Gesundheit!

He, he. Ich finde das soooo süss! (Unbedingt mit Ton anschauen).

Aber wusstest Du dass man nach „neuer Knigge“ nicht mehr „Gesundheit“ sagt, wenn jemand in der Umgebung niest? Denn das würde bedeuten dass man der Person praktisch unterstellt, sie sei krank. Was tut man stattdessen? Man ignoriert den Nieser einfach.

Also ich finde das ja doof. Deshalb sage ich auch immer noch „Gesundheit“, neue Knigge hin oder her.

Das Schlimmste …

Ich habe vor ein paar Tagen etwas gehört, was mich mehr mitgenommen hat, als ich wohl zeigen möchte.

In unserer Nachbarschaft hat eine Frau im Geburtshaus ihr Baby zur Welt gebracht. Die Geburt verlief problemlos und die neue Familie konnte ein paar Stunden später nach Hause.

1 Tag später ist das Baby tot.

Ich weiss das kommt vor, aber es ist so unfair. 9 Monate lang trägt man das Baby aus, bringt es unter Schmerzen zur Welt und ist einfach glücklich, dass es da ist. Und dann stirbt es. Einfach so.

Es war nicht einmal der plötzliche Kindstod.  Anscheinend hat sich herausgestellt, dass das Baby einen unentdeckten Herzfehler hatte. Weder der Ultraschall in der Schwangerschaft noch das Abhören nach der Geburt hat etwas gezeigt.

Obwohl mein Innerstes davor zurückschreckt, kann ich mir vorstellen, wie die Frau sich fühlen muss. Ich glaube jede Mutter kann das.  Und jede denkt wohl wie ich: „Bitte nicht meines!“

Mir fehlen einfach die Worte – und ich denke es gibt auch nichts, was diese Frau im Moment hören kann, das es ihr besser geht.

Was hat der Papst mit den Apotheken zu tun?

Auf den ersten Blick nicht viel. Dennoch hat er vor nicht allzu langer Zeit versucht Einfluss zu nehmen, indem er die Apotheker dazu aufgerufen hat, „gewissenhafte Bedenken“ an den Tag zu legen, wenn es um die Abgabe von Produkten geht, die „unmoralische Ziele haben“. Dazu zählt er Produkte zur Abtreibung und Sterbehilfe … und ganz sicher auch alles, was der Verhütung dient, denn der katholischen Kirche nach ist Sex ja hauptsächlich dazu da, sich fortzupflanzen.
Also keine Kondome, keine Verhütungspille und keine ‚Pille danach’ mehr durch die gläubigen Apotheker?

Etwas was bei uns unmöglich scheint, in Amerika, das einiges fundamentalistischer ist, jedoch (leider) schon gang und gäbe ist.
„Sorry, die Pille bekommen sie von mir nicht, das geht gegen meine religiösen Ansichten“.

Ich finde das geht einfach nicht. Wenn man nicht Beruf und Religion nicht trennen kann, dann sollte man sich einen anderen Job suchen – oder gar nicht erst diesen wählen. Wir sollten nicht unsere persönlichen religiösen oder moralischen Ansichten anderen Leuten aufzwingen.

Was würden sie sagen, wenn sie in die Metzgerei gingen und ein Schinkli im Teig verlangen und der Metzger sagt: „Tut mir leid, ich kann ihnen das nicht geben, das geht gegen meine religiöse Überzeugung“. (Die Voraussetzung ist natürlich, dass das eine normale Metzgerei ist und nicht eine koschere).

Dasselbe gilt für Männer, die Kondome kaufen, oder Frauen, die die Pille nehmen, oder abtreiben. Soll ich als Apothekerin ihnen meine (oder die des Papstes) Ansichten und Entscheidungen aufdrücken? Im Endeffekt ist es ihre Entscheidung, und sie müssen damit Leben. Kinder sind keine leichte Entscheidung und ich bin der Meinung, da wir die Wahl haben, ob wir welche wollen, dürfen wir auch wählen – im Endeffekt profitieren auch die Kinder davon, wenn die Mutter sich entscheidet zu warten, bis die Umstände gut sind.

