche mündig ist im Sinne von: versteht um was es geht und wie man das anwendet.”

Die Frau hat dann noch einen Riesen-Aufstand gemacht, aber nichts weiter erreicht.

Übrigens, das kann bei mir nicht passieren. Nicht, weil ich das nie an unter 16jährige Abgeben würde (ich würde, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind). Ich gebe bei der Pille danach meist den Prospekt der Firma mit. Eventuell auf Wunsch noch die Packungsbeilage. Die ganze Packung nicht (aus Gründen wie dem oben) und die Pille selber lasse ich grad in der Apotheke schlucken.

Das Ganze erinnert an die gerade aktuelle Situation in Deutschland, wo die Apothekerin einer minderjährigen (13jährigen) ein Schlankheitsmittel verkauft hat. Das ist unglücklich, speziell aus dem Grund, da hier in der Packungsbeilage steht, man soll das nicht an Kinder oder Jugendliche abgeben, die sich noch im Wachstum befinden. Bei Norlevo steht: “Über die Anwendung bei Jugendlichen unter 16 Jahren liegen nur limitierte Daten vor. Bei Kindern vor der Menarche besteht keine Indikation.” – also kein Verbot hier.

Mich würde ja interessieren, wie das Mädchen denn ausgesehen hat – die Apothekerin hat sich inzwischen mehrfach entschuldigt, sie ‘habe nicht realisiert, wie jung das Mädchen gewesen ist.’ Das kann ich mir tatsächlich noch vorstellen, dass die älter ausgesehen hat. Dann hat sie es wohl auch gezielt verlangt …

 

Bei dem Mittel handelte es sich um Formoline – Nahrungsfasern, die im Darm Fett zurückhalten sollen und so eine fettarme Diät unterstützen.  Ein nicht-apothekenpflichiges Präparat, das man auch im Supermarkt oder im Versandhandel hätte bekommen können. Das ist auch nicht wirklich ein gefährliches Mittel – die Wechselwirkungen, die das machen *kann” hätte man auch bei einer Faserreichen Diät.

Die Mutter scheint sich, wenn man das liest, aber fast mehr darüber aufzuregen, dass es 1. ein Abnehmpräparat war … die Apothekerin also die überzogenen Schönheitsvorstellungen der Öffentlichkeit unterstützt und dass sie 2. das in der Apotheke verkauft hat. Da werden schliesslich höhere Erwartungen angesetzt.

Erinnert sich noch jemand an Alli? Das war auch toll, die Leute dazu Zwangs-zu-beraten.

Hat jemand Lust …

… mir bei meinem neusten Projekt zu helfen?

Ich könnte noch Hilfe und Kritik brauchen bei manchen Texten.

:-)

Es nimmt Formen an.

vorenthaltene Information

Noch Mal zum Thema Patientengeheimnis: wir steigern das Ganze ein bisschen:

Ein Mann ruft in die Apotheke an.

Er sagt (mit relativ starkem, aber für mich jetzt nicht zuordnenbarem Akzent): “Hallo? Mein Name ist Terces*, ich bin Patient bei Ihnen, ich brauche eine Auskunft.”

Pharmama: “Natürlich. Worum geht es?”

Herr Terces: “Ich habe eine Rechnung bekommen von der Krankenkasse. Können Sie mir sagen, wann ich bei Ihnen war und was ich bekommen habe?”

Pharmama: “Ja. Moment.”

Ich rufe sein Dossier auf und vergewissere mich mittels ein paar Fragen, dass es sich wirklich um den Patienten selber handelt, dann gebe ihm die Antwort. Wie gesagt: jeder kann jederzeit seine Daten einsehen / nachfragen. Offenbar kontrolliert er eine von der Krankenkasse bekommene Abrechnung.

Herr Terces: “Ja. Jetzt noch für meine Frau. Ich denke, sie war auch bei ihnen. Ihr Name ist …”

Pharmama: “Tut mir leid, aber … da darf ich Ihnen keine Auskunft geben.”

Herr Terces (ungläubig): “Was? Aber das ist meine Frau.”

Pharmama: “Ja, Aber auch dann fällt das unter das Patientengeheimnis. Ich darf es Ihnen nicht sagen.”

