Archiv der Kategorie: Allgemeines

Serendipity in der Medikamentenentwicklung

Es hat mich ein bisschen gepackt am ersten Mai … und da da Wetter so mies war, habe ich mich etwas am Computer beschäftigt. Das wollte ich schon lange mal bringen.

Mehr nachlesen über die einzelnen Mittel kann man auch in meiner Blogreihe hier: Woher kommen unsere Medikamente?

Ein Grund mehr rechtzeitig zu schliessen ….

… man wird sonst verklagt.

Am 20. Dezember 2014 lief der Weihnachtsverkauf auf Hochtouren. So befanden sich in einem Luzerner Kosmetikgeschäft um 16 Uhr, als die Filialleiterin die Ladentür schloss, noch einige Kunden im Laden, welche ihre Einkäufe bezahlen wollten. Zwei Polizisten in Zivil, die um 16.15 Uhr um Zutritt in den Laden baten, kannten keine Gnade, wiesen das Personal zurecht und verzeigten das Geschäft.

Nett.

Gefunden unter den Kandidaten für den Rostigen Paragraphen – wo das unnötigste Gesetz oder der ärgerlichste Entscheid  gesucht wird. (Zu finden und abzustimmen hier).

Kosmetikgeschäft steht da – aber irgendwo habe ich gelesen, das war eine Drogerie. Wie auch immer: Ich mach jetzt zu, bitte gehen Sie, ich will keine Strafe zahlen müssen … Ich versuch’ das mal morgen Abend.

So schön kann Phytotherapie sein

Drei Blumen/Pflanzen. Sind sie nicht schön? Und sie werden alle in der modernen Medizin gebraucht.

Wer erkennt sie? Und wofür werden sie gebraucht?
flower1flower2 flower3

Alle Bilder sind von mir – Nummer 2 grad aus den letzten Ferien … vorher wusste ich nicht einmal, wie hübsch die Pflanze aussieht. Ich lerne jeden Tag etwas …

Übrigens: im Pharmaziestudium lernen wir diese Pflanzen zu erkennen … allerdings hauptsächlich erst mal die einheimischen in echt, dann die Pflanzenteile von einer Menge mehr getrocknet … und am Schluss dann noch die Pflanzenteile in Mischungen.

Das Beste für das Baby – und Milchen

Das Beste für das Baby ist Stillen. Und zwar ausschliesslich bis etwa 6 Monate und zusätzlich mit anderer Nahrung bis etwa 2 Jahren. Aber … häufig klappt das aus irgendeinem Grund nicht. Ich weiss das, weil ich auch gekämpft habe. Mit Schlupfwarzen ist das nicht so einfach, ich brauchte Hilfsmittel, immer wieder hatte ich auch wirklich schmerzhaften Milchstau. Bei der Arbeit musste ich mich zurückziehen um abzupumpen, was doch recht Zeitintensiv ist. Ich habe es geschafft, bis 6 Monate – mit Müh’ und Not. Dann wollte Junior nicht mehr und ich bin (halb froh) auch auf eine Babymilch umgestiegen. Das kann man in der Schweiz (und auch Deutschland) zum Glück bedenkenlos und ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, oder das Gefühl, das Baby bekommt nicht alles, was es braucht.

Qualitätsmässig können wir hier sicher sein, dass etwas wie der Melamin-Skandal in China nie passieren wird. Deshalb kaufen heute Touristen aus asiatischen Ländern tatsächlich noch gerne ihre Milchen bei uns. Das ist ein beliebtes Mitbringsel.

Aptamil ist bei uns eine der gebräuchlichsten Marken. Die Firma (Milupa von Danone) ist bekannt dafür, dass sie zuverlässig und auch fortschrittlich ist. Die Babymilchen sind nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen zusammengesetzt – Aptamil waren auch die ersten, die Prebiotika in ihren Milchen einsetzten: das sind Stoffe, die die Vermehrung der guten Darmbakterien fördern und sie waren auch die ersten, die den Milchen LCP zusetzten: das sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die sich positiv auf die Gehirnentwicklung und das Sehvermögen auswirken. Im neusten Produkt im Aptamil Profutura haben sie zusätzlich Lactose als Hauptkohlenhydrat – wie auch in der Muttermilch. Wie gesagt: die Milchen werden immer wieder neu angepasst nach den neusten Erkenntnissen und unterstehen ständigen Kontrollen der Ausgangsprodukte.

Grundsätzlich kann man die Anfangsmilchen (Pre oder 1) durchgehend nehmen, bis man keine Milch mehr geben will. Man muss nicht zwingend nach 4 oder 6 Monaten steigern auf die Folgemilchen. Man kann … zum Beispiel, wenn man das Gefühl hat, das Baby könnte etwas mehr vertragen, oder wenn die Abstände zwischen den Mahlzeiten sehr kurz sind und etwas „sämigeres“ gewünscht wird. Die Good night milk soll – weil sie noch dicker ist – länger anhalten und für ein besseres Durchschlafen sorgen. Schmecken tut das auch ganz anständig – zumindest was die normalen Milchen angeht. Die HA-Milchen, die ich bisher probieren durfte sind oft eher … bitter, was an der zusätzlichen Hydrolisierung der Milchproteine liegt. Grundsätzlich: je kleiner (hypo-allergener) desto mehr Bäh. Gut, Babies „kennen“ das noch nicht anders, also wird das trotzdem häufig gut genommen. Ausserdem gibt es noch eine ganze Reihe von Spezial-Milchen, für Probleme wie das „Görpseln“, Reflux, Koliken, Erbrechen, Verstopfung, Durchfall und Verdauungsprobleme allgemein. Alle ersichtlich hier: http://www.aptaclub.ch/de/produkte

Das ganze Thema rund ums Stillen und Babymilch gibt immer wieder Fragen auf. Aptamil bietet da interessanterweise da eine Seite und eine Telefonnummer an, wo man sich als Schweizer Mutter melden kann und Fragen rund um die Ernährung des Babies kostenfrei von Müttern und Fachpersonen beantwortet bekommt: Aptaclub.ch . Auf ihrer Facebook-Seite findet man weitere Informationen.

