Schlangengift-vergiftung?

Telefon:

beunruhigte Mutter:

“Mein Kind hat alle meine Lachesis C5 Globuli gegessen – ist das Schlimm?”

Ich würde mir da ja keine allzu grossen Sorgen machen, auch wenn es sich bei Lachesis ursprünglich um Schlangengift handelt. In C Potenzen (100er Verdünnungsschritt) ist da wirklich nicht mehr genug drin, dass es auch nur ansatzweise für eine Vergiftung reichen würde – selbst mit dem ganzen Fläschen (30g?) nicht. Beobachten reicht.

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Wie bringt man die Arbeit in der Apotheke und die Familie unter eine Haube? Mit viel Humor natürlich! Ich bin Apothekerin aus der Schweiz schreibe über Interessantes und lustiges in und um die Apotheke. unter: Pharmama.ch

Veröffentlicht am 30/04/2012 in Apotheke und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 23 Kommentare.

  1. Na hoffentlich stehen bei dieser Mutter nicht alle Mittelchen in Reichweite des Kindes. Das nächste Mal geht’s vielleicht nicht mehr gut…

  2. turtle of doom

    Du hast hier einen Fehler gemacht, Pharmama.

    Du hast die Mutter aber unnötige Angst eingejagt, indem du sagtest, es handle sich um Schlangengift. Sag am besten gar nichts mehr, sonst verdienst Du nichts mehr an Leuten, die Plutonium nitricum, Arsenicum oder Excrementum caninum kaufen…

  3. Paracelsus

    Dieser Fall macht wieder einmal deutlich: Die Leute haben keine Ahnung, welcher Mist ihnen mit der Homöopathie angedreht wird. Aber trotzdem wird’s gekauft und für wirksam gehalten.

    • turtle of doom

      Passend zu deinem Nicknamen:

      Alles ist ein Gift, nichts ist ein Gift. Nur die Dosis macht das Gift aus.

      Wenn man ein Heilmittel nicht überdosieren kann (wie im Fall von diesem “Schlangengift”) fragt sich, was welche Dosis man verschreiben soll. “Schluck die ganze Packung auf einmal, hilft sicher besser als nur 2-3 Kügelchen, schaden kanns ja nicht.”

      Tja, was eine vernünftige Dosierung in der Homöopathie? Da gibts nur eine Antwort… jede beliebige!

      Ich finds bedenklich, dass die Homöopathie somit ein Rückschritt ist – in die Zeit *vor* Paracelsus.

  4. Die Verdünnungsstufe beträgt hier 1*10^10. Da ist dann defintiv keine Wirkung mehr zu erwarten, weder positiv noch negativ.

  5. Wums, und die Homöopathie-Basher sind alle wieder da. Pawlow läßt grüßen.
    Ich glaube, in meinem nächsten Blogpost verstecke ich mal C5 und C30, und die Zugriffszahlen werden ins Unermeßliche steigen… (ach nee, ich bin ja nicht google-gelistet.) Als wenn die alle nur darauf warten, irgendwo auf die Kügelchen hämmern zu dürfen!

    Zum Thema: Ich vermute mal, ein Homöopath hätte das etwas anders gesehen.
    Und was heute die Schulmediziniker von Homöopathie sagen, klingt verflixt ähnlich wie das, was ihre Vorgänger vor einigen Jahren übers Händewaschen sagten.

    • Ich seh das so: Lachesis gibt’s auch als … z.B. D6. Was das Kind gemacht hat, ist nicht viel mehr als eine Einmal-Gabe von einer geringeren Potenz, wie z.B. D6. Nein, ich denke wirklich nicht, dass das Probleme gibt.
      Will ein richtiger Homöopath hier etwas anderes angeben? Ich bitte darum.

      • Ein Homöopath wird das sicher mit der Menge anders sehen. Eine C-Potenz einfach auf D-Potenz “umzurechnen” auf Basis der geschluckten Menge, dürfte in der Homöopathie unter Äpfel-Birnen-Vergleich fallen. Sind ja auch andere Indikationen, soweit man davon sprechen kann.

      • C1 und D10 sind bei weitem nicht dasselbe; gerade bei höchsten Potenzen wird am genauesten auf die Dosis geachtet, während eine D6 eher nach Pi mal Daumen dosiert werden kann…

    • turtle of doom

      “klingt verflixt ähnlich wie das, was ihre Vorgänger vor einigen Jahren übers Händewaschen sagten.”

      Während sich das “Händewaschen” (bzw. Desinfektion und steriles Arbeiten) in der Medizin durchgesetzt hatte, wehrt und sperrt sich die Homöopathie dagegen, auf jegliche Kritik einzugehen.

    • Zum “Händewaschen” gab es unzählige Test (heute würde man sagen: Studien) bevor es sich durchsetzen konnte…
      Doch die Homöopathie-Befürworter sperren sich seit Jahren gegen anständige placebokontrollierte Studien!
      Der Nutzen des Händewaschens ist bewiesen – der Nutzen der Homöopathie nicht.

  6. Und selbst wenn das Gift noch in Spuren vorhanden wäre – ich könnte mir vorstellen, so lange im Mund keine Wunden vorhanden sind, dass es spätestens vor der Magensäure kapitulieren muss und es keinen Schaden anrichten kann. Schlangengifte werden von der Schlange üblicherweise per “Injektion” verabreicht, nicht oral *g*.