Zur Info: ich bin katholisch erzogen worden. Ich war sogar mal Ministrantin (das sind die Messediener in den netten weissen Kutten, die Kerzen anzünden, Weihrauch schwenken und dem Pfarrer die Hände waschen) – das hat mich aber nicht davon abgehalten einen Freund zu haben und die Pille zu nehmen – was an sich schon ein Grund gewesen wäre mich zu exkommunizieren. Ich halte viel von persönlicher Freiheit und Vernunft … und darum werde ich mich von derartig irrationalen Aussagen eines Religionsoberhauptes nicht beeinflussen lassen in meiner Berufsausübung – so wie die anderen Apotheker in der Schweiz auch nicht (hoffentlich).

Vorsicht: die Schweiz kann ihrer Gesundheit schaden!

Laut einem Artikel in der 20 Minuten Zeitung ist also ein Schweizer Schüler schuld an der derzeitigen Masernepidemie in Österreich. Der Schüler einer Rudolf Steiner Schule – die Anthroposophen sind bekannt dafür, dass sie ihre Kinder nicht gerne impfen – hat also die Masern, die bei uns inzwischen endemisch sind, im Zuge eines Klassenlagers in die österreicherische Waldorf Schule gebracht. Auch dort waren offenbar einige nicht geimpft und so geht die Infektionskette munter weiter. Inzwischen sind es 260 Maserninfizierte in Österreich.

In der Schweiz ist die Lage ungleich bedenklicher. Das Gesundheitsamt warnt auch schon die Euro Besucher, dass sie sich vor dem Besuch gegen die Masern impfen lassen.

Die Situation ist auch bedenklich. Seit Januar dieses Jahr wurden 2000 Fälle registriert. Und die Masern sind nicht die „leichte Erkrankung“, wie sie von Impfgegnern gern dargestellt wird. Weltweit sind Masern der grösste Killer unter den Kinderkrankheiten, die man impfen kann. In der Schweiz ist die medizinische Versorgung sehr gut, deshalb sterben bei uns nicht soviele. Dennoch: Von den 2000 Infizierten mussten 130 wegen der damit verbundenen Komplikationen ins Spital, 80 Patienten hatten eine Lungenentzündung und 6 die gefürchtete Hirnhautentzündung.

Einer meiner Dozenten hat mal gesagt:

„Wenn die Masern Hirnfäule heissen würden, würden wohl auch mehr Personen ihre Kinder impfen lassen! Zum Glück bekommt ja nur ein kleiner Teil der mit Masern infizierten die damit verbundene Hirnhautentzündung – das ist fast wie ein umgekehrter Lottogewinn. Aber ich gehe bei meinen Kindern auch die relativ kleine Chance nicht ein. Denn wenn sie die Hirnhautentzündung bekommen, sind eine bleibende Schädigung des Gehirns mit den dazugehörigen Entwicklungsstörungen, geistiger Zurückgebliebenheit und Lähmungen zu erwarten.“

Darum liebe Leute: impft Euch und Eure Kinder gegen Masern! Je mehr Leute geimpft sind, desto weniger treten solche Epidemien auf.

Hier können sie alles über die Masernerkrankung nachlesen.

Es ist übrigens ein weitverbreiteter Irrtum, dass ein Kind nach dem Durchmachen einer schweren Erkrankung (wie Masern) einen „Entwicklungssprung“ macht. Vielmehr ist es so, dass es durch die Krankheit für deren Dauer in der natürlichen Entwicklung gebremst wird, sobald es wieder gesund ist das Verpasste aber rasch aufholt. Das sieht dann wie ein Riesenschritt in der Entwicklung aus, dabei ist es ein „Aufholen“.

Warum nur? Warum, warum?