Herr Terces, aufgebracht: Was, aber ich brauche diese Information!”

Pharmama: “Ich kann ihrer Frau direkt die Informationen geben, oder, wenn ich von ihr die Erlaubnis erhalte, DANN kann ich es Ihnen sagen.”

Herr Terces: “Aber meine Frau ist im Moment nicht erreichbar. Sagen Sie mir doch einfach, wann sie bei Ihnen war und was sie bezogen hat.”

Pharmama: “Das darf ich so nicht. Tut mir leid.”

Er ist hörbar wütend, hängt aber auf ohne weiter zu diskutieren.

Ja – das ist jetzt genau so ein Problem. Es ist der Ehemann. Wahrscheinlich wäre es kein Problem ihm die Auskunft zu geben – aber wirklich sicher sein kann ich nicht. Sie waren noch nie zusammen hier. Die Medikamente die sie geholt hat … hmmm … ich sag’s mal so: offenbar weiss er bis jetzt nicht, was sie genommen hat (oder noch nimmt) und auch wenn er die Rechnungen kontrolliert – das ist eines der Dinge, die die Krankenkasse hier nicht weiter gibt. Nur die Gesamtsumme und woher die Rechnung kam. Das finde ich bisher in den meisten Fällen Ober-doof, hat man so doch selber kaum Kontrolle. Ausser man ruft an. Wie er. Nur … für jemand anderen als den Patienten selber darf ich das nicht einfach sagen. Auch wenn er die Rechnungen bezahlt. Auch wenn er der Mann ist. Auch wenn sie vielleicht nicht so gut deutsch kann (irgendwo hatte ich das Gefühl, das war das Problem).

Etwas später bekomme ich ein weiteres Telefon.

Herr Terces: “Hallo, ich habe vorher schon angerufen, wegen einer Auskunft.”

Pharmama: “Ja, ich erinnere mich.”

Herr Terces: “Ich habe beim Arzt angerufen, der hat mir gesagt, dass sie bei ihm war… (Aua**) und meine Frau meinte, dass sie bei Ihnen in der Apotheke das bezogen hat. Könnten sie mir jetzt noch genau sagen, wann und was?”

Pharmama: “Es tut mir leid, aber wie ich vorher gesagt habe – ich muss zuerst mit ihrer Frau sprechen und von ihr die Erlaubnis bekommen, diese Information herauszugeben. Könnten Sie ihr nicht sagen, Sie soll selber anrufen? Wenn Sie kommt, kann ich ihr die Information auch ausdrucken, aber ich darf es Ihnen nicht sagen.”

Herr Terces: “Aber … das ist meine Frau!”

Pharmama: “Tut mir leid, aber … das Patientengeheimnis besteht auch gegenüber Familienangehörigen.”

Herr Terces: “Ich finde das nicht gut, was Sie da machen!”

Sagt er und hängt (böse) auf.

Seufz.

Jetzt bin ich die böse Apothekerin, die ihm Information vorenthält.

Ich finde das in dem Fall auch nicht sehr sinnvoll – wahrscheinlich braucht er die Informationen nur zum Kontrollieren der Rechnung … und gewisse Informationen hatte er schon. Aber – das Patientengeheimnis besteht trotzdem.

Und es könnte ja auch anders sein, dass sie ihm nämlich nicht gesagt hat, was sie nimmt, weil sie nicht will, dass er es weiss. Das wäre dann ein übler Vertrauensbruch und rechtlich verfolgbar wenn ich die Info einfach rausgebe.

Die Frau kam dann übrigens später am Tag und hat von uns den Ausdruck ihrer Bezüge erhalten. Das ging problemlos und unspektakulär ohne weitere Aufregungen.

 

  • alle Namen wie üblich geändert

**Ich weiss natürlich nicht, wie das mit dem Arzt genau ging, dass er die Auskunft gegeben hat. Vielleicht hatte der Arzt vorher das Einverständnis der Frau. Wenn sie ihm gegenüber mal gesagt hat, dass ihr Mann in die Behandlung einbezogen ist, reicht das theoretisch schon, oder wenn sie zusammen beim Termin waren. Ansonsten … Hmmm.

 

Einblick verboten?

Patient in der Apotheke: “Habe ich noch offene Dauerrezepte?”

