Die ‘Pille danach’ auf Vorrat

Ferienzeit ist Reisezeit und auch wenn ich dafür bin, vorbereitet zu gehen, kann man es auch etwas übertreiben:

Junge Frau: „Ich brauche die Pille danach. Ich gehe nämlich auf Afrika in die Ferien und für den Fall …“
Pharmama: „Ich kann ihnen die Pille danach nicht geben. Gesetzlich gesehen dürfen wir sie erst nach einem Vorfall abgeben. Die ist für „danach“ gedacht und nicht um sie auf Vorrat mitzunehmen!“
Frau: „Aber … was soll ich denn tun, wenn das Kondom reisst oder so? Ich meine, mitten in Afrika kann ich nicht einfach in die Apotheke die Pille holen gehen!“
Pharmama: „Für den Fall dass .. und ich hoffe wirklich, das kommt nicht vor … gibt es auch später noch Möglichkeiten, wenn sie nach den Ferien wieder zurück sind.“
Frau: „Aber ….“
Pharmama: „Wenn sie die Pille danach wirklich auf Vorrat mitnehmen wollen, gehen sie doch zum Frauenarzt und lassen sie sich verschreiben. Dann gebe ich sie ihnen ab.“
(Ausser Zeitmässig ist das kein grösserer Aufwand, da wir ja auch für die Pille danach eine Beratungstaxe verlangen – ein Geldverlust wäre das nicht für sie.)

Also ich denke, wer bereit ist die Pille danach zu nehmen, kann, -falls Kondom reissen würde und falls es gerade die fruchtbaren Tage gewesen wären und falls sie wirklich schwanger würde … nach den Ferien zum Frauenarzt. Es gibt immer noch die wirkliche Abtreibungspille.
Aber das sind ein bisschen viele „Falls“.

Au ja, sie war sauer – aber wie viel Sicherheitsnetz braucht sie denn? Früher gab es das ja auch nicht?
Und am liebsten hätte ich sie noch gefragt, ob sie denn nicht grad die HIV Expositionsprophylaxe mitnehmen will – denn wenn das Kondom reisst … ist eine mögliche Schwangerschaft nur die Hälfte des Problems.

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Über Pharmama

Wie bringt man die Arbeit in der Apotheke und die Familie unter eine Haube? Mit viel Humor natürlich! Ich bin Apothekerin aus der Schweiz schreibe über Interessantes und lustiges in und um die Apotheke. unter: Pharmama.ch

Veröffentlicht am 16. Juli 2009 in Apotheke, Reisen und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 20 Kommentare.

  1. ich denke auch, in Afrika ist die HIV-Gefahr wohl größer als ein ungewolltes Kind. Aber wenn es natürlich schwarz ist …

  2. Ich hab bei den ganzen Verhütungs-Beratungen immer mehr den Verdacht, dass viele Frauen nicht mehr wissen, wie ein weiblicher Zyklus funktioniert und warum.
    UND ich glaube, dass da die Pille dran schuld ist – da wurde den Frauen nämlich eingeredet “Pille schlucken und alles ist gut” bzw. “vergiss den weiblichen Zyklus”.
    Beobachte ich auch im eigenen Bekanntenkreis… nichtmal der Wirkmechanismus der Pille (und damit zusammenhängende Risiken von Wirkungsausfall) sind bekannt *kopfschüttel*

    In Zeiten sexueller Aufklärung ist das schon wirklich traurig.

  3. Allein der Titel des Artikels war schon der absolute Knaller ^^

    Wieviel Liter Wasser passen in so ein Kondom rein? 5?
    Mich würde echt mal interessieren, bei wievielen “Kondom gerissen!”-Fällen tatsächlich ein Kondom gerissen ist.

  4. Ich bin offenbar zu unverdorben und naiv, ich habe tatsächlich angenommen, es gehe um ihren Freund.

    @NK: Kondome versagen manchmal, auch bei sachgemäßer Anwendung. Allerdings dürften eher andere Faktoren für den sehr schlechten Pearlindex verantwortlich sein (falsche Größe, Fingernägel, vor allem extravaginal zu hohe Friktion).

  5. @ Benedicta: Du könntest recht haben, was das (Un-)Wissen heute über den weiblichen Zyklus angeht.

    @NK: das wüsste ich auch gerne (den % Anteil an wirklich gerissenen Kondomen).

    @ emu: eigentlich ist es ja Wurst, ob es um ihren Freund, ihren afrikanischen Freund oder eine Zufallsbekanntschaft geht. Das Ergebnis (und meine Beratung) müssen dieselbe sein.

