Er hat ‘was’ gesagt?

„Ich hatte ihn nicht mal selber am Telefon, nur die Praxisassistentin. Aber er hat ausrichten lassen, dass wir ‚ihr geben können, was wir wollten oder soviel sie will – er, also der Arzt – habe keine Möglichkeit, da einzuschränken’.“

Das gibt’s ja nicht.

Anlass von dem kleinen Gespräch bei der Übergabe zwischen meiner Apotheker-Kollegin und mir war ein Problem, das wir mit einer Patientin haben. Die Patientin ist bekannt abhängig. Sie hat auf Dauerrezept Benzodiazepine verordnet (Temesta in dem Fall). Wie das so bei manchen Daueranwendern passiert, hat sie dann irgendwann einmal angefangen mehr zu nehmen …. bis wir ein erstes Mal eingegriffen haben um nachzufragen, ob da eine Limitation möglich wäre. Der Arzt war damit einverstanden und so hat die Patientin, Frau Zzz „nur“ noch 3 Packungen Temesta zu 50 Stück pro Monat bekommen. Das ging … mal besser, mal schlechter über ein Jahr gut, dann fing sie an erst uns und dann den Arzt zu drangsalsieren, weil das nicht reichte. Sie hat sich „Extrapackungen“ aufschreiben zu lassen – das musste via Arzt laufen gemäss unserer Abmachung, da wir sonst keine Ausnahmen dafür erlaubten. Der Arzt schrieb die Packungen dann auch meistens auf. Ich bin sicher, er hat ziemlich Druck bekommen von der Patientin. Das Problem ist einfach, dass derartig häufige (etwa 1 x monatliche) Ausnahmen die Abmachung untergraben.

Das nächste Problem tauchte auf, als der selbe Arzt zusätzlich zu den Temesta auch noch Seresta (ebenfalls ein Benzodiazepin) aufschrieb. Ebenfalls als Dauerrezept. Ohne Angabe der Dosierung ausser „bei Bedarf“.

Man kann sich vorstellen, dass die Patientin das dann auch prompt nutzte – oder ich sollte schreiben ausnutzte. Aber nach der 2. Packung (zu 50 Stück) zusätzlich zu den 3×50 Temesta im ersten Monat, da haben wir dem Arzt wieder angerufen, um das abzuklären.

Es macht wenig Sinn gleich 2 Benzodiazepine gleichzeitig zu verordnen. Tatsächlich war mir das nicht ganz geheuer aber eine Internet- und Literaturrecherche brachte auch nur das Ergebnis, dass das nicht gute Praxis ist und die Gefahr der Nebenwirkungen erheblich erhöht ohne eine Bessere Wirkung zu zeigen.

Also haben wir in der Praxis angefragt, ob es da nicht Sinn mache – falls das Seresta wirklich nötig ist, da nicht auch eine Limitation einzuführen.

Und darauf kam dann obige Antwort.

Nicht mal vom Arzt selber, von der Praxisassistentin. Offenbar war es nicht wichtig genug direkt mit der Apothekerin zu reden.

Umm … das kann ich so nicht stehen lassen.

Was die Patientin da macht ist nicht nur Missbrauch – sie gefährdet akut ihre Gesundheit damit … und das kann nur schlimmer werden. Damit will ich nichts zu tun haben – das ist nicht das, was ich als meine Arbeit will. Das widerspricht meinem Verantwortungsgefühl für die Gesundheit meiner Patienten und meinem Berufsverständnis. Ich bin echt nicht nur einfach der Tablettendispenser.

Im übrigen finde ich das Verhalten vom Arzt unverantwortlich. Wirklich. Ich vermute, er hat bei dieser Patientin etwas resigniert. Sie setzt ihn (wie uns auch) ziemlich unter Druck mit Forderungen  (ich brauche mehr Packungen, ich habe eine akute Krise! Mir geht’s gar nicht gut.), mit Drohungen (ich wechsle den Arzt! Und die Apotheke!) und überhaupt mit stetigen Anrufen – denn in der Praxis selber war sie schon eine Zeitlang nicht mehr.

Also habe ich mich hingesetzt und einen Brief geschrieben. An den Arzt. Einerseits, weil ich schriftlich sowieso besser bin als am Telefon. Andererseits als Dokumentation. Wenn etwas passiert will ich das festgehalten haben auf Papier.