Pharmama: “Lassen Sie mich nachschauen …”

Ich rufe sein Computerdossier auf und stelle den Bildschirm so, dass er auch drauf schauen kann.

Patient: “Sollte ich mich umdrehen?”

Pharmama: “Wieso?”

Patient: “Damit ich nicht sehe, was auf dem Computerbildschirm ist?”

Pharmama: “Ah. Nein, das ist schon okay, das sind ihre eigenen Daten, die dürfen sie sehen.”

Es hat im übrigen jeder das Recht Einblick in seine eigenen Daten zu erhalten – das gilt sowohl bei uns, als auch beim Arzt. Das Patientengeheimnis greift nicht gegenüber dem Patient selber. Aber: gegenüber seinen Angehörigen schon.

In der Grauzone – oder: ein Schatten der Dinge, die da kommen …

Meine liebe Nachbarin bringt mich in die rechtliche Grauzone. Und gerade sie könnte / sollte das wissen. Dabei macht sie es aus den best-möglichen Motiven … Es geht um das Patientengeheimnis. Sie war die erste, aber nicht die letzte – das Thema kam in den letzten Wochen grad ein paar Mal.

Kennt ihr das, wenn ein bestimmtes Thema auf einmal wieder und wieder auftaucht? Und wenn die Phase vorbei ist, hat man wieder lange Ruhe? Ich hoffe, das stimmt hier.

Jedenfalls ruft meine Nachbarin Julia, die weiss, wo ich arbeite, und die – ich sag’ jetzt Mal auch in einem medizinischen Bereich arbeitet, in der Apotheke an.

Julia: „Hallo Pharmama! Ich muss dich etwas fragen. Du weißt ja, dass ich auch mit älteren Leuten arbeite, dabei habe ich Frau Zipfel kennengelernt und wir hatten auch immer wieder Kontakt …“

Ich versteife mich ein wenig innerlich, denn Frau Zipfel und ihr Mann sind Kundin/Patientin bei uns, und alles, was sie mich fragen könnte … dürfte unter das Patientengeheimnis fallen. Gleichzeitig bin ich ein bisschen erleichtert, denn ich ahne was kommt.

Julia: „Frau Zipfel wohnt ja fast genau neben Euch. Und sie ist Patientin bei Euch, das hat sie mir erzählt ….“

Pharmama: (möglichst neutral) „Ummm….“

Julia: „Jedenfalls, ich bin beunruhigt, weil ich sie nicht erreichen kann. Wir haben gelegentlich telefoniert und jetzt ist das Telefon abgeschaltet?… Ich habe einfach Angst, dass ihr vielleicht etwas passiert ist. Sie und ihr Mann sind doch schon älter und …“

Ich unterbreche sie.

Pharmama: „Julia, Du weißt, dass Ich Dir eigentlich gar nichts sagen darf. Nur soviel: Ich weiss, dass es ihr gut geht. Sie und Ihr Mann haben aber beschlossen umzuziehen. Deshalb kannst Du sie momentan nicht erreichen. Ich bin sicher, sie meldet sich wieder.“

Julia: „Ah, da bin ich beruhigt. Danke Dir!“

Die beiden (Frau und Herr Zipfel) waren gute und liebe Kunden bei uns. Mit zunehmendem Alter wurden sie aber beide … fragiler. Deshalb haben sie beschlossen gemeinsam ins Altersheim zu gehen. Sozusagen bevor sie „müssen“. Zusammen. Was ich wahnsinnig süss finde. Vor allem, weil sie extra vorbeigekommen sind, um sich zu verabschieden und zu bedanken.

Aber eigentlich … hätte ich nicht mal das sagen dürfen, was ich gesagt habe.

Was hättet ihr getan?

Preview 2

Beim colorieren der Bilder – weil ich nicht will, dass das nachher zu teuer wird, kommt mein kleines Cartoon-Buch, an dem ich arbeite in Graustufen. Ich finde, das sieht so gut aus!