Und das gibt einem doch auch ein gewisses Mass an Sicherheit und gutem Gefühl.

milk

sponsored post – I partnered with the brand to write this article but every word is mine

Interstellar – Review

Dank Edelweiss Flug habe ich die Gelegenheit bekommen diesen Film zu schauen – die haben ja wirklich ein unglaubliches Bord-Entertainment System. Sogar in der Holzklasse an die 50 Filme zur Auswahl … ich war beeindruckt. Die Gelegenheit diesen Film, den ich im Kino verpasst habe zu sehen.

Und der ist toll! Trotz dem Mini-Bildschirm beeindruckend. Gelegentlich sind die Bilder fast etwas zu realistisch, was für den Gleichgewichtssinn (im Flugzeug) etwas … belastend ist.

Ich habe geweint. Ich habe mitgefiebert … es ist nicht nur die Aktion. Es sind die Zwischenmenschlichen Interaktionen, die den Film so gut machen.

Worum geht es? Es ist die Erde in etwa 40 Jahren. Die Überbevölkerung hat inzwischen konkrete Auswirkungen. Wasser und Nahrung wird knapp, das Klima wechselt. Die klassischen Nahrungsmittel, die man anbaut fallen Schädlingen zum Opfer … und Besserung ist nicht in Sicht. Um den Menschen keine falschen Hoffnungen zu machen wurden die Weltraummissionen eingestellt – man soll sich auf die Erde und ihre Ressourcen konzentrieren. Das macht man auch Cooper klar (gespielt von einem gealterten und seriös wirkendem Matthew McConaughey) , einem nach einem Absturz zum modernen Farmer gewordenen alleinerziehendem Vater von 2 Kindern. In deren Schule gibt es Probleme: beide haben zwar gute Testergebnisse und sind sehr intelligent, aufs College „darf“ der Sohn nicht, weil es fortschrittliche Farmer braucht in Zukunft und keine Intellektuellen. Und die Tochter Murph legt sich mit der Lehrerin an, weil die neuen Schulbücher behaupten, die Mondlandung sei nicht echt gewesen …

Derweil passieren im Zimmer der Tochter seltsame Dinge – Phänomene, die auf Gravitation zurückzuführen sind … und auf eine Kommunikation von … irgendetwas intelligentem hindeuten. Aufgrund der kommunizierten Daten landet Cooper schliesslich bei der NASA Überraschung, die gibt’s noch), erfährt von einem unglaublichen Projekt, womit man das überleben der Menschheit sichern möchte – auf die eine oder andere Variante. Dafür muss ein guter Pilot durch ein offensichtlich von jemandem beim Saturn platziertes Wurmloch in eine Galaxie fliegen und auf einer von 3 aussichtsreich aussehenden Planeten die hoffentlich neue Heimat der Menschheit finden. Ausser dem neuen Wohnort ist aber noch die Zügelmethode unsicher … wie transportiert man so viele Menschen? Als sich Cooper von seinen Kindern verabschiedet ahnen sie, dass nicht nur der Raum, sondern auch die Zeit zwischen ihnen stehen wird … Raumreisen haben ein grosses Problem: Zeit … und das kommt bei diesem Film sehr gut heraus. Das und die menschliche Psyche werden zu den grössten Widersachern. Und am Ende steht … eine Überraschung.

Mir hat der Film wahnsinnig gut gefallen: die Story, die Visuals, die Charaktere, auch endlich einmal ein (obwohl etwas kantiger) freundlicher Roboter-Computer – ich werde ihn mir sicher zulegen. Science Fiction mal ein “bisschen” anders. Irgendwie … realer.

Rundumversorgt

Mit Freude darf ich heute einen Gastbeitrag von Dr. Friederike Bischof präsentieren. Sie ist Ärztin und später Referentin im Gesundheitssystem, vielseitig engagiert und interessiert und hat auch schon selber Bücher geschrieben – besucht sie auf ihrer Website: http://www.friederike-bischof.de. Die Geschichte hat sie mir auf einen Aufruf (schon eine Zeitlang her) geschickt – und sie ist einfach zu gut, sie Euch vorzuenthalten.

Ich betreute eine Anfang siebzigjährige Patientin mit diabetischem Ulcus plantaris in der Klinik. (Das ist eine offene, schlecht heilende Wunde an der Fußsohle, häufig wegen Durchblutungsstörungen nach schlecht oder nicht behandeltem hohen Blutzucker). Das ist eine ziemlich langwierige Angelegenheit. Die Patientin wollte unbedingt entlassen werden, die Familie versprach, sich zu kümmern und die Oma zu pflegen. Sie bekam also eine entsprechende Schuhversorgung mit Entlastung und strenge Anweisungen, der Hausarzt wusste Bescheid, jede Woche sollte eine Wundkontrolle in der Klinikambulanz durchgeführt werden. Die Schwiegertochter – eine Krankenschwester in der Familienpause – konnte und wollte den Verbandwechsel übernehmen und sich um die  Insulintherapie kümmern. Zunächst lief alles gut und vollkommen nach Plan – bei den wöchentlichen Kontrollen in der Ambulanz heilte die Wunde schön zu, der Blutzucker war super eingestellt. Aber als das Ulcus plantaris ganz abgeheilt und die Behandlung somit beendet war, wurde die Patientin wenige Tage später notfallmäßig mit einer großen Läsion an derselben Stelle wieder auf meiner Station eingeliefert.