Darin schrieb ich dem Arzt von meinen Bedenken bei der Kombination von 2 Benzodiazepinen. Dass Frau Zzzz das als Anlass genommen hat, ihre Einnahme wieder unkontrolliert zu steigern. Dass die Verordnung „Nach Bedarf“ in dem Fall unsere Vorgaben unterwandert mit denen wir sie doch schon einmal unter Kontrolle bringen konnten, so dass sie regelmässig hat, aber nicht steigert. Dass das schon einmal funktioniert hat und auch wieder kann –aber nur, wenn wir zusammenarbeiten.

Dass seine Antwort (via Praxisassistentin) am Telefon gegenüber meiner Apothekerin so nicht annehmbar ist.

Und dass ich von ihm erwarte, dass er mir klare Vorgaben gibt, wie er das mit den Benzodiazepinen handhaben will – und dass ich, wenn ich die nicht bekomme die Patientin bei uns in der Apotheke ablehnen würde, weil ich eine Weiterbehandlung unter den Voraussetzungen nicht verantworten könne.

Ja – nicht so nett, ich weiss. Aber ich war der Meinung, die Angelegenheit bedarf deutlicher Worte.

Nur einen Tag später habe ich in meinem Brieffach in der Apotheke die Mitteilung, dass der Arzt angerufen habe und spezifisch mit mir reden wolle. Er rufe später nochmals an.

Das hat er.

Und … er hat sich am Telefon für sein Verhalten entschuldigt.

Oh!?!

„Ich muss mich entschuldigen für mein Verhalten. Das war wirklich nicht professionell“

Langes Telefon, kurzer Sinn – wir haben wieder eine feste Abmachung und Vorgaben. An die wir uns beide (Arzt und Apotheker) halten werden. Das wird Diskussionen mit der Patientin geben – aber solange wir beide am selben Strang ziehen ist das durchsetzbar.

Find ich toll! Ich bin nicht gerne die unangenehme Apothekerin, und ich verstehe die Ärzte auch: die haben’s mit so Patienten auch nicht leicht. Trotzdem bin ich nicht bereit hier das Problem auf meine Seite abschaufeln zu lassen.

Auch Apotheker werden krank …

apocxgesundheit

Ja, auch wenn wir “an der Quelle” sitzen. Zumindest was Medikamente angeht – Bei uns kommen doch täglich viele akut kranke Menschen vorbei, da ist es kein Wunder, dass man sich gelegentlich ansteckt. Interessanterweise scheine ich es allerdings kaum von den Kunden zu bekommen … die letzten paar Male war es von Junior.

Eine Apothekerin mit Schnupfennase und Husten ist ein trauriger Anblick – deshalb verstecken wir das so gut es geht (siehe auch Cartoon oben) – ja auch die Tonnen Taschentücher sind von mir … dazu der Nasenspray, Hustenpastillen, Taschentücher, Erkältungstrank und das Desinfektionsmittel ganz recht … wir wollen ja niemanden sonst anstecken.

Apotheker auf dem Weg zum Impfen: 2. Fähigkeitsausweis

Auf-dem-Weg

In weiser Voraussicht im Hinblick auf das Impfen in der Apotheke bietet der Apothekerverein schon seit Ende 2011 an, den Fähigkeitsausweis Impfen und Blutentnahme zu machen. Sie schreiben auf ihrer Seite:

Die Fähigkeitsprogramme FPH ermöglichen dem interessierten Apotheker, bestimmte neue Kompetenzen zu erwerben, die er sich noch nicht in seiner Aus- oder Weiterbildung aneignen konnte. … Die Fähigkeitsprogramme bestehen aus einem theoretischen und einem praktischen Teil.

Damit können die Apotheker, die das noch nicht in der Ausbildung gelernt haben (kommt erst ab 2017) die Kompetenzen erlangen, damit sie auch wirklich impfen dürfen. Zu den gesetzlichen Grundlagen dazu siehe Post …)

Die Weiterbildung umfasst folgende drei Module:

  • BLS-AED Reanimationskurs, der SRC anerkannt sein muss
  • Impfungen (12 akademische Stunden)
  • Injektions- und Blutentnahmetechniken (20 akademische Stunden)

Eine akademische Stunde entspricht 45 Minuten.

