Archiv der Kategorie: Apotheke

Apotheken aus aller Welt, 524: Görlitz, Deutschland

jetzt hast Du mich auch angesteckt,dass ich schon im Urlaub Apotheke(n) knipse.
Diese stammt aus Görlitz (D), das besondere daran, Görlitz liegt direkt an der polnischen Grenze, daher die zweisprachige Beschriftung.
Danke an Othello! (Und ich nehme auch Apotheken aus Berlin und so)
goerlitz
Über diese Anzeigen

elektrische Schläge

Das war der Ausdruck, den eine unserer Patientinnen benutzte für ein … immer wieder auftretendes Problem: “Ich habe immer wieder so seltsame elektrische Schläge”. Offenbar eine unangenehme, fast schon schmerzhafte, plötzlich auftretende körperliche Empfindung.

Ich hatte (zum Glück) Zeit und habe sie länger ausgefragt, wann und wie diese elektrischen Schläge dann auftreten und was sie für Medikamente nimmt etc.

Herausgekommen ist dann das:

Sie nimmt Antidepressiva (Paroxetin)- und sie ist unter regelmässiger Arztkontrolle. Dummerweise passiert es regelmässig, dass die Antidepressiva vor dem Termin beim Arzt ausgehen … und anstatt dass sie bei uns in der Apotheke oder beim Arzt mehr verlangt, damit es reicht … nimmt sie dann einfach keine mehr, bis sie wieder ein Rezept dafür hat.

Das plötzliche Absetzen aber macht diese Nebenwirkungen. Antidepressiva sind ganz schlecht, wenn man abrupt damit aufhört.

Ich habe ihr dann erklärt, dass es Möglich sein sollte, die Packungsgrösse oder die Menge so zu wählen, dass es reicht – oder dass der Arzt ihr ein Dauerrezept verschreibt … und dass sie in einem solchen Fall auch bei uns vorbeikommen darf und wir schauen wegen dem Medikament und dem Rezept.

Und für die Zukunft: Auch Antidepressiva sollten (sehr) langsam ausgeschlichen werden – eben um derartiges zu vermeiden.

Die falsche Anwendung (19)

Nicht von uns, aber … bemerkenswert:

Als die Scopolamin Pflaster vor ein paar Jahren ausser Handel gingen war da ein Patient, der fragte, was er sonst benutzen kann auf seiner Kreuzfahrt. Die Apothekerin empfahl ihm Kapseln mit Doxylamin. Als sie den Patienten nach den Ferien wieder sieht und ihn fragt, wie es gegangen ist, sagt der: “Schrecklich. Die Kapseln haben nicht gewirkt.”

Stellt sich heraus, dass er sie hinter das Ohr geklebt hat – wie vorher die Pflaster.

Mehr nicht wirklich korrekte Anwendungen?  (die meisten kürzer …)

Die falsche Anwendung 1Die falsche Anwendung 2Die falsche Anwendung 3,

Die falsche Anwendung 4Die falsche Anwendung 5Die falsche Anwendung 6,

Die falsche Anwendung 7,  Die falsche Anwendung 8,  Die falsche Anwendung 9,

Die falsche Anwendung 10Die falsche Anwendung 11Die falsche Anwendung 12,

Die falsche Anwendung 13Die falsche Anwendung 14Die falsche Anwendung 15,

Die falsche Anwendung 16Die falsche Anwendung 17, Die falsche Anwendung 18

Apotheken aus aller Welt, 523: Ürümqui und Xiahe, China

Danke an Nadya, die inzwischen aus China zurück sein sollte – meine Eltern sind übrigens im Moment grad dort, drum passt das hier gut – auch wenn sie wegen der Zensur das wohl erst nach ihren Ferien sehen werden …

letztes Jahr schickte ich dir ein Apotheken-Bild aus der Stadt, in der ich gerade meinen Freiwilligendienst absolviere (Jiuquan, Gansu-Provinz, Nordwestchina). Ich weiß also, dass du schon Bilder aus China hast, liefere Dir heute aber dennoch zwei weitere:

Eins aus Ürümqi, Hauptstadt der autonomen Provinz Xinjiang; eins aus Xiahe, heute Gansu-Provinz.

ueruemqui

Ürümqi dürfte durch die dort lebende Minderheit, den Uiguren, und zahlreichen Anschlägen auf öffentliche Plätze bzw. Bahnhöfe, wie z.B. auf dem Platz des Himmlischen Friedens, in Kunming, Guangzhou oder Ürümqi selber, bekannt sein.
Der obere Schriftzug ist Uigurisch, einer türkisch-stämmigen Sprache, und der untere Chinesisch (Mandarin).

ueruemqi1

Xiahe ist eine Klosterstadt, in der viele Tibeter leben, und ein bedeutender Pilgerort für tibetische Buddhisten. Der rote Schriftzug ist Tibetisch, der mittlere Mandarin. Unten steht pinyin.

Wieso die beiden Bilder? Ürümqi gehört zu China, Xiahe auch, aber dennoch taucht man dort in ganz anderen Kulturen und Sprachen unter. Das Bild des Chinesen, das man in Deutschland hat, ist das eines Han-Chinesen. Die Uiguren und Tibeter sind beides Minderheiten, die per Definition auch Chinesen sind, sich aber selber selten als solche definieren. In beiden Orten musste ich feststellen, dass viele Leute kein Mandarin sprechen – dabei war ich doch immer noch in China.

Angewandte Wechselwirkung

Die ältere Kundin kommt beunruhigt mit den Ovestin Ovula zurück, die der Arzt auf dem letzten Rezept verschrieben hat.

„Ich habe die Packungsbeilage gelesen“ fängt sie an …

Oh weh. Eigentlich ist das ja etwas Gutes, zeigt es doch Eigenverantwortung … nur finde ich, sind inzwischen die Packungsbeilagen derart kompliziert (mal abgesehen von: winzig geschrieben, unübersichtlich, ein Origami-Kunstwerk), dass sie der Interpretation eines Fachmanns (oder – frau) bedürfen. So auch hier.

Frau: „Da drin steht unter Wechselwirkungen…”

Und sie holt die Packungsbeilage hervor, in der das zu lesen ist:

Gewisse Krankheiten können sich unter der HRT verschlechtern: Epilepsie,… Teilen Sie Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin mit, wenn sich etwas an Ihrem Zustand ändert während Sie Ovestin Ovula anwenden …

“Und da!:”

Anwendung anderer Arzneimittel

Andere Arzneimittel können die Wirkungen von Ovestin beeinflussen oder Ovestin kann sich auf andere Arzneimittel auswirken. Sie müssen Ihren Arzt oder Apotheker bzw. Ihre Ärztin oder Apothekerin informieren, wenn Sie andere Arzneimittel anwenden oder beabsichtigen anzuwenden, wie z.B.:

Arzneimittel gegen Epilepsie (z.B. Barbiturate, Hydantoine und Carbamazepin),

 “Ich nehme doch Tegretol, das ist doch auch ein Antiepileptikum, oder?”

Pharmama: “Ja, das ist das Carbamazepin. ABER … schauen Sie, ich habe noch ein bisschen mehr Information zu den Medikamenten in der Fachinformation dazu. Und da steht drin:”

Die meisten hier erwähnten Risiken wurden mit Präparaten zur Hormonersatztherapie festgestellt, welche auf den ganzen Körper wirken, z.B. zur Behandlung von Hitzewallungen. Das Risiko bei der Anwendung von meist lokal wirkenden Präparaten wie Ovestin Ovula bzw. für den Wirkstoff Estriol ist weniger gut bekannt. Eine sorgfältige Abwägung des Nutzens und der Risiken und eine ärztliche Überwachung vor bzw. im Laufe der Therapie sind unerlässlich.