Was war passiert?

Die Oma wohnte allein, jedoch nur ein paar Straßen weiter vom Sohn entfernt. Zu der Familie des Sohnes gehörten noch zwei Kinder im schulpflichtigen Alter. Die Familie hatte die poststationäre Betreuung wirklich vorbildlich organisiert. Die Schwiegertochter brachte morgens die Kinder in die Schule, fuhr zu der Patientin, half ihr beim Aufstehen und Waschen, verband die Wunde neu, maß den Blutzucker, setzte die Insulinspritze, richtete die Tabletten, machte das Frühstück (natürlich diabetikergerecht), las ihr aus der Zeitung vor, versorgte den Haushalt, ging einkaufen, machte alles gründlich sauber, wusch die Wäsche, bügelte und kochte das Mittagessen. Die Kinder kamen aus der Schule direkt zur Oma, wo die Familie dann gemeinsam zu Mittag aß. Dann half die Schwiegertochter der Patientin, sich über Mittag hinzulegen, machte schnell den Abwasch und fuhr heim, um sich um ihren eigenen Haushalt zu kümmern.

Der Sohn hatte extra schon um 6 Uhr früh angefangen zu arbeiten, so dass er ab 15:00 Uhr die Betreuung der Mutter übernehmen konnte. Er fuhr direkt von der Arbeit zu ihr hin, half ihr nach dem Mittagsschlaf aufstehen und kutschierte sie anschließend herum: in die Ambulanz, zum Hausarzt, in die Apotheke, zur Krankengymnastik und zum Kaffeekränzchen mit ihren Freundinnen, diese waren natürlich begeistert über den braven Sohn, der sich so um seine alte Mutter kümmerte. Dann brachte er seine Mutter zu sich nach Hause, wo sie sich mit den Kindern beschäftigte, die Schwiegertochter kontrollierte wieder den Blutzucker, setzte die Insulinspritze, hatte die Abend-Tabletten bereit, und die Familie aß gemeinsam zu Abend. Nach der Gute-Nacht-Geschichte, die die Oma vorlesen durfte, sahen die Erwachsenen zusammen fern. Muss ich extra erwähnen, dass natürlich die Oma das Programm bestimmte? Zwischen 22 und 23 Uhr brachte der Sohn seine Mutter nach Hause und ins Bett und sorgte dafür, dass sie alles hatte, was sie über Nacht brauchte.

Eine perfekte Rundum-Versorgung also. Für die Patientin war dieses Arrangement natürlich der Himmel auf Erden – früher hatten weder der Sohn noch die restliche Familie viel Zeit für sie gehabt, es reichte grade mal zum obligatorischen Sonntagsbesuch. Ansonsten war die Familie mit sich selbst beschäftigt und die Oma außen vor. Als dann die Wunde zugeheilt und damit das Ende dieser Idylle absehbar war … nahm die Patientin ihre Nagelschere und schnitt das Loch wieder auf. Wegen der diabetischen Polyneuropathie (Nervenschäden) verspürte sie ja keinerlei Schmerzen.

Da sieht man es wieder – die beste medizinische Versorgung hat keinen Erfolg, wenn der Patient nicht mitmacht. Und manchmal hat der Patient (aus seiner Sicht) wirklich gute Gründe, die medizinische Behandlung zu sabotieren.

Das Problem der mangelnden Compliance ist so alt wie die Medizin selber. Schon Hippokrates soll gesagt haben: „Der Arzt muss sich immer bewusst sein, dass Patienten oft lügen, wenn man sie fragt, welche Medizin sie schon genommen haben.“

So … schockierend die Handlung der Patientin ist, so menschlich verständlich ist das auch. Wenn auch nicht wirklich nett ihren Kindern gegenüber …

Sonnenfinsternis – Jetzt!

Da ihr ja sowieso alle draussen seid (diejenigen, die können) und die partielle Sonnenfinsternis beobachtet … heute mal kein pharmazeutischer Blogbeitrag. Aber vielleicht bekomme ich das eine oder andere Foto von Euch, wie ihr sie beobachtet? Ich bringe das hier – für diejenigen, die arbeiten müssen und nicht raus dürfen. sofi15 Also … gut aussehen tut es (die gelegentlichen Blicke, die ich mit Junior durch die doppelt gefaltete Rettungsdecke und die Camera obscura, die wir gestern gebastelt haben erhasche) – aber fotografieren lässt sie sich nicht wirklich von mir. Das braucht dann wohl Profi-Ausrüstung. Aber … irgendwie habe ich sie doch erwischt: siehe den Lensflare der iphone Aufnahme oben (schräg rechts unter der Sonne). :-) sofi15a Von Opa:  Ich hab zuerst versucht mit einem glöcherten Karton zu arbeiten. Zufällig hab ich dann den Effekt im Zimmer gesehen. Cool :-) sofi15b Von ChrisTina aus Berlin – durch die Rettungsdecke fotografiert! sofi15c Ein Bild von Anne in Bruchsal, das ich super finde! ein Physikkollege und sein Astronomiekurs hatten eine Projektion im Schulhof aufgebaut, wo jeder gefahrlos auch ohne Brille gucken konnte. sofi15d Und ein Bild von nicoretta, die die Sonnenfinsternis-Brille noch von der ringförmigen Sonnenfinsternis vom 20. Mai 2012 aus Japan hatte, als ich zufällig dort zu der Zeit Ferien machte. Die Bilder der Sonnenfinsternis habe ich durch ebendiese Sofi-Brille mit einer Nikon-Spiegelreflex-Kamera gemacht. Ganz unprofessionell – aber man kann etwas erkennen. Ziemlich gut sogar!

sofi15e

Und ein (letztes) Bild von Christoph: Ist durch ein Teleskop Aufgenommen, die Kamera wurde “einfach” vors
Okular gehalten.