Bei all diesen Kursen wird man jeweils geprüft. Man bekommt die Testate dafür nur, wenn man alle Prüfungen bestanden hat. Es gibt jeweils einen theoretischen und einen praktischen Teil. Die Testate sind 2 Jahre gültig.

Wenn man alle Testate hat, muss man sie beim Apothekerverein einreichen, die das dann anschauen und wenn alle Komponenten erfüllt sind den Fähigkeitsausweis ausstellen.

Es besteht danach Fortbildungspflicht. Das heisst beim Fähigkeitsausweis FPH Impfen und Blutentnahme, man muss mindestens alle 2 Jahre Fortbildungen im Rahmen von 50 FPH Punkten in Form eines Kontaktstudiums absolvieren – das bedeutet: mindestens 8 Stunden in externen Kursen zu dem Thema. Davon sind 25 Punkte in Form eines BLS-AED Refresherkurses (SRC anerkannt) nachzuweisen. Wird das nicht gemacht kann das Recht zur Führung des Fähigkeitsausweises entzogen werden.

Zu dem Zeitaufwand – der insgesamt zum Erlangen etwa 4 ganze Tage Kontaktstudium plus nochmals mindestens 2 halbe Tage online-Kurs beinhaltet (da kommt es drauf an, wie effizient man ist) kommt noch der finanzielle Aufwand, der … nicht unerheblich ist. Hier mal eine Liste für 2016, in Klammern was man als Nicht-Apothekerverband-Mitglied zahlt.

  • BLS-AED Reanimationskurs CHF 650.- (780.-)
  • Impfungen  CHF 550.- (1100.-)
  • Injektions- und Blutentnahmetechniken CHF 970.-
  • online Kurs Injektionen und Blutentnahme  CHF 300.- (600.-)
  • Nachweis Hep B Titer (Voraussetzung für Spritzenkurs, inkl Arztbesuch) ca. CHF 100.-
  • Antrag Fähigkeitsausweis Pharmasuisse  CHF 250.-
  •  diverse Fahrtspesen (mit Halbtax SBB): ca CHF 130.-

Total also mindestens: CHF 2950.- (Ja, Spezialisten und Spezial-Ausbildungen sind teuer).

Das muss man auch erst mal haben. Bei manchen bezahlt die Apotheke selber noch etwas an der Weiterbildung, aber auch so: die meisten Apotheker, die das machen, die machen das aus Überzeugung. Viele von Ihnen haben da auch angefangen bevor überhaupt klar war, dass sie das (je) brauchen würden können. Die ersten haben Ende 2013 ihren Fähigkeitsausweis erlangt.

Ich habe (jetzt) angefangen.

Vor Impfungen wird gewarnt

Bleibt ja von den Impfungen weg. Das ist der Weg, wie die grossen Regierungen und die Pharmaindustrie versuchen uns umzubringen. Die machen Quecksilber rein, damit wir Autistisch werden. Und Aluminium, damit wir Alzheimer bekommen. Und der Flüssige Teil wird aus abgetriebenen Babies hergestellt. Jeder der geimpft wird, wird sterben!

Ja, auch die nichtgeimpften. So ist das Leben.

Das oben ist, was man auf Seiten von Impfgegnern (und in den Kommentaren auf anderen Seiten) so zu hören bekommt. Meist unterlegt mit “Fallbeispielen” von denen man gehört oder gelesen hat, zusammen mit der Aufforderung “sich selbst ein Bild zu machen” und generell Angstmacherei … die leider oft ihre Wirkung nicht verfehlt. Welche Mutter will ihr Kind schon einem unnötigen Risiko aussetzen? Verstehe ich.

Auf der anderen Seite: Ich bin jetzt an der Ausbildung zum “impfenden Apotheker” und dabei werde ich von Leuten geschult, die Experten auf ihrem Gebiet sind – in Theorie und Praxis. Sie belegen was sie erzählen und lehren mit Quellen (richtigen und grossen Studien) und Erfahrungswerten nicht nur vom Hörensagen, sondern aus eigenen und vieltausendfachen Anwendungen eben-dieser Impfungen. Und die Datenlage ist überwältigend. Überwältigend gut für die Wirkung und die Sicherheit der Impfungen.