Pharmama: “Das bedeutet, dass das Problem mit den Wechselwirkungen vor allem mit den Hormonen, die man einnimmt auftritt. Sie bekommen sie aber als Vaginalzäpfchen – da wirken sie mehr lokal … am Ort. Und dann sollten wir auch noch schauen, worum es sich bei der möglichen Wechselwirkung hier handelt. Da steht:”

Der Metabolismus der Östrogene kann erhöht sein, wenn gleichzeitig Induktoren des Cytochroms 3A4 verabreicht werden. Dies gilt beispielsweise für Antiepileptika (z.B. Hydantoine, Barbiturate, Carbamazepin) und bestimmte Antiinfektiva (z.B. Griseofulvin, Rifamycine, die antiretroviralen Wirkstoffe Nevirapine und Efavirenz).

Pharmama: “Da haben die Antiepileptika wohl einen grösseren Einfluss auf die Hormone als umgekehrt– Tegretol (Carbamazepin) ist ein Enzyminduktor … also werden die Hormone schneller abgebaut. Das ist nicht so schlimm.”

Ich konnte sie also beruhigen und ihr versichern, dass sie das Medikament anwenden kann. Sie solle es dem Arzt nur melden, falls sie doch eine Veränderung feststellen würde.

Verwirrenderweise steht in der Fachinformation dann noch dieses (das habe ich bei der Besprechung aber auf der Seite gelassen, sie war schon beunruhigt genug):

In der klinischen Praxis gibt es keine Beispiele von Interaktionen zwischen Ovestin und anderen Arzneimitteln. Obwohl nur limitierte Daten vorliegen, sind Interaktionen zwischen Ovestin und anderen Arzneimitteln möglich.

Möglich, Wahrscheinlich, Falls, Konjunktive noch und noch. Man sichert sich als Medikamentenhersteller ab gegen Wahrscheinlichkeiten. Auch kleine.

Sie verträgt die Ovestin übrigens gut.

Apotheken aus aller Welt, 522: Ao-Nang, Thailand

Ao-Nang

und nochmal Danke an Kanadafrau!

Danke auch, Doktor.

Auch nicht mehr ganz druckfrisch, der Fax, aber ich wollte ihn hier trotzdem zeigen. Der Arzt schickt das nachdem wir in seinen Ferien für den Patienten einen Vorbezug gemacht haben.

rpdanke

 

Sehr nett! Danke auch!

Apotheken aus aller Welt, 521: Kanchanaburi, Thailand

ich hoffe, du hast diese Bilder noch nicht, weil du ja selbst oft in Thailand unterwegs bist… :)

Danke, Kanadafrau, die hatte ich noch nicht – wobei ich sicher bin, die zweite schon gesehen zu haben!  Kanchanaburi ist beim River Kwai – ja, da wo sie auch den Film “die Brücke über den River Kwai” gedreht haben und wo die Todesstrecke der Eisenbahn endet.

Kanchanaburi001

Kanchanaburi002 Kanchanaburi003

Soll ich die Krankenkasse wechseln? (Rerun)

Das fragen sich bestimmt im Moment ein paar hier in der Schweiz. Der Oktober ist der Monat, wo die Krankenkassen die Prämien für das nächste Jahr bekanntgeben müssen – und für einige dürfte das auch unangenehme Überraschungen (lies: höhere Prämien) beinhalten.

Es gibt verschiedenes das man sich fragen muss vor einem Kassenwechsel:

Lohnt sich das?

Dafür kann man neu auch neben den kommerziellen Vergleichsdiensten der Krankenkassen wie comparis.ch auch den Prämienvergleicher des Bundes zu Hilfe nehmen: der findet sich unter www.priminfo.ch und ist mindestens so gut.

Kann ich bei meiner eigenen Kasse auch sparen?