Und es gibt sie doch! Viren.

“Wir haben keine Zweifel daran, dass die vorliegenden Publikationen ausreichen um die Existenz des Masernvirus zu begründen”

sagt das Landgericht in Ravensburg und beendet damit den Rechtsstreit der seit über einem Jahr am Laufen war.

Worum ging es? Kurzfassung: Der Biologe und Impfgegner Lanka verspricht öffentlich jedem, der die Existenz der Masernviren beweisen kann 100.000 Euro auszuzahlen.  Seiner “professionellen” Meinung nach gäbe es Masernviren (oder HIV oder die Vogelgrippe) gar nicht und die Masern-Erkrankung sei entweder eine Vergiftung der Haut durch Cremes von aussen oder innen oder psychosomatisch.

Der Mediziner David Bardens wurde auf das Versprechen aufmerksam, lässt es sich schriftlich bestätigen und liefert anschliessend wie gewünscht die Beweise für die Existenz des Masernvirus: mittels einer grossen Anzahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen. Das Virus lässt sich übrigens sogar im Elektronenmikroskop darstellen. Bardens tut dies nicht wegen den 100.000 Euro (die er nach Erhalt für Impfkampagnen in Drittweltländern spenden will), sondern auch, um so abstruse und letztlich gefährliche Theorien in aller Öffentlichkeit zu widerlegen.

Lanka verweigert die Auszahlung des Preisgeldes mit der Begründung in den Studien ginge es nicht um Masernviren sondern um andere Objekte und im übrigen hätte er nur Publikationen vom Robert Koch Institut verlangt … und hält weiterhin öffentlich an seinen Theorien fest, also geht Bardens damit vor Gericht. Die beauftragen einen externen Sachverständigen (ein Virologie von der Uni Rostock) damit die Unterlagen zu prüfen und ob sie für einen Beweis ausreichen.

Das war letztes Jahr im April. Im Mai wurde ein Befangenheitsantrag von Lanka zum Gutachter abgelehnt. Der prüft die Unterlagen ausgiebig und am heutigen Prozesstag kam es zu obiger Aussage – und damit zum Sieg für Bardens (und der Wissenschaft :-) ).

Da Lanka wohl Berufung einlegen wird, muss sich wohl auch noch das Oberlandesgericht mit der Farce befassen. Aber: immerhin!

Währenddessen haben wir in Berlin und auch anderswo Masernausbrüche mit hunderten Erkrankten und in diesem Jahr schon einem toten Säugling. Gerade Leute wie Lanka, mit einem eigentlich wissenschaftlichen Hintergrund und derart abstrusen Theorien sorgen dafür, dass Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen und der Herdenschutz sich immer mehr in Luft auflöst. Eigentlich sollte man Lanka nach dem Urteil nicht nur Geld, sondern auch seinen Biologen-Titel abziehen.

Quelle: http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/kurioser-rechtsstreit-existenz-des-masernvirus-belegt.html

und wer sich wirklich nerven will, google mal “neue germanische Medizin” – von der ist Lanka nämlich Anhänger.

Die guten alten Zeiten …

… die sich manche zurück wünschen. Waren die wirklich so gut? In der New York Times kann man im Archiv alte Zeitungen anschauen.

Da stand offenbar auch wöchentlich in der Zeitung, wieviele und woran die Leute gestorben sind. Das zu lesen kann ziemlich Augenöffnend sein:

Beispiel vom 4. Oktober 1851

timesdeaths1851

Quelle New York Times (paywall) via mentalfloss

Total 340 Tote, davon 58 Männer, 78 Frauen, 94 Mädchen und 110 Jungen. (Ziemlich hohe Kindersterblichkeit)

Woran starb man denn damals? Die veröffentlichte Statistik gibt eine interessante Übersicht:

  • Abzess – Eiteransammlung 1
  • Apoplexy 9 (Schlaganfall, aber auch allgemeine Blutungsstörung und konnte verschiedene Organe betreffen)
  • Asthma 2
  • Bleeding – Blutung (Verblutet nach Unfall?) 1
  • Leberblutung 1
  • Magenblutung 1
  • Lungenblutung 1
  • Burn’d or Scal’d – Verbrannt oder Verbrüht 1
  • Bronchitis 1
  • Catarrh 1 (eigentlich auch eine Schleimhautentzündung, weshalb hier die Differenzierung zur Bronchitis?)
  • Cancer of Breast – Brustkrebs 1
  • Casualities – Unfall  1
  • Cholera im Kindesalter 1
  • Colic – Kolik 1 (Magenkrämpfe? Was für Ursache?)
  • Consumption – damit ist wohl Tuberkulose gemeint 46
  • Convulsions – Krampfanfall (Epilepsie? Tetanus? ) 27
  • Croup – Krupp 8 – Ja, nicht Pseudokrupp, sondern der Echte, die Kehlkopfentzündung, die bei Diphtherie auftritt
  • Congestion – Blutandrang 2 (mir ist nicht ganz klar wo hier?)
  • Blutandrang in der Lunge (Lungenembolie?) 3
  • Debility – (Schwächezustand …ev. Unterernährung?) 5
  • Delirium Tremens 1 (Entzugserscheinung meist wegen Alkoholabhängigkeit)
  • Diarrhea – Durchfall 9
  • Dropsy – eig. Ödeme. die sind aber Ausdruck von anderen zugrundeliegenden Problemen … ev. auch Unterernährung, Herzinsuffizienz … 5
  • Ödeme im Kopf  17
  • Ödeme in der Brust 3
  • Ödeme in den Gedärmen 1
  • Drowned – Ertrunken 4
  • Dysentery – Ruhr (entzündliche Erkrankung des Dickdarms wegen Viren und Bakterien) 32
  • Epilepsy 1
  • Erysipelas – Wundrose (entzündliche Hauterkrankung) 1
  • Fractured Skull – Schädelbruch 1
  • Fever – Fieber 5
  • Puerperal Fever – Kindbettfieber 2
  • Scarlet – Scharlach 5
  • Typhoid – Typhoides Fieber 2
  • Typhus 10
  • Herzkrankheit 5
  • Hooping Cough – Keuchhusten 4
  • Inanition – Unterernährung 1
  • Infma’n of Brain – Hirnentzündung (Meningitis) 11
  • Darmentzündung 12
  • Brustentzündung 1
  • Nierenentzündung 1
  • Lungenentzündung 9
  • Magenentzündung 1
  • Halsentzündung 2
  • Leberentzündung 3 (Hepatitis)
  • Jaundice – Gelbsucht 2 (eigentlich auch eine Leberentzündung: Hepatitis?)
  • Lues venerea – Syphillis 2
  • Malformation – Missbildung 1
  • Marasmus – Proteinmangelernährung (Unterernährung) 26
  • Measles – Masern 2
  • Old Age – 3
  • Poison – Gift 1
  • Premature Birth – Frühgeburt 8
  • Scrofula – Form der Tuberkulose v.a. bei Kindern 2
  • Small Pox – Windpocken – 1
  • Sprue – Zöliakie 1
  • Teething – Zahnen?? 6 ?!
  • Ulcer Intestines – Magengeschwüre 1
  • Halsgeschwür 2
  • Varioloid – Windpockenartig (irgendetwas mit Hautausschlag) 1
  • Unbekannt 6