  6. Wah. Zum Sexurlaub gleich mal die Pille danach bestellen… ich glaube, manche Leute haben schon seltsame Denkweisen.

  7. @Pharmama: der weibliche Zyklus ist auch immer noch ein Tabu-Thema – mit dem Stichwort “Regelschmerzen” kann man sich bei jedem Mann rausreden, die meisten wollen dann nämlich gar nix genaueres mehr wissen :D

  8. Wie wär’s denn mit der Pille “davor”? Wäre für so eine Kundin wohl sinnvoller.

  9. Ich empfehle der Dame a) Aufklärung im Sinne von “es gibt noch vorbeugende Maßnahmen” und b) Aufklärung im Sinne von “sie sollte etwas wählerischer sein und den Afrikaurlaub nicht nutzen, um Größenklischees der Afrikaner zu bestätigen und das mit repräsentativen Zahlen zu belegen. o_O

  10. Also ich habe den Eindruck, die Dame möchte sich in Afrika mal so richtig umsehen und von den Jungs dort verwöhnen lassen.

    Da sie gehört hat, was die Jungs so draufhaben sollen, aber Angst vor einer möglichen Ansteckung hat, möchte sie wohl alle Vorkehrungen treffen, damit sie weder angesteckt noch schwanger wird.

    Ist doch eigentlich recht weitsichtig, oder?

    Viele Frauen fahren heutzutage in Urlaub – z. B. nach Jamaika oder so, um sich so richtig verwöhnen zu lassen. Im Urlaub ist man ja jemand anderes und kann so richtig die Sau rauslassen. Ich habe solcherlei inzwischen auch von einigen afrikanischen Ländern gehört…
    So bessern die Strandgänger ihr Einkommen auf…

  11. Ich bin grundsätzlich auch dafür, dass die Pille danach nur als Notfallverhütung angesehen werden darf und nicht als Grund es mit der normalen Verhütung nicht ernst zu nehmen.

    Aber mal ganz ehrlich! Was ist den so verwerflich daran wenn sie sich für den Afrika Urlaub absichert?! Kann sein, dass es etwas übertriebene Sicherheit ist aber es ist doch nicht verwerflich wenn man für jeden Fall abgesichert sein möchte!
    Die Tatsache, dass sie danach gefragt hat, bestätigt ja, dass sie sich um ihre Verhütung ernsthafte Gedanken macht und heisst doch nicht dass sie ins Ausland gehen möchte um sich halbwegs prostituieren zu lassen! Diese Vermutungen die hier angstellt werden finde ich unangebracht und zeigt eher die verdorbene Fantasie der Forumsmitglieder.

    MIt Kondomen kann man eben mehr Fehler machen als mit der Pille. Aber diese verträgt bei weitem nicht jede Frau, ausserdem bringt sie einige erhebliche Gesundheitsrisiken mit sich! Nicht zuletzt gelangt das Östrogen in unsere Gewässer da die Abwasserreinigungen noch keinen Weg gefunden haben dieses herauszufiltern. Die Folge sind für die Tiere die im Wasser leben und uns Menschen nicht gesund. Deshalb sollten wir doch eine (grundsätzlich) nicht-hormonelle Verhütung unterstützen!

    PS: Zwischen der Pille danach und der ABTREIBUNGSspille sehe ich dann schon noch einen grösseren Unterschied (wie der Name schon sagt handelt es sich dann tatsächlich um eine Abtreibung)! Das kann man keinesfalls gleichsetzen!

    • Nun, nichts gegen den Wunsch sich abzusichern – aber rechtlich gesehen, muss sie damit zum Frauenarzt, denn ich darf (!) es ihr nur als Notfall danach abgeben.

      • Nichts gegen die Vorschriften. Schon klar müssen Sie diese einhalten, das ist ja auch gut so und muss von der Kundin ebenfalls respektiert werden. Meine Kritik richtet sich hauptsächlich an die Kommetare die vor mir gemacht worden sind. Diese Sex-Urlaub-Spekulationen sind ja wirklich haarsträubend und zudem irrelevant was den Fall betrifft…

      • Pharmama: Du schreibst, dass Du der Frau gesagt hast, dass Du ihr die Pille danach nur abgeben darfst, wenn sie gestern einen Unfall hatte und Du sie ihr nicht geben wirst, wenn sie sie prophylaktisch mit in den Urlaub nehmen will.

        Wenn die Dame vernünftig und halbwegs intelligent ist, hört sie sich das bei Dir an und geht dann in die nächste Apotheke und erzählt dem Apotheker, dass “gestern das Kondom geplatzt ist und sie daher die Pille danach bräuchte.” Anschließend hört sie sich die Beratung des Apothekers pro forma halt mal an und hat danach die Pille danach, um sie in den Urlaub mitzunehmen.