Praktischerweise lässt sich auf  www.priminfo.ch auch gleich für die eigene Kasse schauen, ob man mit einer höheren Franchise etwas spart.  Die Franchise ist der Teil der Gesundheitskosten, den man selber zahlen muss, bevor die Krankenkasse etwas übernimmt. Sie ist frei wählbar von 300 Franken (500, 1000. 2000 …) bis 2500 Franken. So hat mein Kuschelbär zum Beispiel gesehen, dass er, wenn er die Franchise auf 2000 Franken hochsetzt, er 2400 Franken weniger Prämien zahlt im Jahr – das bedeutet er spart – auch wenn er die Franchise berappen muss, weil er etwas braucht – doch 400 Franken im Jahr.

Weitere Sparmöglichkeiten sind Modelle wie das Hausarztmodell – dann nimmt man im Kauf, dass man vor dem Besuch eines Spezialisten immer erst zum Hausarzt muss. Wer als Hausarzt zählt, dafür gibt es Listen bei den Kassen. Praktischerweise war mein Arzt auch da drauf, das bedeutet, ich musste nicht wechseln. Andere Modelle wie das HMO-Modell verlangen Besuche in Gesundheitszentren, oder erst Telefone an die Ärzte der Kasse.

Zu erwähnen sind auch die Kassen – und Modelle innerhalb der Kassen, die verlangen, dass man erst mal alles selbst zahlt (tiers garant) und die Rechnungen dann (gesammelt) selbst der Krankenkasse einschickt. Das sind  Assura, Fondation Natura Assurances (GM), Intras,  Maxi.ch, Sana Top, Sanagate, Sanitas Compact, Supra … diese Modelle sind oft günstiger, können aber im Einzelfall zu erheblichen finanziellen Belastungen des Patienten führen, wenn Rechnungen von mehreren hundert (oder tausend) Franken “vorgeschossen” werden müssen.

Zusatzversicherungen – Während die Leistungen der Grundversicherung bei allen Krankenkassen dieselben sind – und man da auch problemlos wechseln kann, gibt es grössere Unterschiede bei den frei wählbaren Zusatzversicherungen. Dort kann man auch bestimmen, ob man eine Komplementärversicherung will – also, ob man homöopathische und anthroposophische Mittel und weiteres, das nicht in der Grundversicherung ist rückerstattet haben will- und mehr. Man braucht nicht zwingend eine Zusatzversicherung, aber es gibt eine Menge Medikamente, die dann nicht mehr bezahlt werden von der Krankenkasse – meist aber nicht unbedingt “wichtige”. Zu bedenken ist hier auch noch, dass eine Krankenkasse einen nicht nehmen muss (im Gegensatz zur Grundversicherung) – das bedeutet, man kann abgelehnt werden. Das gilt vor allem für die “schlechten Risiken”: ältere Patienten, übergewichtige, auch Raucher etc. Darum sollte man vor Kündigung der Zusatzversicherung bei der alten Kasse sicher sein, dass die neue einen nimmt – oder die alte dort behalten.

Reicht das noch?

Wer wechseln will, muss auch die Kündigungsfristen beachten:

Grundversicherung: Kann per Ende Jahr (31. Dezember) gekündet werden. Der (am besten eingeschrieben) Brief mit der Kündigung muss bis am 30. November bei der Krankenkasse eintreffen. Unterjährige Kündigung (bis am 30. Juni) können nur Kunden mit Minimalfranchise (Kinder 0 Franken, Erwachsene 300 Franken) und ohne HMO- oder Hausarztmodell. Hier muss der Kündigungsbrief bis am 31. März bei der Kasse eintreffen.

Franchise:  Änderungen in der Franchise müssen per eingeschriebenem Brief der Krankenkasse bis am 30. November mitgeteilt werden.