Man sieht die hohe Kindersterblichkeit 204 starben in der einen Woche (gegenüber 136 Erwachsenen): Frühgeburten überlebten kaum, (Kinder)krankheiten gegen die man heute impfen kann forderten ihren Tribut (Masern, Windpocken, Keuchhusten, Diphtherie, Scharlach …) … und das Zahnen scheint auch gefährlich gewesen zu sein. Das war allerdings eine Fehldiagnose … respektive etwas, was wohl häufig als Todesursache angegeben wurde, aber wahrscheinlich andere Ursachen hatte. Der plötzliche Kindstod kommt mir hier in den Sinn. Später ist dann Mangel- und Unterernährung ein Problem.

Bei manch anderem ist es nicht ganz klar, was genau die Ursache war: wir haben diverse Male Durchfallerkrankungen, Ödeme und Entzündungen, Blutungen und Geschwüre, die Ausdruck von anderen Krankheiten (auch Infektionen) sind.

Ohne Impfungen erkrankten und starben Millionen an heute vermeidbaren Erkrankungen. Ohne Antibiotika war noch manche Infektion tödlich, die wir heute ohne grössere Probleme mit ihrer Hilfe überstehen. Mangelnde Hygiene verschlimmerte die Probleme … allerdings haben wir dafür wesentlich weniger Asthmatiker und Allergiker.

An “hohem Alter” starben sehr wenige … und auch nur wenige an Krebs: die meisten wurden einfach nicht alt genug dafür, ihn zu entwickeln …

Wir nehmen vieles heute als “gegeben”, weil wir es nicht anders kennen. Unter anderem, dass die Leute um uns herum nicht wie die Fliegen sterben. Und das liegt zum Grossteil an der modernen Medizin. Daran, dass wir heute eine Vielzahl von Krankheiten und Gebrechen behandeln und sogar vorbeugen können. Dafür sollten wir dankbar sein.

Und (ja, ich weiss, inzwischen nervt das wahrscheinlich, weil es Wiederholung ist): Wir können uns und unsere Kinder schützen vor einigen gefährlichen Krankheiten indem wir Impfen. Nur weil wir heute nicht mehr direkt erleben und direkt sehen, was diese Krankheiten anrichten (wie zur Zeit des Zeitungsartikel oben), sollten wir da nicht nachlassen und nicht impfen. Ansonsten … bekommen wir doch wieder Gelegenheit dazu Statistiken, wie die oben zu sehen. Einen Fall haben wir ja jetzt schon in Berlin, wo ein Kind an den Masern gestorben ist.

Wie steht’s eigentlich mit Eurem Impfstatus?

Schönen Ystävänpäivä!

Ich Feier heute lieber mit den Finnen: die haben am 14. Februar nämlich Ystävänpäivä – Freundetag.

Darum sag’ heute nicht nur Deinem Liebsten, dass Du ihn liebst, sondern auch Deinen Freunden, wie viel sie Dir bedeuten.

pillheartbeat

 

Für den Blog hier, möchte ich ein Herzchen schicken an die vielen lieben Kommentatoren und Besucher, die mir echt ans Herz gewachsen sind. gedankenknick, McCloud, turtle, MrGaunt, BayernChris, nicoretta, kinderdoc, sakasiru, Wolfram (wo bist Du eigentlich geblieben?), dermultiplepapa, SaNi, kelef, Nickel, Hajo, gpsthomas, Irene, ednong, anneinsideoffice, Sebastian, machermama, Aponette, Maggy (weniger fürs Kommentieren, aber ui die vielen Bilder!), otaconc, menschenhandwerkerin, psychiatrietogo, musikhai, und auf anderen Ebenen Hermione, Ulf und und und …. so viele mehr.

An der Stelle auch ein spezielles Dankeschön an Judith, Beatrix und Nathalie. Das war fun!

Danke, dass es Euch gibt!

Impfunwillige Halter

Ich habe nicht so viel mit Tiermedizin zu tun (unsere Apotheke ist nicht darauf spezialisiert), aber manches bekomme ich trotzdem mit, wenn die Patienten über ihre kleinen Lieblinge erzählen. Manches Mal muss ich mir auch an den Kopf fassen, was da an Miss-Information herum ist.