        Wie gesagt: Wenn sie halbwegs intelligent ist, geht das dann ja anscheinend in der Schweiz recht einfach!
        Das ist mit so ein Grund, weshalb ich es richtig finde, dass die PD in D verschreibungspflichtig ist und auch bleiben sollte.

        • @ steven: ich bin mir nicht sicher ob das so geht. meine freundin musste die pille danach schon mal einnehmen und dies unter aufsicht der apothekterin. sie konnte die pille nicht einfach so nach hause nehmen.

  12. Genau: im Normalfall lasse ich sie gleich in der Apotheke schlucken. Nix mit mitnehmen.

    • Okay, wenn das in der Schweiz so geregelt ist, dass ich den Kunden zwingen kann, die Tablette gleich zu schlucken, sieht die Sache deutlich anders aus. Finde ich gut!

      In D würde der Kunde einem Apotheker den Kopf abreissen, wenn man ihn “so bevormunden würde”. Die Situation ist zwar so, dass man eigentlich laut Arzneimittelgesetz – bei erkennbaren Missbrauch – die Abgabe eines Medikaments verweigern muss.
      Allerdings ist das praktisch nicht umsetzbar.

      Erfahrungsgemäß wird hier in D alles, was verschreibungsfrei ist, auch abgegeben. 270er Packs Dulcolax, 100er Pack Aspirin, 5 Pack zu 20 Stück Immodium, alles kein Problem. Das ganze vielleicht mit dem Hinweis, dass das nicht gesund ist, was der Kunde da macht (was gerne lächelnd ignoriert wird).
      Die Politik propagiert hier den mündigen Bürger.

      Daher bin ich – als Apotheker – dagegen, dass in D die Pille danach verschreibungsfrei wird. Viele 15jährige kämen auf die Idee, das Ding als Regelmedikament zu benutzen und die Apotheke, die sich weigern würde, das Medikament trotz erkennbarem Missbrauch abzugeben, wäre sofort in der Zeitung.

      Hab es an anderer Stelle schon mal geschrieben: Ich hab irgendwie, wenn ich Dein Blog so lese, das Gefühl, dass in der CH gewisse Dinge die Apotheken betreffend besser gelöst sind.

  13. Guten Tag,

    auch wenn diese Diskussion nicht mehr ganz aktuell ist, so will ich hier auch meine Meinung kundtun.
    Einige der Vorkommentatoren, haben anscheinend keine vollständige Informationen in Bezug auf Verhütung, obwohl sie davon uberzeugt sind.

    @Nicole:
    Dein sarkastischer Tipp mit der Pille “davor” ist sehr unbedacht. Viele Frauen vertragen diese einfach nicht oder möchten Sie aufgrund der (Langzeit-)Nebenwirkungen nicht nehmen. Ich vermute mal, dass du selbst so verhütest, jedoch scheinst du dir ja nichteinmal den Beipackzettel durchgelesen zu haben, sonst würdest du meine Schlussfolgerung evtl. auch in Betracht ziehen.

    @NK
    Wie viele Kondome tatsächlich reißen kannst du dir über den Pearl-Index selbst ausrechnen. Laut einer Studie der Uni Düsseldorf liegt dieser zwischen 2 und 12. Selbst wenn wir nur von der Methodensicherheit ausgehen und den niedrigsten Wert nehmen, so sind wir hier definitiv noch im Bereich des Möglichen.

    @Max
    Es soll auch Menschen geben, die in einer festen Beziehung sind….logische Denkweise?

    @Blogolade
    Schön, dass auch Sie, das Privatleben einer Kundin eines Bloggers so genau glauben zu kennen.
    Falls die Dame noch nicht alle anderen präventiven Verhütungsmethoden ausgetestet hat, dann haben Sie mit Punkt a) natürlich Recht.

    @Hevora
    Vorurteile…

    Wer verantwortungsbewusst ist und sich auf die Verhütung “nur mit Kondom” im Urlaub (hier Afrika…wer weiß ob man diese Pille dort zeitnah bekommen würde) verlassen muss, der handelt wie diese Frau in dem Bericht, nur mit Ausnahme, dass hier natürlich ein Arzt aufgesucht wird, der diese auch verschreiben kann. Alle die ein solches Verhalten als “übertrieben” kritisieren sollten sich erst einmal um Ihre eigene Verhütung kümmern.

    LG

  14. @NK
    Mit meiner letzten Freundin sind mir innerhalb von ca. einem halben Jahr 3 Kondome gerissen. Besonders viel Sex hatten wir nicht (ca. einmal pro Woche).
    Es waren übrigens nur günstige Kondome, Markenkondome nie. Deshalb kaufe ich jetzt auch nur immer teure. Nach Möglichkeit auch welche, die speziell für Analverkehr sind (nicht, weil ich das praktizieren würde, sondern weil die noch dicker und reißfester sind).

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