Ich bin überzeugt – und ich will, dass möglichst viele von diesen Impfungen profitieren. Der Kinderarzt soll die Kinder grundimmunisieren – das schützt sie und gibt auch mir als Mutter Sicherheit. Bei den Erwachsenen gehen leider häufig die Auffrischimpfungen unter oder vergessen … und da sehe ich meinen zukünftigen Einsatz. Dafür mache ich diese Weiterbildung.

Demnächst hier auf dem Blog: was das alles kostet. Und: Nein, die Pharmaindustrie sponsert das nicht. Von denen habe ich keinen Rappen bekommen dafür, dass ich das mache.

(Nachtrag: Ich diskutiere nicht gerne mit Impfgegnern. Ich finde das wahnsinnig ermüdend und repetitiv. Für Diskussionen und Fragen verweise ich gerne hierher: die Seite “Für Impfen” auf Facebook. Die haben dafür die Geduld die mir fehlt und belegen ihre Aussagen auch immer sehr schön fachlich.)

Apotheken aus aller Welt, 657: San Francisco, USA

Danke an Xavier von creapharma für diese Apotheke: Zwar ein Walgreens (in den USA scheint es fast nur noch Kettenapotheken zu geben, hauptsächlich in grossen Kaufhäusern) dafür aber an guter Lage: San Francisco und mit hübscher Fassade

here a pic of Walgreens, downtown San Francisco, on the main Avenue, named Market Street

pic-san-francisco-walgreens-05-11-2015

Rezept nach Belieben?

rphusten

Was denkt eine Apothekerin, wenn sie dieses Rezept sieht?

Erster Überblick: Ah, ja. Da ist jemand erkältet. Schmerz-/Fiebermittel, Nasenspray, Hustensirup.

Algifor 100mg/5ml Sirup  6.5ml maximal alle 8 Stunden

Okay – es gibt nur einen Algifor Sirup, da den Inhalt so anzugeben ist unnötig redundant. Dafür weiss ich nicht wie viel das Kind wiegt und muss fragen, um zu schauen ob die Dosierung so in Ordnung ist (wäre nett, wenn die Ärzte das auf Rezepten für Kinder grundsätzlich draufschreiben würden) … oh: und ich sollte besser noch eine Dosierspritze dazu abgeben: wie will man sonst mit dem Doppellöffel (5ml und 10ml) 6.5ml abmessen?

Nasivin Nasentropfen 2-3 x täglich für maximal 7 Tage

Und hier dafür nicht angegeben welche Stärke (0.01, 0.025, 0.05?). Gut, das kann ich aus dem Geburtsdatum ableiten (Wo steht da eigentlich der Patient auf dem Rezept? Ah – hinten). Und bezahlt wird hier von der Krankenkasse nicht alles.

Hustensirup – nur bei nächtlicher Unruhe

Ookayy? Was darf’s denn sein? Es gibt ja mehr als einen Hustensirup – von jeder Art, der schleim-lösenden und dem husten-stillenden und immer noch ein paar Kombinationen. Ich schätze mal, es soll was hustendämpfendes sein (da nur für die Nacht), aber da ich nicht schätzen darf gibt das halt einen Anruf beim Arzt.

Ein einfaches Rezept, wirklich. Eigentlich nicht mal Sachen, für die man wirklich zum Arzt müsste.

Pharmama wird gelesen

Offenbar nicht nur der Blog, sondern auch die Bücher. Heute habe ich mich sehr über eine neue Rezension auf Amazon gefreut:

buchrezijan

Da musste ich grad nachschauen, was denn die letzte von meinem Cartoon-Buch war – das könnte noch ein paar Rezensionen “vertragen”, vor allem, wenn es solche sind:

buchrezieinmal

Good welcoming practice*

Die etwas ältere Frau (um die 60?) kommt in die Apotheke. Ich stehe hinter der Theke (gerade am Rezepte kontrollieren vom Vortag) und warte dort, (freundlich lächelnd) da sie zielstrebig auf mich zukommt. Als sie etwa 5 Meter von mir entfernt ist empfange ich sie mit einem „Grüetzi“ und fast im gleichen Moment kommt mein Lehrling von hinten nach vorne und sagt, als sie sie sieht auch „Grüetzi“.