Erst Mal: Ja, Tiere können genauso krank werden wie Menschen auch. Sie bekommen Diabetes und müssen dann Insulin-Spritzen bekommen, manche bekommen auch Krebs, sie können sich den Magen verderben und es gibt eine Menge Krankheiten, die sie haben, die wir im Gegenzug nicht bekommen. Gegen manche dieser Krankheiten gibt es Impfungen. Ich persönlich würde ja daruf hören, wenn mir der Tierarzt eine Impfung für die Katze oder den Hund empfiehlt, aber auch da gibt es Impfverweigerer. Natürlich nicht die Tiere selber, sondern die Halter.

Manchmal hören sich die Gründe noch halbwegs vernünftig an – wie bei der Katzenhalterin, die ihre Katzen (3 Stück) nicht geimpft hat, weil das ja reine Hauskatzen sind und nicht in Kontakt mit anderen Katzen kommen.

Das stimmte – bis zu dem Zeitpunkt, als die Frau ins Spital musste und -mangels Nachbarn, willigen Verwandten oder Freunden, die die 3 aufnehmen konnten- einen Platz für sie suchte. Stellt sich heraus, dass Tierheime und andere Tierhorte keine ungeimpften Tiere aufnehmen.

Und dann war da noch die Tierhalterin, die nicht impfen wollte, weil sie nicht wollte, dass ihr Hund autistisch wird.

Mal abgesehen davon dass ich nicht weiss, ob Hunde überhaupt autistisch sein können, der Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus wurde inzwischen mehrfach widerlegt und der ehemalige Arzt (inzwischen mit entzogener Probation), der den Zusammenhang erst überhaupt hergestellt hat (lies: Studien manipuliert dafür) wurde extern dafür finanziert (lies: geschmiert für seine Falschaussagen.)

Die Tierhalterin hatte keine eigenen Kinder, also übte sie ihre Impfunwilligkeit einfach per Hund aus.

Katzenseuche und Hundeseuche sind reale Krankheiten mit oft üblem Ausgang (die Tiere erbrechen und haben blutigen Durchfall, oft bis zum qualvollen Tod) … aber davon könnte ein Tierarzt hier sicher mehr erzählen – und auch von den unwilligen Haltern.

Was ist schon Allgemeinwissen?

Frage an die Ärzte (auf Reddit): Was musstet ihr einem Patienten sagen, von dem ihr dachtet, es sei Allgemeinwissen?

Das wurde ein Riesen-Thread auf dem Forum … das hier sind Sachen, die mehrmals genannt wurden:

  • Frauen urinieren nicht aus der Vagina. Ja – da unten gibt es 3 „Löcher“.
  • Die richtige Art sich nach dem Toilettengang zu putzen vermeidet Harnwegsinfektionen bei Frauen: von vorne nach hinten.
  • Kondome darf man nicht wiederverwenden, indem man sie nach Gebrauch wendet.
  • Zäpfchen sind vor Anwendung aus der Folie zu schälen.
  • Um Schwanger zu werden, muss man ungeschützen Geschlechtsverkehr haben.
  • Nicht mit dem Bauchnabel und nicht Anal.
  • Um nicht schwanger zu werden sollte man Verhütungsmittel richtig anwenden. Spülungen mit Cola, Aspirin vaginal oder auch nur hüpfen, damit es rausläuft – funktioniert nicht.
  • Frauen bekommen keinen Prostatakrebs – auch nicht nach 50.
  • Wenn der Arzt sagt, es ist eine Fraktur, meint er der Knochen ist gebrochen.
  • Krebs ist nicht eine einzelne Krankheit, es ist ein Überbegriff.
  • Antibiotika helfen nicht gegen Virusinfektionen.
  • Rauchen ist ungesund.
  • Auch venöses Blut ist rot. (Doofe medizinische Diagramme)
  • Impfen macht keinen Autismus.
  • Auch männliche Tiere haben Brustwarzen (Nippel).

Nachdem ich den Post dort gelesen habe kommt mir (wieder) die Idee: ausser der Sexualkunde und Biologie wären ein paar Stunden medizinisches Grundwissen in der Schule auch keine schlechte Sache.

Sie gegen uns – wir gegen sie

Seit geraumer Zeit beobachte ich mit wachsender Sorge, was in der Welt vorgeht.

Ich bin nicht jemand, der politisch sehr aktiv ist. Ich bin nicht jemand, der sehr religionsgläubig ist. Aber ich bin jemand, der daran glaubt, dass ein jeder gewisse Rechte und Freiheiten haben sollte.  Mann oder Frau, egal welche Hautfarbe und egal welchen Glaubens.

Was mich bei den aktuelleren Entwicklungen besonders besorgt ist, wie radikale Gruppierungen es immer mehr schaffen, die Welt zu trennen in „uns“ und „ihr“. Dabei geht es nicht einmal so sehr um die Religion – obwohl sie die sehr wohl als praktisches Vehikel nutzen. Dabei geht es darum Glaubens- und Rechtsvorstellungen, die irgendwann im Mittelalter aktuell gewesen sein müssen, in die Neuzeit zu holen und zu installieren. Fundamentalismus nennt sich das populär.

Es geht darum Frauen zu unterdrücken. Ja – jetzt nennt mich eine Feministin. Vielleicht bin ich das, aber das ist das was ich sehe: Es geht darum Männern viel mehr Rechte und alle Macht zu geben. Es geht immer um Macht bei Konflikten – aber selten ist es so deutlich wie hier. Nach allem, was ich da sehe, sind Frauen in ihrem Weltbild nur noch Beiwerk und zu nichts da als die „legalen“ Anhängsel der Männer zu sein und natürlich um Kinder zu bekommen. Sie dürfen nicht wählen, keine Machtpositionen innehaben, man spricht ihnen das Recht ab selbständig zu sein, zu arbeiten, sogar selbständig unterwegs zu sein. Dafür hält man sie von der Bildung fern. Dafür macht man sie zu Ware, die man kaufen, verkaufen, schon als Kind verheiraten oder überhaupt gegen ihren Willen verheiraten und befehlen kann.