  7. Da die Wirkung ja umso größer ist, je höher die Potenz, sollte man dem Kind am besten noch ein bis zwei Fläschchen von den Zuckerböllchen hinterher geben, um die Dosis abzumildern.
    Sicher ist sicher.

  8. Solange das Kind nicht weiß, was es geschluckt hat, ist das in der Potenz sicher unschädlich, was immer die Homöopathen sagen mögen.
    Das würde abweichend von einigen anderen ihrer Zunft auch eine mir bekannte überzeugte Homöopathin sagen, das nur nebenbei.

    Ein weiterer Unterschied zur sogenannten “Schulmedizin” istneben der demkbar schlechten Studienlage, dass sich für praktisch alle “schulmedizinischen” Therapien überprüfbare Wirkmechanismens angeben oder finden lassen, das gilt ebenso für’s Händewaschen. Über die Wirkmechanismen der Homöopathie werden hingegen immer mal wieder neue, pseudowissenschaftliche Spekulationen veranstaltet, die sich bei näherem Hinsehen als fundamentale Missverständnisse der dabei zitierten naturwissenschaftlichen Grundlagen erweisen. In letzter Zeit wird gern alles in nebulöses quantentheoretisches Geschwafel verpackt, was den Vorteil hat, das außer ein paar wirklichen Fachleuten niemand was davon versteht, sodass es dem Mainstream nicht weiter auffällt, das auch die Verbreiter dieser obskuren Theorien keine Ahnung davon haben.

    • Der Wirkmechanismus wäre ja ziemlich egal. Auch diverse schulmedizinische Medikamente sind noch nicht komplett verstanden, z.B. bei den Antidepressiva.
      kernproblem ist, dass es leider bei den Homöopathika bisher keine wissenschaftlich anerkannten Studien gibt. Das würde ja schon reichen.

      • Naja, also irgendwie gibt es schon wissenschaftlich anerkannte Studien zur Homöopathie. Die kommen halt zu dem Ergebnis: „nicht wirksam“.
        Ich nehme mal die renommierte Zeitschrift „The Lancet“, die 2005 eine Metastudie zu dem Thema veröffentlicht hat. Zitat: „This finding is compatible with the notion that the clinical effects of homoeopathy are placebo effects.“

        Wenn Du es lesen möchtest (Link geht aufs schweizerische Bundesamt für Gesundheit): http://www.bag.admin.ch/themen/krankenversicherung/00263/00264/04102/index.html?download=NHzLpZeg7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCDdIR9gWym162epYbg2c_JjKbNoKSn6A–&lang=de

        Ansonsten sehe ich das so, dass jeder gerne Homöopathie nehmen kann/darf/soll, wenn er möchte.

        • Danke für den Link; endlich habe ich mal schwarz-auf-weiss den Beweis, dass Homöopathie ein sehr gutes Placebo ist – nicht mehr, aber auch nicht weniger!
          Ist das die vielzitierte Studie, die Couchepin damals in Auftrag gegeben hatte?

          PS: Die “Chögeli” sind für das Kind sicher schädlicher als das Schlangengift… Durchfall? :-)

          • Du wirst auch mit dieser Studie keinen Homöopathen überzeugen können. Diese Mühe lohnt sich nicht. Man wird Dir mit der Argumentation kommen, dass sich Homöopathie nicht über wissenschaftliche Methoden nachweisen lasse, da der Mensch damit „individuell“ und „ganzheitlich“ behandelt werde. Mit dieser Argumentation kann man schließlich jede seriöse Studie universell angreifen.
            Außerdem würde Homöopathie auch bei kleinen Kindern und bei Tieren wirken. Natürlich wird man Dir einen ähnlich seriösen Nachweis wie eine Publikation in „The Lancet“ zu dieser These schuldig bleiben, sondern auf Einzelfallberichte verweisen; alternativ wird man Dir irgendwelche Links im Netz liefern.

            Couchepin kenne ich nicht, so sehr interessiert mich das Thema dann doch nicht.

            Ansonsten: Leben und Leben lassen… :-)

  9. Du hättest die Mutter natürlich auch so beruhigen können: “Dieses hoch sensible Kind hat sich intuitiv selbst behandelt und brauchte genau diese große Menge dieses bestimmten Heilmittels, um ein temporär aufgetretenes Ungleichgewicht in seiner empathischen Reifung zu therapieren.”

    Dabei nicht lachen, nicht kichern und der mutter einreden, dass sie umgehend vorbei kommen soll, um ihre Glaubulivorräte aufzustocken, falls das Kindelein mal wieder intuitiv sein möchte.

  10. Ihr habt ja alle keine Ahnung. Homöopathie wird auch in der Notaufnahme praktiziert:

    Und auch für Notfälle gibt es nichts besseres:

    Strong stuff!

  11. Ich bin kein Fan von Homöopathie und war etwas entsetzt, als meine Schwiegermutter die Kinder in den vergangenen Sommerferien mit Kügelchen gegen alles und jedes behandelt hat. Jede brachte sogar ihr eigenes Kügelchen-Glas zurück mit nach Dubai. Ich muss allerdings zugeben, die Kügelchen haben geholfen. Wann immer ein Kind was hatte, hat es eins gekriegt und fühlte sich sofort besser. Mir wars Recht, Hauptsache sie brüllen nicht. Leider haben sie nach ein paar Tagen die Kügelchen vergessen und nun stehen sie im Schrank und die Kinder brüllen wieder wegen jedem kleinen Autschi….

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