Ja, warum kann Junior nachdem er im Tagi gewesen ist, nicht mal eine Nacht ruhig verbringen? Genauso wie heute Nacht. Um 3 Uhr musste er unbedingt was zu Essen haben … sobald wir herausgefunden haben, was das Problem war und ihm ein Fläschchen gemacht haben, war wieder Ruhe. Kriegt er nicht genug zu Essen in der Tagi? Sie haben mir das Gläschen wieder retourgebracht, das ich eingepackt habe, aber ich habe ihnen ja gesagt, er muss nicht unbedingt das essen, solange er genug anderes bekommt. Offensichtlich will er zusammen mit ihnen am Tisch essen – dasselbe wie sie. Kann ich ja verstehen.
Anscheinend klappt das aber nicht – ich muss wohl nochmals mit ihnen sprechen.

Jedenfalls brauche ich nach der Nacht eine Aufheiterung. Da kommt mir das hier gerade recht:


Das Lied ist übrigens „The lion sleeps tonight“ von den Tokens.

Beratung für … nix

Heute scheint eine Menge nur über den Preis zu laufen, anstatt über die Qualität. Ich denke, das ist ein Problem, das eine Menge Fachgeschäfte haben werden, nicht nur Apotheken (mein Mann klagt jedenfalls über dasselbe).

Man berät den interessierten Kunden ausführlich über das Für und Wider eines oder mehrerer Produkte – und dann geht der Kunde mit dem Wissen in den Discounter, weil er dort das Produkt (oder ein ähnliches) ein paar Franken günstiger kriegt.

Man beansprucht also die Zeit und das Wissen der Fachperson und der Dank für diese Dienstleistung  ist gar nichts.

Es mag schon sein, dass man für Produkte in der Apotheke mehr zahlt als -sagen wir mal im Supermarkt. Man sollte allerdings bedenken, dass es meist einen Grund dafür hat. Zum Beispiel die inzwischen weitverbreiteten und freiverkäuflichen Mineralstoff- und Vitaminpräparate. Denken sie ernsthaft, dass die Präparate die sie frei in der Migros oder dem Coop aus dem Regal nehmen können gleichwertig sind wie die, die sie in der Apotheke bekommen? In letzteren steckt eine Menge mehr Forschung und Wissen. So werden z.B. manche Mineral-Salze besser aufgenommen als andere, so dass 300 mg Magnesiumcitrat nicht gleichwertig sind mit 300 mg Magnesiumcarbonat. Manchmal macht auch tatsächlich das Verhältnis verschiedener Mineralstoffe den Unterschied oder auch die verwendeten Hilfsstoffe.

In dem Zusammenhang möchte ich die Geschichte einer befreundeten Apothekerin erzählen, die im Keller der Apotheke, wo sie zum arbeiten einsprang, diverse Packungen Vitamin C Brausetabletten aus der Migros gefunden hat. Sie waren in einem Regal, angeschrieben mit „Placebo Brausetabletten„.

Nun, Placebos sind Medikamente, die keinen Wirkstoff enthalten, sie werden in der Forschung eingesetzt als Vergleichspräparate oder (selten) vom Arzt verschrieben, wenn der etwas ausprobieren will. Aber wie gesagt: Placebos enthalten keinen Wirkstoff, deshalb war meine Kollegin erstmal entsetzt als sie die Packungen gesehen hat. Als sie jedoch die Inhaltsangaben gelesen hat, hat sie verstanden. Mit der geringen Menge Vitamin C (=Ascorbinsäure) in den Brausetabletten, geht alles bei der Bläschenentwicklung der Brausetablette drauf. Denn die Bläschen entstehen, wenn Natriumcarbonat mit Säure (in dem Fall die Ascorbinsäure) zu Kohlendioxid zersetzt wird. Also hat man am Schluss ein Glas Sprudelwasser ohne Vitamin C.

Clever, nicht? Und für den Laien kaum zu merken.