Die Frau legt die restlichen Meter zu mir wortlos zurück, stellt ihre Handtasche ab, schaut mich erwartungsvoll an und sagt nach einer (bedeutungsschwangeren) Pause sehr betont: „Grüetzi!!“

… so als hätte sie noch gar niemand hier gegrüsst.

Ich blinzle etwas erstaunt zwei Mal kurz. In den paar Momenten geht einem eine Menge durch den Kopf. Angefangen von: „Sie denkt, sie wurde noch nicht begrüsst. Ganz offensichtlich ist sie damit unzufrieden. Wie reagiere ich jetzt am besten? Wenn ich mache als sei nichts und nur „Grüetzi“ sage, dann bleibt sie bei der Meinung, genauso, wenn ich mich Entschuldige. Wenn ich ihr aber … Ach was solls…“

Also sage ich, immer noch freundlich lächelnd: „Grüetzi. Zum zweiten.“

Jetzt schaut sie mich echt etwas gehäuselt an.

„Oh – Sie haben vorher etwas gesagt? Ich habe nichts gehört.“

„Nun, vielleicht war ich etwas leise, aber … ja.“

„Hmpf.“ Sie zieht aus der Tache einen Abholschein. „Also, nach der Reklamation … ich habe hier etwas bestellt zum abholen.“

Ich nehme den Abholschein.

„Ich gehe es rasch holen. Einen Moment bitte.“

Nach dem wackligen Start ging es dann einigermassen normal weiter.

Als sie nach draussen geht, meint mein Lehrling nur: „Ich hab’ sie auch gegrüsst!“

„Ja, ich weiss – aber wenn ich das auch noch gesagt hätte … ich glaube das wäre nicht gut rausgekommen.“

… *Übrigens ist der Titel (obwohl vielleicht passend) irreführend. Unter “good welcoming practice” Gute Empfangspraxis oder kurz GWP versteht man in der Apotheke das:

Die Good Welcoming Practice bezieht sich auf die Situation, bei der ein Kunde ein Medikament in der Apotheke wünscht und nicht ausdrücklich nach einer Beratung verlangt („Ich hätte gerne ein Aspirin®“). Gemäss der GWP soll das Medikament nicht kommentarlos verkauft werden, sondern eine Reihe von angepassten Fragen gestellt werden, welche sicherstellen sollen, dass das Medikament sicher und zweckmässig eingesetzt wird.

Quelle: Pharmawiki.ch

Kopf(geld)jäger

Liebe Headhunter-Firma,

Ich weiss ja, dass Sie spezialisiert sind auf Personalrekrutierung im Pharmabereich …. allerdings bin ich nicht sehr erfreut, wenn man mir bei der Arbeit in der Apotheke anruft, sich nach einer Mitarbeiterin erkundet und (weil die nicht da ist: ich arbeite jetzt ja) dann halt mich fragt, ob ich eventuell Interesse hätte an einem anderen Job.

Danke, nein Danke.

Die rufen also tatsächlich in die Apotheken an, um Mitarbeiter abzuwerben.

Grmpf

Und wie haben Sie sich das gedacht?

Junge Frau (JuF): „Ich hätte gerne die Pille danach.“

Meine Pharmaassistentin Donna: „Natürlich. Die gibt es nach der Abklärung durch die Apothekerin. Braucht ca. 15 Minuten und kostet alles inklusive 40 Franken.“

JuF: „Ich habe kein Geld da.“

Donna: „Sie können auch mit Karte zahlen.“

JuF: „Nein, ich habe gar nichts da.“

Das erstaunt Donna so sehr, dass sie das erste sagt, was ihr in den Kopf kommt:

„Und wie haben Sie sich das dann gedacht?“

Ja, wie? Wieder ein Fall, der denkt, es müsste alles gratis sein im Gesundheitswesen?

Ich kann bei Leuten mit verzweifelt finanziellen Problemen noch ein bisschen was am Preis schrauben– ich verzichte auf die Gebühr, die mir der Mehraufwand hier macht, in extremen Härtefällen vielleicht sogar auf die Marge – aber gratis gibt’s das garantiert nicht. Das sind dann immer noch etwas über 20 Franken. Kondome sind günstiger. Wenn sie finanziell derart schlecht dasteht und so ein Problem hat, besteht auch noch die Möglichkeit zu einer Familienberatungsstelle zu gehen.