Zusatzversicherungen: Falls die Krankenkasse die Prämien für die Zusatzversicherungen im Folgejahr nicht erhöht, gilt eine Kündigungsfrist von 3 Monaten, das heisst bis spätestens 30. September auf Ende Jahr. Bei einigen Krankenkassen gilt eine 6-monatige Kündigungsfrist oder der Vertrag wurde für mehrere Jahren abgeschlossen. Man erkundige sich bei der Krankenkasse. Bei Prämienerhöhungen können Sie je nach Krankenkasse innert 25 – 30 Tagen nach Ankündigung der Prämienerhöhung, oder per Ende Jahr, kündigen.

Wunsch-Rezepte

rpnifedipin

Rezept (wie man sieht schon eine Weile her) – Computergeneriert, also lesbar, aber das ist schon das beste, was ich darüber sagen kann.

Erst mal war der Patient auf dem Rezept nicht identisch mit dem, der das dann eigentlich bekommen sollte, dann fehlen die Dosierungen  (die handschriftliche Ergänzungen sind von mir nach dem Telefonat)

Und was ist mit dem Nifedipin? – Das Mittel, das über Gefässerweiterung gegen hohen Blutdruck wirkt, gibt es bei uns in 20, 30, 40 und 60 mg … und alles Retard-Tabletten. Die sollte man nicht teilen.

Antwort vom Arzt: “Die Patientin hat das gewünscht, sie hatte das anscheinend schon einmal. Ich habe einfach aufgeschrieben, was sie mir gesagt hat.”

Hmm, offenbar sind die Medikamente, die der Arzt heute aufschreibt reines Wunschkonzert?

Ich habe das dann in Absprache mit dem Arzt nicht abgegeben. Er war sowieso nur der Ersatzarzt für ihren, der dort in den Ferien war und weder er noch wir hatten Unterlagen, dass sie das überhaupt schon einmal bekommen hat und in welcher Dosierung.

Ich vermute, dass sie es irgendwann einmal für die Akutbehandlung einer “Hypertonien Krise”, also eines plötzlichen sehr hohen Blutdrucks bekommen hat. Sie hat auch (andere) Blutdruckmedikamente und momentan ist der Blutdruck unter Kontrolle. Das muss also warten, bis ihr Hausarzt zurück ist.

Eine Pille für … gegen …

“Haben Sie die Pille zum abtreiben?”

Das fragt mich das seltsame Duo das in der Apotheke steht. Die ältere Frau (50?) und der junge Mann (20-30).

Das heisst, eigentlich fragt nur die Frau – der Mann steht etwas belämmert daneben.

“Ah,” sage ich “Wir haben die Pille danach … die ich unter bestimmten Umständen geben kann, aber …” (die Formulierung war doch etwas seltsam, vielleicht meinen sie wirklich die Pille zum abtreiben, die gibt’s so nicht) “… wie lange ist es denn her seit dem Geschlechtsverkehr?”

“Es ist nicht für mich,” sagt die Frau. “Und es ist jetzt etwa 3 Wochen her …”

Oh.

“Da bleibt ihnen nichts übrig, als mit der betroffenen Person zum Frauenarzt oder zur gynäkologischen Beratung zu gehen. Die Pille danach wirkt nur in den ersten 72 Stunden. Aber auch jetzt gibt es noch Möglichkeiten. Nur: sagen sie ihr, sie soll bald gehen.”

Man fragt sich manchmal, was für Geschichten und Schicksale hiner so (einfachen) Fragen stecken.

Sich unbeliebt machen

Die Frau kommt mit Krücken in die Apotheke gehumpelt um kurz vor 12 an einem Samstag.

Auf dem Rezept Medikamente und Stützstrümpfe und Spezialpflaster- die wir bestellen müssen – immerhin können wir das noch auf heute Mittag, da wir tatsächlich noch offen haben und auch eine Bestellung machen.