Aber es geht nicht nur um die Rechte der Frauen. Etwas versteckter werden auch die Rechte der Männer eingeschränkt. Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, sexuelle Selbstbestimmung, Bewegungsfreiheit …

Das Ganze mit Zuckerguss überzogen, der sich Religion nennt. Der die Männer (vor allem) belohnt, die dem folgen, was andere in den Schriften als Gesetz und Gottes Wille ausgelegt haben. Sie bekommen die Frauen, sie bekommen die Macht und die Möglichkeiten.

Dabei geht es hier nicht ausschliesslich um die Religion … und genau DAS ist der Knackpunkt.

Der IS, der Islamische Staat trägt das ja schon im Namen: Islam. Aber (noch einmal) die Religion ist nur der Zuckerguss auf dem Grundgerüst mit dem tiefgreifende Änderungen in der Gesellschaft gebracht werden sollen. Änderungen, die vor allem Frauen rechtlich zurück ins Mittelalter stossen.

Und es wird so „vermarktet“ – oh, Ja. Dschihad – die „Anstrengung auf dem Weg Gottes“ wird zum „heiligen Krieg“ deklariert. Gegen (denn ein Krieg ist immer gegen) die Ungläubigen und Anders Denkenden.

Die IS ist besonders gut darin, einen Keil zu stossen in die Gesellschaft. Sie benutzen die modernen Medien und sozialen Kanäle für ihre Vorstösse.

Dabei stellen Sie die Religion in den Vordergrund … eine Rechtfertigung, der auch bei weitem nicht alle Angehörigen genau dieser Religion folgen.

Dabei puschen sie gerade diese Angehörigen, sich zu ihnen zu bekennen (laut oder auch duldend) … und dadurch ihrer Rechtsauffassung Vortrieb zu geben.

Und auf der anderen Seite bringen sie immer mehr dazu den Islam als ganzen negativ anzusehen. Was wir hier in der letzten Zeit vom Islam hören kommt leider fast ausschliesslich von dieser Seite.

Boko Haram in Nigeria, die Dörferweise Leute umbringt und Häuser verbrennt, die nicht ihren Vorgaben folgen wollen, die Schulen überfällt, weil Frauen dort Bildung erhalten, und die Frauen versklavt. Wir hören von Anschlägen durch die Taliban in Schulen Indiens – nur weil dort Mädchen unterrichtet wurden. Über 100 Kinder erschossen. Die Al Kaida macht Bombenanschläge auf politische Einrichtungen, Attentate auf Touristen als Einnahmequelle eines Landes, die IS überfällt und unterdrückt schon vom Bürger-Krieg gebeutelte Dörfer und annektiert sie als ihr eigen.

Wir hören von Anschlägen in Zeitungsredaktionen, weil die Karikaturen veröffentlicht haben von Mohammed. Das ist laut den Islamisten verboten, da Lästerung.

An der Stelle möchte ich erwähnen, dass es auch in der Bibel sehr prominent eine Stelle gibt, die Bilder von Gott verbieten. 10 Gebote und so: „Du sollst Dir kein Bildnis von mir machen“. Und es gibt auch auf christlicher und jüdischer Seite Bestrebungen, die eindeutig als fundamentalistisch, als “Schritt zurück”, anzusehen sind – Beispiel Kreatinismus, Beispiel Sexuelle Selbstbestimmung.

Etwas wie Karikaturen oder mediale Äusserungen als Grund für einen Anschlag anzugeben ist … eine Ausrede. Aber was so Terrorakte bewirken sollen, ist ein Klima der Angst, der Unsicherheit zu schaffen. Und Diskussionen auszulösen, ob das wohl nicht doch etwas selbstverschuldet war von den Karikaturisten, da sie ja wussten, dass das von manchen als Affront aufgefasst werden würde. Das Argument ähnelt in meinen Augen etwas dem, wie man manchen Frauen vorwirft, sie hätten sich zu freizügig angezogen und tragen deshalb Mitschuld an der Vergewaltigung.

In beiden Fällen braucht es neben dem Opfer den Täter – der gewaltbereit genug sein muss, oder irre genug, das auch zu tun. Und gewaltbereite Extremisten scheinen sich auszubreiten. Sie machen die Welt zu ihrem Kriegsgebiet. Momentan vor allem die islamischen Staaten selber, aber das kommt auch immer mehr zu und nach Europa.

Wo fängt das an? Das fängt an bei unzufriedenen Jungen, die das Gefühl haben, ihnen fehlt etwas im Leben. Ein Gefühl, das wohl noch einige haben, bei manchen vielleicht auch nicht grundlos. Vielen fehlt es an Zukunftsperspektive. Es fehlt vielleicht an Arbeit oder auch nur der Motivation. Man weiss nicht so genau, ist das wo ich bin richtig für mich? Vielleicht gibt es da besseres? So mancher auf der Suche nach sich und einer Zukunft hat dabei die Religion für sich entdeckt. Manchmal nicht die der Eltern – gelegentlich auch einfach eine extremere Version davon. Die macht es einem oft auch einfacher, wird einem da doch deutlich gesagt, was jetzt richtig und falsch ist. Es gibt einem eine Zukunftsperspektive … sogar über das Leben hier heraus. Das gilt nicht nur für junge Männer, sondern auch für junge Frauen. Da winkt ein geregeltes Leben mit Gleichgesinnten. In einem Land, wo man „selber“ die Gesetze gemacht hat und durchsetzt. Und jetzt, in der „Anfangsphase“ kann man sogar noch dafür kämpfen, sich direkt einsetzen, für was man glaubt. Das lockt.