Jedenfalls – nach einiger Diskussion einigt man sich darauf, da sie die Pille danach jetzt gleich nehmen will, dass sie halt etwas als Pfand hier lässt … Ihren Pass (den hat sie im Gegensatz zu Geld dabei) und diesen in den nächsten Tagen dann auslösen geht.

Na dann.

Die Abklärung danach hat dann ergeben, dass es sinnvoll ist, die Pille danach zu nehmen und sie hat dann am nächsten Tag auch bezahlt.

Apotheker auf dem Weg zum Impfen: 1. Gesetzliches

Auf-dem-Weg

Vor ein paar Jahren habe ich hier auf dem Blog mal geschrieben im Artikel Wünsche an an Industrie und Registrierung : “Irgendwann würde ich in der Apotheke gerne Impfen dürfen …” Das war 2011. Seitdem hat sich viel getan und ich bin glücklich, dass das mit dem Impfen tatsächlich kommt!

Das kam nicht “einfach so”, dafür braucht es die entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen … und die sind unterwegs. Bisher ist es so gewesen, dass nur die Ärzte impfen durften. Praktischerweise ist es aber so, dass in den Praxen das häufig von der medizinischen Praxisassistentin durchgeführt wurde. Oft genug sogar in Abwesenheit des Arztes. Selbst im Tropeninstitut, die vor Reisen alle Impfungen (inklusive der Gelbfieberimpfung) machen, steht auf dem aufgehängten Preisschild: “Impfung durch nicht-medizinisches Personal”.

Aber zurück zu den Gesetzen in der Schweiz. Über allem steht die Bundesverfassung – die übergibt dem Bund die Kompetenzen, (Medizinalberufegesetz, Heilmittelgesetz, Epidemiengesetz, Krankenversicherungsgesetz, Präventionsgesetz) und die Kantone vollziehen das – wobei sie teils unterschiedliche Ausführungen haben.
Der Bereich der Gesundheit bzw. Krankheit fällt grundsätzlich in den Zuständigkeitsbereich der Kantone  z.Bsp. sind sie Zuständig für die Regelung der Berufsausübung.

Im folgenden gehe ich nur auf die Teile ein, die für die Apotheker und Impfungen relevant sind.

Das Medizinalberufegesetz (MedBG) legt die Ausbildungsziele für sämtliche universitäre Medizinalberufe nach Absolvierung des Studienganges fest.

Art 6 Abs 1 Bst: Sie verfügen über die wissenschaftlichen Grundlagen, die für vorbeugende, diagnostische, therapeutische, palliative und rehabilitative Massnahmen erforderlich sind.

Daraus folgt: Apotheker (als universitärer Medizinalberuf) hat (nach der Ausbildung) das Wissen über Diagnose und vorbeugende Massnahmen. Das dürfte vielleicht vor allem die deutschen Apotheker, die hier mitlesen erstaunen, denn in Deutschland dürfen Apotheker nicht diagnostizieren.

Das hat natürlich seine Grenzen:

Art 40 Bst Sie üben ihren Beruf sorgfältig und gewissenhaft aus; sie halten sich an die Grenzen der Kompetenzen, die sie im Rahmen ihrer Aus- Weiter- und Fortbildung erworben haben.

Ich darf also anwenden, was ich gelernt habe – aber ich muss meine Grenzen kennen.

Neu aufgenommen wurde in der Revision:

Art 9: Ausbildungsziele Pharmazie:  Apotheker …
Bst c : haben umfassende Kenntnisse über den Einsatz, die Wirkung, die Anwendung und die Risiken von Arzneimitteln und für ihren Beruf wichtigen Medizinprodukten;

Bst f: übernehmen Aufgaben zur Förderung und Erhaltung der Gesundheit sowie zur Verhütung von Krankheiten und erwerben die entsprechenden Kompetenzen, insbesondere bei Impfungen

Bst j: haben die angemessene Grundkenntnisse über Diagnose und Behandlung häufiger Gesundheitsstörungen und Krankheiten.