Das Video wurde beschleunigt (sooo schnell bin ich dann auch nicht beim malen) …

Die Apotheke als Notaufnahme …

Kommentar von gerade vorhin:

Jetzt bist Du auch noch Notaufnahme :)

Das bin ich schon länger … ihr habt ja keine Ahnung. Ich weiss nicht, ob das in anderen Apotheken auch so ist, aber … hier mal ein Überblick, was ich alleine letzten Monat so alles hatte in der Apotheke:

Bauarbeiter, dem ein Backstein auf den Kopf gefallen ist. Das hört sich schlimmer an, als es war: es stellte sich einfach als eine 1cm Platzwunde auf der Kopfhaut heraus, die höllisch blutete (tun die meistens). Druckverband gemacht und ins Spital geschickt zum Nähen und für die Tetanus-Spritze.

Jüngere Dame mit Schwindel und hyperventilierend. Hingesetzt und einen Plastiksack zum reinatmen gegeben, sowie Traubenzucker und etwas zu trinken. Blutdruck okay – und es wurde rasch besser mit dem Plastiksack-atmen. Vermutlich eine kleine Panikatacke – wofür auch spricht, dass sie nach eigener Aussage vom Arzt schon Beruhigungsmittel bekommen hat. Sie ging, nachdem sie sich bei uns erholt hat selbständig wieder nach Hause.

Handwerker, der sich mit der Kreissäge in den Daumen gesägt hat. Zum Glück nicht wirklich tief und geblutet hat es auch nicht mehr (das wurde wohl gleich kauterisiert). Gründlichst desinfiziert, verbunden und ihm gesagt, er soll das sauber und geschlossen halten mit regelmässigem Verbandswechsel und beobachten. Falls es anfängt mehr zu schmerzen oder rot wird, sofort zum Arzt. Der hier hatte eine Tetanusspritze gemacht bei seinem Unfall vor einem Jahr …

Ältere Dame mit von Sturz förmlich zerfetztem Unterarm. Die Haut (bei älteren eh’ schon dünner und reisst eher) hing in diversesten Fetzen und sie blutete stark: Blutverdünner. Ich habe den groben Dreck entfernt und steril abgedeckt bis die Sanität kam um sie ins Spital zu bringen.

Der nette Tourist, der sich am kaputten Regenschirm geschnitten hat. Verbunden und Pflaster / Desinfektionsmittel verkauft.

Mittelalte Dame mit diffusen Beschwerden (“fühle mich einfach nicht wohl”) und Schwindel, will Blutdruck messen. Der ist viel (!) zu hoch: über 190. Ins Spital geschickt, auch weil ihr Hausarzt momentan in den Ferien ist und sie (wirklich!) gleich gehen soll das zeigen.

Da waren noch mehr, aber das sind nur die, die mir grad einfallen. Daneben natürlich noch die üblichen kleineren Beschwerden, Erkältungen, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Durchfall nach Reisen, Durchfall ohne Reisen etc.

An der Stelle noch ein Hinweis auf den letzten Artikel in 3min: Hausarzt gesucht? Nein, neue Modelle sind gefragt.

 Dabei wäre doch zum Beispiel ein Gesundheitszentrum mit Apotheke und angeschlossener Hausarztpraxis eine vernünftige Lösung. Davon würden beide profitieren. Die räumliche Nähe erlaubt eine enge Zusammenarbeit bei der Betreuung der Patienten. Die Apotheke weist dem Arzt die Fälle zu, die die Kompetenz des Apothekers übersteigen, und der Arzt überlässt der Apotheke die Medikation. Wetten, dass die Apotheke bei einem solchen Zusammenschluss eine wesentliche Entlastung für den Hausarzt bringt. Sie könnte zum Beispiel – warum nicht? – Arzttermine vereinbaren und erste Massnahmen wie Schmerzlinderung, Wundversorgung und ähnliches einleiten, bis der Arzt wieder da ist. Es kommt ja nicht jeder mit dem Kopf unter dem Arm. Nach einer Erstbetreuung können mit Sicherheit die meisten Patienten auch mal ein paar Stunden oder einen Tag auf die ärztliche Untersuchung warten. Ausserdem wäre durch die enge Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker letzterer viel besser informiert und könnte besser abschätzen, ob das Haus in Vollbrand steht oder der Feuerlöscher genügt.

Ja … siehe oben. Das wäre vielleicht wirklich etwas für die Arztpraxen / Apotheken auf dem Land.