Sie ist nicht zufrieden. „Sie haben so viel Kram in ihrer Apotheke (und deutet auf unsere Parfümerie und Reformabteilung) aber das was man braucht, das haben Sie nicht!“

Nein, das was Sie brauchen haben wir gerade nicht. Und nur so etwa 10’000 Artikel an Lager. Sage ich natürlich nicht so, aber: ja, sage ich.

Ich könnte ihr auch erklären, dass es nichts bringt diese Pflaster an Lager zu nehmen. Nicht nur, dass es etwa 20 verschiedene Sorten gibt, hat es natürlich immer verschiedene Grössen und … das kann ich aus Erfahrung sagen: auch wenn man etwas davon an Lager nimmt (was es nicht bringt, weil viel zu wenig gebraucht und auch teure Pflaster haben ein Ablaufdatum)- man kann sicher sein, dass es die falsche Grösse ist, wenn jemand dann doch etwas braucht.

Item.

Man beeilt sich ihr das nötige zu bestellen. Wie gesagt, es ist sehr kurz vor 12 – Bestellschluss. Man ruft sogar noch beim Grossisten an, um sicher zu sein, dass das auch noch drauf kommt.

Als die Ware am Mittag kommt, das Erschrecken: das eine Pflaster ist nicht das, was sie wollte. Ich will das jetzt nicht entschuldigen, aber … doch, ich will. Spezialpflaster bestellen ist mühsam, weil auf dem Rezept oft nicht genau beschrieben ist, was gebraucht ist und im Computer keine Bilder drin sind, wie das aussieht, so dass das oft ein besseres Raten ist. Jedenfalls ist es nicht genau das gewünschte – worauf sich die Pharmaasistentin, die das bestellt hat, und die das oft persönlich nimmt, wenn es nicht klappt, ans Telefon hängt und bei den wenigen noch offenen Apotheken nach einem Ersatz für sie sucht.

Sie findet und besorgt tatsächlich etwas – nur … ist das besorgte Pflaster etwas kürzer (ich sag ja: nie die richtige Grösse).

Die Frau kommt wieder, erfährt die schlechte Nachricht und fängt wieder an auszurufen.

Sie macht die Apotheke runter.

Sie lässt ihren Ärger an der Pharmaassistentin aus, wie unfähig sie doch sei.

Sie tut laut kund, dass wir uns nicht kümmern.

Sie meckert die Leute an, die sich bemühen eine gute Arbeit zu machen – für die Kunden.

Sie verlangt eine extra Entschuldigung von uns, einfach … deshalb.

Sie … macht sich allgemein enorm unbeliebt.

Die Stützstrümpfe auf dem Rezept sind noch ein Besorgungsartikel, werden die doch extra nach den Massen angefertigt, das heisst, das dauert länger, bis das kommt.

Die kommen die Woche darauf.

Was auch kommt ist ein Telefonanruf von ihr, man solle doch das Rezept an Apotheke AB schicken, sie ginge von jetzt an dorthin.

Ich glaube, innen drin, sind bei uns alle zufrieden damit.

liebe Patienten

Dieser liebe Patient, den man hat.

Ihr wisst schon. Die Person die so was von geduldig ist. Diese herzige ältere Frau, die heute morgen hereinkam und fragte, ob ihr Rezept schon angekommen ist – sie hat es vom Arzt faxen lassen. Es war noch nicht da.

Dann kommt sie kurz nach Mittagszeit – aber wir mussten etwas von ihrem Rezept bestellen.

Und anstatt dass sie anfängt auszurufen.

Anstatt mich zu beschuldigen, dass ich schlechte Arbeit leiste.

Sagt sie: “Es tut mir leid, dass sie so viel zu zun haben. In ihrem Alter sollte man nicht so viel Stress haben.”

Und dann geht sie raus und kommt mit einer Schachtel Pralinen wieder. Ich hatte praktisch Tränen in den Augen.

Glaubt mir, ich mach alles, damit die Frau nie mehr auf ihr Rezept warten muss.

Internetso (statt Intermezzo)

Kleines Fundstück