Das ist es. Phantastisch, echt! Aber in der Schweiz geht alles ein bisschen langsamer. Die revidierte MedBG tritt frühstens 2017 in Kraft – das bedeutet: erste diplomierte Apotheker, welche diese “neuen Fähigkeiten” im Studium erwerben diplomieren dann 2022. Andere können diese Kompetenzen in Weiterbildungen erwerben.

Dazu gehöre auch ich. Wenn ich impfen will, muss ich die nötige Kompetenz dazu erwerben. Dazu später mehr.

Aber schon laut geltendem Recht (MedBG) sind Apotheker grundsätzlich befähigt Impfungen und Blutentnahmen mit dem Ziel der Krankheitsprävention “im Rahmen ihrer Kompetenzen” durchzuführen.
Laut Auskunft Rechtsdienst sollte deshalb die zu impfende Person vor der Impfung kein Gesundheitsrisiko aufweisen, das eine vorgängige Diagnose erforderlich macht. Apotheker dürfen nur gesunde Personen impfen. Ansonsten gehören die zum Arzt.

Heilmittelgesetz (HMG) Auch Bundesgesetz über Arzneimittel und Medizinprodukte
Sämtliche Impfstoffe gehören zur Zeit zu einer rezeptpflichtigen Abgabekategorie (A oder B) an.

Art 24 Abs 1 Bst a und Abs 1 bis: Verschreibungspflichtige Arzneimittel abgeben dürfen:
Apothekerinnen und Apotheker auf ärztliche Verschreibung. Ohne ärztliche Verschreibung darf eine Abgabe erfolgen, sofern sie nach einem direkten Kontakt mit der betroffenen Person erfolgt und dokumentiert wird:
b bei vom Bundesrat bezeichneten Arzneimitten und Indikationen oder
c in begründeten Ausnahmefällen

Die (im Blog gelegentlich erwähnte) schon bisher erlaubte Abgabe auch ohne Rezept “in begründeten Ausnahmefällen” greift hier NICHT, da Impfungen zu vorbeugenden Zwecken durchgeführt werden – da fällt höchstens Tetanus unter notfallmässige Ausnahmesituation.

Aber: wie gesagt, die Ausführung in den Kantonen wird sehr unterschiedlich gehandhabt. Die Anwendung verschreibungspflichtiger Arzneimittel im Rahmen der Berufsbewilligung bedarf einer Bewilligung des Kantons. Dieser kann gemäss Art 27a Abs 2 VAM neben Medizinalpersonen auch gewisse andere Fachpersonen dazu berechtigen. So hat zum Beispiel der Kanton Baselland im letzten Winter versuchsweise die Grippeimpfung in 3 Apotheken auch ohne Rezept vom Arzt erlaubt. Durch ausgebildete Apotheker.

Langfristig muss da die Politik noch drüber: es muss überlegt werden, ob eine pauschale Rezeptpflicht hier noch verhältnismässig ist. Ein Teil müsste auch nach Abklärung und Fachberatung durch Apotheker anwendbar sein. Tatsächlich ist das im Gang: Der Vorschlag des Ständerates eine apotheker-pflichtigen Liste B zu machen wurde im Mai 2015 genehmigt.

Epidemiengesetz (EpG)

Art 5 Themespezifische nationale Programme werden zusammen zwischen BAG und Kantonen erarbeitet… insbesondere der Bereich Impfungen.
Art 6 Abs 2 Der Bundesrat kann anordnen c) Ärzte und weitere Gesundheits-fachpersonen  verpflichten, bei der Bekämpfung übertragbarer Krankheiten mitzuwirken.

Impfende Apotheker können als Fachperson gelten. Es ist also denkbar, dass im Falle einer Epidemie / Pandemie in Zukunft auch die Apotheker einbezogen werden.

Krankenversicherungsgesetz (KVG)

Nur wenige prophylaktische Massnahmen gehören zum Pflichtleistungskatalog des KVG, – darunter auch Impfungen:

Die obligatorische Krankenpflegeversicherung bezahlt die Kosten von verschiedenen Impfungen gemäss den Richtlinien und Empfehlungen des Schweizerischen Impfplans
Als wichtigste seien genannt:
– Impfungen gegen Diphterie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Haemophilus-Influenzae Typ B, Windpocken sowie Masern, Mumps und Röteln (MMR).
– Impfung gegen Hepatitis-B und für spezielle Risikogruppen gegen Hepatitis-A
– Impfung gegen Grippe bei Personen ab 65 Jahren und bei Personen mit einem erhöhten Komplikationsrisiko bei einer Grippeerkrankung
– Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (Zeckenenzephalitis)
– Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs für Mädchen im Schulalter und junge Frauen bis 26 Jahre, wenn die Impfung im Rahmen eines kantonalen Impfprogramms erfolgt. Auf dieser Impfung wird keine Franchise erhoben.