Und wenn man erst mal drin ist, wird man entsprechend weiter bearbeitet und indoktriniert …. ein Umfeld, das einem suggeriert: nur so ist es richtig. Alles was von den Vorgaben abweicht ist schlecht und zu vernichten. Es ist richtig, abweichendes zu vernichten. Menschliches Leben zählt weniger als das, was richtig ist.

Im November 2014 sind diesen Extremisten Weltweit über 5000 Menschen zu Opfer gefallen. Da kann ich nur leer schlucken.

Wir hier in Europa haben ein … mehr oder minder gut funktionierendes gesellschaftliches System. Aber wie alle Systeme, wird das mit der Zeit träge, immer komplizierter im Hintergrund (Bürokratie) und immer starrer. Da gibt es immer mehr, denen das nicht passt und die versuchen da auszubrechen statt Veränderungen auf legalem Weg zu erwirken, was in einem funktionierenden System möglich ist. Unglücklicherweise ist die Reaktion auf derart gewalttätiges Ausbrechen dann natürlich, dass noch strenger eingeschränkt und verfolgt wird. Wir gegen sie. Sie gegen uns.

Und jetzt regt sich also in mir Widerstand. In mir, die sich selber als politisch etwas träge ansieht. Ich reagiere vor allem dann, wenn es mich direkt akut betrifft. Betrifft mich das ganze Szenario hier? Ich denke schon. Immer mehr. Ich lebe in dieser Welt, die in Angst zu versinken droht wegen ein paar wenigen, die anderen ihre Ansichten aufdrücken wollen. Ich bin dafür, dass jeder seine Religion ausüben darf. Ich bin nicht dafür, dass die Vorschriften einer Religion über den Gesetzen eines Landes stehen – speziell nicht, wenn es derartig rückständige Vorgaben sind. Ich liebe meine Freiheit. Ich will dieses Klima der Angst und Aggression das hier bewusst geschaffen wird – durch diese ganzen Terroranschläge nicht …. Und dabei bin ich selber nicht gefeit davor. Das merkte ich zum Beispiel, als ich in den Ferien in einem arabischen Land tatsächlich schlechte Gefühle bekam bei Strassenschildern, die nur auf arabisch angeschrieben waren. Wieso? fragte ich mich. Und dann traf es mich: Man sieht bei uns kaum arabische Schrift – höchstens noch im Fernsehen im Hintergrund auf einem Bild einer Geisel, die kurz danach wohl enthauptet wurde oder auf anderer Dschihad Propaganda. Ja – die funktioniert. Sie löst bei mir (ungewollt) negative Gefühle aus, bei etwas so normalem, wie einem Strassenschild in einer Sprache, die ich nicht lesen kann. Ich will das nicht! Ich will nicht so manipuliert sein. Ich würde gerne viel mehr die Gegenseite sehen. Nicht immer nur das Negative.

charlieBitte liebe Muslime – auch wenn der IS (und Al Kaida und Boko Haram und der Taliban) eure Religion auf den Flaggen tragen: zeigt, dass sie Euch nicht repräsentieren. Zeigt ihnen, dass die Linie, die sie ziehen nicht zwischen Euch und „uns“ ist (ob uns jetzt Christen, Juden, Hindus, Buddhisten, Atheisten, Europäer, Amerikaner oder was auch immer ist). Zeigt, dass ihr auf der Seite von Vernunft und Menschlichkeit steht – jedem Menschen, Mann oder Frau oder Kind. Zeigt das indem auch ihr euch äussert. Indem ihr die Organisationen auf die Seite stellt, die derartigen Extremismus direkt oder auch indirekt unterstützen. Helft uns.

Und für uns alle: es ist wichtig, gerade jetzt in dieser Zeit, dass wir zusammen stehen. Dass wir den Menschen im anderen sehen und nicht die Religion oder die Rasse oder das Geschlecht. Dass auch wir das zeigen, Solidarität miteinander. Menschlichkeit. Vernunft. Toleranz.

So stehen wir zusammen. So wird das „wir“ gegen „sie“ ein „Wir alle“ gegen Terror, Angst und Ungerechtigkeit.

Und nachdem ich die Nacht darüber geschlafen habe, ist mir noch das eingefallen:

Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) empfinde ich als Vehikel für Rassisten, auf das (Mangels Alternative?) leider viele aufspringen, die gegen die Gewalt und das Angstklima protestieren wollen, aber nicht sehen, wie sie dabei so viele Angehörige des Islam vor den Kopf stossen und gerade dadurch auf Seite der Terroristen stellen. Überlegt mal: wie würdet ihr Euch dabei fühlen?

Wer das nicht will: wie wäre es damit?: #gegenfeur : gegen ein fundamentalistisches Europa. Und das Zeichen dafür sollte nicht ein grosser Brand, sondern eine kleine Kerze sein – die werden ja schon aus traditionellen Gründen eingesetzt zum friedlichen Andenken und um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen und es ist etwas, das individuell klein ist, aber in der Menge doch viel Licht und Wärme gibt.

Frohe Weihnachten!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Schickt mir ein Bild Eurer schönsten / liebsten / besinnlichsten Weihnachtsdekoration … für etwas mehr Weihnachtsstimmung im Internet.

Danke an mama mach mal für das weisse Wunder, an Irene für den Baum mit Schwein, an den multiplepapa mit dem Klassiker, Beatrix mit den Wichteln, Sandra für das Bäumchen, Nicole für die Kerzen, Christina für ihren Baum und die Tannenzapfendeko  …