Wechselbad

Heute hatte ich einen seltsamen Tag. Einerseits hatte ich eine Menge gute Interaktionen mit Kunden, viele gute Gespräche, einige „Danke-schön’s“ und ein paar, die gesagt haben, dass das empfohlene Mittel gut gewirkt hat.

Und dazwischen das absolute Kontrastprogramm, ein paar Kunden, denen man es einfach nicht recht machen konnte.

Im Normalfall ist es eher entweder oder den Tag lang – da weiss man, was man hat (auch wenn es mal nicht gut ist) und nicht so ein Wechselbad der Gefühle.

Am schlimmsten fand ich die eine, die die Pharmaassistentin wegen einem komischen Ausschlag am Finger ausquetschte. Was sie ursprünglich verlangt hat ist ein Fingerling – so ein Kondomartiges Gummiding, um den Finger vor Feuchtigkeit zu schützen.

Als sie sah, dass ich frei war, wendete sie sich praktisch mitten im Gespräch von der Pharmaassistentin ab, um mir den Finger unter die Nase zu halten: „Was kann ich da noch machen?“

Ich schaute mir den Finger an: gerötet, am Rand schuppig, Nagel auch betroffen: weiss und verdickt, dazu eine allgemeine Entzündung, stellte ein paar Fragen:

Wie lange?  – Schon lange.

Beisst es?  – Nein.

Haben Sie sonst Allergien? Neurodermitis? Psoriasis? – Nein.

Was haben sie schon ausprobiert? – Viel. (Hmmpf, geht es etwas genauer?)

Hat irgendetwas davon geholfen? – Das Cortison, das ich nehme.

Wie lange schon? – Ein paar Wochen.

Ganz offensichtlich ist es aber noch nicht weg. … und wochenlang würde ich nicht eine Kortisoncreme auftragen, das dünnt die Haut aus und wenn es eine Infektion ist ….

Böser Blick: Ich weiss.

Für mich sah der Ausschlag weniger aus wie ein Ekzem, mehr wie ein Pilz – auch etwas schuppig und ihr Nagel ist auch verdickt, ich sage ihr das. –  Nein. Es ist kein Pilz.

Haben sie es denn testen lassen beim Arzt? – Ja.

Und? Was sagt der denn? – Es waren verschiedene Ärzte und keiner hat mir gesagt, was es ist – die sind sich selbst nicht einig.

Ein Mittel zum auftragen will sie aber nicht mal ausprobieren (Nein), auch mein Hinweis, dass- wenn es nach mehreren Wochen Cortison nicht wirklich besser ist, es sinnvoll wäre mal etwas anderes zu probieren (Nein!) – und dass ich den Finger auch nicht unbedingt in Plastik hüllen würde – etwas luftdurchlässiges … wieder unterbricht sie mich: – Nein. Das ist gut so!

… nachdem ich merke, dass was immer ich sage, nicht ankommt, gebe ich die Beratung auf und verabschiede mich kurz um mich anderen Kunden zuzuwenden.

Sie (sauer) beim zahlen des Fingerlings zur Pharmaassistentin: „Manchmal geben die Apotheker gute Tipps. Ich dachte sie könnte das auch“

Kann ich – wenn man mir zuhört und nicht immer nur „Nein“ sagt.

Ich hatte schon Kunden mit ähnlichen Hautproblemen, denen haben zum Beispiel Umschläge mit Schwarztee enorm geholfen – aber das braucht am Anfang etwas Überzeugungsarbeit und Anleitung … und nachdem die nette Frau so abweisend zu mir war – Nee.

10 Kommentare zu „Wechselbad

  1. Apropos Schwarztee:
    Ich hatte mal am einen Augenlid so einen „Bollen“ (schweizerdeutsch für knotenartiges Gebilde unter der Haut).
    Frage ich meine Schwester, die gerade zur Hand war, was ich da machen könne. Antwort: „Schwarztee Beutel auflegen“. Ich denke noch, was für ein Schwachsinn.
    Also ab zum Arzt.
    Ca. CHF 120.- später habe ich dann zwei Optionen.
    Option 1: Augenspital > Augenlied umklappen > rausschneiden.
    Option 2: Schwarztee Beutel auflegen.

    Habe die Schwarztee Option gewählt. Nach zwei Wochen immer noch keine Wirkung.
    Iregndwann wars dann weg. Seit dem habe ich ein paar Handdtücher mit grossen braunen Flecken zuhause.

    Moral von der Geschichte: Hört auf Eure grossen Schwestern (oder Apoteker/in) und Schwarzteeflecken gehen nicht mehr raus.

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    1. Urseli am Auge? Mit (warmen) Schwarzteebeuteln gehen die tatsächlich schneller weg.
      Lieber Schwarztee als Kamille – das kann eher Allergien machen und es trocknet die Augen/Haut aus.

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      1. Wenn man meinem alten PharmBio-Prof glauben darf, wird die Allergiegefahr der Kamille aber stark überschätzt, da nicht die Kamille selbst, sondern kamilleähnliche Pflanzen als Verunreinigung im Anbau für das Allergiepotential verantwortlich sind.
        In Zeiten von stark geschütztem Anbau in Kulturen und rigider Qualitätskontrolle haben zumindest die kommerziellen Produkte keine hohe Allergiegefahr mehr.

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  2. Hi

    Nur einige ‚Danke Schöns‘? Ich dachte eigentlich immer, das sei die Regel. Ich sage das quasi schon aus Reflex, wenn ich etwas gereicht bekomme; spätestens aber, wenn mir das Wechselgeld zurück gegeben wird, und meist ein kurzes Tschüss, wenn ich dann gehe, egal ob der Verkäufer gerade zuhört oder schon anderweitig beschäftigt ist.
    Das mag jetzt auch nicht wirklich höflich sein, wie gesagt, es ist mehr ein antrainierter Reflex, glaube ich, aber trotzdem…

    Gerade wenn ich mit dem Verkäufer mehr als zwei Worte gewechselt habe, sollten doch die allgemeinen Höflichkeitsfloskeln drin sein, oder?

    Gruß Floore

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    1. Ah, ich dachte weniger an die Höflichkeitsfloskel als an persönliche Rückmeldungen. Du hast schon recht, die allermeisten Leute heute sind doch nett und höflich und sagen „Danke“, wenn man ihnen etwas gibt :-)

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  3. Vermutlich war sie auch bei den Ärzten nicht zufrieden mit der Antwort und hat deshalb gleich mehrere ausprobiert. Anders ist das Verhalten nicht zu erklären. Sie sucht keinen Rat, sondern Bestätigung für ihr blödsinniges Verhalten. Oder zumindest einen Rat, der in ihre Welt passt.
    Solche Kunden würden mich in den Wahnsinn treiben. Hätte ich das „Vergnügen“ mehrmals am Tag, würde sich spätestens der Dritte Kunde irgendeinen nicht extrem höflichen Kommentar einhandeln. Im obigen Fall wäre eine Amputation empfehlenswert gewesen. Aber zum Glück stehe ich ja nicht in der Apotheke.

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    1. „Amputation“ gefällt mir gut; den werd ich mir auch merken… ;-)

      Bei Kunden, die _partout_ nicht zum Augenarzt wollen, sage ich immer gerne: Macht ja nichts – Sie haben ja zwei davon! Aber meist nützt auch das nichts… :-(

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  4. Manche möchten sich einfach nichts sagen lassen oder haben bereits eine Antwort im Kopf, die sie nur noch mal hören möchten.

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