Nicht bezahlt werden spezielle Reiseimpfungen und –prophylaxen (z.B. Gelbfieber und Malariaprophylaxe).

Wichtig hier ist auch vorläufig, dass die obligatorische Krankenversicherung ausschliesslich die Kosten übernimmt, die “von einem Arzt durchgeführt oder angeordnet sind” – Das bedeutet den Apothekern wird das vorläufig nicht vergütet.  Gerade aber bei der Prävention hier wäre das doch ein wichtiges Argument dieses “ärztliche Monopol” zu hinterfragen. Denn wenn ich zwar impfen darf, das aber bei mir (in der Apotheke) im Gegensatz zum impfen beim Arzt nicht vergütet wird … da stimmt doch etwas nicht?

Jedenfalls Fazit: Die rechtlichen Grundlagen zum Impfen in der Apotheke sind da oder kommen. Die Kompetenzen dafür kann man erwerben – in Weiterbildungen. Der schweizerische Apothekerverein (PharmaSuisse) hat dafür einen Fähigkeitsausweis Impfen und Blutentnahme erstellt – und den mache ich jetzt. In ein paar später folgenden Artikeln zeige ich Euch, was da alles dazugehört. Geschenkt bekommt man den wirklich nicht, das kann ich jetzt schon sagen.

 

Apotheken Trivia: das grosse Quiz

Mach mit beim Quiz rund um die Apotheke! (©by Pharmama)

Ihr mögt ja Quizze genauso wie ich. In dem Fall sind auch keine medizinischen oder chemischen oder Biologischen Vorkenntnisse erforderlich.

… und wie hast Du abgeschnitten?

0-2 Richtig (0-18%): Umm, ja. Danke für’s mitmachen. Aber Du weisst, dass es Apotheken und Apotheker*innen gibt und was sie so machen? Dann ist ja alles bestens.

3-4 Richtig (27-36%): Hey – besser als gar nichts. Immerhin ging es hier nur um Trivia (lies: unnötiges Allgemeinwissen) und nicht um etwas, das Du wirklich mal brauchst. Ausser natürlich Du machst mal bei “Wer wird Millionär?” mit.

5-7 Richtig (55-64%): Toll! Gutes Allgemeinwissen, Interesse an Apotheken und dem Drumrum  … und vielleicht sogar Pharmama-Blog-kenntnis? Du brauchst es zwar ganz sicher nicht, aber: Du darfst gerne hier weiter mitlesen.

8-10 Richtig (73-91%: Du bist der Apotheken- und Apotheker*innen-Profi. Dir kann man (fast) nichts mehr beibringen. Könnte das daran liegen, dass Du diesem Blog schon ein Weilchen folgst?

11 Richtig (100%): Du hast geschummelt, nicht? Nicht mal ich wusste das alles.

Wenn Du willst: Poste das Ergebnis in den Kommentaren. Keine Spoiler!

Für ungewöhnliche Fragen: in den Beratungsraum!

Eine Apotheke sollte einen Beratungsraum haben für diskrete (und vielleicht auch seltsame :-) ) Fragen. Dass der nicht nur praktisch sondern auch stylisch (und lustig) sein kann, zeigt der Beratungsraum der neu eröffneten Apotheke am St. Martins-Ring in Eschen (Liechtenstein):

Beratungsraum_AStMR

Gefällt mir ja sehr !

(und: ja, die haben vorher gefragt, ob sie das so dürfen).

Apotheken aus aller Welt, 656: Inverurie, Schottland

zurück von meinem Schottland-Trip sende ich dir ein Foto einer Apotheke in Inverurie, die ist, glaube ich, neu.

Danke, Dirk, das ist sie – und das Bild von Ullapool habe ich beim Post dort angehängt!

inverurie1inverurie2

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